Für einen Photographen ist eine Website die perfekte Möglichkeit potentiellen Kunden die eigenen Arbeiten zu präsentieren. Das macht man am besten mit seinen Photos. Aber natürlich ist auf einer Website auch jede Menge Platz für Texte und es gibt ja auch einiges was man da sinnvollerweise aufschreiben könnte und was für einen potentiellen Kunden eine wertvolle Information wäre. Das sind so Dinge wie Kontaktdaten, der eigene Wohnort, die Arbeitsfelder, die eigenen AGB, Hinweise zum Copyright, die Sprachen die man so spricht, ein paar biographische Daten…
Doch viele Photographen schreiben auf ihren Websites Zeug nieder, das man bestenfalls als ungeschickt oder sonderbar, in Verbindung mit den dort gezeigten Bildern in vielen Fällen auch irgendwo zwischen Lächerlichkeit und völligem Realitätsverlust einstufen kann. Wenn man schlecht photographiert, dann reißen das auch 1000 Zeilen feinste Marketing-Prosa nicht raus, wenn man aber ganz gut photographiert und Unfug schreibt, dann schadet man sich damit. Wer schlecht photographiert und das mit sonderbaren Texten garniert…naja, was soll man da groß sagen.
Zuerst sollte man sich überlegen, was man will. Wenn man dem Kunden zeigen will, daß man Berufsphotograph ist, dann sollte man darauf verzichten seine Dienste auch gleich noch als Webdesigner, Layouter, Lieferant für Visitenkarten und Fachbetrieb für Kanalreinigung anzubieten:
- Erstellung und Wartung von Online-Auftritten
- Programmierung von Websites
- Einrichtung von Servern,Domains,CMS und Bloggsoftware
- Beratung in technischen und programmtechnischen Fragen
- Erstellung von Printwerbung
- Konzeption, Erstellung und Druck
- Fotografie zu Werbezwecken
Wenn der Photograph auch all das macht statt es einer Fachkraft zu überlassen, warum sollte dann nicht irgendwer sonst anstelle des Photographen genauso gut photographieren können?
Wer sich schon die Mühe macht, so zu tun, als würde er 50 Wochen im Jahr für National Geographic durch die Welt fliegen oder in Splitterschutzweste und Kevlarhelm (Kevlar kommt später nochmal) Kriege „covern“ und dabei ein Schweinegeld verdienen, sollte die Illusion nicht selbst dadurch zerstören, daß er auf seiner Website anbietet für 20 Euro zu mir nachhause zu kommen und Paßbilder von mir zu machen. Wenn er es trotzdem macht, dann will ich aber, daß er die Splitterschutzweste und den Kevlarhelm trägt, wenn er kommt.
Universalspezialisten
Auf seiner Website zu sagen, in welchen Teilen des weiten Feldes Photographie man bevorzugt tätig ist ist für den Kunden nur dann von Wert, wenn man sich nicht von der Angst treiben läßt irgendeinen Auftrag verlieren zu können. Das Internet ist voll von Photographenwebsites deren Inhaber für sich in Anspruch nehmen sich auf mindestens 8 der folgenden Bereiche spezialisiert zu haben:
Presse, Reportage, Hochzeit, Akt, Schwangerschaft, Portraits, Events, Sport, Beauty, Editorial, People, Konzertphotographie, Kultur, Theater, Haustierphotographie…
Beleg für diese Spezialisierung sind dann in vielen Fällen Galerien bei denen man auf den ersten Blick sieht, daß die Spezialisierung eigentlich nur darin besteht, daß man mal jeweils ein Konzert, Theaterstück, Sportereignis etc. mehr schlecht als recht fotografiert hat.
Das man, wenn man den Begriff „fotojournalist“ auch noch in der eigenen URL unterbringt, auf seiner Seite vielleicht was anderes anbieten sollte als Paßbilder, Dankkarten und Familienfotos, sollte eigentlich selbsterklärend sein.
Ebenfalls sehr beliebt sind lange Listen und Elaborate zur Ausrüstung die der Photograph benutzt. Da könnte man natürlich sagen, daß es für einen Kunden schon eine wichtige Information ist, ob der Photograph digital arbeiten kann und z.B. in der Lage ist aktuell Bilder zu schicken. Aber solche Informationen findet man auf Photographenwebsites selten. Stattdessen weiß der Kunde nach einem Blick auf die Website des Photographen, welchen Monitor der zuhause stehen hat, in welchem Koffer er seine Kamera transportiert und mit welcher Datenrate der Speicherkartenleser arbeitet. Ein Beispiel aus der Praxis:
Mit dieser Fotoausrüstung arbeite ich:
Kamera: Nikon D3
Diese Fotokamera ist mit einem Bildsensor im FX-Format (23,9 x 36 Millimeter) und einem Empfindlichkeitsbereich von ISO 200 bis 6400 ausgestattet. Sie ist perfekt auf mich zugeschnitten, da ich bisweilen unter extremen (Licht-)Bedingungen arbeite (Luftbild- und Eventfotografie etc.). Ihr Verschluss aus einem Kevlar-/Kohlefaser-Verbundmaterial und die „EXPEED-Bildverarbeitungs-Engine“ ermöglichen mir Serienaufnahmen mit neun bis elf Bildern pro Sekunde.
Mich hat noch nie (wirklich niemals) ein Kunde gefragt, welche Kamera ich benutze oder ob meine Kameras Verschlüsse aus Kevlar-/Kohlefaserverbundmaterialien haben. Kein Kunde sucht „einen Photographen mit einem Nikon 14-24er“.
Schlimm ist es auch, wenn Anspruch und Wirklichkeit so weit aueinander klaffen, daß selbst völlige Laien bestenfalls den Kopf schütteln. Wer behauptet als Photograph hauptberuflich journalistisch zu arbeiten, dabei aber betont, daß es ihm seine Ausrüstung sogar erlauben würde außerhalb der eigenen vier Wände zu arbeiten und in Blockschrift darauf hinweist, daß ein „PRESSEAUSWEIS VORHANDEN“ sei, macht sich lächerlich. Gleiches gilt für Formulierungen wie „flexibel und mobil durch eigenen PKW„.
Wer auf seiner Website eine Galerie für den Arbeitsbereich „Presse“ hat und da im Text verspricht,
Als „Lichtbildner des Zeitgeschehens“ produziere ich für Sie sowohl tagesaktuelle Bilder als auch Reportage-Fotografien von Personen und Ereignissen. Mein Anspruch ist es dabei, den Bildern bereits vor ihrer Entstehung eine bedeutsame Aussagekraft zu verleihen.
der sollte dann aber auch mehr zeigen können als 10 schlecht photographierte Bilder von einem Termin mit irgendeinem Lokalpolitiker. Mal abgesehen davon daß mir mal jemand erklären müßte, wie man Bildern bereits vor der Entstehung eine bedeutsame Aussagekraft verleiht.
Ebenfalls eine oft eher unterhaltsame Rubrik ist die Referenzen-Seite oder Biographie-Seite. Jedenfalls wenn da mit allem gewuchert wird, was man so zur Verfügung hat oder haben glaubt.
Doof nur, wenn man da Kundenreferenzen angibt bei denen dann auf der Website keine Bilder des Photographen zu finden sind sondern wo für alle Bilder andere Photographen angegeben sind oder wo auf der Seite genau Null Bilder sind.
Sehr beliebt ist es auch darauf hinzuweisen, wo man überall Mitglied ist: CPS, NPS, DGPh, freelens, DJU, DJV, ADAC, AOK, ADC, ADG, VG Bild-Kunst etc… Fast könnte man meinen, daß die Mitgliedschaften da verliehen werden und nicht durch den Kauf einer bestimmten Anzahl Kameras/Objektive oder simple Beitragszahlung erworben werden können.