Ich, der unfreiwillige bzw. unwillige Mäzen

10 05 2013

Die folgende Geschichte ist eigentlich eine Fortsezung von dieser hier und entstammt leider einem sehr umfangreichen Werkzyklus…

Ganz unverbindliche Anfrage eines großen Deutschen Museum wegen zwei Bildern, die im Rahmen einer Reportage bei denen im Haus entstanden und die ihnen so gut gefallen, daß sie die gerne in ihrem Quartalsprogramm benutzen wollen.

Meine Antwort, klar kein Problem, kostet aber was. Darauf hin kommt folgendes Schreiben:

Lieber Herr Rheker,
 
vielen Dank für Ihre schnelle Rückmeldung. 
 
Ich verstehe, daß Sie als freier Fotograf an einem Honorar interessiert sind. Jedoch – und hier bitte ich Sie um Ihr Verständnis – alles Geld geht momentan in die Fertigstellung des Museumsbaus, damit das Publikum endlich wieder “seine” Sammlungen / Objekte / Ausstellungen sehen kann. 
 
Wir bieten Ihnen selbstverständlich Ihre Namensnennung an (das Quartalsprogramm geht bundesweit u.a. an Journalisten, in Redaktionen, in Ministerien) und schicken Ihnen gern Belegexemplare (die allgemeine Auflage beträgt 6000). 
 
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns auf diesem Weg in unserer Öffentlichkeitsarbeit unterstützen würden.

 Herzlich

XXXXX XXXXX

“daß Sie als freier Fotograf an einem Honorar interessiert sind” ist schon eine Frechheit, so als gehörte es zu den Charakterschwächen der “freien Fotografen” an Geld interessiert zu sein, mitnichten aber zu ihren Rechten, von ihrer Arbeit leben zu können. Man könnte fast meinen, diese Geldgier wäre etwas einzigartiges. Einzigartig ist aber wohl eher, daß man bei anderen Berufsgruppen erst garnicht auf die Idee kommt, sie müßten, wollten, sollten umsonst arbeiten.

Liebe XXXXX XXXX,
 
da ich davon ausgehe, daß die Druckerei die Quartalsprogramme und Infobroschüren des XXXXX XXXXX XXXXX Museums auch nicht kostenfrei drucken wird, die Post den bundesweiten Versand an Journalisten, Redaktionen und Ministerien kaum portofrei durchführen und mir der Briefträger ein Belegexemplar auch nicht portofrei bringen würde, sehe ich keinen Grund, warum ausgerechnet meine Arbeitsleistung als Fotograf keine Entlohnung wert sein sollte. Zumal ihre Öffentlichkeitsarbeit ja darauf abzielt Besucher ins Mueseum zu locken bzw. bei Ministerien Fördergelder zu rechtfertigen, was sich dann für ihr Haus in Einnahmen niederschlägt.
 
Ich kann mir auch nicht so recht vorstellen, daß die Nutzungshonorare für 2 Fotos dafür sorgen würden, daß das Publikum länger darauf warten müßte “”seine Sammlungen / Objekte / Ausstellungen wieder zu sehen”.
 
Auch ich muß Miete, Steuern, Kameras, Computer, Strom, Auto und allerlei andere Lebenshaltungskosten bezahlen.
 
Aus diesem, hoffentlich nachvollziehbarem Grund, kommt eine kostenlose Nutzung für mich nicht in Frage.
 
Beste Grüße 
 
Sascha Rheker
Ich gehe mal davon aus, daß ich da jetzt persona non grata bin, aber sei’s drum.

Kleine Ergänzung, um das mit der Unterstützung des Museums ein wenig besser einordnen zu könnnen:

Über das Haus, das hier so tut als würde eine Bezahlung von zwei Bildern (selbst laut MFM Liste wären das wohl unter 200,- € gewesen) die Wiedereröffnung gefährden, konnte man in der “Architekturzeitung” zu Beginn der Renovierung 2009 lesen:“Insgesamt werden für Instandsetzung und Erweiterung 51,5 Millionen Euro investiert sowie 12,5 Millionen Euro für die Museumsausstattung.”
Was daran wirklich traurig ist, ist daß erst vor einem halben Jahr das im Vergleich wirklich arme Museum in Dieburg für eine Ausstellung zur Geschichte des dort gerade geschlossenen Klosters eine Reportage aus den letzte Tagen vor der Schließung angekauft hatte. Ich bin denen preislich sehr entgegen gekommen und es war nur ein Taschengeld. Aber es war von vornherein die Wertschätzung da, daß man etwas bezahlen wollte.





Billige Foto-Clichés wie das Pictogramm an der Klotür

25 04 2013

Jan Banning hat völlig recht! Es sind immer wieder die gleichen Clichés, die nichts weiter machen als Vorurteile zu bedienen.

Diese Bilder ezählen nichts, hinterfragen nichts, sondern sind unkritische Pictogramme die dem Leser anzeigen wo der Krieg, das Klo oder der Babywickelraum sind. Und das alles genau so, wie er den Krieg und all die anderen Dinge schon kennt, nur vielleicht von Jahr zu Jahr ein wenig bunter, kontrastiger, photogeshoppter.

http://www.janbanning.com/icon-or-cliche-photojournalism-and-world-press-photo-2013

“What do these photos show us about these conflicts? What we seen last year from Libya we now see from Syria. What we seen last year – and many times before that from Gaza – we see again now. The same men and women (in their cliché’d roles), the same weapons, the same wounded and dead: visual archetypes.  It’s all very poignant, that’s for sure, and vividly photographed by brave, inspired and professional photographers. But it is visualised and presented in such a way that the conflicts have become inter-changeable through the repitition of the photographed aspects and the comparable visual language.”

Fotos können dem Betrachter Geschichten erzählen, sie können ihn herausfordern, das Gezeigte zu verstehen, wenn er im Bild lesen kann und muß. Das Bild, das nur die Clichés in seinem Kopf bedient kann das nicht.

Und dieser Mangel an Inhalt und echter Bedeutung, mag auch eine Erklärung sein, warum Bilder so massiv aufgehübscht werden müssen wie das diesjährige WPP Gewinnerbild.

Aber auch beim WPP gibt es Fotos die mit diesem Cliché-Mechanismus brechen:

“Surprisingly, even in WPP’s conflict categories we do find an example of a photo that questions issues that we regard as self-evident: the photo in which we see members of the Syrian opposition – in our (western) eyes we like to think of them as the good guys – torturing a man who is suspected of collaborating with the Assad regime (Spot News, 2nd prize singles). We can conclude from the fact that the tortured man was released after 48 hours that he appeared to be innocent. This photo shows us that we can’t always divide the world easily into categories like ‘good’ and ‘evil’.”





Die Schere am Bild und im Kopf des Betrachters (Updated)

16 04 2013

Vom Attentat in Boston gibt es ein Bild, das einen Mann zeigt, der beide Beine verloren hat und das Lou Angeli von Getty Images bei facebook gepostet hat. Auf dem Bild sieht man, daß der Mann beide Beine verloren hat und die Unterschenkelknochen eines der Beine unterhalb des Knies rausstehen. (Die Verpixelung ist hier von mir, es geht vor allem darum den ursprünglichen Bildausschnitt zu zeigen.)

Bildschirmfoto 2013-04-16 um 22.47.55

Viele Medien, wie z.B. Stern.de haben das Bild jedoch in einer beschnitten Version gezeigt, scheinbar um die Betrachter zu schonen. Bei diesem Beschnitt endet das Bild knapp unter dem Knie, also da, wo die Haut noch unversehrt ist und man die eigentliche Verletzung nicht mehr sieht.

Bildschirmfoto 2013-04-16 um 22.49.20

Das bizarre Ergebnis ist, daß Vorwürfe aufkamen, die unbeschnittene Version des Bildes, sei eine Fälschung, weil der Beschnitt bei den Lesern den Eindruck erweckt hatte, daß das Bein ganz wäre. Mancher meint, sich sogar an den Schuh am Fuß erinnern zu können.

Bildschirmfoto 2013-04-16 um 22.48.24

Das ist ein ganz interessantes Beispiel, wie Bilder rezipiert werden, wie der Betrachter Bilder über den Rahmen hinaus weiterdenkt und wie Beschnitt oder auch die Wahl des Ausschnitts bei der Aufnahme die Wirkung eines Bildes aus den Betrachter beeinflussen.

P.S.: Und ein weiterer Fall, gefunden von Charles Apple. Hier hat man ein Bein per Photoshop geheilt, um die Leser nicht zu verschrecken.

http://apple.copydesk.org/2013/04/16/i-hate-to-make-an-accusation-here-but/

Bildschirmfoto 2013-04-17 um 22.00.58

 

P.P.S.: Und noch ein Link zum Thema: http://www.nytimes.com/2013/04/18/business/media/news-media-weigh-use-of-photos-of-carnage.html





Pulitzer 2013: Es geht auch nüchtern!

15 04 2013

http://www.pulitzer.org/works/2013-Breaking-News-Photography

Die Pulitzer Jury zeigt, im Gegensatz zum World Press Photo, daß man auch ohne künstliche Photoshop-Dramatisierung auskommen kann.

Und mich berühren diese Bilder auch viel mehr als das diesjährige WOPF Gewinnerbild, ganz einfach, weil sie echter wirken und mein Gehirn nicht mit “is ja nur ein Kinoplakat” aus der Nummer rauskommt!





Lomo BelAir Städelschule

9 04 2013

Staedelschule002

Staedelschule001

Das mit dem Lichteinfall weil sie den Film zu lose aufwickelt, ließ sich zwischenzeitlich durch ein wenig Gaffa-Tape unter der abgebenden Spule in den Griff kriegen.





Taugt die Kamera oder das Objektiv was?

5 04 2013

Es gibt Menschen, die unverständliche Grafiken anfertigen, mit denen Menschen, denen die Bilder, die aus einer Kamera kommen, zu diesem Zweck nicht reichen, sich eine Meinung über eine Kamera oder ein Objektiv bilden können.

 

Ich schau mir auch immer eine Massenspektrometerkurve an, wenn ich wissen will, ob mir Rippchen mit Sauerkraut schmecken.

 

© CC Andreas Böhm

© CC Andreas Böhm

 

Mhhhh! Lecker!





Vollmattscheibe für EOS 5D Mark III und manuelle Objektive

26 03 2013

Operation geglückt: Canon EOS 5D Mark III mit Vollmattscheibe! (Und das Gaffa-Tape hat nichts damit zu tun.)

Canon hat die EOS 5D Mark III ja bekanntlich der Möglichkeit, daß der Nutzer selbst die Einstellscheiben tauschen kann beraubt  (vielleicht haben zuviele Leute die neuen Zeiss MF Objektive gekauft…).

Zwar kann man die Mattscheibe durch das Entfernen von zwei Schrauben und eines Haltebügels leicht entnehmen, da es aber von Canon keine Alternativen zur Standardscheibe gibt hilft das erstmal nix. Hilfe kommt, wie so oft, aus Fern-Ost, denn http://www.focusingscreen.com/ bietet allerlei Mattscheiben auch für die Mark III an. Mit Versand und Zoll liegt man dann bei fast 100,- € pro Stück.

Nicht nur, daß man damit manuelle Objektive sinnvoll benutzen kann, man hat auch eine viel realistischere Tiefenschärfendarstellung als mit der Standardscheibe, die gauckelt einem nämlich bei Blende 1,2 irgendwas um die Blende 4 vor. Das erklärt auch, warum man mit der Standardscheibe lichtstarke MF-Objektive nicht sinnvoll fokussieren kann.

Das zweite Problem, das Canon geschaffen hat ist, daß die Kamera die Belichtung durch die Mattscheibe miß und die Kamera-Firmware der Mark III keinerlei Möglichkeit mehr beitet einen anderen Einstellscheibentyp an der Kamera anzumelden, damit eventuelle Unterschiede in der Helligkeit der Scheiben einberechnet werden können. Aber nach ersten Tests scheinen die gelieferten Scheiben da mit der Spotmessung (was anderes brauche ich nicht) keine Probleme zu machen.

focusingscreen.com bietet zwar auch Scheiben mit Schnittbildindikator etc in der Scheibenmitte an. Persönlich würde ich davon die Finger lassen, weil die Kameras, wie gesagt durch die Mattscheibe messen und einem der Schnittbildindikator die Spotmessung zerschießt. Kameras aus der MF-Blütezeit hatten die Belichtungsmessung (die Nikon F4 z.B. hatte ausschließlich die Spotmessung von der Mattscheibe losgelöst im Boden) deswegen oft im Boden des Spiegelkastens und haben das Licht mit dem Umlenkspiegel der heute meistens nurnoch das AF-Modul bedient dorthin gebracht.

 

 

Siehe auch: http://rheker.wordpress.com/2010/10/18/die-untoten-sind-da-oder-leica-r-lebt/

 





Verhältnismäßigkeiten

26 01 2013

Im Frankfurter Nordend hat man Bäume gefällt, um eine Quartierstiefgarage, eine Schulturnhalle und eine Kita zu bauen, weil die Parkplatzsituation dort, wie überall in Frankfurt, eher angespannt ist. Seitdem tobt dort ein Proteststurm in Teilen der Bevölkerung, den man im Prinzip ja gutheißen könnte. Jedenfalls, wenn das ganze nicht so überemotionalisiert geführt würde und sich erwachsene Menschen nicht als zutiefst traumatisiert bezeichnen würden und so tun als habe ihre Existenz nunmehr jeden Sinn verloren. „Die Bilder verfolgen uns täglich und werden niemals aus unseren Köpfen gehen.”, „Wir trauern immer noch um unsere geliebten Bäume und unsere verlorene Lebensqualität.” und ein Mitglied der BI sieht sogar einen Teil seiner persönlichen Identität verletzt.

Die Inanspruchnahme von Superlativen und extremen Dramatisierungen sollte gut überlegt sein, weil man sich und das eigene Anliegen sonst sehr schnell selbst diskreditiert. Allein, weil der Rest der Welt auch noch andere Themen kennt.

Danach als nächsten Termin des Tages zu Obdachlosen zu müssen, die des Winters wegen in der U-Bahn schlafen dürfen, war schon sonderbar. Vor allem, weil die bei Weitem nicht so ein Drama aus ihren Problemen gemacht haben.

Nun soll man ja nicht die Nöte des einen gegen die des anderen aufwiegen, weil man dann das vermeintlich größere Leid benutzt um das des anderen zu marginalisieren, aber die Unterschiede im Umgang mit der eigenen Situation, die kann man sich schonmal anschauen.





Analog entschleunigt…

22 01 2013

Analoge Fotografie entschleunigt das Leben!
Aber natürlich nur dann, wenn die Digitalkamera einem den Luxus ermöglicht, den Film aus dem Oktober erst im Januar zu entwickeln. Sonst wäre das Entwickeln, Scannen und Staub putzen Stress vom Feinsten…





Hong Kong mit Leica M9 und M6

9 01 2013

 

 

In Hong Kong könnte ich stunden- und tagelang einfach nur durch die Straßen ziehen. Naja, und das habe ich dann auch einfach gemacht. Und das ganz absichtlich ohne vorher irgendwelche Reiseführer in die Hand zu nehmen oder Pläne zu machen. Klar könnte man dabei irgendwas verpassen, weil man eine Straßenecke zu früh umkehrt,  man das In-Viertel garnicht erreicht und so weiter. Auf der anderen Seite wird man im Leben immer irgendwo was verpassen und muß sich einfach damit abfinden und kann sich auch treiben lassen. Was nicht da dümmste ist. An jeder Ecke ist irgendwer oder irgendwas, das anders, bunter oder neu ist. Sicher kann man die Frage stellen, wie man sich bei Schwarz-Weiß-Bildern freuen kann, aber egal! Das stundenlange Herumziehen geht am besten mit leichtem Gepäck: eine M9, eine M6 und ein paar Objektive. Das paßt alles in eine kleine Tasche wie die Retrospective 5 oder auch mal in die Jackentaschen (wobei der Transport von Objektiven in der Jackentasche nur dann richtig schön ist, wenn man die Jacke nicht irgendwann ausziehen will oder muß, denn dann hat man alle Hände voll und schaut doof), und ist auch nach Stunden oder Tagen noch keine Last. Für alles was man sonst so braucht um nicht zu verhungern und zu verdursten ist an jeder Straßenecke gesorgt. Was man nicht essen mag, kann man immernoch fotografieren.

Hong_KONG_2_002

 

Und Dank Silver Efex ist nichtmal die parallele Nutzung von M9 und M6 mit Tri-X ein Problem. Das paßt alles sehr gut zusammen. Was jetzt entweder heißt, daß die M9 so gut wie Tri-X ist oder, daß Filme und Scanner mittlerweile wieder so gut im Griff haben wie Digitalkameras. Aber um ganz ehrlich zu sein ist das reisen mit einem Sack Filmen schon eine Umstellung:

M6_012

Es hat zwar immer geklappt, die Filme von Hand kontrolliert zu bekommen und in den meisten Fällen war das auch überhaupt kein Problem, aber es ist da immer das Damoklesschwert, daß der letzte von 7 Flügen der sein kann, wo dann jemand entscheidet, daß die Filme jetzt kaputt geröntgt werden oder man sie sonst abgeben muß. Außerdem gibt es bei Filmen keine Sicherungskopien im Hotel und man kann auch nicht immer alle belichteten Filme bei sich tragen wie ein paar Speicherkarten. Aber vielleicht wird es echten Tri-X noch länger geben als Silver Efex, nachdem google die wegen snapseed aufgekauft hat.

HongKong029

 

 

 

Mehr Bilder finden sich hier: http://www.sascharheker.com/album.php?id=90








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