Ralph Laurens Kampf gegen die Magersucht

7 10 2009

Wenn ein Modelabel was gegen Magersucht macht  ist das mindestens gut wie etwas zum Urheberschutz zu machen. Jedenfalls im Prinzip. Wenn man sich als Modelabel aber entblödet ein krankes Bild eines im Photoshop völlig unnatürlich bearbeiteten Model zu nutzen und dann versucht die Berichterstattung darüber unter zuhilfename des Urheberrechts zu verbieten, dann ist das was anderes. Das wirklich abartige an dem Bild ist, daß es (jedenfalls für alle die sich nicht darüber totlachen und glauben man könne wirklich so aussehen) den Eindruck vermittelt man könne sich soweit runterhungern ohne das das Gesicht völlig abgezehrt aussieht, an den Armen jede Vene und Sehne zu sehen ist und alles was mal Oberweite war den Bach runter geht.

Magersucht ist eine Krankheit und man kann nicht gleichzeitig eine Wespentaille und das dralle gesunde Gesicht der Biene Maja haben! Wer das Gewicht eines Verhungernden aus der Sahel-Zone haben will, der bekommt auch das Gesicht eines Sterbenden.

So zu tun als wäre es möglich das eine ohne das andere zu haben ist zynisch und gefährdet die Gesundheit tausender Essgestörter in aller Welt noch mehr als das ohnehin der Fall ist. Zu versuchen Hinweise, daß die Frau in der Anzeige garnicht wirklich so aussehen kann – was vielleicht das eine oder andere jungen Mädchen vom Versuch abhalten könnte sich so eine Figur zu erkotzen – zu unterbinden setzt dem ganzen noch einen drauf und das ganze bekommt einen menschenverachtenden Touch.

Ganz abgesehen davon, daß sowas im Internet eh nicht funktioniert, denn was man bei photoshopdisasters nicht mehr sehen kann, sieht man jetzt auf all jenen Seiten die darüber berichten, wie hier im Screenshot:





Wir sind hier in Deutschland!

28 09 2009

20050831sr004.jpg

Schon am Tag nach der Wahl zeigt der neuen Möchtegern-Außenminister Guido Westerwelle der Welt dann schonmal wie man sich das in Zukunft vorzustellen hat. Wer als BBC Reporter in Deutschland, was von ihm wissen will muß Deutsch sprechen, denn „Wir sind hier in Deutschland..“ Das hätte der NPD-Vorsitzende Udo Voigt nicht sympathischer rüberbringen können.

Schlimm ist aber auch, daß, wenn man mal eine Englischsprachprobe der selbsternannten deutschen Freiheitstatue gehört hat, man sich nicht so recht vorstellen kann wie er als Außenminister außerhalb von Deutschland anders als auf Deutsch kommunzieren will oder kann. In der freien Wirtschaft hätte er sich damit für alle Aufgaben außerhalb Deutschlands disqualifiziert.

In gewisser Weise kann man, wenn man Westerwelle mal auf Englisch gehört hat, seinen an den BBC Reporter gerichteten Versuch das zu retten auch als Drohung verstehen: „Wir können uns gern mal zum Tee treffen und dann Englisch reden.“

watch?v=lLYGPWQ0VjY





Piraten vs. Photographen

14 09 2009

Heute hatte ich das Vergnügen einen Auftritt von 5 Bundestagskandidaten in einem Gymnasium erleben zu dürfen.

Reden wir besser nicht vom ersten Teil der Diskussion in der die amtierenden und angehenden Volksvertreter sich zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr äußerten. Höhepunkt war, als einer, ich glaube der von der Linken, den Schülerinnen und Schülern mal etwas von der „Hagener Konvention“ erzählte. Tolle Werbung für die Stadt Hagen oder ein Armutszeugnis für jemanden der sich aufschwingt als Politiker anderen zu erklären wie die Welt funktioniert und der das mit der Haager Landkriegsordnung selbst nicht so recht verstanden hat.

Als nächsten Punkt hatte man sich das publikumswirksame Thema Urheberrecht ausgesucht. Wohl in der Hoffnung, daß Jugendliche alle im Internet Musik runterladen und dabei nicht kriminalisiert werden wollen. Da sollte man doch punkten können.

Und in der Folge kamen dann gute 30 Minuten die einem Urheber die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Den Höhepunkt bei diesem Treiben bildeten die Äußerungen des Kandidaten der Piratenpartei, der sich eigentlich für kaum eine Position zu blöd war. Vom Klassiker „Wenn ich etwas aus dem Internet runterlade, dann mache ich eine Kopie und das Original ist nicht weg also ist kein Schaden entstanden“. Bis hin zu so tollen Vorschlägen wie der Idee, daß Urheber ihr Geld gefälligst ausschließlich mit Konzerten verdienen sollen für die ihre Werke ansonsten nur kostenlos verteilte Werbung sein sollen.

Na, herzlichen Dank! Da hat ja jemand alle Arten des geistigen Eigentums voll und ganz verstanden und beweist eine beeindruckende Kompetenz.

Urheberschaft gibt es scheinbar nur bei Musik, Filmen und Software.

Nur zu gerne hätte ich da auch mal ein paar Fragen gestellt, die die Veranstaltung aber sicher gesprengt hätten:

- Wie veranstalte ich als Fotograf, Illustrator oder Schreiber Konzerte die meinen Lebensunterhalt decken?

- Was muß ich als Fotograf zukünftig jemandem zahlen, wenn er mit meinen Fotos auf seiner Website Werbung für meine Konzerte macht?

- Ist Schwarzfahren auch ok; jedenfalls solange ich die U-Bahn nicht mitnehme?

- Ist mir wirklich kein Schaden entstanden nur weil ich die Datei noch habe, wenn mein Portrait einer jungen blonden Frau deutschlandweit auf Nazi-Wahlplakaten zu sehen war und deswegen kein Kunde mehr mit dem Gesicht Werbung für irgendein Produkt machen will, das Bild also unverkäuflich geworden ist?

- Wird sich die Konzertkarten noch jemand leisten können, denn die Kosten für die Produktion der Alben einer Band müssen ja irgendwo herkommen?

- Fordert die Piratenpartei auch daß Pornofilme kostenlos abgegeben werden und wie sehen da die Konzerte aus?

- Wo kommen die ganzen Theater her in denen Filmschauspieler auftreten um den Werbeeffekt ihrer Filme in Geld umzusetzen? Was kosten da die Karten um millionenteuere Filme zu refinanzieren?

- Wenn die Piratenpartei den Schülern in Aussicht stellt, daß Urheberrechtsverletzungen kein Thema sein sollen und im Internet juristisch alles nicht so eng zu sehen ist, was sagt die Piratenpartei denn dann wenn jemand den Schülern bei ebay, was verkauft, das Geld nimmt und keine Ware schickt?

Der große Verlierer der Diskussion war übrigens der Schüler, der später gerne Filme machen würde und sich irgendwie nicht vorstellen konnte wie er davon leben können sollte.

Dem hat man dann was von irgendeiner Kulturflatrate erzählt.

Ich soll jetzt also glauben, daß alle die heute schon (durchaus nachvollziehbar) wegen der GEZ-Pflicht von Computern auf die Barrikaden gehen in Zukunft heiß drauf sind eine Abgabe auf alle Internetanschlüsse zu entrichten, die dann an die Urheber geht?

Mal abgesehen davon, daß so eine Kulturflatrate nichts anderes ist, als der Versuch derer, die für die Werke von Urhebern nicht bezahlen wollen, die Kosten für diese Werke auf die Allgemeinheit umzulegen (man stelle sich nur eine Benzinflatrate vor, bei der die Fahrrad- und 3L Lupo-Fahrer helfen den Durst der SUVs zu stillen), kann das nur funktionieren, wenn es sich dabei um einen lächerlichen Feigenblattbetrag handelt, von dem am Ende praktisch nichts bei den Urhebern ankommt. Ein Almosen, das eher ein Hohn als ein Honorar ist.

Wie sollten denn die Ausschüttung solcher Gelder geregelt werden, die Frage, was die Verwaltung einer solchen Abgabe verschlingt, mal außen vor?

Bekomme ich für 100 unterbelichtete Fotos in 10 Sekunden mit 10B/s gemacht genausoviel wie jemand der 100 aufwändige Portraits an 100 Arbeitstagen fotografiert hat? Um das fair zu regeln müßte man ja irgendwie messen, was wie oft runtergeladen wurde oder soll jemand der ein völlig mißlungenes Foto produziert genausoviel bekomme, wie jemand der den Sommerhit des jeweiligen Jahres produziert hat? Jetzt kann ich mir nicht vorstellen, daß diejenigen die sich eine Kulturflatrate wünschen eine solche Erfassung der Nutzung haben wollen. Da würde das Lieblingsfeindbild der Piratenpartei ja lachend aus dem Rollstuhl kippen.

Ergänzung:

Was mir heute beim Nachdenken noch besonders sauer aufgestoßen ist, ist daß da auch tatsächlich das Argument kam, daß man mit all diesen Plänen zur Abschaffung des geistigen Eigentums junge Talente fördern und Ihnen somit eine Chance geben würde. Das ist etwas, daß Fotografen zur Genüge kennen: Leute die etwas für lau abgreifen wollen und dabei noch mäzenatenhaft tun, weil sie sich herablassen den Namen des Fotografen an das Bild zu schreiben, was schließlich eine tolle Werbung ist.

Soll man doch einfach sagen: wir finden die Idee des geistigen Eigentums scheiße, wollen dafür nix bezahlen und was aus denen die sowas herstellen wird ist uns auch egal. Das wäre wenigstens ehrlich.  Aber bitte nicht so tun, als würde man den Urhebern damit noch helfen.





Zur Lage der Pressefreiheit in Bundesmuttis Wuthöhle

22 08 2009

Die eine Ursula von der Leyen lebt in der Pro7 Serie Switch ein beschauliches Leben in einer von der Supernanny betreuten Wuthöhle. Und so wie auch die in Afghanistan in Höhlen lebenden Taliban und Al-Kaida Mitarbeiter ein schwierigen Verhältnis zu den Werten einer Demokratie, wie z.B. der Pressefreiheit, haben so offenbart auch die echte Frau von der Leyen, daß Pressefreiheit für sie eher heißt, daß man sich ausssucht, wer berichten darf. Wie man heute in einem Video bei Spiegel-Online besichtigen kann (jedenfalls bis das BKA die Seite sperrt):

video-1017806.html

Sind Menschen, die so wie in diesem Video die Bundesfamilienministerin und eine eher umbekannte, aber sichtlich auf jegliche Art von Machtausübung abfahrende, CDU Abgeordnete aus Friesland, ein derart schwieriges Verhältnis zur Verfassung und der darin enthaltenen Pressefreiheit haben, wirklich geeignet als Representanten dieses Staates zu dienen?

Und auf die Frage warum, die Pressefreiheit bei dem Termin im Kindergarten nicht oder nicht für alle Pressevertreter gilt, fällt Frau von der Leyen, die gerade damit beschäftigt ist das Spiegel-TV Team aus dem Kindergarten zu werfen und dabei auftritt wie als hätte sie das Hausrecht um Kindergarten, nichts anderes dümmeres ein als, so zu tun als wären Fragen der Pressefreiheit Sache der Kindergärtnerin.

Ist ja eine alte Politiker- und 7-fache-Mutter-Weisheit: In Verfassungsfragen immer besser eine Kindergärtnerin vorschicken!

Denn wer traut sich schon in Worte zu fassen, was er von Pressefreiheit wirklich hält, das könnte ja irgendeinem Wähler sauer aufstoßen. Andererseits muß nach diesem Auftritt keine der beiden beteiligten CDU-Frauen mehr allzuviel sagen.

Ein ganz trauriges Kapitel sind übrigens auch die dort ebenfalls anwesenden anderen Journalisten, von denen nichts, aber auch rein garnichts kommt, um den Kollegen, die behandelt werden als sei man in Nordkorea und nicht in Norddeutschland, zur Seite zu springen. „Aber lieber mal nichts sagen, weil man sonst am Ende auch Ärger kriegt“, hat in diesem Land ja auch eine gewisse Tradition.





Netter Zusatzverdienst und höchst peinliche Nummer

22 07 2009

Die „Bild“ hat einen Fotowettbewerb unter ihren Lesern veranstaltet. Kann man ja machen. Gewinnspiele und Wettbewerbe gibt es ja auch anderenorts. Aber bei der näheren Betrachtung durch die Leute vom bildblog sieht es so aus, daß das ganze doch eher irgendwas zwischen Bonusprogramm für die freien Fotografen und höchst peinlicher Nummer ist. Da wird der Gewinner-Fotograf als „gelernter KFZ-Mechaniker“ vorgestellt (was ja stimmen mag) und er selbst wird mit den Worten „So was nennt man wohl einen Glücksschuss“ zitiert (und auch das kann stimmen). Das peinliche an der Nummer ist nur, daß  “Bild“ schon öfter Bilder dieses Fotografen gedruckt hat und das nicht, weil er öfter mal mit einem Glücksschuss einen Fotowettbewerb gewinnt, sondern wohl eher, weil er das augenscheinlich als Beruf macht. Ein Blick auf die Website des Fotografen, wo sich auch „Bild“ und „bild.de“ unter den Kunden finden, die er als Referenzen angibt, weckt jedenfalls nicht den Eindruck, daß er noch als KFZ-Mechaniker arbeitet.

Bild 8

Was soll man von Journalisten halten, die nebenbei als Laiendarsteller und „glückliche Gewinner aus dem KFZ-Handwerk“ in den Blättern auftreten die sie sonst mit Bildern versorgen? Und wie mögen sich die Leser fühlen die da mitgemacht haben und dann gegen einen Profifotografen der für das Blatt arbeitet verloren haben? Und wie mag sich erst der Teilnehmer fühlen, der auch noch den Tips die die „Bild“ ihm mit auf den Weg gab „Und jetzt gucken Sie mal, welche Tipps die professionellen BILD-Fotografen allen Teilnehmern geben…“ gefolgt ist und nichts gewonnen hat?

Der ethisch saubere Weg wäre garnicht so schwer gewesen:

- als jemand der da professionell Bilder liefert nimmt man an Wettbewerben die sich an die Leser richten nicht teil

- wenn jemand der seit 1999 als Berufsfotograf arbeitet einen Fotowettbewerb gewinnt, dann sollte man ihn nicht als Automechaniker im Glück darstellen und der Fotograf sollte das nicht mitspielen





Antiphrasis oder Euphemismus „Da habe ich kein Problem mit!“

14 07 2009

Es gibt Sätze die einem nichts gutes verheißen, weil sie das Gegenteil dessen bedeuten, was eigentlich gesagt wird. Einer der schlimmsten Vertreter dieser Problemgattung ist: „Da habe ich kein Problem mit!“ Für den naiven Sprachwissenschaftler dürfte das irgendwo zwischen Antiphrasis und Euphemismus verortet sein. In der praktischen Anwendung signalisiert der Einschlag dieser Worte im Ohr nur eins: „Das Problem-Mutterschiff ist gelandet!“.  Fällt dieser Satz, ist klar, wenn es irgendwas gibt an dem es dem Gegenüber nicht mangelt, dann sind es Probleme. Was schon bei dem Problem beginnt, daß sich das Gegenüber der eigenen Probleme meist in so geringem Maße bewußt ist, daß es wirklich glaubt, was es da sagt. Und wenn man nur ganz fest an etwas glaubt, dann wird es auch wahr. Und im wirklichen Leben, abseits der linguistischen Einordnung dieses Phänomens, stellt sich das ganze dann meistens wirklich so dar, daß der Satz „Da habe ich kein Problem mit!“ stimmt. Jedenfalls, wenn man den meist nicht ausgesprochenen zweiten Satz direkt dranhängt: „weil ich meine Probleme zwar verleugne, sie aber trotzdem so auslebe, daß sie zu Deinen/Euren Problemen werden!“





Dicke schwitzen, wenn es heiß wird…

1 07 2009

20080327sr013.jpg

Ich weiß ja selbst wie das ist: Dicke schwitzen schneller und mehr und so. Und das kann schon nerven, weil man sich ja naßgeschwitzt im Wind erkälten kann und sich auf dunkler Kleidung dann auch irgendwann eine Salzkruste bildet und man dann aussieht wie ein Zebra, wie ein dickes Zebra.

Jürgen Banzer, der Hessische Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit, dürfte grob geschätzt noch etwas schlimmer schwitzen als ich. Aber das man deswegen gleich für ein ganzes Bundesland Hitzewarnstufen ausruft und man, nur weil es diese Woche an drei Tagen nacheinander 30-32°C geben wird sogar die Hitzewarnstufe 2 ausruft finde ich dann doch etwas übertrieben.

Irgendwie kommen einem doch Zweifel an der Lebensfähigkeit der Bevölkerung dieses Landes, wenn schon normales Sommerwetter in die Nähe von Pandemien und Naturkatastrophen gerückt wird und man Überlebenstips rausgibt, die irgendwie an die Merkblätter zum Verhalten bei Atomangriffen erinnern. Wie haben unsere Eltern und Großeltern bis heute überleben können? Wie konnten wir als Kinder 40°C im Sommer überleben und das sogar toll finden?

Wenn man sich aber man das Merkblatt hier anschaut, dann trägt das den spannenden Titel:

KLIMAWANDEL UND GESUNDHEIT

Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen sommerlicher Hitze und

Hitzewellen und Tipps zum vorbeugenden Gesundheitsschutz

Und wenn man dann noch die folgende Pressemitteilung gelesen hat, dann kann man allerdings auch irgendwie den Eindruck gewinnen, daß die Klimakatastrophe kein größeres Problem ist, wenn man einfach ordentlich kalte Getränke bevorratet und dafür sorgt, daß die Omas und Opas in den Heimen im Schatten stehen.

Und was kaltes Trinken ist ja irgendwie auch viel weniger stressig als sich Gedanken über den eigenen CO2-Ausstoß zu machen, oder?

29.06.2009 – Pressemitteilung
ab Donnerstag Hitzewarnstufe 2

Wiesbaden. Bei den derzeitigen Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes wird das HMAFG (Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit) ab Donnerstag dieser Woche erstmals in diesem Jahr die Hitze-Warnstufe 2 ausrufen, nachdem ab dem heutigen Montag, 29. Juni 2009 bereits Hitzewarnstufe 1 gilt. Sollte die Hitze-Warnstufe 2 aufgrund einer Veränderung der Wetterlage entfallen, informiert das HMAFG umgehend. Die Hitzewarnstufe 2 gilt aufgrund einer anhaltend starken Wärmebelastung von mehr als drei Tagen in Folge. Die fortdauernde starke Wärmebelastung erhöhe die Gefahr gesundheitlicher Beschwerden für die gesamte Bevölkerung. Staatsminister Jürgen Banzer appellierte deshalb an alle Bürgerinnen und Bürger, ihr Verhalten an diese Belastungssituation anzupassen.

Er verwies auf verschiedene Verhaltensmaßregeln, die bei den anhaltenden hohen Temperaturen zu beachten seien: „Halten Sie sich in kühlen Räumen auf, vermeiden Sie körperliche Aktivitäten, halten Sie die Fenster tagsüber geschlossen und öffnen sie erst nachts zum Lüften.“ Darüber hinaus sollten vor allem leichte Speisen verzehrt werden und viel getrunken werden. Alkoholische, koffeinhaltige oder stark gezuckerte Getränke seien dabei nicht zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs geeignet, geachtet werden müsse auf einen Ausgleich des durch Schwitzen bedingten Salzverlustes.

Über die hessischen Heimaufsichtsbehörden sind die Alten- /Pflegeheime und Heime für Menschen mit Behinderungen zu verstärkten Anstrengungen zum Schutz der ihnen anvertrauten Menschen aufgerufen. So muss der Gesundheitszustand der Heimbewohner regelmäßig kontrolliert werden. „Wichtig ist, dass sich die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner nicht in zu warmen Räumen aufhalten oder zu wenig trinken“ sagte Staatsminister Jürgen Banzer. Die Umsetzung der Maßnahmen wird von der Heimaufsicht kontrolliert.

Da jedoch nur jeder dritte pflegebedürftige Mensch in Hessen in einem Heim lebt, appellierte Jürgen Banzer auch an die Pflegedienste und die pflegenden Angehörigen, auf die anhaltend hohen Temperaturen zu reagieren. Zur Unterstützung dieser Pflegebedürftigen, aber auch grundsätzlich zur Aufmerksamkeit gegenüber den besonders gefährdeten älteren Menschen mit Herzkreislauf- oder Atemwegserkrankungen seien Angehörige, Nachbarn sowie die betreuenden Ärzte aufgerufen.

Die aktuelle Warnsituation kann von der Bevölkerung auf der Interseite des DWD (www.dwd.de ) abgerufen werden. Hinweise für Maßnahmen zur Vermeidung von Gesundheitsbeeinträchtigungen bei Hitze sind im Internet unter www.hmafg.hessen.de/Gesundheit/krankheitenundvorsorge; www.rp-giessen.de mit der Bezeichnung „Hitze – Handlungsempfehlungen für die Praxis“ zu finden.





Immer passiert irgendwas.

1 05 2009

„Jetzt ist schon wieder was passiert!“
- Wolf Haas

Es passiert ja ständig irgendwas, irgendwo, irgendwie. Und dann muß natürlich auch einer (oder etwas) schuld sein, denn sonst wäre ja nichts passiert. 

Aber irgendwie hat man in letzter Zeit den Eindruck als würde bei der Schuldfrage irgendwas schief laufen. So als wären da die Maßstäbe des gesunden Menschenverstandes gründlich verrutscht. 

Mittlerweile weiß man, daß die Schüler einer Klassenfahrt in der Türkei ohne es zu wissen gepanschten Schnaps gekauft haben und sich schlicht damit vergiftet haben. Aber schauen wir nochmal zurück Was der Lübecker Oberbürgermeister kurz nach dem Vorfall dazu zu sagen hatte:

Als „erschreckend“ bezeichnete Lübecks Oberbürgermeister Bernd Saxe (SPD) die Tatsache, dass „auf Klassenfahrten so viel Alkohol getrunken werden kann, dass anschließend Menschen sterben“. Er forderte die Landesregierung von Schleswig-Holstein auf, zu prüfen, wie es auf einer Klassenfahrt in Begleitung eines Lehrers zu einem solchen Vorfall kommen könne. - Spiegel Online

Man muß nicht gerade um die Ecke denken, um herauszulesen, daß Bernd Baxe schon einen Schuldigen gefunden hatte. Der Lehrer hat nicht ordentlich auf die Kinder aufgepaßt. Der Lehrer ist schuld. Wir haben einen Schuldigen. Alles wieder gut. Nein! Denn es gibt da ein entscheidendes Detail, das gehörig stört; und dazu muß man nicht um die Unterschiede von Methanol, Ethanol und Co. wissen!

Was soll ein Lehrer einer Gruppe aus volljährigen Schülern denn befehlen oder verbieten? Denn es handelte sich ja mitnichten um das große Komasaufen mit Flaschendrehen der Klasse 6b, auch wenn das anfangs eher unterging. Nachdem sich dann ein anderer Schuldiger gefunden hatte, war der Lehrer zum Glück aus der Schußlinie und die Frage nach der Eigenverantwortlichkeit der Schüler stellte sich auch nicht mehr.

Garnicht lange vor diesem Vorfall hat ein deutscher Ministerpräsident in Österreich bei einem Skiunfall den Tod einer Frau verursacht. Man kann auch einfach sagen, er hat sie, unter Mißachtung der auf Skipisten geltenden Verkehrsregeln, so schwungvoll umgenietet, daß ihr Schädel dem Aufprall seines Helms nicht standgehalten hat. 

Nun hätte man im Nachgang des Unfalls sicher diskutieren können, ob es sinnvoll wäre, wenn deutsche Ministerpräsidenten österreichische Skipisten nicht gegen die Fahrtrichtung befahren würden. Hat man aber nicht. Eigentlich kristallisierte sich sehr schnell heraus, daß das alles nur passiert ist, weil die Frau keinen Helm auf hatte. Nun wollte man aber nicht so zynisch sein zu sagen, „Ätsch! Selbst schuld! Hätte se mal ‘nen Helm getragen.“, weswegen sich die Diskussion in den ersten Tagen nach dem Unfall hauptsächlich um die spannende Frage, „Warum hat der Staat, die EU, Österreich denn keine Helmpflicht für Skifahrer eingeführt?“ Also ist die Politik schuld. Was ja nun ein Chance gewesen wäre zumindestens hintenrum die Schuldfrage wieder in Richtung des Ministerpräsidenten zu bringen. Stattdessen diskutierte man eher die frage, warum das was die Frau gemacht hat (ohne Helm Skifahren) nicht verboten war, wogegen das was der Ministerpräsident gemacht hat (gegen die Fahrtrichtung die Piste hochfahren) eigentlich verboten war, aber irgendwie nicht so schlimm zu sein schien wie der fehlende Helm.

Wie der Umgang des Unfallverursachers mit den Frage der juristischen, moralischen oder sonstigen Schuld dann am Ende aussah, kann man an verschiedenen Stellen des Internets nachlesen.

Interessant an diesen beiden und vielen anderen Fällen ist, daß man auf der Suche nach Schuld mehr und mehr jegliche Eigenverantwortung der Beteiligten ausklammert und die Verantwortung für das eigene Handeln von den Handelnden weg verlegt wird. Mal ist es der Staat, der es scheinbar versäumt hat dem Bürger dieses oder jenes besser zu verbieten, mal sind es andere die besser an dem Tag zuhause geblieben wären oder die besser gefälligst irgendwas gemacht hätten, um die Fehler der Verantwortlichen auszugleichen.





Zweites Deutsches Staatsfernsehen

29 03 2009

Roland Koch und Edmund Stoiber versuchen weiter das ZDF sturmreif zu schiessen und daraus einen netten Parteisender für die CDU/CSU zu machen. Oder zumindestens einen eingeschüchterten Sender, der wenn er schon was kritisieren will, lieber andere Parteien kritisiert.

Denn natürlich gilt auch: hier bestrafe einen, erziehe 100. Das hat Koch von seinem Freund dem Dalai Lama gelernt. Dem hat das nämlich der Mao mal beim Tee verraten, oder so.

Jedenfalls scheint es für das ZDF noch eine Rettung zu geben, Herr Brender müßte nur folgenden neue Formate auf den Sendeplan nehmen und alles wäre wieder gut:

Pinocchio Teil 3, Die Akne-Jahre

Aktenzeichen Türkei, Kriminelle Ausländerkinder bedrohen CDU Wähler über 60 (Dauerwahlwerbesendung mit Pfefferspray TV-Shop)

Kinder statt Inder, die Sendung mit dem Ausländerfeind und ohne den Elefanten

RoKo und Edi die Baumeister. Wir bauen einen Flughafen und vielleicht auch einen Zug 

ML Muschi Lisa, Das Frauen-Magazin für Mädels mit lustigen Kosenamen

Koch und Kerner, Schön, daß Du da bist!

Bild direkt, Peter Hahne liest seine Kolumnen einfach im Fernsehen vor





ecce monstro? ecce normalo!

13 03 2009

Ein Mensch der mehr als 10 andere Menschen erschießt ist nicht normal. Und so präsentiert man jedes Detail aus dem Leben des Tim K. der in Winnenden und Umgebung bei seinem Amoklauf 16 Menschenleben ausgelöscht hat als mögliche Erklärung für das Unerklärliche, um nicht mit dem Unerklärlichen leben zu müssen oder um wesentlichen Fragen aus dem Weg gehen zu können. 

Und so verbreitete sich gestern in den tagesthemen der ARD ein wichtiger älterer Herr, ich glaube es war der Landesinnenminister Rech (genau der der am Tag zuvor noch mit dem gefälschten Foreneintrag hausieren ging), darüber, daß man auf dem Computer des Amokläufers Pornobilder gefunden habe und es Anzeichen dafür gebe, daß er sich mal für ein Mädchen interessiert habe. Und natürlich hat er ein Gewaltspiel auf dem Computer gespielt.

Da müssen wir ja nurnoch die fünf anderen männlichen Heranwachsenden unter 18 Jahren finden, die sich auch Pornos aus dem Internet runtergeladen haben, ein Gewaltspiel gespielt und die sich schonmal für ein Mädchen interessiert haben. Dann sperren wir die weg und es kann nicht mehr viel passieren.

Bis wir die haben stellen wir alle männlichen Bewohner diese Landes zwischen 12 und 18, die auf Mädchen stehen und heimlich Pornos auf ihrem Computer haben unter Generalverdacht und erhöhen so den Druck von G8 und „wer kein Abitur hat, kann in diesem Land natürlich nicht mal Automechaniker werden“ noch ein wenig. Wäre doch ein Wunder, wenn man die fünf Schläfer so nicht in den nächsten Monaten aus der Deckung locken könnte, oder?

Alle Eltern sind bis dahin aufgefordert mal auf den Computern der Söhne nach Pornos zu suchen und im Falle eines Fundes ein peinlich verklemmtes Gespräch zu führen, daß sicher  (besonders im Zusammenspiel mit dem Vertrauensbeweis „Rechnerrazzia durch Papi“) wieder für mehr Nähe und Vertrauen in der Familie sorgt.

Man hat im Kleiderschrank des Attentäters Unterhosen, Socken und mehrere T-Shirts (auch welche wo nicht Slipknot draufstand) gefunden. 

Ich hab den Nachbarsjungen in Verdacht, daß er auch Unterhosen trägt…