Die Gruenen wollen das Urheberrecht abschaffen…

26 11 2011

Es erinnert mal wieder an den hochrangigen Vertreter der Piratenpartei, der mir mal erklärte, daß Urheber sich mit den Einnahmen aus Kino und Live-Konzerten zufrieden geben sollten und alles andere umsonst sein müßte. Immer wenn mich etwas daran erinnert wird mir übel.

Der Bundesvorstand der Grünen bringt auf dem Parteitag dieses Wochenende einen Leitantrag ein, der u.a. vorsieht das Urheberrecht auf fünf Jahre zu beschränken.

D-02__offenheit_freiheit_teilhabe_die_chancen

Eine deutliche Verkürzung bzw. Flexibilisierung der Schutzfristen z.B. auf fünf Jahre muss mit der Möglichkeit der Neuverhandlung einhergehen. Das bedeutet:

Eine fünfjährige Schutzfrist ab Veröffentlichung mit anschließender, gebührenpflichtiger mehrmaliger Verlängerungsoption. 

Im Kampf um die Wähler der Piratenpartei haben die Grünen jetzt das Urheberecht auf’s Korn genommen und möchten uns Fotografen (und alle anderen Urheber) gerne nach fünf Jahren enteignen. Nein, eigentlich würden sie es im Rahmen des beliebten “Piratenpartei-Freibier-Populismus für kostenlose Musik und Filme im Internet” gleich sofort tun, lassen es uns aber gnädigerweise fünf Jahre, damit wir uns die Einnahmen, aus den Konzerten und so, noch etwas aufbessern können und wir nicht noch abends im Supermarkt Regale einräumen müssen, um unser Hobby Fotografie zu finanzieren:

“Durch eine befristete Exklusivität der Nutzungsmöglichkeiten für die UrheberInnen soll das  Urheberrecht bspw. den SchöpferInnen ermöglichen, als Baustein der Finanzierung, von seinem Werk selbst angemessen finanziell zu profitieren (soweit er/sie dies will) und nicht  nur von damit verbundenen indirekten Einnahmen (z.B. Auftritte, Merchandise, Vermarktung der Persönlichkeit etc.). Somit soll sichergestellt werden, dass KünstlerInnen  die Möglichkeit haben, sich auf die Erschaffung neuer Werke konzentrieren zu können und nicht zur Ausübung eines weiteren Berufs, der nicht seiner/ihrer künstlerischen oder  kreativen Qualifikation entspricht, gezwungen werden.

Zu behaupten, daß es mir hilft, wenn man mir alle zukünftigen Einnahmen aus meinem bisherigen Werk nimmt, mich “auf die Erschaffung neuer Werke konzentrieren zu können” ist perfide. Da kann man auch sagen, daß Wohnungseinbrüche den Bestohlenen helfen sich auf die Neueinrichtung ihrer Wohnung mit frischen Ideen zu konzentrieren.

Einen Bildband mit dem Lebenswerk eins Fotografen oder Bildern aus einem längeren Werkzyklus würde es nie wieder geben, jedenfalls nicht so, daß der Fotograf noch was dran verdient, denn die Bilder darin dürften alle älter als fünf Jahre sein und es gibt keinen Grund für einen Verlag da dem Fotografen was zu zahlen. Aber eigentlich gibt es keinen Grund für einen Verlag sowas in hochwertigerer Machart als die Katzen-Fotokalender die es aus Billigst-Stock-Schrottfotos für 1,99, überall in den Postfilialen gibt, zu machen, denn man müßte damit rechnen drauf sitzen zu bleiben, wenn ein anderer Verlag sofort die Billigversion nachschiebt.
 
Es ist aber nicht nur das Geld, es geht um mehr.

Es geht auch darum, daß ich bestimmen will, was mit meinen Werken geschieht. Es geht um die Integrität meiner Arbeit. Ich will nicht, daß jeder nach fünf Jahren meine Bilder benutzen kann, wie er mag. Ich will nicht, daß ein Bild, das ich nur machen konnte weil mir Menschen ihr Vertrauen geliehen haben in Zusammenhängen benutzt werden kann, die dieses Vertrauen enttäuschen. Ich will nicht das Wahlkampfplakatmotiv der NPD fotografiert haben, so wie andere ihre Naturfotos die sie für das Greenpeace-Magazin gemacht haben nicht als Motiv der Kampagne eines fragwürdigen Konzerns sehen wollen.

Und nicht zu letzt zeigen solche Texte, wie der der Grünen, daß diejenigen die sich da anmaßen die Leben von Urhebern neu zu regeln, zum einen nur auf billige Klientelpolitik für jene die gerne im Internet alles umsonst haben wollen setzen, um deren Stimmen abzugreifen. Zum anderen zeigt sich aber ein ungeheures Maß an fachlicher Unkenntnis, weil der Eindruck entsteht, daß Urheber entweder milliardenschwere Filmstudios und milliardenschwere Musikkonzerne bzw. stinkreiche Schauspieler und Musiker sind. Das zeigt sich vor allem in dem, auch von den Grünen bemühten, Ansatz, daß Urheber sich gefälligst mit ihren Einnahmen aus Konzerten und Kino (und vielleicht noch dem “Merchandise, Vermarktung der Persönlichkeit etc”.) zufrieden geben sollen.

Fotografen kommen in dieser Glamourwelt-Vorstellung, die Politiker von Urhebern zu haben scheinen, garnicht vor.

Ich habe  keine Auftritte, gebe keine Konzerte…wie auch?

Merchandising? Es gibt keine  Sascha Rheker Fotografen-Action-Figur, keine Bettwäsche, kein Frühstücksgedeck. Merchandsingmäßig geht da nix! So wie es kein “James der Nachwey”-Spielset mit Schutzweste und Plastikhelm für Kinder gibt; und auch die Sebastiao Salgado Schmuckkollektion und Robert Lebecks neue Duftserie lassen noch auf sich warten. Das einzige was wir verkaufen könnten sind Prints, aber die darf dann ja auch jeder von unseren Bildern machen.

Die wenigsten Fotografen bekommen Geld dafür ihre Persönlichkeit zu vermarkten (ich will fotografieren und nicht Amateuren irgendwelche Kurse verkaufen, wie manch anderer das tut). Fotografen verdienen auch kein Geld, indem sie, wie Paris Hilton, doof irgendwo rumstehen oder sich gleich wie Seal (der ja auch für Leica als Fotografendarsteller engagiert ist), Jean-Claude van Damme, Kevin Costner und das mdr-Fernsehbalett für Geld bei Despoten auf dem Geburtstag rumzeigen lassen.

Das all diese tollen Vermarktungsideen wohl eher die Person des Fotografen und seine journalistische Integrität beschädigen würden, als ihm irgendwas einzubringen, mal außen vor. Vielleicht sollte man manchen Grünen Politiker mal mit 2 Kameras und einer “Atomforum Deutschland”-Werbeweste zum Fotografieren zu einem Castortransport schicken.

Und wie würden die Grünen wohl reagieren, wenn die Fotografen auf dem Parteitag erklären würden, daß sie im Rahmen des Merchandising und der Vermarktung ihrer Persönlichkeit alle einen Sponsoren-Vertrag mit der Atomwirtschaft haben, weil man ja von der journalstischen Arbeit allein nicht mehr leben kann, da das Archiv als Altersvorsorge gestorben ist, die Atomwirtschaft aber so gut für lustige und unvorteilhafte Bilder von Claudia Roth bezahlt, daß es egal ist, ob man das Bild vielleicht in 6 Jahren nochmal verkauft bekommt?

Den endgültigen Vogel schießen die Grünen aber ab, wenn dann plötzlich der Urheber Gebühren zahlen soll, wenn er länger als fünf Jahre die Früchte seiner Arbeit ernten will:

Eine deutliche Verkürzung bzw. Flexibilisierung der Schutzfristen z.B. auf fünf Jahre muss mit der Möglichkeit der Neuverhandlung einhergehen. Das bedeutet:

Eine fünfjährige Schutzfrist ab Veröffentlichung mit anschließender, gebührenpflichtiger mehrmaliger Verlängerungsoption. 

Vielleicht kann man bei den Grünen ja noch einen Leitantrag Ausländerpolitik beschließen, mit dem man sich neben den Piratenwählern auch die NPD-Wähler an Land ziehen könnte.

Bleiberecht nur fünf Jahre mit gebührenpflichtiger Verlängerungsoption, Arbeitserlaubnis mit Entlohung nur für bestimmte Bereich, wie z.B. Auftritte, Merchandise, Vermarktung der Persönlichkeit etc., ansonsten kostenloses Bereitstellen der Arbeitsleistung zur Nutzung durch Deutsche….

Immerhin sitzt die NPD in mehr Landesparlamenten als die Piraten.

http://freelens.com/recht/die-gruenen-piraten-vergraben-den-kulturschatz

About these ads

Aktionen

Information

37 Antworten

26 11 2011
gedichteleser

Diese 5-Jahres-Frist ist echt ein Hammer. Wenn ich an Romanautoren denke, die durchaus mal ein bis zwei Jahre an einem Buch sitzen können, und nach fünf Jahren gehören alle Einnahmen den Verlegern, falls man vergisst die Schutzfrist zu verlängern. Zum Glück sind alle Aussagen, die Parteien vor Wahlen machen, nicht das Papier wert, auf dem sie stehen.

27 11 2011
rheker

Nein, man sollte das sehr ernst nehmen.

Wenn erst die Opportunismus-Kanzlerin ihr Fähnchen in den Piratenwind hängt, dann kann das ganz schnell gehen.

27 11 2011
Hackentrick

Bei dem Leitantrag zur Netzpolitik geht es bei der Beschneidung der Urheberrechte übrigens nicht nur um die Existenzgrundlagen von Kreativen und Künstlern. Durch den fallenden Schutz für Geschaffenes wird auch der Zensur eine Tür geöffnet! Ich bin sehr gespannt, wie die GRÜNEN heute auf der Delegiertenkonferenz über den Vorschlag abstimmen werden…

27 11 2011
Heike Rost

http://www.gruene-partei.de/cms/default/dokbin/397/397743.offenheit_freiheit_teilhabe_die_chancen.pdf – hier ist der (vorläufige) Beschluss zu finden (PDF, 180 KB)

Ergänzend ein Beitrag, der verständlich erklärt, warum “Fair Use” gar nicht so fair ist, wie sich das zunächst anhört:
http://frei.djv-online.de/warum-fair-use-unfair-fur-freie-journalisten-und-auch-fur-die-internetindustrie-ist/

27 11 2011
Heike Rost

PS: Ein (kostenloses) Handbuch zum Thema “Urheberrecht in Europa” gibt es hier zum Download: http://frei.djv-online.de/was-gilt-fur-freie-journalisten-beim-urheberrecht-in-europa-ausfuhrliches-buch-informiert-jetzt-kostenlos-zum-download/
(Derzeit als englische und französische Fassung, die deutsche Übersetzung ist noch in Arbeit.)

27 11 2011
Meike

Schön geschrieben, Daumen hoch! Die Grünen haben Angst um ein paar Wählerstimmen und springen auf den Zug des Urheberrechtes auf, weil die Piraten das auch machen. Das alleine ist schon erbärmlich, aber dann auch noch solche Forderungen überhaupt zu diskutieren, setzt dem ganzen die Krone auf.
Wir dürfen, gegen Gebühr, unsere Rechte nach 5 Jahren zurückkaufen, das ist aber nett! Wir sollen doch bitte schön ungehindert weiter so lustig kreativ sein und uns nicht mit Rechten befassen müssen. Immerhin mahnen wir zur Zeit alles ab, was nicht schnell genug aus dem Internet raus ist…
Das Urheberrecht sei zu kompliziert habe ich gelesen. Wenn man alles umsonst habe will, stimmt das, das geht nämlich nicht so einfach und das ist auch gut so. Von was sollen wir leben, wenn alle alles von uns in 5 Jahren doch eh frei nutzen können? Welcher Verlag zahlt denn noch etwas für ein Foto, einen Text, eine Illustration? Und wie großzügig, dass wir doch bitte alleine von Merchandising und Konzerten leben sollen.
Dann entwickel ich mal schnell die neue Didlmaus. Aber wozu, in fünf Jahren kann meine Mais eh jeder Hans und Franz nutzen. Es wird keine neuen Didlmäuse mehr geben, keinen zweiten Harry Potter, keine exklusiven Bildbände aus fernen Ländern, keine neue Musik. Das wäre so in etwa das Szenario, was sich die Grünen wünschen.
Dafür haben wir dann verschiedenste Bushido-Jackson-Grönemeyer-Lieder! Mit kostenloser Software zusammengestückelt. Juhu!
Ich bin dafür, wenn wir schon unsere Rechte nach fünf Jahren abgeben sollen, kann doch bitte alles Eigentum nach 5 Jahren gemeinfre sein. Dann nehme ich mir auch von meinem Nachbarn den Fernseher und die Limousine von Herrn Özdemir, inklusive Chauffeur versteht dich. Gehört ja allen…

27 11 2011
Ben

Das ist schon übertrieben, aber fest steht es noch gar nicht, dass sie es wirklich wollen. Auf jden Fall ist aber klar das das derzeitige Urheberrecht radikal überarbeitet wrden muss. Es passt einfach nicht mehr mit dem Internet zusammen und es kann nicht sein das man wegen jeder kleinigkeit um tausende Euro abgemahnt werden kann.

27 11 2011
peter

ich verstehe zwar deinen ärger, aber mir geht es trotzdem auf den senkel, wenn gejammert wird, ohne gegenvorschläge zu bringen. die grünen kommen mit ihrem vorschlag ja nicht, weil sie fotografen quälen wollen, sondern weil es einen technologischen fortschritt gibt, der fakten geschaffen hat, und es eine stimmung im volk (wir leben nun mal in einer demokratie) gibt, die zu immer größerer zahl eine ‘freie’ kultur will. und hast du überhaupt gar kein einziges illegal kopiertes musikstück auf dem rechner??

27 11 2011
nnoiz

jetzt werden für mich als musiker/komponist nach den pirtaen auch die grünen unwählbar

27 11 2011
Heike Rost

http://www.gruene-partei.de/cms/default/dokbin/397/397743.offenheit_freiheit_teilhabe_die_chancen.pdf – hier ist der (vorläufige) Beschluss zu finden (PDF, 180 KB) Zwar sind die fünf Jahre offenbar vom Tisch, es steckt aber immer noch genug problematisches drin.

27 11 2011
Heike Rost

Ergänzend ein Beitrag, der verständlich erklärt, warum „Fair Use“ gar nicht so fair ist, wie sich das zunächst anhört:
http://frei.djv-online.de/warum-fair-use-unfair-fur-freie-journalisten-und-auch-fur-die-internetindustrie-ist/

27 11 2011
Felix auf Frankfurt

Also, über die Länge der Schutzfristen kann man ja diskutieren, für mich steht aber fest, dass die jetzigen Schutzfristen VIEL zu lang sind. Und die Rechte der Rechteinhaber gehen mir auch zu weit. Mir will absolut nicht einleuchten, dass die ERBEN eines Schriftstellers bestimmen können, wer wenn und wie dessen Stücke aufführen dürfen.

27 11 2011
Marcus

Naja, dann könnten die Grünen ja auch gleich dafür plädieren, die asiatische Produktpiraterie zu leaglisieren.

Warum auch sollen Firmen wie adidas, Nike oder wer auch immer, Geld in Wissenschaft und Forschung investieren. Schadet ja nur, wenn man z. B. nicht passende Schuhe oder Prothesen trägt.

Das dann die Rate an Neuentwicklungen und Patenten zurückgehen dürfte, weil man dafür dann eh kein Geld mehr sieht, ist Euch aber schon klar, oder?

Denn wenn die erst einmal Hand an das Urheberrecht legen, wird’s nicht lange dauern, bis das gleiche mit den Patenten macht.

27 11 2011
Felix aus Frankfurt

@Marcus:

Im Gegensatz zu Urheberrechten ist der Patentschutz aber “nur” 20 Jahre. Außerdem ist die Erteilung eines Patents mit enormen Kosten verbunden und der Patentschutz läuft bei Nichtzahlung einer “Verlängerungsgebühr” vorzeitig aus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Patent#Ende_des_Patentschutzes

So gesehen sind Künstler und sonstige Urheber momentan ungeheuer privilegiert und ich empfinde es als mehr als richtig, dass man mal guckt, ob dieses Privileg noch angemessen ist und wenn ja, in welcher Form. (Wie oben schon geschrieben: Ich bin für einen Schutz von Künstlern und Urhebern, halte das jetzige Maß allerdings für deutlich übertrieben.)

27 11 2011
GB

Wenn ich hier einige Kommentare lese, bekomm ich schon wieder das Kot***:

Felix aus Frankfurt: Wenn Du sowas forderst, dann bitte für alle. Geerbt wurd nicht mehr, wenn jemand stirbt, darf sein Eigentum jeder nutzen. Egal ob Werk oder Haus/Grundstück, Auto oder Geld auf dem Konto.

Ben und Peter: Was muß da unbedingt überarbeitet werden? Es steht jedem frei selber Werke zu schaffen, dei er im Web nutzen kann. Wer fremde Werke nutzen will, der muß eben nachfragen oder es lassen. Was ist daran kompliziert oder schwer?

Die einzige Änderung, die ich wirklich als dringend nötig sehe ist die Abmahnung auf Grund von Formalien, staatlich vorgegebenen Dingen, die unter “wettbewerbsrechtliche Dinge” fallen wie falsches Impressum usw…

Dort müsste allein der Staat Bußgelder verhängen und diese nur auf Grund von Anzeigen Dritter. Daß mit solchen Abmahnungen Geld verdient wird, sehe ich auch nicht ein, denn hier ist auch auf Grund der sich ändernden Regeln und der Unklarheiten die Gefahr groß, daß man “aus Versehen” etwas falsch macht.

Wer aber fremde Werke nutzt, der macht das absichtlich, er weiss, daß die Arbeiten nicht von ihm sind. Warum sollen die Urheber der Werke dafür büssen, daß diese Nutzer keine Kinderstube hatten (wer eine hatte, weiß, daß man vor dem Nutzen fremder Dinge fragt) und dann noch so blöd waren, sich erischen zu lassen?

27 11 2011
Felix aus Frankfurt

@GB:

Es geht mir doch nicht um den Schutz an sich, sondern um das Ausmaß. Und ja, ich finde, geerbte Vermögen gehören stärker besteuert als bisher, eben weil der Erbe keine Leistung dafür erbracht hat. Und der ständige Vergleicht mit dinglichen Gängenständen wird auch nicht besser, je öfter er wiederholt wird.

Also bitte mal den Schaum vom Mund abputzen. :-)

27 11 2011
Franz

Um die Ungeheuerlichkeit dieser Ideen zu veranschaulichen, würde ich gerne einen Vergleich ziehen: Jemand baut sich mit eigenen Händen ein Haus, erschafft also ein (Bau-)Werk. Würde irgendjemand ernsthaft auf die Idee kommen, dass ihm das Haus nach 5 Jahren nicht mehr gehört? Wer ein Werk (welcher Art auch immer) schafft und dadurch Urheber ist, darf doch nicht einfach enteignet werden, nur weil andere weniger kreativ sind und meinen, sie würden das Werk auch gerne haben. Warum sollte jemand die Leistung eines anderen kostenlos nutzen dürfen? Und denken wir doch bitte nicht immer nur so naiv an idealistische, selbstlose Hobbynutzung. Die Realität sieht doch viel mehr so aus, dass unkreative Geschäftemacher sich die Werke andere aneignen und damit Geld machen, obwohl sie selbst keinerlei Leistung erbracht haben (außer sich das Werk eines anderen unter den Nagel zu reißen). Also bitte, liebe Grünen: Schaltet doch mal wieder Euren Verstand, Euer Hirn, Eure Vernunft ein und denkt nochmal darüber nach, was Ihr da fordert …

27 11 2011
Felix aus Frankfurt

@Franz

Der Vergleich mit materiellen Dingen wird einfach nicht sinnvoller: Wenn jemand anders (nach einer angemessenen(!)) Schutzfrist Dein Werk nutzt, ist es Dir ja nicht “verloren”. Es verbraucht sich nicht, wenn mehrere Leute es benutzen. Daher sind solche Analogien bei der Diskussion um einen fairen Ausgleich der Interessen von Allgemeinheit und Urhebern überhaupt nicht hilfreich.

Das gegenteilige Extrem des Grünen-Beschlusses wäre ein unbegrenzes Schutzrecht und das kann keiner wollen: Oder meinst Du, die Gesellschaft würde sich weiterentwickeln, wenn jeder Musiker erstmal dem Erfinder der Notenschrift eine Abgabe zahlen müßte? Oder, noch besser, der Erfinder die Nutzung seiner Notenschrift den Komponisten verbieten dürfte?

27 11 2011
ohno

Nein Franz, die “Ungeheuerlichkeit” bestünde darin, dass das jemand nachbaut.

Wie sagte der Vorvorkommentator so schön: “Und der ständige Vergleicht mit dinglichen Gängenständen wird auch nicht besser, je öfter er wiederholt wird.”

27 11 2011
GB

@ Felix aus Frankfurt:

Warum nicht den Vergleich mit Gegenständen? Dieser wird ja von den Befürwortern der Freigabe auch immer wieder bemüht, um zu belegen, daß den Urhebern angeblich kein Schaden entsteht bei der Enteignung.

Ansonsten geht es nicht um “stärker Besteuern”, sondern um komplette Enteignung. Dir wird Dein Besitz nach X Jahren weggenommen, Deine Erben bekommen gar nix.

Also bei oben genanntem Hausdann auch so, als ob man Dir sagt “Du hast Dein Haus gebaut, nun hast Du es X Jahre lang für Dich allein gehabt, ab jetzt darf es jeder nutzen, ob es Dir gefällt oder nicht. Gnädigerweise darfst Du auch noch mit drin wohnen, aber wenn es Dir zu eng wird oder jemand das Haus beschmutzt oder zerstört, kannst Du nix dagegen machen”.

Ein Schaden entsteht Dir davon ja nicht, das Haus steht ja eh schon da.

Du brauchst jetzt auch nicht damit kommen, daß es evtl nicht abbezahlt ist, für die Enteignung der Urheber interessiert es ja auch keinen, ob diese ihr Werkzeug und Rechnungen bezahlt haben/sie weiter bezahlen können. Du hast ja X Jahre gehabt um das Haus kommerziell zu verwerten, Damit Deinen Gewinn zu machen…

27 11 2011
peter

jaja, immer schön weiter dagegenhalten, ohne irgendwie konstruktiv auf das internet zu antworten. was wollt ihr? das internet abschalten? copyright des 20. jahrhunderts digital nachsimulieren?
und von den pro-urheberrechts-leuten hat natürlich niemand jemals eine musik-cd kopiert oder ein rechtlich fragwürdiges mp3 gehört.


Als Antwort nur dieses:

Klar, kopiere ich ständig Musik-CDs, und sei es nur auf meinen iPod; allein, weil ich keine Lust hab Originale meiner CD-Sammlung im Auto spazieren zu fahren. Wo soll da das Problem sein?

Es geht, wenn Fotografen über Urhberrechtsverletzungen sprechen in der Regel weniger um Kopien, sondern darum, daß Bilder unberechtigt genutzt werden.

Von mir aus darf sich auch jeder gerne einen Artikel mit meinem Bild drin fotokopieren und bei seinem Verein oder so ans Schwarze Brett heften, ja sogar Screenshots/Ausrisse als Pressezitate auf irgendwelchen Homepages finde ich völlig ok. Denn da sind meine Bilder immernoch in dem Zusammenhang, in dem ich das authorisiert habe und für den ich bezahlt wurde.

Und wenn sich jemand ein Bild von meiner Website auf den Desktop zieht oder sich einen Ausdruck ins Büro hängt, weil es ihm gefällt, dann läßt mich das recht kalt. Die Bilder sind da ja zum anschauen.

Etwas anderes ist es jedoch, wenn jemand meint meine Bilder nutzen zu können. Also z.B. das Bild aus einer Zeitung nimmt, um damit die Titelseite seiner Firmenbroschüre oder einen anderen Artikel in einer anderen Zeitung zu illustrieren.

So wie ich auch für eine Nutzung bezahlen müßte (oder zumindestens anfragen muß), wenn ich jemandens Musik z.B. als Hintergrund auf meiner Website nutzen wollen würde.

S.Rheker

27 11 2011
rheker

Diese Gesabbel, daß der Fotograf das Bild ja noch hat, wenn ein anderer es benutzt hat und es deswegen keinen Verlust oder Schaden gibt und sich das nicht verbraucht, kann ich nicht mehr hören?

Ist Schwarzfahren auch ok, solange man die U-Bahn nicht verschluckt oder mitnimmt?

Und ein Bild, daß von anderen benutzt wurde, das verbraucht sich natürlich auch. So wie schon heute der Stern nur in Sonderfällen die Bilder benutzt die am Montag schon im Spiegel gelaufen sind.

27 11 2011
GB

peter: Geht es noch ein bischen flacher? Wieso wird das “Internet abgeschafft”, wenn sich Leute an die Regeln von Anstand und Gesetz halten sollen?

Es steht Dir frei, die Möglichkeiten der Technik zu nutzen und selber Dinge zu schaffen. Das wäre dann auch eine konstruktive Reaktion auf das Internet, selber Dinge zu schaffen und zu veröffentlichen, anstatt sie bei anderen nur klauen zu wollen.

Die Leistungen anderer einzufordern ist keinesfalls kreativ. Wie wäre es, wenn DU mal krativ auf das Internet reagierst?`

Aber es ist ja leider eine Krankheit heutzutage, darf alles nix kosten, aber das Ego muss gefüttert werden mit 10.000 Fans meines “coolen Blogs”. Da werden dann anstatt selber den Arsch hochzubekommen und selber was zu leisten die Werke anderer Leute geklaut ohne auch nur mal nachzufragen.
Und hinterher wird dann rumgejammert, wie böse doch diejenigen sind, denen die Arbeiten gehören (welche man nur ohne zu fragen genommen hat), weil sie was gegen solches Schmarotzertum haben.

BTW: Warum sind eigentlich viele Leute, die in dieser Weise rumjammern, nicht in der Lage die Shift-Taste richtig zu bedienen?

27 11 2011
peter

ich glaube immer noch, dass du schon mal eine musik-cd kopiert oder ein mp3 unrechtmäßig auf der festplatte gehabt hast.

27 11 2011
GB

peter: Glauben kannst Du in der Kirche. Und Deine Argumentation läßt den Verdacht aufkommen, daß Du nicht in der Lage bist, irgendetwas selber aus die Beine zu stellen, was auch nur ansatzweise Kreativität erfordert.

Auf alle Fälle outest Du Dich als jemand, der vom Thema überhaupt keine Ahung hat. Musik CDs darf man nämlich legal kopieren um Rahmen der (umgangssprachlich so genannten) “Privatkopie”. Dafür erhalten die Urheber einen pauschalen Ausgleich. Und selbst digital geschützte Medien darf man legal kopieren, muß dieses dann aber analog machen und darf nicht den digitalen Kopierschutz aktiv umgehen.

Diese Lieder darf ich dann auch auf meiner Festplatte haben und darf sie sogar im engen Freundeskreis weitergeben. Wenn Du Freunde hättest, könntest Du also ganz legal mit ihnen Musik tauschen.

Da ich davon ausgehe, daß Du auch im echten Leben darauf bestehst, anderer Leute Besitz ohne zu Fragen und ohne Gegenleistung nutzen zu dürfen, wundert es mich nicht sonderlich, wenn Du niemanden zum legal Tauschen hast.

27 11 2011
Markus

Mein Gott, Kerl.
Such Dir ein Leben und eine Arbeit!
Du fotografierst und wirst dafür bezahlt. WAS WILLST DU MEHR?
Gierlappen!

27 11 2011
Marcus Kaufhold

Guter Artikel, Sascha. Glückwunsch. Muss ja aber alles nicht so kommen, weil ich wähl jetzt die FDP !

28 11 2011
Felix aus Frankfurt

@GB

Digitale Daten SIND KEINE SACHEN. Im Zweifel MERKST Du nicht einmal, wenn jemand eine Kopie zieht. Aber schon, wenn da Dir jemand das Haus wegnimmt.

Prinzipiell hat sich durch das Internet nichts verändert. Schon IMMER haben Urheber nur eine gewisse Zeit von ihren Werken (exklusiv) profitieren können. Lange Zeit gab es ÜBERHAUPT keinen Schutz. Und das ist auch richtig so, weil sich eine Gesellschaft nicht entwickeln könnte, wenn einzelne Personen “auf ewig” ihre Ideen schützen könnten und vor allem Dritte von der Nutzung ausschließen können. Mit Entwicklung meine ich nicht nur technische Patente, Ideen und Erfindungen, sondern gerade auch alles aus dem Bereich Kultur. Um Dein Beispiel mal aufzunehmen; Keiner klaut Dir z.B. den Stick, auf dem das Foto ist, nur das Foto selber. Und beim Haus klaut Dir keiner das Haus, nur ggf. die Idee, wie Du es gebaut oder eingerichtet hast. Halt der Unterschied zwischen körperlich und nicht-körperlich.

Worum es mir geht: Es musste immer schon ein Ausgleich gefunden werden zwischen Urhebern und der Gesellschaft. Der jetzige Ausgleich trägt den Verhältnissen des späten 20. Jhd. Rechnung. Aber nicht den heutigen.

Es ist schlicht unfair, wenn die Urheber die Vorteile des technischen Entwicklung mitnehmen, der Gesellschaft gleiches aber nicht zugestehen wollen. So ist es heute für Fotografen z.B. einfach, ihr Werk einem großen Kreis vorzustellen (Flickr, eigene Homepage etc.) und ggf. in sekundenschnelle Kunden in aller Welt bedienen zu können mit Bildern mit extremer Auflösung. Das war in der vordigitalen Zeit VIEL aufwendiger (allein ein Film musste entwickelt werden und dann per Post/Kurier zu den Kunden) und teurer.

Es geht eben NICHT darum, etwas umsonst zu bekommen (zumindest mir nicht). Es geht darum, neu zu definieren, was ein “fairer” Ausgleich ist. Das Spielfeld hat sich geändert, also müssen sich auch die Regeln ändern.

28 11 2011
rheker

Ich kann mir nicht so recht vorstellen, daß die Entwicklung unserer Kultur, Gesellschaft etc. stehenbleiben wird, wenn man meine Bilder nicht einfach so benutzen darf.

Und, komischer Weise: für all, das, was mein Leben technisch einfacher machen soll, muß ich teuer bezahlen, denn Internetanschluß, UMTS, Softwarelizenzen, Bilddatenbankbetrieb, Homepageprogrammierung, -Hosting und Wartung… sind alles Leistungen für die ich Firmen oder anderen Freiberuflern richtig viel Geld gebe, damit sie das für mich erledigen.

Da Digitalkameras teurer und kurzlebiger sind als es analoge Kameras waren (und damals kamen Filme und Laborleistungen noch mit auf die Rechnung), kann ich auch nicht so recht sehen, wo es früher teurer und ergo heute billiger wäre.

Aber, selbst wenn ich da mehr Gewinn haben sollte:

Für das Geld, daß ich mit meiner Arbeit verdiene zahle ich Steuern, wie hoffentlich alle anderen Bürger mit einem Einkommen (und wohl zumindestens immernoch einige wenige Unternehmen) auch.

Ich wüßte jetzt nicht, warum ich da zu einem “fairen Ausgleich” noch “der Gesellschaft” meine Arbeit schenken sollte?

Die Leute in der Autowerkstatt wo mein Wagen am Freitag einen Termin zu Inspektion hat, haben auch nicht das Bedürfnis da mal einen “fairen Ausgleich” zu schaffen und umsonst zu arbeiten.

Sind wohl auch alles “Gierlappen”.

28 11 2011
Felix aus Frankfurt

@ rhekter:

Komisch, dass heute so viel mehr Fotos existieren als früher, wenn doch durch die digitale Fotografie die Bilder so viel teurer sind… ;-)

Und wenn ich Dein Autowerkstattbeispiel mal übersetzen darf: Es ist ok, wenn die einmal bezahlt werden für ihre Arbeit (nämlich bei der Reparaturen), während Du für einmal arbeiten x-mal bezahlt werden willst? Oder kriegt die Werkstatt jedes mal was von Dir, wenn Du den Wagen benutzt? Und darf Dir die Werktstatt vorschreiben, wie Du den Wagen zu benutzen hast, z.B. nicht damit zu einer politschen Demonstration fahren? Während es aber ok ist vorzuschreiben, für was ich Deine Bilder nutzen darf und für was nicht?

Nochmal: Es geht nicht um “umsonst”. Aber das bisherige Modell scheitert doch offensichtlich an den neuen Realitäten. Es ist gesellschaftlich nicht sinnvoll, per Gesetz die alten Realitäten zu erzwingen, nur weil sich einige Urheber nicht anpassen können und als Konsequenz in Kauf zu nehmen, dass ganze Generationen kriminalisiert werden, nur weil die nicht einsehen, die neuen Möglichkeiten nicht nutzen zu können. Wieso sollte ich z.B. von mir gekaufte Musik nicht nutzen dürfen, um mein eigenes Video damit zu untermalen? Früher war das kein Problem, da hat es keiner mitbekommen, wenn ich den Film oder das Video der Familie gezeigt habe, heute lade ich ihn auf Youtube hoch und werde kriminalisiert? Wo sich meine Videos im Zweifel dort auch nicht mehr Leute angucken als bei einer Familienfeier? Und im Zweifel jemand einen Song, den er da hört, auch kaufen würde, weil er ihn dann “allein” hat und nicht nur in Verbindung mit meinem Video?

Es gab in der jüngeren Geschichte immer mal wieder Entwicklungen, die dazu führten, dass sich Grenzen verschoben haben. Und entweder haben sich die Beteiligten angepasst, oder sie sind untergegangen. Das ist für die Beteiligten nicht schön, sondern kann sehr hart sein, auf lange sich können sie die Entwicklung aber nicht aufhalten. (So wurden die Leute z.B. arbeitslos, die in den Kinos früher für die Musik gesorgt haben: Mit Aufkommen des Tonfilms wurden sie verdrängt. Der Umsatz von Schreibmaschinen ist stark zurückgegangen, ebenso von analogen Kameras, und einige Firmen, die solche Entwicklungen nicht rechtzeitig erkannt haben, sind daran gescheitert.)

Darum geht’s: Um Anpassung. Um die Erkenntnis, dass sich die Welt geändert hat. Und da langt’s nicht, dass sich eine Seite hinstellt und sagt: “Wir verlangen aber, dass alles so bleibt, wie’s war.” Es ist nämlich nicht mehr so, wie’s war.

28 11 2011
Marcus Kaufhold

Werter “Felix aus Frankfurt”: Nur ein Vorschlag – wenn es soviel einfacher sein sollte, heutzutage Fotos zu machen. Mach Dir doch selber welche. Dann bist Du Urheber. Fertig. Geh, kauf Dir eine professionelle Digitalkamera, Objektive, finanzier die Reisen und alle sonstigen Aufwendungen. Alles ganz einfach. Und dann kannst Du persönlich Deine Bilder auch gerne verschenken, wenn jemand fragt.

Und wenn Du Musik brauchst für Dein Video im Internet. Greif zu Gitarre, sing ein bißchen vor dem Rechner und fertig. Hast doch Talent! Und kreativ ist das auch.

28 11 2011
rheker

Anpassung an technische Neuerungen?

So wie man, als der Dietrich erfunden wurde, das Privateigentum abgeschafft und nicht etwa neue Schlösser erfunden hat.

Und warum benutze ich beim Online-Banking heute einen Chip-TAN-Generator? Warum haben wir uns nicht damit abgefunden, daß ohne sowas eben jeder an mein Geld dran kann?

Kriminalisierung von Menschen?

Meine Güte es ist doch niemand gezwungen Urheberrechte zu verletzen.

Und unser Rechtssystem funktioniert auch nicht so, daß Dinge legal werden, wenn nur genug Menschen gegen ein Gesetz verstoßen.

Und nur mal so am Rande, damit wir irgendwie alle wissen worüber wir reden:

Wir Fotografen “verkaufen” keine Bilder, bei uns geht es um Nutzungsrechte.

Um auf das Beispiel mit der CD zurückzukommen:

Wer eine CD “kauft” der hat damit auch nicht die Produktion der CD und damit die Arbeit aller Beteiligten bezahlt.

Und wenn mein Auto in die Werkstatt geht, dann kaufe ich da auch nicht das Gebäude, Werkzeug und die Hebebühne, die Nutzung dieser Einrichtungen ist da auch nur anteilig im Preis.

Und wenn die Werkstatt die Hebebühne amortisiert hat, dann wird es für den Kunden auch nicht billiger.

Als Fotograf macht man immer wieder eine Erfahrung:

Jemand will meine Arbeit benutzen (da sie gefällt, man sich davon einen Nutzen verspricht, ihr damit also einen gewissen Wert einräumt), aber sobald es etwas kosten soll, ist Schluß mit der Begeisterung, dann ist meine Arbeit nichts wert und obendrein austauschbar ist. (Wenn ich gewußt hätte, daß Sie da Geld wollen, dann hätten wir die Bilder auch selbst und obendrein besser machen können.”)

28 11 2011
Norbert Schmidt

Ich glaube bei den ganzen Beispielen wird vieles durcheinander gebracht – z.B. auch Dienstleistung mit Schaffensleistung verwechselt. Im Extremfall werde ich mich als Fotograf nicht mehr mit der Finanzierung der teuren Reportage / Projektes beschäftigen, den kreativen Prozess des Umsetzens bestreiten um anschließend auch noch die Zeit für`s Präsentieren und das Vermarkten aufzubringen. Mal ganz abgesehen von den Investitionen für mein ganzes Equipment plus die Gesamtaufwendungen für mein freies Fotografendasein. Für was ?
Da setz ich mich lieber vor den Rechner und bediene mich bei meinen noch fleißigen Kollegen im Internet. Hänge mir die schönsten Bilder an die Wand weil verkaufen kann man ja das ganze bunte Zeug eh nicht mehr. Und lasse es mir dann mit dem Bürgergeld (Grundbetrag zur Lebenssicherung ) der Grünen gut gehen. Super, schöne neue Welt-bin ja offen für Veränderungen. Und auf den kreativen Fortschritt dieser neuen Art des Paradies bin ich sehr gespannt. Darum geht`s Euch doch, oder ?

28 11 2011
feydbraybrook

…und überhaupt: was ist das für eine Vorstellung von Kreativität, wenn man sagt, das Urheberrecht sei sinnlos, weil Kreative ja immer auch auf bereits Dagewesenes zurückgreifen.

Daß der Kreative dem bereits Da-Seienden seinen individuellen Stempel aufdrückt, der ihn unter Milliarden von anderen identifizierbar macht, stellt die Kategorie her, die die urheberschaft schützenswert macht. Bestes Beispiel ist der Blues – natürlich ist das von der Form immer das Gleiche. Aber selbst bei einer so klar vorgegebene Form wie dem Blues schaffen es Tausende von Musikern, etwas originäres herzustellen. Die Piraten haben eben keine Ahnung von Kreativität, sondern beurteilen alles aus der Sicht eines PC-Users, der den neuesten Scheiß haben will – und zwar möglichst kostenlos.

http://feydbraybrook.wordpress.com/2011/09/22/das-verstandnis-der-piraten-von-der-urheberschaft/

28 11 2011
GB

Ich bin dieses unqualifizierte Gejammere der Schmarotzer echt leid. :-(

“Urheber profitieren vom Fortschritt und dem Internet”

- ja, so wie jeder Andere auch. Und “die Anderen” profitieren zusätzlich davon, daß die Urheber ihre Werke ins Web stellen. Denn die Werke sind dort IDR kostenlos auf den Seiten der Urheber und/oder lizensierter Seiten zu betrachten. Früher hätte der “Konsument” u.U. lange warten müssen, bis er bestimmte Dinge findet. Heute gibt es fast alles auch legal im Web.
Nicht immer in der höchsten Qualität und auch nicht immer vollständig, aber sehr oft eben durchaus ausreichend.

Ja, es gibt auch Sachen, die man nicht findet. Das ist dann aber die Entscheidung der Urheber, diese nicht zur Verfügung zu stellen.

Unterm Strich profitiert der Konsument deutlich mehr als der Urheber, denn er kann mit etwas Suchen fast alles legal in einer Qualität finden, die ihm Fehlkäufe erspart und oftmals sogar normale Käufe überflüssig macht.
Ich erinnere hier nur mal an ein paar Tausend legale Internet-Radios, welche natürlich mehr Auswahl bieten als die 10 Radiosender, die man über Antenne bekommt.

“früher hat das keiner mitbekommen, Leute werden jetzt kriminalisiert”

- Was keiner mit bekommt kann man entweder unter “Glück gehabt” abhaken oder es ist/war völlig legal, z.B. wenn Du irgendwas im Famlienkreise oder guten Freunden zeigst.

Das Veröffentlichen und Verbreiten war schon immer verboten, wenn man nicht die Erlaubnis der Rechteinhaber hatte. Wer es ohne Erlaubnis machte, der war schon immer kriminell. Es wird also mitnichten kriminalisiert.

Wenn Du heute im Internet verbreitest, etwas auf Deine Webseite packst, ist das so, als ob Du früher überall Drucke oder Kassetten mit den fremden Werken hättest liegen lassen und jeder dürfte sich bedienen.

Hat damals natürlich niemand gemacht, weil es eben Geld kostete, die Sachen zu kopieren. Der echte Schmarotzer wäre ja keiner, wenn er Geld für Andere ausgeben würde. Logisch!

Jetzt, wo es kein Geld mehr kostet, Dinge zu verbreiten, schlägt die Stunde des Schmarotzers. Das eigene Ego aufpolieren, indem man X-Tausend “Fans” oder Besucher auf seinem Blog hat, ein bischen Möchtegern-Robin-Hood spielen, indem man per P2P Dinge zur Verfügung stellt und natürlich alles haben wollen, weil es ja auch nix kostet.

Es hat sich aber natürlich die Rechtslage nicht verändert.
Warum sollte sie auch?

Nur weil eine Straftat einfacher geworden ist, ist es kein Grund diese zu legalisieren. Ansonsten müssten die meisten Straftaten inzwischen legalisiert sein. Denn natürlich profitieren Kriminelle auch immer vom technischen Fortschritt und vieles ist inzwischen einfacher als vor 100 Jahren.

29 11 2011
Hackentrick

Ich lese desöfteren hier in den Kommentaren zwischen den Zeilen, dass durch das Internet “halt ein neues Zeitalter” angebrochen sei und man sich daher auch (urheberrechtlich) anpassen müsste…

Das ist genau der Punkt, der mich ziemlich aufregt. Warum sollen wir der Technik hinterherspringen? Die Technik hat uns zu dienen – nicht andersherum. Die ganzen “systematischen Krisen”, die wir derzeit erleben, sollten uns eine Lehre sein. Punkt.

Ausserdem möchte ich einen weiteren Aspekt nochmals betonen: Bei einer erheblichen Beschneidung des Urheberrechts geht es nicht nur um die Existenzgrundlagen der Schaffenden – es geht auch um die Möglichkeiten zur Manipulation und Zensur!

6 12 2011
Das bin ich

Die Diskussion mit solchen Schmarotzern ist doch reine Zeitverschwendung. Die einzig überzeugenden Argumente sind Rechtsschutzversicherung, Anwalt, Abmahnung und Klage.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: