Leica M9 – Eine Sucherkamera braucht halt einen Sucher

9 11 2009

Mit der Olympus EP-1 bin ich nicht glücklich geworden und bei Olympus hat man scheinbar auch erkannt, daß eine Sucherkamera ohne Sucher irgendwie nicht so das Ende der Weisheit darstellt und deswegen wird es ab Anfang nächstem Jahres eine EP-2 geben bei der man einen elektronischen Sucher aufstecken kann (selbiges bietet auch die Panasonic GF-1, die ebenfalls den MicroFourThirds-Standard nutzt).

Ob es Spaß machen wird mit diesem elektronischen Sucher scharf zu stellen und wie gut das gehen wird, wird man sehen, in jedem Fall macht er die Kamera nicht unbedingt kompakter. Aber wer Zoomobjektive will, wie sie zu den MFT-Kameras angeboten werden, wird um einen elektronischen Sucher kaum herumkommen.

Für mich ging der Weg deswegen zurück zur Meßsucherkamera (meiner M6TTL hatte ich auch lange genug nachgetrauert). Meßsucherkameras sind nicht jedermanns Sache, ob man damit klar kommt muß jeder für sich selbst entscheiden. Dem ganzen aber mal eine Chance zu geben und sowas mal auszuprobieren ist sicher kein Fehler. Meßsucherkameras, gerade wenn Leica draufsteht und sie teuer sind, gehören zu den Dingen in der Fotografie zu denen viele eine Meinung haben; auch gerne ohne sowas überhaupt mal benutzt zu haben. Gleichzeitig sind Meßsucherkameras der Kameratyp, bei dem einem fremde Meinungen am wenigsten helfen. Manche Dinge muß man einfach selbst ausprobieren.

Nach einem kurzen Leica M8-Gastspiel* tut jetzt hier seit ein paar Wochen eine M9 ihre Pflicht und Schludigkeit; und das macht sie richtig gut. Schon die M8 war eine Offenbahrung, aber kaum daß sie da war, war leider schon das Ende ihres Gastspiels absehbar, deswegen hab ich es mir geschenkt etwas dazu zu schreiben, aber viele Dinge die an der M9 toll sind, sind an der M8 schlicht identisch und machen die M8 momentan auch zu einer tollen Gebrauchtkamera. Auch wenn man an jeder Ecke jemanden findet, der einem erklärt, daß die M8 praktisch unbrauchbar sei – Leute die damit fotografieren sehen das anders.

Die M9 ist eine „richtige Kamera“, wenn man die Blende verstellen will, dreht man am Blendenring, wenn man scharfstellen will am Fokussierring und wenn man die Belichtungszeiten verstellen will, dann dreht man am Zeitwahlrad, alles wie bei einer analogen M6. Das ist so dermaßen intuitiv, daß einem Kameras wie eine E-P1 vorkommen wie ein Zauberwürfel. Es ist einfach eine Freude wieder mit einer M-Leica arbeiten zu können, weil es so ist als hätte man wieder eine gute alte Kamera in der Hand. Das ist ein wenig so wie der haptische Unterschied zwischen eine Nikon FM2 und einer D90, das optisch, mechanischen Erlebnis der Fotografie gewinnt wieder über all die elektronischen Aspekte. Natürlich braucht die M9 wie jede Digitalkamera auch ein paar Knöpfe für den digitalen Teil und ein Display auf dem Rücken, hat Menues und eine Speicherkarte, aber auch das ist alles überaus einfach und elegant gelöst, daß man oft schlicht verwundert ist, daß an der Kamera nichts fehlt.

Der Engländer sagt zum Sucher „Finder“ und der Unterschied zwischen einem Sucher einer Sucherkamera wie einer Canon G9 und dem Sucher der Leica M9 ist eigentlich ganz gut beschrieben, wenn man den einen Sucher und den anderen „Finder“ nennt. Der entscheidende Vorteil einer Meßsucherkamera gegenüber einer Sucherkamera ist schlicht und einfach, daß man wirklich sieht wo man fokussiert und das mit einer Präzision die es ermöglicht auch wirklich lichtstarke Objektive bei Offenblende zu benutzen. Die Leica Objektive sind auch bei Offenblende schon gestochen scharf, aber das wäre völlig nutzlos, wenn die Kamera es nicht ermöglicht die präzise Schärfe da hinzulegen wo man sie haben will.

Das war einer der Punkte die an der Olympus EP-1 ärgerlich waren, denn der eingebaute AF hat schon beim 2,8 17er (entspricht einem 35er an KB) bei Offenblende gerne mal daneben gelegen und auch mit der manuellen Fokussierung (über das Display) war das nicht besser zu schaffen (auf das Paar im Hintergrund zu fokussieren wie beim ersten Bild war ein Albtraum), mal abgesehen davon, daß das nicht wirklich schnell geht. Ob man mit einem 1,4er Objektiv da glücklich wird man sehen müssen. Ein gescheiter Sucher war früher etwas ganz normales und sogar Meßsucher waren in Kameras wie der Minolta Hi-Matic zu finden.

Manuelles Fokussieren mit der M9 geht mit ein wenig Übung schneller und präziser als mit dem AF einer Sucherkamera.

Und die Schärfe liegt dann auch genau da, wo man sie haben will. Denn das Meßfeld einer Meßsucherkamera zeigt genau, was innerhalb des Meßfeldes scharf wird, das AF-Meßfeld einer AF-Sucherkamera stellt auf irgendwas innerhalb des Meßfeldes scharf, was genau das ist, ist das Geheimnis des AF-Systems, denn im Gegensatz zur Spiegelreflex und Meßsucherkamera gibt es bei der AF-Sucherkamera keine optische Kontrolle der Schärfe im Sucher (elektronische Sucher mal ausgenommen, aber die haben die gleichen Probleme wie die Displays auf der Rückwand).

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Wenn es dann noch ein gutes Objektiv ist, dann ist die Schärfenebene auch am Rand so scharf wie in der Mitte.

Abgesehen davon, daß die Optiken, die Leica für das M-System baut, zum besten gehören, was man für Geld kaufen kann, sind die Dateien die aus der M9 (oder auch der M8) kommen wegen des nicht vorhandenen AA-Filters vor dem Chip im Vergleich zu anderen Kameras, wie der EOS 5DII, ungeheuer scharf.

Beim Thema Rauschen kann die M9 gegenüber der M8 punkten, aber nicht mit Kameras wie der 5DII oder der Nikon D3 mithalten. Das ist ein tolles Thema für Leute die sich stundenlang damit beschäftigen können Bilder bei 100% zu betrachten, die noch nie einen 800ASA CN-Film gesehen haben und für die das Bild nicht sehen, weil sie an den technischen Aspekten des Fotos hängen bleiben.

Die Praxis ist eine andere Geschichte: Meine Canon DSLRs benutze ich in der Regel bis 800ASA, wenn es sein muß auch mal bis 1600ASA. 3200ASA ginge zur Not auch, allein ich brauche es vielleicht alle 6 Monate einmal. Die M9 ist bei 800ASA unkritisch und bei 1600ASA noch keine Katastrophe, dazu kommt der Vorteil der lichtstarken Objektive und der genaueren Fokussierung, was schnell nochmal 1-2 Blendenstufen bringt. Wo ich mit der Canon bei 800 ASA liege, reichen mir bei der M9 meist schon 400ASA. So gesehen ist Rauschen nichts wovor man bei der M9 sonderlich Angst haben müßte.

Was die Bildqualität betrifft braucht sich die M9 vor Spiegelreflexkameras nicht zu verstecken. Und auch sonst kann sie punkten, denn eine M9 mit 2-3 Objektiven kann man locker in den Jackentaschen unterbringen (ein Leica M 1,4 35er ist ein Winzling im Vergleich zu einem Canon EF 1,4 35L) das macht das Leben im wahrsten Sinne des Wortes leichter, denn eine DSLR mit 2-3 Objektiven den ganzen Tag zu schleppen kann ganz schön in die Knochen gehen. Dazu kommt, daß die Leica leiser und weit weniger auffällig ist als eine DSLR.

Kurz: Die M9 ist eine digitale M6 mit besseren Filmen als man sie zur M6 kaufen konnte.

Auf der negativen Seite stehen ein paar Kleinigkeiten, wie z.B. der Umstand, daß die Kamera Ewigkeiten (im Vergleich) braucht, um eine Speicherkarte zu formatieren, was sich sicher per Firmware-Update lösen läßt und ich hätte die Kamera lieber schwarz verchromt statt lackiert gekauft. Und einen mechanischen Aufzugshebel hätte ich auch lieber als den elektrischen Aufzug. Aber relevant ist das alles kaum.

* Die M8 ist mit der aktuellen Firmware und einem IR-Filter vor dem 6-bit codierten Objektiv eine wirklich tolle Kamera und wenn man sie nicht mit einer M9 zusammen benutzt, kann man damit sehr sehr glücklich werden. Aber eine Kamera die IR-Filter braucht und eine Kamera die ohne auskommt zusammen zu benutzen ist einfach eine anstrengende Kombination.





Ralph Laurens Kampf gegen die Magersucht

7 10 2009

Wenn ein Modelabel was gegen Magersucht macht  ist das mindestens gut wie etwas zum Urheberschutz zu machen. Jedenfalls im Prinzip. Wenn man sich als Modelabel aber entblödet ein krankes Bild eines im Photoshop völlig unnatürlich bearbeiteten Model zu nutzen und dann versucht die Berichterstattung darüber unter zuhilfename des Urheberrechts zu verbieten, dann ist das was anderes. Das wirklich abartige an dem Bild ist, daß es (jedenfalls für alle die sich nicht darüber totlachen und glauben man könne wirklich so aussehen) den Eindruck vermittelt man könne sich soweit runterhungern ohne das das Gesicht völlig abgezehrt aussieht, an den Armen jede Vene und Sehne zu sehen ist und alles was mal Oberweite war den Bach runter geht.

Magersucht ist eine Krankheit und man kann nicht gleichzeitig eine Wespentaille und das dralle gesunde Gesicht der Biene Maja haben! Wer das Gewicht eines Verhungernden aus der Sahel-Zone haben will, der bekommt auch das Gesicht eines Sterbenden.

So zu tun als wäre es möglich das eine ohne das andere zu haben ist zynisch und gefährdet die Gesundheit tausender Essgestörter in aller Welt noch mehr als das ohnehin der Fall ist. Zu versuchen Hinweise, daß die Frau in der Anzeige garnicht wirklich so aussehen kann – was vielleicht das eine oder andere jungen Mädchen vom Versuch abhalten könnte sich so eine Figur zu erkotzen – zu unterbinden setzt dem ganzen noch einen drauf und das ganze bekommt einen menschenverachtenden Touch.

Ganz abgesehen davon, daß sowas im Internet eh nicht funktioniert, denn was man bei photoshopdisasters nicht mehr sehen kann, sieht man jetzt auf all jenen Seiten die darüber berichten, wie hier im Screenshot:





In „Eigenleistung“ verbreitert…

3 10 2009

Wenn man als Bildredakteur ein Bild braucht, daß als extrem breites und flaches Bild funktioniert, dann kann man sich ein Bild suchen, bei dem das so ist oder man kann sich ein suchen bei dem das per Beschnitt funktioniert (wobei da immer die Frage bleibt, ob das dem Fotografen recht ist, denn der hat das Format seines Bildes und die Frage was in seinem Bild so zu sehen ist ja auch aus einem gewissen Grund gewählt und mag es nicht unbedingt, wenn am Ende genau das was ihm wichtig war abgeschnitten ist).

Was allerdings völlig daneben ist, ist einfach das fehlende Drittel zu spiegeln, ein paar allzu verräterische Details zu „photoshoppen“ und das dem Leser noch als Foto zu verkaufen, so wie es die Stuttgarter Zeitung gemacht hat, was aber bei den Leuten von Bildblog aufgefallen ist.

Peinlicher wird das ganze noch, wenn der journalistische Anspruch hinter dem breiten Bild vom Chefredakteur wie folgt erklärt wird:

„Das Foto auf der Seite 1 ist kein Selbstzweck. Es soll zwar die Optik der Titelseite attraktiver und moderner machen, aber es soll vor allem die journalistische Qualität und journalistische Eigenleistungen der StZ hervorheben.“

Da kann man nur sagen: Besser man hätte das mit der „Eigenleistung“ gelassen und nicht an der Leistung des Fotografen rumgefrickelt.

Die ganze Geschichte bei: www.bildblog.de





Oktoberfest in Nord-Korea!

19 09 2009

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In Deutschland ist Pressefreiheit kein wirkliches Problem, in anderen Ländern sieht das anders aus. Das ist ja hinlänglich bekannt.

In diesem Jahr findet mit Unterstützung des Goethe-Instituts, des Landes Bayern und der EU zum ersten Mal ein Oktoberfest in Nord-Korea statt. Zur Berichterstattung gaben die nordkoreanischen Behörden folgendes bekannt:

Der Pressesprecher des nordkoreanischen Ministeriums für Bier & Presse, Kim Sung Lee, macht die Akkreditierung von Fotografen für das Festzelt davon abhängig, dass nur Motive fotografiert werden, die ihm genehm sind. „Sie dürfen das machen, was ich zulasse“, sagte Lee.

Fotografen dürften im Zelt auch nur in seiner Begleitung unterwegs sein. Er begründete dies damit, dass er um das Image des Festzeltes und Nord-Koreas besorgt sei. „Es gibt ein paar Dinge, die will ich nicht sehen“, sagte Lee. Falls ein Fotograf in seiner Begleitung Motive ablichten wolle, die er nicht in Ordnung finde, „dann werde ich wahrscheinlich die Hand vor die Kamera halten“, sagte er.

„Ich will keine Oppositionellen, ich will keine Demonstrationen. Dieses Recht steht mir zu“, sagte Kim Sung Lee und fügte hinzu: „Das ist meine Spielregel.“

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Und auch andere staatliche Stellen machen bei der Zensur (anders kann man das nicht nennen) fröhlich mit:

So fordert das nordkoreanische Tourismusamt TV-Teams auf, täglich eine Liste der geplanten Themen zusammen mit den Akkreditierungsunterlagen abzugeben. Danach entscheide das Amt über die Erteilung einer Drehgenehmigung.

In mindestens einem Fall sei diese Genehmigung „ohne ersichtlichen Grund tatsächlich verweigert“ worden, so Reporter ohne Grenzen.

Das nordkoreanische Tourismusamt als Veranstalter des Oktoberfestes wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf der nordkoreanischen Wiesn gebe es keine Zensur, und Journalisten würden auch nicht in der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. „Das Tourismusamt erteilt auf Wunsch jederzeit Fotogenehmigungen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Aber mal ehrlich was anderes haben wir von denen in Nord-Korea ja auch garnicht erwartet, oder?

Dumm nur, daß das alles garnicht stimmt! In Wirklichkeit sieht der Text nämlich so aus und es geht um das echte Oktoberfest in München, Bundesrepublik Deutschland:


Der Pressesprecher des staatlichen Hofbräuhauses, Stefan Hempl, macht die Akkreditierung von Fotografen für das Festzelt davon abhängig, dass nur Motive fotografiert werden, die ihm genehm sind. „Sie dürfen das machen, was ich zulasse“, sagte Hempl.

Fotografen dürften im Zelt auch nur in seiner Begleitung unterwegs sein. Er begründete dies damit, dass er um das Image des Hofbräuzelts und der Brauerei besorgt sei. „Es gibt ein paar Dinge, die will ich nicht sehen“, sagte Hempl. Falls ein Fotograf in seiner Begleitung Motive ablichten wolle, die er nicht in Ordnung finde, „dann werde ich wahrscheinlich die Hand vor die Kamera halten“, sagte er.

„Ich will keine Nackten, ich will keine Titten. Dieses Recht steht mir zu“, sagte Hempl und fügte hinzu: „Das ist meine Spielregel.“

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Und auch direkt staatliche Stellen machen bei der Zensur (die man in Deutschland natürlich nicht so nennen wollen würde) fröhlich mit:

Zudem fordere das Münchner Tourismusamt TV-Teams auf, täglich eine Liste der geplanten Themen zusammen mit den Akkreditierungsunterlagen abzugeben. Danach entscheide das Amt über die Erteilung einer Drehgenehmigung.

In mindestens einem Fall sei diese Genehmigung „ohne ersichtlichen Grund tatsächlich verweigert“ worden, so der BJV.

Das Münchner Tourismusamt als Veranstalter des Oktoberfestes wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf der Wiesn gebe es keine Zensur, und Journalisten würden auch nicht in der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. „Das Tourismusamt erteilt auf Wunsch jederzeit Fotogenehmigungen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Quelle: Spiegel Online

Wer die Presse nur als Marketinginstrument versteht und deswegen meint es wäre ok, wenn sie nur die Sonnenseiten zeigen sollte und man ihr den Rest einfach verbietet, hat zwar nicht wirklich begriffen was das Grundgesetz zum Thema Presse sagt. Auf der anderen Seite ist man mit solchen Aussagen wie denen oben aber für den Fall, daß es in Deutschland nicht mehr weiter geht durchaus qualifiziert sich als Pressebetreuer in Nord-Korea zu verdingen, oder?

Und nein, es soll mir niemand (wie Herr Hempl das tut) mit irgendwelchem Geseier kommen, es ginge ihm darum die betrunkenen Damen die sich entblößen zu schützen oder stellvertretend die Persönlichkeitsrechte der vollgekotzen Alkoholleiche wahrzunehmen. Wenn Herrn Hempl die Menschen so sehr am Herzen liegen würden, dann könnte er ja eine Grenze einführen, ab der den Kunden nichts mehr ausgeschenkt wird. Aber solange der Gast bezahlt und Herr Hempl dran verdient, ist es ihm egal, ob sich Menschen dort bis zu Besinnungslosigkeit besaufen und neben den Zelten am eigenen Erbrochenen ertsicken. Nur zeigen soll das bitte keiner!

In Nord-Korea würden wir das Zensur nennen. Und deswegen sollten wir uns alle mal die Frage stellen, wie wir mit sowas in unserem eigenen Land umgehen wollen. Jedenfalls wenn wir nicht davon träumen, daß es bei uns wird wie in Nord-Korea!





Piraten vs. Photographen

14 09 2009

Heute hatte ich das Vergnügen einen Auftritt von 5 Bundestagskandidaten in einem Gymnasium erleben zu dürfen.

Reden wir besser nicht vom ersten Teil der Diskussion in der die amtierenden und angehenden Volksvertreter sich zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr äußerten. Höhepunkt war, als einer, ich glaube der von der Linken, den Schülerinnen und Schülern mal etwas von der „Hagener Konvention“ erzählte. Tolle Werbung für die Stadt Hagen oder ein Armutszeugnis für jemanden der sich aufschwingt als Politiker anderen zu erklären wie die Welt funktioniert und der das mit der Haager Landkriegsordnung selbst nicht so recht verstanden hat.

Als nächsten Punkt hatte man sich das publikumswirksame Thema Urheberrecht ausgesucht. Wohl in der Hoffnung, daß Jugendliche alle im Internet Musik runterladen und dabei nicht kriminalisiert werden wollen. Da sollte man doch punkten können.

Und in der Folge kamen dann gute 30 Minuten die einem Urheber die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Den Höhepunkt bei diesem Treiben bildeten die Äußerungen des Kandidaten der Piratenpartei, der sich eigentlich für kaum eine Position zu blöd war. Vom Klassiker „Wenn ich etwas aus dem Internet runterlade, dann mache ich eine Kopie und das Original ist nicht weg also ist kein Schaden entstanden“. Bis hin zu so tollen Vorschlägen wie der Idee, daß Urheber ihr Geld gefälligst ausschließlich mit Konzerten verdienen sollen für die ihre Werke ansonsten nur kostenlos verteilte Werbung sein sollen.

Na, herzlichen Dank! Da hat ja jemand alle Arten des geistigen Eigentums voll und ganz verstanden und beweist eine beeindruckende Kompetenz.

Urheberschaft gibt es scheinbar nur bei Musik, Filmen und Software.

Nur zu gerne hätte ich da auch mal ein paar Fragen gestellt, die die Veranstaltung aber sicher gesprengt hätten:

- Wie veranstalte ich als Fotograf, Illustrator oder Schreiber Konzerte die meinen Lebensunterhalt decken?

- Was muß ich als Fotograf zukünftig jemandem zahlen, wenn er mit meinen Fotos auf seiner Website Werbung für meine Konzerte macht?

- Ist Schwarzfahren auch ok; jedenfalls solange ich die U-Bahn nicht mitnehme?

- Ist mir wirklich kein Schaden entstanden nur weil ich die Datei noch habe, wenn mein Portrait einer jungen blonden Frau deutschlandweit auf Nazi-Wahlplakaten zu sehen war und deswegen kein Kunde mehr mit dem Gesicht Werbung für irgendein Produkt machen will, das Bild also unverkäuflich geworden ist?

- Wird sich die Konzertkarten noch jemand leisten können, denn die Kosten für die Produktion der Alben einer Band müssen ja irgendwo herkommen?

- Fordert die Piratenpartei auch daß Pornofilme kostenlos abgegeben werden und wie sehen da die Konzerte aus?

- Wo kommen die ganzen Theater her in denen Filmschauspieler auftreten um den Werbeeffekt ihrer Filme in Geld umzusetzen? Was kosten da die Karten um millionenteuere Filme zu refinanzieren?

- Wenn die Piratenpartei den Schülern in Aussicht stellt, daß Urheberrechtsverletzungen kein Thema sein sollen und im Internet juristisch alles nicht so eng zu sehen ist, was sagt die Piratenpartei denn dann wenn jemand den Schülern bei ebay, was verkauft, das Geld nimmt und keine Ware schickt?

Der große Verlierer der Diskussion war übrigens der Schüler, der später gerne Filme machen würde und sich irgendwie nicht vorstellen konnte wie er davon leben können sollte.

Dem hat man dann was von irgendeiner Kulturflatrate erzählt.

Ich soll jetzt also glauben, daß alle die heute schon (durchaus nachvollziehbar) wegen der GEZ-Pflicht von Computern auf die Barrikaden gehen in Zukunft heiß drauf sind eine Abgabe auf alle Internetanschlüsse zu entrichten, die dann an die Urheber geht?

Mal abgesehen davon, daß so eine Kulturflatrate nichts anderes ist, als der Versuch derer, die für die Werke von Urhebern nicht bezahlen wollen, die Kosten für diese Werke auf die Allgemeinheit umzulegen (man stelle sich nur eine Benzinflatrate vor, bei der die Fahrrad- und 3L Lupo-Fahrer helfen den Durst der SUVs zu stillen), kann das nur funktionieren, wenn es sich dabei um einen lächerlichen Feigenblattbetrag handelt, von dem am Ende praktisch nichts bei den Urhebern ankommt. Ein Almosen, das eher ein Hohn als ein Honorar ist.

Wie sollten denn die Ausschüttung solcher Gelder geregelt werden, die Frage, was die Verwaltung einer solchen Abgabe verschlingt, mal außen vor?

Bekomme ich für 100 unterbelichtete Fotos in 10 Sekunden mit 10B/s gemacht genausoviel wie jemand der 100 aufwändige Portraits an 100 Arbeitstagen fotografiert hat? Um das fair zu regeln müßte man ja irgendwie messen, was wie oft runtergeladen wurde oder soll jemand der ein völlig mißlungenes Foto produziert genausoviel bekomme, wie jemand der den Sommerhit des jeweiligen Jahres produziert hat? Jetzt kann ich mir nicht vorstellen, daß diejenigen die sich eine Kulturflatrate wünschen eine solche Erfassung der Nutzung haben wollen. Da würde das Lieblingsfeindbild der Piratenpartei ja lachend aus dem Rollstuhl kippen.

Ergänzung:

Was mir heute beim Nachdenken noch besonders sauer aufgestoßen ist, ist daß da auch tatsächlich das Argument kam, daß man mit all diesen Plänen zur Abschaffung des geistigen Eigentums junge Talente fördern und Ihnen somit eine Chance geben würde. Das ist etwas, daß Fotografen zur Genüge kennen: Leute die etwas für lau abgreifen wollen und dabei noch mäzenatenhaft tun, weil sie sich herablassen den Namen des Fotografen an das Bild zu schreiben, was schließlich eine tolle Werbung ist.

Soll man doch einfach sagen: wir finden die Idee des geistigen Eigentums scheiße, wollen dafür nix bezahlen und was aus denen die sowas herstellen wird ist uns auch egal. Das wäre wenigstens ehrlich.  Aber bitte nicht so tun, als würde man den Urhebern damit noch helfen.





Was man nicht auf seine Website schreiben sollte…

8 09 2009

Für einen Photographen ist eine Website die perfekte Möglichkeit potentiellen Kunden die eigenen Arbeiten zu präsentieren. Das macht man am besten mit seinen Photos. Aber natürlich ist auf einer Website auch jede Menge Platz für Texte und es gibt ja auch einiges was man da sinnvollerweise aufschreiben könnte und was für einen potentiellen Kunden eine wertvolle Information wäre. Das sind so Dinge wie Kontaktdaten, der eigene Wohnort, die Arbeitsfelder, die eigenen AGB, Hinweise zum Copyright, die Sprachen die man so spricht, ein paar biographische Daten…

Doch viele Photographen schreiben auf ihren Websites Zeug nieder, das man bestenfalls als ungeschickt oder sonderbar, in Verbindung mit den dort gezeigten Bildern in vielen Fällen auch irgendwo zwischen Lächerlichkeit und völligem Realitätsverlust einstufen kann. Wenn man schlecht photographiert, dann reißen das auch 1000 Zeilen feinste Marketing-Prosa nicht raus, wenn man aber ganz gut photographiert und Unfug schreibt, dann schadet man sich damit. Wer schlecht photographiert und das mit sonderbaren Texten garniert…naja, was soll man da groß sagen.

Zuerst sollte man sich überlegen, was man will. Wenn man dem Kunden zeigen will, daß man Berufsphotograph ist, dann sollte man darauf verzichten seine Dienste auch gleich noch als Webdesigner, Layouter, Lieferant für Visitenkarten und Fachbetrieb für Kanalreinigung anzubieten:

  • Erstellung und Wartung von Online-Auftritten
  • Programmierung von Websites
  • Einrichtung von Servern,Domains,CMS und Bloggsoftware
  • Beratung in technischen und programmtechnischen Fragen
  • Erstellung von Printwerbung
  • Konzeption, Erstellung und Druck
  • Fotografie zu Werbezwecken

Wenn der Photograph auch all das macht statt es einer Fachkraft zu überlassen, warum sollte dann nicht irgendwer sonst anstelle des Photographen genauso gut photographieren können?

Wer sich schon die Mühe macht, so zu tun, als würde er 50 Wochen im Jahr für National Geographic durch die Welt fliegen oder in Splitterschutzweste und Kevlarhelm (Kevlar kommt später nochmal) Kriege „covern“ und dabei ein Schweinegeld verdienen, sollte die Illusion nicht selbst dadurch zerstören, daß er auf seiner Website anbietet für 20 Euro zu mir nachhause zu kommen und Paßbilder von mir zu machen. Wenn er es trotzdem macht, dann will ich aber, daß er die Splitterschutzweste und den Kevlarhelm trägt, wenn er kommt.

Universalspezialisten

Auf seiner Website zu sagen, in welchen Teilen des weiten Feldes Photographie man bevorzugt  tätig ist ist für den Kunden nur dann von Wert, wenn man sich nicht von der Angst treiben läßt irgendeinen Auftrag verlieren zu können. Das Internet ist voll von Photographenwebsites deren Inhaber für sich in Anspruch nehmen sich auf mindestens 8 der folgenden Bereiche spezialisiert zu haben:

Presse, Reportage, Hochzeit, Akt, Schwangerschaft, Portraits, Events, Sport, Beauty, Editorial, People, Konzertphotographie, Kultur, Theater, Haustierphotographie…

Beleg für diese Spezialisierung sind dann in vielen Fällen Galerien bei denen man auf den ersten Blick sieht, daß die Spezialisierung eigentlich nur darin besteht, daß man mal jeweils ein Konzert, Theaterstück, Sportereignis etc. mehr schlecht als recht fotografiert hat.

Das man, wenn man den Begriff „fotojournalist“ auch noch in der eigenen URL unterbringt, auf seiner Seite vielleicht was anderes anbieten sollte als Paßbilder, Dankkarten und Familienfotos, sollte eigentlich selbsterklärend sein.

Ebenfalls sehr beliebt sind  lange Listen und Elaborate zur Ausrüstung die der Photograph benutzt. Da könnte man natürlich sagen, daß es für einen Kunden schon eine wichtige Information ist, ob der Photograph digital arbeiten kann und z.B. in der Lage ist aktuell Bilder zu schicken. Aber solche Informationen findet man auf Photographenwebsites selten. Stattdessen weiß der Kunde nach einem Blick auf die Website des Photographen, welchen Monitor der zuhause stehen hat, in welchem Koffer er seine Kamera transportiert und mit welcher Datenrate der Speicherkartenleser arbeitet. Ein Beispiel aus der Praxis:

Mit dieser Fotoausrüstung arbeite ich:

Kamera: Nikon D3
Diese Fotokamera ist mit einem Bildsensor im FX-Format (23,9 x 36 Millimeter) und einem Empfindlichkeitsbereich von ISO 200 bis 6400 ausgestattet. Sie ist perfekt auf mich zugeschnitten, da ich bisweilen unter extremen (Licht-)Bedingungen arbeite (Luftbild- und Eventfotografie etc.). Ihr Verschluss aus einem Kevlar-/Kohlefaser-Verbundmaterial und die „EXPEED-Bildverarbeitungs-Engine“ ermöglichen mir Serienaufnahmen mit neun bis elf Bildern pro Sekunde.

Mich hat noch nie (wirklich niemals) ein Kunde gefragt, welche Kamera ich benutze oder ob meine Kameras Verschlüsse aus Kevlar-/Kohlefaserverbundmaterialien haben. Kein Kunde sucht „einen Photographen mit einem Nikon 14-24er“.

Schlimm ist es auch, wenn Anspruch und Wirklichkeit so weit aueinander klaffen, daß selbst völlige Laien bestenfalls den Kopf schütteln. Wer behauptet als Photograph hauptberuflich journalistisch zu arbeiten, dabei aber betont, daß es ihm seine Ausrüstung sogar erlauben würde außerhalb der eigenen vier Wände zu arbeiten und in Blockschrift darauf hinweist, daß ein „PRESSEAUSWEIS VORHANDEN“ sei, macht sich lächerlich. Gleiches gilt für Formulierungen wie „flexibel und mobil durch eigenen PKW„.

Wer auf seiner Website eine Galerie für den Arbeitsbereich „Presse“ hat und da im Text verspricht,

Als „Lichtbildner des Zeitgeschehens“ produziere ich für Sie sowohl tagesaktuelle Bilder als auch Reportage-Fotografien von Personen und Ereignissen. Mein Anspruch ist es dabei, den Bildern bereits vor ihrer Entstehung eine bedeutsame Aussagekraft zu verleihen.

der sollte dann aber auch mehr zeigen können als 10 schlecht photographierte Bilder von einem Termin mit irgendeinem Lokalpolitiker. Mal abgesehen davon daß mir mal jemand erklären müßte, wie man Bildern bereits vor der Entstehung eine bedeutsame Aussagekraft verleiht.

Ebenfalls eine oft eher unterhaltsame Rubrik ist die Referenzen-Seite oder Biographie-Seite. Jedenfalls wenn da mit allem gewuchert wird, was man so zur Verfügung hat oder haben glaubt.

Doof nur, wenn man da Kundenreferenzen angibt bei denen dann auf der Website keine Bilder des Photographen zu finden sind sondern wo für alle Bilder andere Photographen angegeben sind oder wo auf der Seite genau Null Bilder sind.

Sehr beliebt ist es auch darauf hinzuweisen, wo man überall Mitglied ist: CPS, NPS, DGPh, freelens, DJU, DJV, ADAC, AOK, ADC, ADG, VG Bild-Kunst etc… Fast könnte man meinen, daß die Mitgliedschaften da verliehen werden und nicht durch den Kauf einer bestimmten Anzahl Kameras/Objektive oder simple Beitragszahlung erworben werden können.






Helfen kann jeder – fotografieren nicht unbedingt…

31 08 2009

Es ist wichtig Leute dafür zu gewinnen, in freiwilligen Feuerwehren anderen zu helfen. Keine Frage.

Aber wenn man Menschen dazu bringen will, irgendetwas zu tun (besonders, wenn es kein Geld dafür gibt) dann sollte man man sich schon bemühen, die Sache für die man wirbt möglichst positiv, mindestens aber nicht schlechter als sie ist, darzustellen. Es muß ja kein billiges effektheischendes Klischee sein, aber wenn man als Fotograf an „Feuerwehr“ denkt, dann sieht man rote Autos, Blaulichter, Feuer(schein), Rauch, Nacht, Scheinwerferlicht.
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Beim Thema Feuerwehr gibt es soviel visuell spannendes das man einsetzen könnte, wenn man nicht sogar sollte. Jedenfalls, wenn man das kann. Wenn man das nicht kann muß man halt jemanden fragen/beauftragen, der das kann.

Immerhin kostet so eine Imagekampagne Geld. Mit Geld sparsam umzugehen heißt aber nicht, möglichst wenig auszugeben, sondern sein Geld möglichst effektiv einzusetzen. Bei einem Plakat, das auch noch überwiegend von einem Foto dominiert wird, hat man das Geld in den Sand gesetzt, wenn das Foto nichts taugt. Sei es, weil es nichts transportiert, die Menschen kalt läßt oder sie nicht wirklich verstehen, was man ihnen da sagen will. Egal wie groß die Plakate sind oder wieviele Plakate man aufhängt. Und es ist mitnichten so, daß wer am Foto spart mehr Plakate drucken kann und deswegen das Geld besser angelegt hat.

Schlimmes Plakat

Bei der aktuellen Kampagne des Landesfeuerwehrverbandes Bayern macht es eher den Anschein als habe man da gleich ganz auf einen Fotografen verzichtet und das Ganze auf die Schnelle irgendwo in irgendeinem Feuerwehrgerätehaus von der Vollautomatik einer Kamera erledigen lassen.
Alles an möglichem „Feuerwehr-Glamour“, das Athmospäre ins Bild gebracht hätte fehlt, übrig geblieben sind die silbernen Rollos der Gerätefächer eines Feuerwehrautos, was leider nicht viel ist und auch nicht viel her macht. Und die drei Personen stehen auch eher sonderbar da, vom Bildaufbau garnicht zu reden.

Sich einen guten Fotografen zu suchen bedeutet mehr, als das irgendjemand mit einer tollen, teuren „Profikamera“ kommt, die man sich ja auch selbst kaufen oder leihen könnte (wenn es brennt, leiht man sich ja auch kein Feuerwehrauto und macht das selbst; wenn das ginge bräuchte man keinen Nachwuchswerbung für Feuerwehren). Es bedeutet, daß man sich jemanden ins Boot holt, der in der Lage ist mit einem Bild eine Geschichte zu erzählen, so daß sie vom Betrachter des Bildes verstanden werden kann, statt nur Gegenstände oder Personen erkennbar abzubilden.

Wenn man in der die Kampagne begeleitenden Broschüre mit Sätzen aufwartet wie: „Wer es unterläßt, attraktive Angebote zu machen (…) wird bald langweilig und uninteressant zu sein.“ und man erklärt, man müsse seine „Außenwahrnehmung (Image) gestalten“, hätte man auch ein wenig mehr Augenmerk auf die Bilder legen können.





Fast eine Contax G2… (Updated)

25 08 2009

Die Olympus E-P1 ist nichts wirklich neues. Die Sucherkamera mit Wechselobjektiven erwacht nur aus ihrem Dornröschenschlaf. So wie eine EOS 1Ds III auf der reinen fotografischen Seite (wenn man sich das Aufnahmemedium wegdenkt) nicht wirklich wesentlich weiter ist als eine EOS 1V, so waren/sind auch die Contax G2, Konica Hexar RF, diverse Voigtländer und die Leica M6 & M7 vollentwickelte Kamerasysteme, die leider in den meisten Fällen ihre digitalen Geschwister nicht mehr erlebt haben (Contax und Konica), noch auf deren Geburt warten (Voigtländer, wenn man von der Epson R-D1 absieht) oder unter deren Kinderkrankheiten (Leica M8) leiden. Und so ist der Anspruch die Olympus E-P1 als legitimen Erben der PEN-Serie zu sehen mehr als nur ein Marketing-Gag.

E-P1_silver_17mm_VF-1_side_to_left_rdax_483x349Natürlich wäre ein Vollformatchip besser, natürlich wären mehr Objektive und weitwinkligere Festbrennweiten besser und wenn die Dinger lichtstärker wären als 2,8 bzw. 3,5-5,6 wäre das natürlich auch besser, natürlich wäre ein eingebauter Sucher, der sich verschiedenen Objektiven anpaßt besser, natürlich wären dann auch noch sowas wie eine Lichtwaage im Sucher schöner als nur ein Aufstecksucher und ein Meßsucher  oder eigenständiger AF wäre viel besser als der Live-View-AF. Eigentlich sähe so eine Kamera im „fast Idealfall“ so aus wie die Contax G2, im Idealfall wäre es eine Leica M9 ohne die Kinderkrankheiten der M8 und mit dem Chip einer Canon 5DII im Bauch. Der Wunsch nach so einer Kamera ist umso frustrierender als es alles was ein Hersteller dazu bräuchte längst gibt und man die einzelnen Komponenten nur zusammenpacken müßte!

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Entscheidend ist aber weniger was eine Kamera noch alles haben könnte. Entscheidend ist was hinten rauskommt und da muß sich die Olympus E-P1 wirklich nicht verstecken, ganz besonders, wenn man sich ansieht, was die Kamera bei hohen Empfindlichkeiten an Bildqualität liefert und wenn man das mit den Bildern aus anderen ähnlich kompakten Kameras vergleicht (oder wenn man noch weiß wie ein 800er oder1600er Farbfilm aussieht).

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Und auch sonst kann die E-P1 in vielen Punkten überzeugen. Das beginnt schon bei der Ankündigung Olympus‘, daß da noch mehr kommen wird  - Voigtländer hat sein mittlerweile sehr umfangreiches Objektiv- und Kamerasortiment auf Leica M-Bajonettbasis ja auch mit einem sehr einfachen Body mit Aufstecksucher begonnen. Der Umstand, daß man sich bei Olympus auf die Tugenden der Sucherkamera besonnen hat, statt wie Panasonic den Micro Four Thirds Standard (MFT) zu nutzen, um irgendwas zwischen DSLR und Superzoom-Bridgekamera zu bauen ist schonmal toll! Und das auch bei den Objektiven halbwegs konsequent beizubehalten ist auch erfrischend, das 14-42er Zoom ist nicht gerade klein, läßt sich bei Nichtbenutzung aber zusammenschieben. Denn was nützt mir das geringere Auflagemaß von MFT, wenn man nicht mehr daraus macht als eine kleinere aber ebenso sperrige Kamera im Design einer SLR, mit Zoomobjektiven die größer und dabei lichtschwächer sind als z.B. ein Canon EF 1,8 28er? Welchen Sinn macht es, Kameras mit größeren Chips und damit besserem Rauschverhalten zu bauen, wenn man diesen Empflindlichkeitsvorteil durch dunkles Glas wieder verliert. Man muß den Leuten bei Olympus schon fast einen Orden verleihen, weil sie sich getraut haben neben dem Standardzoom eine Festbrennweite anzubieten statt irgendein mittelmäßiges, lichtschwaches Monster-Telezoom. Auch wenn ich statt dem 17er Pancake  (umgerechnet 2,8 35mm) lieber ein 24er und ein 50er hätte (mit den Brennweiten dazwischen kann ich irgendwie nicht wirklich was anfangen), die beide lichtstärker sein könnten, schön gefunden hätte (dafür ist aber die Scharfstellgrenze der beiden Olympus Objektive mit 20 und 25cm klasse), so war die E-P1 doch das Signal zu Auszug meiner Lumix LX-3, 24mm und Blende 2,0 hin oder her, das Rauschverhalten ist einfach um Klassen besser.

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Die LX-3, als Kompaktkamera, verliert auch, weil die E-P1 einfach besser zu bedienen ist. Allein schon, weil sie größer ist, mehr wiegt und getrennte Bedienelemente für Zeit und Blende hat. Auch die manuelle Fokussierung ist toll gelöst, mit einem Fokussierring am Objektiv; und auch gezoomt wird mit einem Ring am Objektiv. Das ist intuitiver und spart auch noch Strom. Strom spart auch das fehlende Blitzgerät, da eingebaute Blitzgeräte in den meisten Fällen nicht mehr als ein Placebo sind oder nur dazu taugen anderen rote Augen zu machen, kann ich da gerne verzichten, ein Blitzschuh bietet viel mehr Möglichkeiten.

Ein weiterer großer Pluspunkt der E-P1 ist, daß der Monitor wirklich abgeschaltet werden kann, wenn man nur den Aufstecksucher benutzen will und er nicht wie z.B. bei der LX-3 benutzt wird um die Leuchtdioden zu simulieren, die früher neben dem Sucher einfacher Kompaktkameras waren und dabei das Gesicht des Fotografen beleuchten, mal abgesehen davon, daß auch das Strom kostet. Toll wäre es dann freilich noch, wenn man es dem Hauptschalter der E-P1 austreiben könnte grün zu leuchten und die Kamera schwarz wäre.

Die E-P1 ist eine tolle Kamera und die eingangs angesprochenen Punkte sind weniger Kritik als Hoffnung auf Dinge die hoffentlich noch kommen werden. Die Kritikpunkte am Anfang messen die E-P1 an dem, was ich mir wünschen würde. Mißt man die E-P1 jedoch an dem was der Markt sonst an Kameras beitet, dann ist sie ziemlich einzigartig, außer der Leica M8 (und einer vergriffenen Epson auf Cosina/Voigtländer-Basis) ist da derzeit keine realexistierende Konkurrenz in Sicht. Und obendrein ist die Olympus im Vergleich zur Leica schlicht spottbillig.

Die E-P1 dürfte, eben auch wegen des Preises, derzeit die einzige Kamera sein, die das Potential hat eine Renaissance der hochwertigen Sucherkameras mit exzellenter Bildqualität auszulösen, statt auf Megapixel und XX-fach Zoom zu setzen. Denn das Rauschen unzähliger Kompaktkameras ist zum Glück so massiv, daß es auch dem Normal-User auffällt, daß seine Bilder verrauscht oder verwackelt sind, wo die E-P1 bei 800ASA, selbst wenn man JPGs direkt aus der Kamera benutzt, noch völlig unproblematisch ist.

Womit wir mit dem Stichwort „JPG“ beim einzigen wirklichen Ärgernis im Zusammenhang mit der E-P1 sind: Nicht nur, daß Olympus die RAW-Konverter Software nur als Testversion beilegt, für die Vollversion zusätzliche 100 Euro fällig sind und die Software als solche einfach bescheiden zu bedienen ist. Da man bei der E-P1 den Weg gewählt hat die Verzeichnung der Objektive elektronisch zu korrigieren, dürfte Apples Aperture die RAW-Daten der E-P1 erstmal nicht verstehen, da Aperture Verzeichnungskorrektur derzeit nicht kann (das ist auch der Grund warum Aperture Raw-Daten aus der LX-3 nicht versteht, die ja nun schon fast ein Jahr auf dem Markt ist). Also heißt es erstmal abwarten, ob Apple da nacharbeitet, Adobe einen aktuellen DNG Converter anbieten wird oder ob man zu einer Lösung vom Dritthersteller greift.

Alles in Allem kann man nur hoffen, daßdie E-P1 ein Erfolg wird und die anderen Hersteller nachziehen.

Update:

Die E-P1 hat mich dann doch leider wieder verlassen müssen. Der AF war einfach zu lahm und zu ungenau, besonders, weil man im Aufstecksucher raten mußte, wo die Kamera denn überhaupt hinfokussiert und weil auch nicht so ganz klar wird, was im grünen Viereck des AF jetzt das ist, auf das die Kamera scharf stellt. Dass die Kamera dann noch RAW-Daten produziert die Aperture nicht versteht und die mitgelieferte RAW-Software (die nach 30 Tagen Testen nochmal 100 Euro kosten sollte) völlig unbrauchbar ist, war auch nichts was so richtig für die Kamera sprach. Und so richtigen Spaß hat auch nur die Festbrennweite gemacht und davon gibt es nur eine und die ist mit 2,8 auch nicht so super lichtstark. Und was hilft es schon Leica oder Voigtländer Objektive ohne AF zu daptieren und dann mit dem Display zurueiern. Also hat am Ende die Meßsuchersehnsucht über alle Horrorgeschichten über IR-Filter und was nicht noch alles gesiegt und ich bin sehr glücklich damit.

e-p1_katze001Das Katzenbild wird durch klicken größer.

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Urheberrecht für Fortgeschrittene und Abgehobene…

12 08 2009

netzpolitik.org hat einen Wettbewerb gestartet bei dem es darum ging einen Remix des aktuellen Schäuble Wahlplakates zu erstellen und dabei sind einige gelungene Sachen rausgekommen. Die Vorlage gab es auf der Seite der CDU mit folgenden Nutzungsbedingungen:

Die Bilder dürfen ausschließlich zur redaktionellen Berichterstattung über die CDU-Bundestagswahlkampagne 2009 genutzt werden. Die Nutzung ist bis zum 31.12.2009 honorarfrei. Danach tritt die Honorarpflicht zugunsten der jeweiligen Agentur/des jeweiligen Fotografen gemäß deren AGBs in Kraft. Eine Weitergabe an Dritte ist untersagt. Die Weitergabe an und Nutzung durch weiterverbreitende Agenturen und Pressedienste ist nicht gestattet.

Wenn jemand die Bilder eines Photographen oder einer Photographin einfach so widerrechtlich benutzt, dann kann man was dagegen machen. Keine Frage!

ABER: Wenn man als Photographin einem Kunden (in diesem Fall der CDU) gestattet die eigenen Bilder bzw. Wahlkampfplakate die die Fotos nutzen als Handouts an andere Medien weiterzugeben oder zum Download anzubieten, dann sollte man damit rechnen, daß das Material auch benutzt wird. Und man muß damit rechnen, daß auch Medien die die CDU kritisieren dies tun werden. Dann mit einer Klage zu drohen und davon Abstand zu nehmen, sobald man merkt, warum das alles so nicht geht (und mandabei auch irgendwie unsympathisch rüberkommt), spricht Bände.

Ärgerlich ist der Vorgang, weil solche Auftritte die Position all jener Photographen schwächen die berechtigterweise versuchen Ihre Urheberrechte durchzusetzen, weil das Urheberrecht einmal mehr als Repressionswerkzeug gegen unliebsame Meinungen oder als Gelddruckmaschine erscheint.

Wenn der Photograph die Entscheidung über das „wer benutzt meine Bilder“ aus der Hand (und dem Wirkungsbereich der eigenen AGB) gibt, indem er einem Dritten das Recht zur Weitergabe der Bilder einräumt, dann hat er da auch kaum noch was zu sagen. So einfach ist das. Und das ist ja auch einer der Gründe, warum man für solche Sachen deutlich mehr Geld bekommt als für ein einfaches Nutzungsrecht, weil eben diese weiteren Nutzungen damit auch abgegolten werden.

Die Vorstellung der Photographin von der Welt ist bizarr: Wenn sich Politiker bei einem Pressetermin aus Anlaß des Klebens der ersten Wahlplakate vor den Plakaten fotografieren lassen, dann verklagt die Photographin des Politiker Portraits auf dem Wahlplakat alle Photographen die auf dem Termin Bilder machen? Denn nicht zuletzt, geht es hier ja nicht wirklich nur um das Photo, sondern um ein Wahlplakat, daß unter Benutzung des Photos entstanden ist. Da stellt sich die Frage ob es sich nicht schon um ein eigenständiges Werk handelt.

Für diese Annahme spricht ja nicht zuletzt der Umstand, daß die satirische Verfremdung nicht  am Photo passiert, sondern der Text des Wahlplakates und damit die Arbeit der Werbeagentur und nicht das Werk der Photographin verfremdet wird.

Und: wenn ich ein Bild für einen Buchtitel liefere, kann ich auch nicht amazon abkassieren, wenn die um das Buch zu verkaufen ein Bild vom Buch und damit auch das Photo zeigen.

Und selbst, wenn die Parodien der Wahlplakate beleidigend und diffamierend wären wie die Photographin behauptet (sie sieht das ja eher so, daß ihre Bilder beleidigt und diffamiert werden), dann hätten nur die Beleidigten zu klagen und nicht die Photographin. Photos können aber niemanden verklagen und Wolfgang Schäuble nimmt, bei allem was man an seiner Arbeit kritisieren kann, solche Sachen erfreulich sportlich statt zu versuchen Kritiker per Beleidigungsklagen und ähnlichem einzuschüchtern. Nicht zuletzt ist Schäuble offenkundig klug genug sich nicht als jemand zu exponieren, der andere Meinungen unterdrücken will. Etwas das im Internetzeitalter nicht nur schlecht ankommt, sondern nahezu immer nach hinten los geht.

Selbst, wenn man der Photographin hier die altruistische Absicht unterstellt, zur Ehrenrettung ihres Kunden (CDU) zu handeln, so schadet sie der CDU doch eher, denn im Netz und in den Medien kommt die ganze Aktion garnicht gut an. Somit erweißt sie ihrem Kunden gerade einen Bärendienst, daß das abgesprochen ist und die CDU sie vorgeschickt hat ist kaum vorstellbar.

Nochmal die beiden sehr lesenswerten Texte  bei lawblog.de:

http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/08/12/schnell-zuruckpfeifen

http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/08/12/fotografin-will-nicht-klagen/





Endlich mal echte Stars!

9 08 2009

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Auch wenn ich normale Menschen und das was die so machen eigentlich spannender finde, photographiere ich doch, ab und zu, auch Menschen, die man als berühmt oder bekannt bezeichnen würde, weil man sie aus Politik, Gesellschaft, Showbusiness, Film oder Fernsehen kennt. Das ich dabei selbst in Verzückung gerate ist eher selten. Das mag daran liegen, daß ich eher selten meine Helden photographiere und es sich bei denen die ich fotografiere nicht oft um die Menschen handelt, die ich vor meinem Tod unbedingt getroffen haben will. Und die Termine sind auch oft zu hektisch um Leute auch nur andeutungsweise kennenzulernen. Was nicht heißen soll, daß es nicht schöne Jobs sind und daß man es dabei nicht auch sehr oft mit netten Leuten zu tun hat und man viel Spaß haben kann. Aber oft sind die Termine einfach zu kurz um einen eigenen photographischen Standpunkt gegenüber dem Gegenüber zu entwickeln der über das Bild das man von einem Star halt so hat hinausgeht; und oft will der Auftraggeber auch genau das nicht.

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Neulich in London konnte ich dann aber endlich mal weltberühmte Stars photographieren die ich auch selbst absolut toll finde und die ich immer mal treffen wollte, auch wenn es ohne Kamera gewesen wäre. Die Beiden sind da auch noch eine Zeit lang im Science Museum, wo die beide Werbung für geistiges Eigentum und Erfindergeist machen. Auch eine tolle Idee, daß man jungen Menschen die Idee „geistiges Eigentum“ mal anders erklären kann als durch dumme Drohungen.

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