Heute gibt es bei Spiegel-Online einen Beitrag mit dem Titel “Wie man den Blitz gekonnt einsetzt“.
Für den Artikel hat man einen Profi-Fotografen bemüht: Michael Hennemann, der auch Autor des Buches „Digitale Fotografie – Der Meisterkurs: Für Könner, die noch weiter wollen„ (Leseprobe hier) ist, und der auch ein Buch mit dem Titel „ Landschaftsfotografie – Der Meisterkurs: für Könner, die mehr können wollen “ zu verantworten hat.
Michael Hennemann macht sicher schöne Kanuwanderfotos (und dafür daß ich die altbacken und langweilig finde kann er nicht), aber das, was er auf seiner Website so zeigt legt nicht den Eindruck nahe, daß die Arbeit mit Blitzen zu seinen Spezialgebieten zählt. Der Spiegel-Online Artikel und auch die Leseprobe aus seinem Buch sind in der Folge leider nicht mehr als das, was seit Jahrzehnten in fast allen Büchern passiert die einem versprechen, daß man mit Ihnen photographieren lernen würde.
Ein Beispiel aus dem Spiegel-Online-Artikel:
Für den richtigen Einsatz des Blitzgerätes und für optimale Belichtungen bei der Fotografie mit Blitz ist es daher wichtig, sich klarzumachen, wie sich bestimmte Einstellungen auf das Foto auswirken:
* Die Wahl der Blende beeinflusst sowohl das Blitz- als auch das Umgebungslicht in gleichem Maße.
* Die Verschlusszeit dagegen ist immer länger als die extrem kurze Leuchtdauer des Blitzlichts und hat daher nur eine Auswirkung auf den Anteil des Umgebungslichts in der Gesamtbelichtung, der Anteil des Blitzlichts dagegen wird nicht beeinflusst.
* Die einzige Möglichkeit, um den Anteil des Blitzlichts innerhalb der gesamten Lichtmenge des Fotos zu verändern, besteht in einer Reduzierung der Blitzleistung.
Auch in Sachen Prozentrechnung hapert es. Das Ganze sind immer 100%. Wenn ich bei einer 50%/50% Mischung von zwei Komponenten, von einer Komponente die Hälfte wegnehme, dann steigt der Anteil der anderen Komponente von 50% auf 66%. Der Anteil ist immer relativ zur Gesamtmenge und die Gesamtmenge ändert sich bei jeder Änderung des Anteils einer beliebigen Komponente. Also kann man den Anteil der Blitzleistung auch verändern, indem man den Anteil des Umgebungslichtes erhöht oder reduziert. Und natürlich läßt sich der Anteil des Blitzlichtes nicht nur durch eine Reduzierung der Blitzleistung, sondern auch durch eine Steigerung der Blitzleistung verändern.
Wenn man durch Erhöhen oder Vermindern einer Komponente das Verhältnis ändert, darf man aber nicht vergessen, daß man damit auch die die Gesamtmenge geändert hat. Stellen wir uns mal ein Motiv vor, das durch zwei Glühbirnen und zwei Blitzgeräte (mit fester Leistung, die beide auf 50% stehen) perfekt ausgeleuchtet wird. Macht man jetzt eine Glühbirne aus müßte man eines der Blitzgeräte auf 100% drehen, um wieder die selbe Menge Licht zu haben. Oder man müßte die Belichtungszeit/Blende der Kamera dementsprechend anpassen.
Warum ich solche Bücher nicht mag und wünschte ich hätte nie eines davon gelesen, erkläre ich demnächst mal. Bis dahin ein Zitat aus dem besten Buch zum Thema Photographie das ich bisher gefunden habe:
Learn from the best; the second-raters have nothing to offer.
- David Hurn, On Being a Photographer : A Practical Guide by David Hurn, Bill Jay , ISBN: 1888803061
[...] ist ja nicht das erste mal, daß ich Artikel bei Spiegel Online zum Thema Photographie enttäuschen finde. Vielleicht ist es keine wirklich gute Idee gewesen, daß man bei Spiegel-Online Phototechnik [...]