
Ich weiß ja selbst wie das ist: Dicke schwitzen schneller und mehr und so. Und das kann schon nerven, weil man sich ja naßgeschwitzt im Wind erkälten kann und sich auf dunkler Kleidung dann auch irgendwann eine Salzkruste bildet und man dann aussieht wie ein Zebra, wie ein dickes Zebra.
Jürgen Banzer, der Hessische Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit, dürfte grob geschätzt noch etwas schlimmer schwitzen als ich. Aber das man deswegen gleich für ein ganzes Bundesland Hitzewarnstufen ausruft und man, nur weil es diese Woche an drei Tagen nacheinander 30-32°C geben wird sogar die Hitzewarnstufe 2 ausruft finde ich dann doch etwas übertrieben.
Irgendwie kommen einem doch Zweifel an der Lebensfähigkeit der Bevölkerung dieses Landes, wenn schon normales Sommerwetter in die Nähe von Pandemien und Naturkatastrophen gerückt wird und man Überlebenstips rausgibt, die irgendwie an die Merkblätter zum Verhalten bei Atomangriffen erinnern. Wie haben unsere Eltern und Großeltern bis heute überleben können? Wie konnten wir als Kinder 40°C im Sommer überleben und das sogar toll finden?
Wenn man sich aber man das Merkblatt hier anschaut, dann trägt das den spannenden Titel:
KLIMAWANDEL UND GESUNDHEIT
Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen sommerlicher Hitze und
Hitzewellen und Tipps zum vorbeugenden Gesundheitsschutz
Und wenn man dann noch die folgende Pressemitteilung gelesen hat, dann kann man allerdings auch irgendwie den Eindruck gewinnen, daß die Klimakatastrophe kein größeres Problem ist, wenn man einfach ordentlich kalte Getränke bevorratet und dafür sorgt, daß die Omas und Opas in den Heimen im Schatten stehen.
Und was kaltes Trinken ist ja irgendwie auch viel weniger stressig als sich Gedanken über den eigenen CO2-Ausstoß zu machen, oder?
29.06.2009 – Pressemitteilung
ab Donnerstag Hitzewarnstufe 2
Wiesbaden. Bei den derzeitigen Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes wird das HMAFG (Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit) ab Donnerstag dieser Woche erstmals in diesem Jahr die Hitze-Warnstufe 2 ausrufen, nachdem ab dem heutigen Montag, 29. Juni 2009 bereits Hitzewarnstufe 1 gilt. Sollte die Hitze-Warnstufe 2 aufgrund einer Veränderung der Wetterlage entfallen, informiert das HMAFG umgehend. Die Hitzewarnstufe 2 gilt aufgrund einer anhaltend starken Wärmebelastung von mehr als drei Tagen in Folge. Die fortdauernde starke Wärmebelastung erhöhe die Gefahr gesundheitlicher Beschwerden für die gesamte Bevölkerung. Staatsminister Jürgen Banzer appellierte deshalb an alle Bürgerinnen und Bürger, ihr Verhalten an diese Belastungssituation anzupassen.
Er verwies auf verschiedene Verhaltensmaßregeln, die bei den anhaltenden hohen Temperaturen zu beachten seien: „Halten Sie sich in kühlen Räumen auf, vermeiden Sie körperliche Aktivitäten, halten Sie die Fenster tagsüber geschlossen und öffnen sie erst nachts zum Lüften.“ Darüber hinaus sollten vor allem leichte Speisen verzehrt werden und viel getrunken werden. Alkoholische, koffeinhaltige oder stark gezuckerte Getränke seien dabei nicht zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs geeignet, geachtet werden müsse auf einen Ausgleich des durch Schwitzen bedingten Salzverlustes.
Über die hessischen Heimaufsichtsbehörden sind die Alten- /Pflegeheime und Heime für Menschen mit Behinderungen zu verstärkten Anstrengungen zum Schutz der ihnen anvertrauten Menschen aufgerufen. So muss der Gesundheitszustand der Heimbewohner regelmäßig kontrolliert werden. „Wichtig ist, dass sich die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner nicht in zu warmen Räumen aufhalten oder zu wenig trinken“ sagte Staatsminister Jürgen Banzer. Die Umsetzung der Maßnahmen wird von der Heimaufsicht kontrolliert.
Da jedoch nur jeder dritte pflegebedürftige Mensch in Hessen in einem Heim lebt, appellierte Jürgen Banzer auch an die Pflegedienste und die pflegenden Angehörigen, auf die anhaltend hohen Temperaturen zu reagieren. Zur Unterstützung dieser Pflegebedürftigen, aber auch grundsätzlich zur Aufmerksamkeit gegenüber den besonders gefährdeten älteren Menschen mit Herzkreislauf- oder Atemwegserkrankungen seien Angehörige, Nachbarn sowie die betreuenden Ärzte aufgerufen.
Die aktuelle Warnsituation kann von der Bevölkerung auf der Interseite des DWD (www.dwd.de ) abgerufen werden. Hinweise für Maßnahmen zur Vermeidung von Gesundheitsbeeinträchtigungen bei Hitze sind im Internet unter www.hmafg.hessen.de/Gesundheit/krankheitenundvorsorge; www.rp-giessen.de mit der Bezeichnung „Hitze – Handlungsempfehlungen für die Praxis“ zu finden.