In „Eigenleistung“ verbreitert…

3 10 2009

Wenn man als Bildredakteur ein Bild braucht, daß als extrem breites und flaches Bild funktioniert, dann kann man sich ein Bild suchen, bei dem das so ist oder man kann sich ein suchen bei dem das per Beschnitt funktioniert (wobei da immer die Frage bleibt, ob das dem Fotografen recht ist, denn der hat das Format seines Bildes und die Frage was in seinem Bild so zu sehen ist ja auch aus einem gewissen Grund gewählt und mag es nicht unbedingt, wenn am Ende genau das was ihm wichtig war abgeschnitten ist).

Was allerdings völlig daneben ist, ist einfach das fehlende Drittel zu spiegeln, ein paar allzu verräterische Details zu „photoshoppen“ und das dem Leser noch als Foto zu verkaufen, so wie es die Stuttgarter Zeitung gemacht hat, was aber bei den Leuten von Bildblog aufgefallen ist.

Peinlicher wird das ganze noch, wenn der journalistische Anspruch hinter dem breiten Bild vom Chefredakteur wie folgt erklärt wird:

„Das Foto auf der Seite 1 ist kein Selbstzweck. Es soll zwar die Optik der Titelseite attraktiver und moderner machen, aber es soll vor allem die journalistische Qualität und journalistische Eigenleistungen der StZ hervorheben.“

Da kann man nur sagen: Besser man hätte das mit der „Eigenleistung“ gelassen und nicht an der Leistung des Fotografen rumgefrickelt.

Die ganze Geschichte bei: www.bildblog.de





Oktoberfest in Nord-Korea!

19 09 2009

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In Deutschland ist Pressefreiheit kein wirkliches Problem, in anderen Ländern sieht das anders aus. Das ist ja hinlänglich bekannt.

In diesem Jahr findet mit Unterstützung des Goethe-Instituts, des Landes Bayern und der EU zum ersten Mal ein Oktoberfest in Nord-Korea statt. Zur Berichterstattung gaben die nordkoreanischen Behörden folgendes bekannt:

Der Pressesprecher des nordkoreanischen Ministeriums für Bier & Presse, Kim Sung Lee, macht die Akkreditierung von Fotografen für das Festzelt davon abhängig, dass nur Motive fotografiert werden, die ihm genehm sind. „Sie dürfen das machen, was ich zulasse“, sagte Lee.

Fotografen dürften im Zelt auch nur in seiner Begleitung unterwegs sein. Er begründete dies damit, dass er um das Image des Festzeltes und Nord-Koreas besorgt sei. „Es gibt ein paar Dinge, die will ich nicht sehen“, sagte Lee. Falls ein Fotograf in seiner Begleitung Motive ablichten wolle, die er nicht in Ordnung finde, „dann werde ich wahrscheinlich die Hand vor die Kamera halten“, sagte er.

„Ich will keine Oppositionellen, ich will keine Demonstrationen. Dieses Recht steht mir zu“, sagte Kim Sung Lee und fügte hinzu: „Das ist meine Spielregel.“

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Und auch andere staatliche Stellen machen bei der Zensur (anders kann man das nicht nennen) fröhlich mit:

So fordert das nordkoreanische Tourismusamt TV-Teams auf, täglich eine Liste der geplanten Themen zusammen mit den Akkreditierungsunterlagen abzugeben. Danach entscheide das Amt über die Erteilung einer Drehgenehmigung.

In mindestens einem Fall sei diese Genehmigung „ohne ersichtlichen Grund tatsächlich verweigert“ worden, so Reporter ohne Grenzen.

Das nordkoreanische Tourismusamt als Veranstalter des Oktoberfestes wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf der nordkoreanischen Wiesn gebe es keine Zensur, und Journalisten würden auch nicht in der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. „Das Tourismusamt erteilt auf Wunsch jederzeit Fotogenehmigungen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Aber mal ehrlich was anderes haben wir von denen in Nord-Korea ja auch garnicht erwartet, oder?

Dumm nur, daß das alles garnicht stimmt! In Wirklichkeit sieht der Text nämlich so aus und es geht um das echte Oktoberfest in München, Bundesrepublik Deutschland:


Der Pressesprecher des staatlichen Hofbräuhauses, Stefan Hempl, macht die Akkreditierung von Fotografen für das Festzelt davon abhängig, dass nur Motive fotografiert werden, die ihm genehm sind. „Sie dürfen das machen, was ich zulasse“, sagte Hempl.

Fotografen dürften im Zelt auch nur in seiner Begleitung unterwegs sein. Er begründete dies damit, dass er um das Image des Hofbräuzelts und der Brauerei besorgt sei. „Es gibt ein paar Dinge, die will ich nicht sehen“, sagte Hempl. Falls ein Fotograf in seiner Begleitung Motive ablichten wolle, die er nicht in Ordnung finde, „dann werde ich wahrscheinlich die Hand vor die Kamera halten“, sagte er.

„Ich will keine Nackten, ich will keine Titten. Dieses Recht steht mir zu“, sagte Hempl und fügte hinzu: „Das ist meine Spielregel.“

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Und auch direkt staatliche Stellen machen bei der Zensur (die man in Deutschland natürlich nicht so nennen wollen würde) fröhlich mit:

Zudem fordere das Münchner Tourismusamt TV-Teams auf, täglich eine Liste der geplanten Themen zusammen mit den Akkreditierungsunterlagen abzugeben. Danach entscheide das Amt über die Erteilung einer Drehgenehmigung.

In mindestens einem Fall sei diese Genehmigung „ohne ersichtlichen Grund tatsächlich verweigert“ worden, so der BJV.

Das Münchner Tourismusamt als Veranstalter des Oktoberfestes wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf der Wiesn gebe es keine Zensur, und Journalisten würden auch nicht in der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. „Das Tourismusamt erteilt auf Wunsch jederzeit Fotogenehmigungen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Quelle: Spiegel Online

Wer die Presse nur als Marketinginstrument versteht und deswegen meint es wäre ok, wenn sie nur die Sonnenseiten zeigen sollte und man ihr den Rest einfach verbietet, hat zwar nicht wirklich begriffen was das Grundgesetz zum Thema Presse sagt. Auf der anderen Seite ist man mit solchen Aussagen wie denen oben aber für den Fall, daß es in Deutschland nicht mehr weiter geht durchaus qualifiziert sich als Pressebetreuer in Nord-Korea zu verdingen, oder?

Und nein, es soll mir niemand (wie Herr Hempl das tut) mit irgendwelchem Geseier kommen, es ginge ihm darum die betrunkenen Damen die sich entblößen zu schützen oder stellvertretend die Persönlichkeitsrechte der vollgekotzen Alkoholleiche wahrzunehmen. Wenn Herrn Hempl die Menschen so sehr am Herzen liegen würden, dann könnte er ja eine Grenze einführen, ab der den Kunden nichts mehr ausgeschenkt wird. Aber solange der Gast bezahlt und Herr Hempl dran verdient, ist es ihm egal, ob sich Menschen dort bis zu Besinnungslosigkeit besaufen und neben den Zelten am eigenen Erbrochenen ertsicken. Nur zeigen soll das bitte keiner!

In Nord-Korea würden wir das Zensur nennen. Und deswegen sollten wir uns alle mal die Frage stellen, wie wir mit sowas in unserem eigenen Land umgehen wollen. Jedenfalls wenn wir nicht davon träumen, daß es bei uns wird wie in Nord-Korea!





Piraten vs. Photographen

14 09 2009

Heute hatte ich das Vergnügen einen Auftritt von 5 Bundestagskandidaten in einem Gymnasium erleben zu dürfen.

Reden wir besser nicht vom ersten Teil der Diskussion in der die amtierenden und angehenden Volksvertreter sich zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr äußerten. Höhepunkt war, als einer, ich glaube der von der Linken, den Schülerinnen und Schülern mal etwas von der „Hagener Konvention“ erzählte. Tolle Werbung für die Stadt Hagen oder ein Armutszeugnis für jemanden der sich aufschwingt als Politiker anderen zu erklären wie die Welt funktioniert und der das mit der Haager Landkriegsordnung selbst nicht so recht verstanden hat.

Als nächsten Punkt hatte man sich das publikumswirksame Thema Urheberrecht ausgesucht. Wohl in der Hoffnung, daß Jugendliche alle im Internet Musik runterladen und dabei nicht kriminalisiert werden wollen. Da sollte man doch punkten können.

Und in der Folge kamen dann gute 30 Minuten die einem Urheber die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Den Höhepunkt bei diesem Treiben bildeten die Äußerungen des Kandidaten der Piratenpartei, der sich eigentlich für kaum eine Position zu blöd war. Vom Klassiker „Wenn ich etwas aus dem Internet runterlade, dann mache ich eine Kopie und das Original ist nicht weg also ist kein Schaden entstanden“. Bis hin zu so tollen Vorschlägen wie der Idee, daß Urheber ihr Geld gefälligst ausschließlich mit Konzerten verdienen sollen für die ihre Werke ansonsten nur kostenlos verteilte Werbung sein sollen.

Na, herzlichen Dank! Da hat ja jemand alle Arten des geistigen Eigentums voll und ganz verstanden und beweist eine beeindruckende Kompetenz.

Urheberschaft gibt es scheinbar nur bei Musik, Filmen und Software.

Nur zu gerne hätte ich da auch mal ein paar Fragen gestellt, die die Veranstaltung aber sicher gesprengt hätten:

- Wie veranstalte ich als Fotograf, Illustrator oder Schreiber Konzerte die meinen Lebensunterhalt decken?

- Was muß ich als Fotograf zukünftig jemandem zahlen, wenn er mit meinen Fotos auf seiner Website Werbung für meine Konzerte macht?

- Ist Schwarzfahren auch ok; jedenfalls solange ich die U-Bahn nicht mitnehme?

- Ist mir wirklich kein Schaden entstanden nur weil ich die Datei noch habe, wenn mein Portrait einer jungen blonden Frau deutschlandweit auf Nazi-Wahlplakaten zu sehen war und deswegen kein Kunde mehr mit dem Gesicht Werbung für irgendein Produkt machen will, das Bild also unverkäuflich geworden ist?

- Wird sich die Konzertkarten noch jemand leisten können, denn die Kosten für die Produktion der Alben einer Band müssen ja irgendwo herkommen?

- Fordert die Piratenpartei auch daß Pornofilme kostenlos abgegeben werden und wie sehen da die Konzerte aus?

- Wo kommen die ganzen Theater her in denen Filmschauspieler auftreten um den Werbeeffekt ihrer Filme in Geld umzusetzen? Was kosten da die Karten um millionenteuere Filme zu refinanzieren?

- Wenn die Piratenpartei den Schülern in Aussicht stellt, daß Urheberrechtsverletzungen kein Thema sein sollen und im Internet juristisch alles nicht so eng zu sehen ist, was sagt die Piratenpartei denn dann wenn jemand den Schülern bei ebay, was verkauft, das Geld nimmt und keine Ware schickt?

Der große Verlierer der Diskussion war übrigens der Schüler, der später gerne Filme machen würde und sich irgendwie nicht vorstellen konnte wie er davon leben können sollte.

Dem hat man dann was von irgendeiner Kulturflatrate erzählt.

Ich soll jetzt also glauben, daß alle die heute schon (durchaus nachvollziehbar) wegen der GEZ-Pflicht von Computern auf die Barrikaden gehen in Zukunft heiß drauf sind eine Abgabe auf alle Internetanschlüsse zu entrichten, die dann an die Urheber geht?

Mal abgesehen davon, daß so eine Kulturflatrate nichts anderes ist, als der Versuch derer, die für die Werke von Urhebern nicht bezahlen wollen, die Kosten für diese Werke auf die Allgemeinheit umzulegen (man stelle sich nur eine Benzinflatrate vor, bei der die Fahrrad- und 3L Lupo-Fahrer helfen den Durst der SUVs zu stillen), kann das nur funktionieren, wenn es sich dabei um einen lächerlichen Feigenblattbetrag handelt, von dem am Ende praktisch nichts bei den Urhebern ankommt. Ein Almosen, das eher ein Hohn als ein Honorar ist.

Wie sollten denn die Ausschüttung solcher Gelder geregelt werden, die Frage, was die Verwaltung einer solchen Abgabe verschlingt, mal außen vor?

Bekomme ich für 100 unterbelichtete Fotos in 10 Sekunden mit 10B/s gemacht genausoviel wie jemand der 100 aufwändige Portraits an 100 Arbeitstagen fotografiert hat? Um das fair zu regeln müßte man ja irgendwie messen, was wie oft runtergeladen wurde oder soll jemand der ein völlig mißlungenes Foto produziert genausoviel bekomme, wie jemand der den Sommerhit des jeweiligen Jahres produziert hat? Jetzt kann ich mir nicht vorstellen, daß diejenigen die sich eine Kulturflatrate wünschen eine solche Erfassung der Nutzung haben wollen. Da würde das Lieblingsfeindbild der Piratenpartei ja lachend aus dem Rollstuhl kippen.

Ergänzung:

Was mir heute beim Nachdenken noch besonders sauer aufgestoßen ist, ist daß da auch tatsächlich das Argument kam, daß man mit all diesen Plänen zur Abschaffung des geistigen Eigentums junge Talente fördern und Ihnen somit eine Chance geben würde. Das ist etwas, daß Fotografen zur Genüge kennen: Leute die etwas für lau abgreifen wollen und dabei noch mäzenatenhaft tun, weil sie sich herablassen den Namen des Fotografen an das Bild zu schreiben, was schließlich eine tolle Werbung ist.

Soll man doch einfach sagen: wir finden die Idee des geistigen Eigentums scheiße, wollen dafür nix bezahlen und was aus denen die sowas herstellen wird ist uns auch egal. Das wäre wenigstens ehrlich.  Aber bitte nicht so tun, als würde man den Urhebern damit noch helfen.





Was man nicht auf seine Website schreiben sollte…

8 09 2009

Für einen Photographen ist eine Website die perfekte Möglichkeit potentiellen Kunden die eigenen Arbeiten zu präsentieren. Das macht man am besten mit seinen Photos. Aber natürlich ist auf einer Website auch jede Menge Platz für Texte und es gibt ja auch einiges was man da sinnvollerweise aufschreiben könnte und was für einen potentiellen Kunden eine wertvolle Information wäre. Das sind so Dinge wie Kontaktdaten, der eigene Wohnort, die Arbeitsfelder, die eigenen AGB, Hinweise zum Copyright, die Sprachen die man so spricht, ein paar biographische Daten…

Doch viele Photographen schreiben auf ihren Websites Zeug nieder, das man bestenfalls als ungeschickt oder sonderbar, in Verbindung mit den dort gezeigten Bildern in vielen Fällen auch irgendwo zwischen Lächerlichkeit und völligem Realitätsverlust einstufen kann. Wenn man schlecht photographiert, dann reißen das auch 1000 Zeilen feinste Marketing-Prosa nicht raus, wenn man aber ganz gut photographiert und Unfug schreibt, dann schadet man sich damit. Wer schlecht photographiert und das mit sonderbaren Texten garniert…naja, was soll man da groß sagen.

Zuerst sollte man sich überlegen, was man will. Wenn man dem Kunden zeigen will, daß man Berufsphotograph ist, dann sollte man darauf verzichten seine Dienste auch gleich noch als Webdesigner, Layouter, Lieferant für Visitenkarten und Fachbetrieb für Kanalreinigung anzubieten:

  • Erstellung und Wartung von Online-Auftritten
  • Programmierung von Websites
  • Einrichtung von Servern,Domains,CMS und Bloggsoftware
  • Beratung in technischen und programmtechnischen Fragen
  • Erstellung von Printwerbung
  • Konzeption, Erstellung und Druck
  • Fotografie zu Werbezwecken

Wenn der Photograph auch all das macht statt es einer Fachkraft zu überlassen, warum sollte dann nicht irgendwer sonst anstelle des Photographen genauso gut photographieren können?

Wer sich schon die Mühe macht, so zu tun, als würde er 50 Wochen im Jahr für National Geographic durch die Welt fliegen oder in Splitterschutzweste und Kevlarhelm (Kevlar kommt später nochmal) Kriege „covern“ und dabei ein Schweinegeld verdienen, sollte die Illusion nicht selbst dadurch zerstören, daß er auf seiner Website anbietet für 20 Euro zu mir nachhause zu kommen und Paßbilder von mir zu machen. Wenn er es trotzdem macht, dann will ich aber, daß er die Splitterschutzweste und den Kevlarhelm trägt, wenn er kommt.

Universalspezialisten

Auf seiner Website zu sagen, in welchen Teilen des weiten Feldes Photographie man bevorzugt  tätig ist ist für den Kunden nur dann von Wert, wenn man sich nicht von der Angst treiben läßt irgendeinen Auftrag verlieren zu können. Das Internet ist voll von Photographenwebsites deren Inhaber für sich in Anspruch nehmen sich auf mindestens 8 der folgenden Bereiche spezialisiert zu haben:

Presse, Reportage, Hochzeit, Akt, Schwangerschaft, Portraits, Events, Sport, Beauty, Editorial, People, Konzertphotographie, Kultur, Theater, Haustierphotographie…

Beleg für diese Spezialisierung sind dann in vielen Fällen Galerien bei denen man auf den ersten Blick sieht, daß die Spezialisierung eigentlich nur darin besteht, daß man mal jeweils ein Konzert, Theaterstück, Sportereignis etc. mehr schlecht als recht fotografiert hat.

Das man, wenn man den Begriff „fotojournalist“ auch noch in der eigenen URL unterbringt, auf seiner Seite vielleicht was anderes anbieten sollte als Paßbilder, Dankkarten und Familienfotos, sollte eigentlich selbsterklärend sein.

Ebenfalls sehr beliebt sind  lange Listen und Elaborate zur Ausrüstung die der Photograph benutzt. Da könnte man natürlich sagen, daß es für einen Kunden schon eine wichtige Information ist, ob der Photograph digital arbeiten kann und z.B. in der Lage ist aktuell Bilder zu schicken. Aber solche Informationen findet man auf Photographenwebsites selten. Stattdessen weiß der Kunde nach einem Blick auf die Website des Photographen, welchen Monitor der zuhause stehen hat, in welchem Koffer er seine Kamera transportiert und mit welcher Datenrate der Speicherkartenleser arbeitet. Ein Beispiel aus der Praxis:

Mit dieser Fotoausrüstung arbeite ich:

Kamera: Nikon D3
Diese Fotokamera ist mit einem Bildsensor im FX-Format (23,9 x 36 Millimeter) und einem Empfindlichkeitsbereich von ISO 200 bis 6400 ausgestattet. Sie ist perfekt auf mich zugeschnitten, da ich bisweilen unter extremen (Licht-)Bedingungen arbeite (Luftbild- und Eventfotografie etc.). Ihr Verschluss aus einem Kevlar-/Kohlefaser-Verbundmaterial und die „EXPEED-Bildverarbeitungs-Engine“ ermöglichen mir Serienaufnahmen mit neun bis elf Bildern pro Sekunde.

Mich hat noch nie (wirklich niemals) ein Kunde gefragt, welche Kamera ich benutze oder ob meine Kameras Verschlüsse aus Kevlar-/Kohlefaserverbundmaterialien haben. Kein Kunde sucht „einen Photographen mit einem Nikon 14-24er“.

Schlimm ist es auch, wenn Anspruch und Wirklichkeit so weit aueinander klaffen, daß selbst völlige Laien bestenfalls den Kopf schütteln. Wer behauptet als Photograph hauptberuflich journalistisch zu arbeiten, dabei aber betont, daß es ihm seine Ausrüstung sogar erlauben würde außerhalb der eigenen vier Wände zu arbeiten und in Blockschrift darauf hinweist, daß ein „PRESSEAUSWEIS VORHANDEN“ sei, macht sich lächerlich. Gleiches gilt für Formulierungen wie „flexibel und mobil durch eigenen PKW„.

Wer auf seiner Website eine Galerie für den Arbeitsbereich „Presse“ hat und da im Text verspricht,

Als „Lichtbildner des Zeitgeschehens“ produziere ich für Sie sowohl tagesaktuelle Bilder als auch Reportage-Fotografien von Personen und Ereignissen. Mein Anspruch ist es dabei, den Bildern bereits vor ihrer Entstehung eine bedeutsame Aussagekraft zu verleihen.

der sollte dann aber auch mehr zeigen können als 10 schlecht photographierte Bilder von einem Termin mit irgendeinem Lokalpolitiker. Mal abgesehen davon daß mir mal jemand erklären müßte, wie man Bildern bereits vor der Entstehung eine bedeutsame Aussagekraft verleiht.

Ebenfalls eine oft eher unterhaltsame Rubrik ist die Referenzen-Seite oder Biographie-Seite. Jedenfalls wenn da mit allem gewuchert wird, was man so zur Verfügung hat oder haben glaubt.

Doof nur, wenn man da Kundenreferenzen angibt bei denen dann auf der Website keine Bilder des Photographen zu finden sind sondern wo für alle Bilder andere Photographen angegeben sind oder wo auf der Seite genau Null Bilder sind.

Sehr beliebt ist es auch darauf hinzuweisen, wo man überall Mitglied ist: CPS, NPS, DGPh, freelens, DJU, DJV, ADAC, AOK, ADC, ADG, VG Bild-Kunst etc… Fast könnte man meinen, daß die Mitgliedschaften da verliehen werden und nicht durch den Kauf einer bestimmten Anzahl Kameras/Objektive oder simple Beitragszahlung erworben werden können.






Zur Lage der Pressefreiheit in Bundesmuttis Wuthöhle

22 08 2009

Die eine Ursula von der Leyen lebt in der Pro7 Serie Switch ein beschauliches Leben in einer von der Supernanny betreuten Wuthöhle. Und so wie auch die in Afghanistan in Höhlen lebenden Taliban und Al-Kaida Mitarbeiter ein schwierigen Verhältnis zu den Werten einer Demokratie, wie z.B. der Pressefreiheit, haben so offenbart auch die echte Frau von der Leyen, daß Pressefreiheit für sie eher heißt, daß man sich ausssucht, wer berichten darf. Wie man heute in einem Video bei Spiegel-Online besichtigen kann (jedenfalls bis das BKA die Seite sperrt):

video-1017806.html

Sind Menschen, die so wie in diesem Video die Bundesfamilienministerin und eine eher umbekannte, aber sichtlich auf jegliche Art von Machtausübung abfahrende, CDU Abgeordnete aus Friesland, ein derart schwieriges Verhältnis zur Verfassung und der darin enthaltenen Pressefreiheit haben, wirklich geeignet als Representanten dieses Staates zu dienen?

Und auf die Frage warum, die Pressefreiheit bei dem Termin im Kindergarten nicht oder nicht für alle Pressevertreter gilt, fällt Frau von der Leyen, die gerade damit beschäftigt ist das Spiegel-TV Team aus dem Kindergarten zu werfen und dabei auftritt wie als hätte sie das Hausrecht um Kindergarten, nichts anderes dümmeres ein als, so zu tun als wären Fragen der Pressefreiheit Sache der Kindergärtnerin.

Ist ja eine alte Politiker- und 7-fache-Mutter-Weisheit: In Verfassungsfragen immer besser eine Kindergärtnerin vorschicken!

Denn wer traut sich schon in Worte zu fassen, was er von Pressefreiheit wirklich hält, das könnte ja irgendeinem Wähler sauer aufstoßen. Andererseits muß nach diesem Auftritt keine der beiden beteiligten CDU-Frauen mehr allzuviel sagen.

Ein ganz trauriges Kapitel sind übrigens auch die dort ebenfalls anwesenden anderen Journalisten, von denen nichts, aber auch rein garnichts kommt, um den Kollegen, die behandelt werden als sei man in Nordkorea und nicht in Norddeutschland, zur Seite zu springen. „Aber lieber mal nichts sagen, weil man sonst am Ende auch Ärger kriegt“, hat in diesem Land ja auch eine gewisse Tradition.





Urheberrecht für Fortgeschrittene und Abgehobene…

12 08 2009

netzpolitik.org hat einen Wettbewerb gestartet bei dem es darum ging einen Remix des aktuellen Schäuble Wahlplakates zu erstellen und dabei sind einige gelungene Sachen rausgekommen. Die Vorlage gab es auf der Seite der CDU mit folgenden Nutzungsbedingungen:

Die Bilder dürfen ausschließlich zur redaktionellen Berichterstattung über die CDU-Bundestagswahlkampagne 2009 genutzt werden. Die Nutzung ist bis zum 31.12.2009 honorarfrei. Danach tritt die Honorarpflicht zugunsten der jeweiligen Agentur/des jeweiligen Fotografen gemäß deren AGBs in Kraft. Eine Weitergabe an Dritte ist untersagt. Die Weitergabe an und Nutzung durch weiterverbreitende Agenturen und Pressedienste ist nicht gestattet.

Wenn jemand die Bilder eines Photographen oder einer Photographin einfach so widerrechtlich benutzt, dann kann man was dagegen machen. Keine Frage!

ABER: Wenn man als Photographin einem Kunden (in diesem Fall der CDU) gestattet die eigenen Bilder bzw. Wahlkampfplakate die die Fotos nutzen als Handouts an andere Medien weiterzugeben oder zum Download anzubieten, dann sollte man damit rechnen, daß das Material auch benutzt wird. Und man muß damit rechnen, daß auch Medien die die CDU kritisieren dies tun werden. Dann mit einer Klage zu drohen und davon Abstand zu nehmen, sobald man merkt, warum das alles so nicht geht (und mandabei auch irgendwie unsympathisch rüberkommt), spricht Bände.

Ärgerlich ist der Vorgang, weil solche Auftritte die Position all jener Photographen schwächen die berechtigterweise versuchen Ihre Urheberrechte durchzusetzen, weil das Urheberrecht einmal mehr als Repressionswerkzeug gegen unliebsame Meinungen oder als Gelddruckmaschine erscheint.

Wenn der Photograph die Entscheidung über das „wer benutzt meine Bilder“ aus der Hand (und dem Wirkungsbereich der eigenen AGB) gibt, indem er einem Dritten das Recht zur Weitergabe der Bilder einräumt, dann hat er da auch kaum noch was zu sagen. So einfach ist das. Und das ist ja auch einer der Gründe, warum man für solche Sachen deutlich mehr Geld bekommt als für ein einfaches Nutzungsrecht, weil eben diese weiteren Nutzungen damit auch abgegolten werden.

Die Vorstellung der Photographin von der Welt ist bizarr: Wenn sich Politiker bei einem Pressetermin aus Anlaß des Klebens der ersten Wahlplakate vor den Plakaten fotografieren lassen, dann verklagt die Photographin des Politiker Portraits auf dem Wahlplakat alle Photographen die auf dem Termin Bilder machen? Denn nicht zuletzt, geht es hier ja nicht wirklich nur um das Photo, sondern um ein Wahlplakat, daß unter Benutzung des Photos entstanden ist. Da stellt sich die Frage ob es sich nicht schon um ein eigenständiges Werk handelt.

Für diese Annahme spricht ja nicht zuletzt der Umstand, daß die satirische Verfremdung nicht  am Photo passiert, sondern der Text des Wahlplakates und damit die Arbeit der Werbeagentur und nicht das Werk der Photographin verfremdet wird.

Und: wenn ich ein Bild für einen Buchtitel liefere, kann ich auch nicht amazon abkassieren, wenn die um das Buch zu verkaufen ein Bild vom Buch und damit auch das Photo zeigen.

Und selbst, wenn die Parodien der Wahlplakate beleidigend und diffamierend wären wie die Photographin behauptet (sie sieht das ja eher so, daß ihre Bilder beleidigt und diffamiert werden), dann hätten nur die Beleidigten zu klagen und nicht die Photographin. Photos können aber niemanden verklagen und Wolfgang Schäuble nimmt, bei allem was man an seiner Arbeit kritisieren kann, solche Sachen erfreulich sportlich statt zu versuchen Kritiker per Beleidigungsklagen und ähnlichem einzuschüchtern. Nicht zuletzt ist Schäuble offenkundig klug genug sich nicht als jemand zu exponieren, der andere Meinungen unterdrücken will. Etwas das im Internetzeitalter nicht nur schlecht ankommt, sondern nahezu immer nach hinten los geht.

Selbst, wenn man der Photographin hier die altruistische Absicht unterstellt, zur Ehrenrettung ihres Kunden (CDU) zu handeln, so schadet sie der CDU doch eher, denn im Netz und in den Medien kommt die ganze Aktion garnicht gut an. Somit erweißt sie ihrem Kunden gerade einen Bärendienst, daß das abgesprochen ist und die CDU sie vorgeschickt hat ist kaum vorstellbar.

Nochmal die beiden sehr lesenswerten Texte  bei lawblog.de:

http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/08/12/schnell-zuruckpfeifen

http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/08/12/fotografin-will-nicht-klagen/





Der DJV und das Internet

24 07 2009

„man kann gar nicht so oft in den djv eintreten, wie man austreten möchte“ – Stefan Niggemeier (hier)

Gut, daß ich nicht im DJV bin, da brauch ich da nicht austreten. Andere tun das aber und das auch aus guten Gründen. Einer der Gründe ist, daß der DJV nicht wirklich im Jetzt angekommen ist, das zeigt sich zum Beispiel bei der DJV Hexenjagd gegen google oder auch bei dem tollen Werbevideo des DJV, das den Eindruck macht, daß der Journalismus nicht über die Tageszeitung hinausgekommen ist.

Nein, man muß google nicht mögen, man kann an google ettliches kritisieren, wie das z.B. Konrad Lischka bei Spiegel Online getan hat.

Der Kommentator des DJV stößt sich scheinbar massiv gleich am ersten Satz:„Wo auch immer der Name Google auftaucht – fast immer wird jemand einen so reflexartig, penetrant wie unreflektiert vorgetragenen Common Senf dazugeben: Google sei ein Monopolist, ein Datenkraken, eine Gefahr. Dieses neue Feindbild ist seit dem Streit über Googles Straßenansichtsdienst Mainstream: Wer Straßen fotografiert, ist böse.“

Die Reaktion beim DJV auf den Artikel Lischkas ist bestenfalls lächerlich zu nennen, allein schon weil genau das passiert was Lischka beschreibt; das besonders, wenn man sich auch die Diskussion und vor allem den Diskussionsstil des, übrigens in fast lächerlicher Weise um Anonymität bemühten, Autors des DJV in den Kommentaren zu dem Artikel ansieht.

Wenn google Inhalte anderer in seine eigenen Angebote einbaut, kann man schon die Frage nach dem Urheberrecht stellen und es ist auch gut diese Frage zu stellen, aber:

Ist es dabei hilfreich so zu tun als wäre die google-Firmenzentrale irgendwo im Keller des Todestern zu finden? Wäre nicht eine sachliche Auseinandersetzung sinnvoller?

Kann man die positiven Aspekte, z.B. den, daß google User zu den eigenen Inhalten leitet, einfach ausblenden, wenn man google betrachtet? Läuft man nicht sogar Gefahr gerade deswegen zum Verlierer zu werden, weil man eine Chance nicht als solche erkennt und damit verpaßt? (Der Musikindustrie könnte es auch besser gehen, wenn sie das Internet als Chance statt als Schlachtfeld begriffen hätte.) Aber, wenn man der namenlose Redakteur des DJV ist kann, man sogar die positiven Aspekte von google sogar zu einem perfiden System umdeuten.  „Online-Anbieter können sich gar nicht mehr leisten, sich von Google auszuschließen, weil Google der Traffic gehört. Das ist das Problem.“

Noch deutlich undurchdachter ist es, gegen google anzuführen, daß es Menschen gibt die eine Arbeitsstelle als Erzieher im katholischen Kindergarten oder Leiter der Drogenhilfe nicht bekommen haben, weil der Personalchef ihren Namen bei google eingeben hat und er dann Bilder des Bewerbers beim Gruppensex auf einem Autobahnparkplatz oder ein Video vom Kotzen beim Komasaufen gefunden hat. Wer solche Details seines Lebens im Internet öffentlich macht, soll bitte auch mit den Konsequenzen leben.

Wer hier google an den Pranger stellt, der stellt auch jegliche Art von investigativem Journalismus, ja jede Art von Berichterstattung die für jemanden negative Folgen haben kann, z.B. die Aufdeckung der Bespitzelung der Lidl-Mitarbeiter durch den Stern oder alles was Günter Wallraff so gemacht hat, in Frage!

Aber vor allem:

Kann man als Journalistenverband völlig unreflektiert gegen google Streetview schießen, ohne dabei auf die Frage einzugehen, ob man damit nicht die Abschaffung der Panoramafreiheit fordert, was zu massiven journalistischen Problemen führt? Wenn es unmoralisch ist Bilder zu veröffentlichen, auf denen man Menschen, Autos oder Häuser sieht, was bleibt denn dann für den Photojournalismus? Was bleibt für Millionen Normalbürger die als Touristen die Welt fotografieren und die Bilder auf ihre Websites stellen? Sind die Vertreter der Street Photography allesamt so unmoralisch wie google oder sehen wir diese Fotografen weiter als wichtige Chronisten des Alltags die dafür sorgen, daß wir uns heute einen Eindruck vom Leben in Paris vor 50 Jahren machen können, wir heute noch sehen können wie Menschen in den 80ern in New York wirklich gekleidet waren; man könnte die Liste ewig fortführen?

Wenn ein journalistischer Interessenverband (und seien es auch nur einzelne, die in seinem Namen sprechen) bei der Verfolgung der eigenen Feindbilder nicht soweit nachdenkt, daß er scheinbar auch die Interessen derer die er vertritt aus den Augen verliert, dann ist das schon traurig.

Das man dann bei mangelnder Begeisterung derer, deren Interessen man zu vetreten glaubt, einfach die Diskussion unter dem Artikel schließt, ist da nur ein finales Detail und der Ton zeugt von immenser Reife im Umgang mit Widerspruch: „So, alle Argumente sind ausgetauscht, es wird ermüdend. Dann werden wir wohl den Freien empfehlen dürfen, Google-Aktien zu kaufen. Auch gut.“





Einfach mal nein sagen!

12 07 2009

Auf themaastrix.net findet sich ein sehr interessanter Text zum Thema Konzertphotographie. Der dem Post neulich einen Aspekt hinzufügt.

Nicht, daß der Versuch Tracy Chapman sich die Rechte an den Bildern unter den Nagel zu reißen etwas neues oder positiv erwähnenswertes wäre:

You hereby acknowledge and agree that Ms. Chapman is the owner of the entire worldwide right, title, and interest, including, without limitation, the copyright, and all renewals and extensions of copyright, in and to the Photos and all negatives, prints, transparencies and other reproductions and derivatives thereof.

Spannend ist aber, daß den Leuten die diesen Vetrag aufgesetzt haben aber scheinbar doch irgendwie klar ist, daß das daneben ist und es deswegen folgenden Anweisung geben soll:

2A. Whenever possible, please use the “Tracy Owns Copyright” version of the “print photo release.”
2B. However, if they photographers or their employers insist on owning the copyrights, then use the “photographer owns copyright” version.

Und wenn man schlicht „nein“ sagt und damit unter 2B fällt, dann liest sich der oberste Absatz im Vertrag schon viel schöner:

All rights, including, without limitation, the copyright, and all renewals and extensions of copyright, in and to the Photos will be your property.

Was zwei Dinge beweist:

1. Irgendwie scheint auch den Managern, Konzertveranstaltern, Künstlern oder wer immer diese Verträge macht klar zu sein, daß es so eigentlich nicht geht. Aber versuchen kann man es ja mal.

2. Es kann sich durchaus lohnen auch mal nein zu sagen! Denn scheinbar sind manche Künstler doch noch auf Berichterstattung angewisen.





Pressefreiheit ist ja nur in China ein Problem…

26 05 2009

pressefreiheitGG

Den wenigsten Menschen die sich auf einem Konzert vergnügen, die mit der Bahn fahren oder die zu einem Fußballspiel gehen ist bewußt, daß sie sich in diesen Momenten in Zonen eingeschränkter Pressefreiheit bewegen.

Journalisten die über Konzerte berichten, besonders, wenn sie fotografieren,  sind ja eh einiges gewohnt. Die Damen und Herren der Konzertveranstalter sind wahre Zuchtmeister und zelebrieren ihre kleinen Machtspielchen mit einer Hingabe die manch anderer nur in einem SM-Club vermuten würde. Macht macht eben nur geil, wenn man sie auch auspielen darf. Man hat sich also, durchaus als demütigend zu bezeichnenden, Akkreditierungsverfahren zu unterziehen. Man darf nur während der ersten drei Lieder fotografieren, die dann gerne auch mal überwiegend im Dunklen gespielt werden, man soll bitte irgendwelche Verträge unterschreiben in denen man dem Künstler alle Recht an den Bildern kostenlos überträgt (und wehe man fragt, ob man im Gegenzug für das Anhören der Musik nicht an den Einnahmen aus den Plattenverkäufen beteilgt werden kann), man soll bitte versichern, daß die Bilder nur in einem bestimmten Medium und das nur innerhalb von ein paar Tagen nach dem Konzert benutzt werden dürfen. Und außerdem soll der Fotograf auch gleich mit Vertragsstrafen, die man sich vielleicht leisten kann, wenn man Robbie Williams ist, dafür haften, falls einer seiner Kunden so ein Bild doch mal ein halbes Jahr nach einem Konzert benutzt. Und die neueste Spielart ist, nur Fotografen von Blättern zuzulassen die schon im Vorfeld des Konzertes brav geschrieben haben, daß das ein ganz toller Abend wird. Das jemand im Nachhinein schreibt, wie ihm das Konzert gefallen hat, ist eh nur erwünscht, wenn das ganze als Werbung für die weiteren Konzert taugt, als überregional und positiv.

20080911sr20016.jpgNette Band, netter Manager, gute Musik: Die Rodgau Monotones

Eines der jüngsten Beispiele ist der Fall des Fotografen Peter Wafzig, der vor einem Konzert der Band Sibermond vom Manager zu Seite genommen und dann rausgeschmissen wurde (er beschreibt das in seinem Blog netter), weil er für laut.de arbeitet und der Manager, Ulf Wenderlich, der Meinung ist, daß laut.de die Platten seiner Band „böswillig runterschreiben“ würde. Also dürfen von den Konzerten der Band Silbermond nur Medien berichten, die gefälligst positiv (und die Rezension bei laut.de ist nun nicht wirklich böse, nur eben nicht so begeistert wie Herr Wenderlich das gerne hätte und um ehrlich zu sein, kann man als Band auch nicht unbedingt erwarten, daß man die Kritiker reihenweise vom Schemel haut, wenn man das Album schon selbst „Nichts passiert“ nennt, oder?) über die Platten der Band berichten. Zum Glück gibt es auch ein paar coole Bands, die einfach mit guter Musik für gute Rezensionen sorgen und die auch damit leben können, daß das was sie machen nicht allen gefällt. 

Rechtlich geht man in der Regel davon aus, daß der Veranstalter eines Konzertes das Hausrecht hat, also kann Wenderlich natürlich bei seiner Veranstaltung mitmachen lassen und heimschicken wen er will. Natürlich kann man einwenden, daß ein Konzertveranstalter nicht jeden der sich Journalist nennt und irgendeinen Presseausweis hat umsonst ins Konzert lassen muß, sonst würden die „Journalisten“ die Mehrheit der Konzertbesucher stellen; sich ein Blog einzurichten ist sicher billiger als sich eine Karte zu kaufen und nicht zuletzt bewerben unzählige dubiose Presseausweisanbieter ihre Ausweise im Internet ja als eine Art-Universal-AAA-Backstage-OnStage-Tourbus-Vip-Paß. Aber im Fall Wafzig geht es ja um einen Kollegen, der das komplette Akkreditierungs- und Legitmierungsprozedere ja schon erfolgreich hinter sich gebracht hatte. Ob man ihn nur hat antanzen lassen, um ihn rausschmeissen zu können, sei mal dahingestellt.  

Was das für die Pressefreiheit heißt dürfte klar sein: Über Konzerte und CDs sollen nach dem Willen von Herrn Wenderlich und manch anderem in der Musikbranche tunlichst nur solche Medien berichten die positiv berichten. Eine Musikmagazin, daß immer alles geil findet ist für den Leser völlig wertlos. Im Übrigen gibt es das längst, das sind nämlich diese Heftchen die McDonalds und BurgerKing ausliegen und in denen noch nie ein Film oder eine CD als mittelmäßig, geschweige denn als grottenschlecht bezeichnet wurde.

Es geht also nur um eines Kontrolle der öffentlichen Meinung und der Meinungsäußerung in der Presse. Und es geht dabei um Geld, um Plattenverkäufe und um Konzertbesuche die man nicht dadurch gefährdet sehen will, daß jemand frei seine Meinung äußert.

 

Art 5 Grundgesetz

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Dummerweise gilt das eben nicht im Privaten und so berufen sich auch andere gerne mal auf das Hausrecht, so wie z.B. die Bahn, die gerne sämtliche ihrer Anlagen als dem Hausrecht unterworfene Bereiche sehen mag. Warum dort dann aber die Bundespolizei für umsonst aufpaßt, statt sich die Bahn wie jedes andere Unternehmen da einen privaten Werkschutz leisten muß, sollte einen schon stutzig machen. Sehr interessant in diesem Zusammenhang auch der Artikel von Timo Rieg, der spannende Frage aufwirft, warum nichtmal eine Berichterstattung über die Bundespolizei dort ohne die Einwilligung der Bahn möglich ist. Schließlich sieht das GG die Presse ja auch als ein wichtiges, anabhängiges Kontrollorgan gegenüber staatlichen Stellen wie eben der Bundespolizei.

Wer als von Bahngelände oder aus Zügen berichten will, der muß vorher eine Drehgenehmigung bei der Bahn beantragen oder er riskiert eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch.


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Es gibt jede Menge Berichte von Kollegen (siehe hier auch wieder Timo Rieg), daß es garnichtmal so einfach ist eine solche Genehmigung zu bekommen, besonders, wenn bei der Bahnpressestelle der Eindruck entsteht, daß es da eher um ein für die Bahn unerfreuliches Thema geht. Mal abgesehen davon, daß es doch recht schwer werden dürfte für einen Abends um 21.00 Uhr für den nächsten Morgen um 4.30 Uhr angekündigten Lokführerstreik eine Genehmigung zu bekommen.

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Und wo man eine Dreh-/Aufnahmegenehmigung herbekommen soll, wenn die Teilnehmer eine Demo plötzlich den Bahnhof stürmen und Gleise besetzen oder einfach in einen Zug steigen, um mit der S-Bahn unter einer Polizeikette durchzufahren, weiß der Himmel. Dass man da einfach so reinspazieren kann, daß da Geschäfte sind, daß da eine Polizeiwache ist, erweckt ja alles schon Zweifel, daß es sich bei Bahnhöfen nicht um öffentlichen Raum handelt.

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Aber auch hier ist die Stoßrichtung klar, es geht darum das Bild des eigenen Konzerns in der Öffentlichkeit zu kontrollieren und unliebsame Berichterstattung zu unterbinden. Das gilt natürlich auch für Sportunternehmen wie den DFB (bzw. der Württembergische Fußball-Verband) oder den FC Bayern München. Ersterer hat sich an der Website Hartplatzhelden abgearbeitet, die sich erdreistet hatte eine Art youtube für lustige Amateuervideos aus der Kreisliga aufzubauen. Huch? Kreisliga, stimmt die gab es ja auch noch, das kann man natürlich nicht zulassen, schließlich könnte man da ja Gebühren nehmen oder sowas selbst machen und selbst eventuelle Werbeeinnahmen kassieren. 

Hartplatzhelden unterstützen

Der deutsche Fußball liegt danieder und kann nur überleben, wenn auch jeder Amateurvideofilmer in der Kreisklasse zur Kasse gebeten wird. Das Fernsehen zahlt ja auch bereitwillig Unsummen, da kann doch Paul Müller auch mal ein paar Tausend Euro…..oder?

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Letzterer (also der FCB) mag es nicht, wenn Medien Videos von den FCB-Pressekonferenzen ins Netz stellen. Das hat einen einfachen Grund, denn wie will man das eigene kostenpflichtige FC-Bayern-TV im Netz verkaufen, wenn es das woanders auch gibt? Die Jounalisten auf der PK sind also eher sowas wie Statisten, die durch nette Fragen zum Gelingen beitragen dürfen und dann isses aber auch gut! 

Und beim letzten Castortransport hat dann auch noch die Polizei angefangen Akkreditierungen auszuteilen, natürlich ohne irgendwelche Einschränkungen oder Bedingungen. Für’s erste.

Pressefreiheit wie sie das Grundgesetz meint, ist mehr als die Möglichkeit sich Morgens eine nackte Studentin auf der „Bild“ ansehen zu können, die davon träumt von einem 50jährigen übergewichtigen Bauarbeiter mit schlechten Zähnen aber ohne gutes Deo geküßt zu werden.

Ergänzungen:

Einen weiteren spannenden Aspekt fand ich dann man noch beim DJV. Es ist schon bizarr und bezeichnend, daß man in den Verträgen die Pressefotografen als „Medienpartner“ bezeichnet.