Piraten vs. Photographen

14 09 2009

Heute hatte ich das Vergnügen einen Auftritt von 5 Bundestagskandidaten in einem Gymnasium erleben zu dürfen.

Reden wir besser nicht vom ersten Teil der Diskussion in der die amtierenden und angehenden Volksvertreter sich zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr äußerten. Höhepunkt war, als einer, ich glaube der von der Linken, den Schülerinnen und Schülern mal etwas von der „Hagener Konvention“ erzählte. Tolle Werbung für die Stadt Hagen oder ein Armutszeugnis für jemanden der sich aufschwingt als Politiker anderen zu erklären wie die Welt funktioniert und der das mit der Haager Landkriegsordnung selbst nicht so recht verstanden hat.

Als nächsten Punkt hatte man sich das publikumswirksame Thema Urheberrecht ausgesucht. Wohl in der Hoffnung, daß Jugendliche alle im Internet Musik runterladen und dabei nicht kriminalisiert werden wollen. Da sollte man doch punkten können.

Und in der Folge kamen dann gute 30 Minuten die einem Urheber die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Den Höhepunkt bei diesem Treiben bildeten die Äußerungen des Kandidaten der Piratenpartei, der sich eigentlich für kaum eine Position zu blöd war. Vom Klassiker „Wenn ich etwas aus dem Internet runterlade, dann mache ich eine Kopie und das Original ist nicht weg also ist kein Schaden entstanden“. Bis hin zu so tollen Vorschlägen wie der Idee, daß Urheber ihr Geld gefälligst ausschließlich mit Konzerten verdienen sollen für die ihre Werke ansonsten nur kostenlos verteilte Werbung sein sollen.

Na, herzlichen Dank! Da hat ja jemand alle Arten des geistigen Eigentums voll und ganz verstanden und beweist eine beeindruckende Kompetenz.

Urheberschaft gibt es scheinbar nur bei Musik, Filmen und Software.

Nur zu gerne hätte ich da auch mal ein paar Fragen gestellt, die die Veranstaltung aber sicher gesprengt hätten:

- Wie veranstalte ich als Fotograf, Illustrator oder Schreiber Konzerte die meinen Lebensunterhalt decken?

- Was muß ich als Fotograf zukünftig jemandem zahlen, wenn er mit meinen Fotos auf seiner Website Werbung für meine Konzerte macht?

- Ist Schwarzfahren auch ok; jedenfalls solange ich die U-Bahn nicht mitnehme?

- Ist mir wirklich kein Schaden entstanden nur weil ich die Datei noch habe, wenn mein Portrait einer jungen blonden Frau deutschlandweit auf Nazi-Wahlplakaten zu sehen war und deswegen kein Kunde mehr mit dem Gesicht Werbung für irgendein Produkt machen will, das Bild also unverkäuflich geworden ist?

- Wird sich die Konzertkarten noch jemand leisten können, denn die Kosten für die Produktion der Alben einer Band müssen ja irgendwo herkommen?

- Fordert die Piratenpartei auch daß Pornofilme kostenlos abgegeben werden und wie sehen da die Konzerte aus?

- Wo kommen die ganzen Theater her in denen Filmschauspieler auftreten um den Werbeeffekt ihrer Filme in Geld umzusetzen? Was kosten da die Karten um millionenteuere Filme zu refinanzieren?

- Wenn die Piratenpartei den Schülern in Aussicht stellt, daß Urheberrechtsverletzungen kein Thema sein sollen und im Internet juristisch alles nicht so eng zu sehen ist, was sagt die Piratenpartei denn dann wenn jemand den Schülern bei ebay, was verkauft, das Geld nimmt und keine Ware schickt?

Der große Verlierer der Diskussion war übrigens der Schüler, der später gerne Filme machen würde und sich irgendwie nicht vorstellen konnte wie er davon leben können sollte.

Dem hat man dann was von irgendeiner Kulturflatrate erzählt.

Ich soll jetzt also glauben, daß alle die heute schon (durchaus nachvollziehbar) wegen der GEZ-Pflicht von Computern auf die Barrikaden gehen in Zukunft heiß drauf sind eine Abgabe auf alle Internetanschlüsse zu entrichten, die dann an die Urheber geht?

Mal abgesehen davon, daß so eine Kulturflatrate nichts anderes ist, als der Versuch derer, die für die Werke von Urhebern nicht bezahlen wollen, die Kosten für diese Werke auf die Allgemeinheit umzulegen (man stelle sich nur eine Benzinflatrate vor, bei der die Fahrrad- und 3L Lupo-Fahrer helfen den Durst der SUVs zu stillen), kann das nur funktionieren, wenn es sich dabei um einen lächerlichen Feigenblattbetrag handelt, von dem am Ende praktisch nichts bei den Urhebern ankommt. Ein Almosen, das eher ein Hohn als ein Honorar ist.

Wie sollten denn die Ausschüttung solcher Gelder geregelt werden, die Frage, was die Verwaltung einer solchen Abgabe verschlingt, mal außen vor?

Bekomme ich für 100 unterbelichtete Fotos in 10 Sekunden mit 10B/s gemacht genausoviel wie jemand der 100 aufwändige Portraits an 100 Arbeitstagen fotografiert hat? Um das fair zu regeln müßte man ja irgendwie messen, was wie oft runtergeladen wurde oder soll jemand der ein völlig mißlungenes Foto produziert genausoviel bekomme, wie jemand der den Sommerhit des jeweiligen Jahres produziert hat? Jetzt kann ich mir nicht vorstellen, daß diejenigen die sich eine Kulturflatrate wünschen eine solche Erfassung der Nutzung haben wollen. Da würde das Lieblingsfeindbild der Piratenpartei ja lachend aus dem Rollstuhl kippen.

Ergänzung:

Was mir heute beim Nachdenken noch besonders sauer aufgestoßen ist, ist daß da auch tatsächlich das Argument kam, daß man mit all diesen Plänen zur Abschaffung des geistigen Eigentums junge Talente fördern und Ihnen somit eine Chance geben würde. Das ist etwas, daß Fotografen zur Genüge kennen: Leute die etwas für lau abgreifen wollen und dabei noch mäzenatenhaft tun, weil sie sich herablassen den Namen des Fotografen an das Bild zu schreiben, was schließlich eine tolle Werbung ist.

Soll man doch einfach sagen: wir finden die Idee des geistigen Eigentums scheiße, wollen dafür nix bezahlen und was aus denen die sowas herstellen wird ist uns auch egal. Das wäre wenigstens ehrlich.  Aber bitte nicht so tun, als würde man den Urhebern damit noch helfen.





Was man nicht auf seine Website schreiben sollte…

8 09 2009

Für einen Photographen ist eine Website die perfekte Möglichkeit potentiellen Kunden die eigenen Arbeiten zu präsentieren. Das macht man am besten mit seinen Photos. Aber natürlich ist auf einer Website auch jede Menge Platz für Texte und es gibt ja auch einiges was man da sinnvollerweise aufschreiben könnte und was für einen potentiellen Kunden eine wertvolle Information wäre. Das sind so Dinge wie Kontaktdaten, der eigene Wohnort, die Arbeitsfelder, die eigenen AGB, Hinweise zum Copyright, die Sprachen die man so spricht, ein paar biographische Daten…

Doch viele Photographen schreiben auf ihren Websites Zeug nieder, das man bestenfalls als ungeschickt oder sonderbar, in Verbindung mit den dort gezeigten Bildern in vielen Fällen auch irgendwo zwischen Lächerlichkeit und völligem Realitätsverlust einstufen kann. Wenn man schlecht photographiert, dann reißen das auch 1000 Zeilen feinste Marketing-Prosa nicht raus, wenn man aber ganz gut photographiert und Unfug schreibt, dann schadet man sich damit. Wer schlecht photographiert und das mit sonderbaren Texten garniert…naja, was soll man da groß sagen.

Zuerst sollte man sich überlegen, was man will. Wenn man dem Kunden zeigen will, daß man Berufsphotograph ist, dann sollte man darauf verzichten seine Dienste auch gleich noch als Webdesigner, Layouter, Lieferant für Visitenkarten und Fachbetrieb für Kanalreinigung anzubieten:

  • Erstellung und Wartung von Online-Auftritten
  • Programmierung von Websites
  • Einrichtung von Servern,Domains,CMS und Bloggsoftware
  • Beratung in technischen und programmtechnischen Fragen
  • Erstellung von Printwerbung
  • Konzeption, Erstellung und Druck
  • Fotografie zu Werbezwecken

Wenn der Photograph auch all das macht statt es einer Fachkraft zu überlassen, warum sollte dann nicht irgendwer sonst anstelle des Photographen genauso gut photographieren können?

Wer sich schon die Mühe macht, so zu tun, als würde er 50 Wochen im Jahr für National Geographic durch die Welt fliegen oder in Splitterschutzweste und Kevlarhelm (Kevlar kommt später nochmal) Kriege „covern“ und dabei ein Schweinegeld verdienen, sollte die Illusion nicht selbst dadurch zerstören, daß er auf seiner Website anbietet für 20 Euro zu mir nachhause zu kommen und Paßbilder von mir zu machen. Wenn er es trotzdem macht, dann will ich aber, daß er die Splitterschutzweste und den Kevlarhelm trägt, wenn er kommt.

Universalspezialisten

Auf seiner Website zu sagen, in welchen Teilen des weiten Feldes Photographie man bevorzugt  tätig ist ist für den Kunden nur dann von Wert, wenn man sich nicht von der Angst treiben läßt irgendeinen Auftrag verlieren zu können. Das Internet ist voll von Photographenwebsites deren Inhaber für sich in Anspruch nehmen sich auf mindestens 8 der folgenden Bereiche spezialisiert zu haben:

Presse, Reportage, Hochzeit, Akt, Schwangerschaft, Portraits, Events, Sport, Beauty, Editorial, People, Konzertphotographie, Kultur, Theater, Haustierphotographie…

Beleg für diese Spezialisierung sind dann in vielen Fällen Galerien bei denen man auf den ersten Blick sieht, daß die Spezialisierung eigentlich nur darin besteht, daß man mal jeweils ein Konzert, Theaterstück, Sportereignis etc. mehr schlecht als recht fotografiert hat.

Das man, wenn man den Begriff „fotojournalist“ auch noch in der eigenen URL unterbringt, auf seiner Seite vielleicht was anderes anbieten sollte als Paßbilder, Dankkarten und Familienfotos, sollte eigentlich selbsterklärend sein.

Ebenfalls sehr beliebt sind  lange Listen und Elaborate zur Ausrüstung die der Photograph benutzt. Da könnte man natürlich sagen, daß es für einen Kunden schon eine wichtige Information ist, ob der Photograph digital arbeiten kann und z.B. in der Lage ist aktuell Bilder zu schicken. Aber solche Informationen findet man auf Photographenwebsites selten. Stattdessen weiß der Kunde nach einem Blick auf die Website des Photographen, welchen Monitor der zuhause stehen hat, in welchem Koffer er seine Kamera transportiert und mit welcher Datenrate der Speicherkartenleser arbeitet. Ein Beispiel aus der Praxis:

Mit dieser Fotoausrüstung arbeite ich:

Kamera: Nikon D3
Diese Fotokamera ist mit einem Bildsensor im FX-Format (23,9 x 36 Millimeter) und einem Empfindlichkeitsbereich von ISO 200 bis 6400 ausgestattet. Sie ist perfekt auf mich zugeschnitten, da ich bisweilen unter extremen (Licht-)Bedingungen arbeite (Luftbild- und Eventfotografie etc.). Ihr Verschluss aus einem Kevlar-/Kohlefaser-Verbundmaterial und die „EXPEED-Bildverarbeitungs-Engine“ ermöglichen mir Serienaufnahmen mit neun bis elf Bildern pro Sekunde.

Mich hat noch nie (wirklich niemals) ein Kunde gefragt, welche Kamera ich benutze oder ob meine Kameras Verschlüsse aus Kevlar-/Kohlefaserverbundmaterialien haben. Kein Kunde sucht „einen Photographen mit einem Nikon 14-24er“.

Schlimm ist es auch, wenn Anspruch und Wirklichkeit so weit aueinander klaffen, daß selbst völlige Laien bestenfalls den Kopf schütteln. Wer behauptet als Photograph hauptberuflich journalistisch zu arbeiten, dabei aber betont, daß es ihm seine Ausrüstung sogar erlauben würde außerhalb der eigenen vier Wände zu arbeiten und in Blockschrift darauf hinweist, daß ein „PRESSEAUSWEIS VORHANDEN“ sei, macht sich lächerlich. Gleiches gilt für Formulierungen wie „flexibel und mobil durch eigenen PKW„.

Wer auf seiner Website eine Galerie für den Arbeitsbereich „Presse“ hat und da im Text verspricht,

Als „Lichtbildner des Zeitgeschehens“ produziere ich für Sie sowohl tagesaktuelle Bilder als auch Reportage-Fotografien von Personen und Ereignissen. Mein Anspruch ist es dabei, den Bildern bereits vor ihrer Entstehung eine bedeutsame Aussagekraft zu verleihen.

der sollte dann aber auch mehr zeigen können als 10 schlecht photographierte Bilder von einem Termin mit irgendeinem Lokalpolitiker. Mal abgesehen davon daß mir mal jemand erklären müßte, wie man Bildern bereits vor der Entstehung eine bedeutsame Aussagekraft verleiht.

Ebenfalls eine oft eher unterhaltsame Rubrik ist die Referenzen-Seite oder Biographie-Seite. Jedenfalls wenn da mit allem gewuchert wird, was man so zur Verfügung hat oder haben glaubt.

Doof nur, wenn man da Kundenreferenzen angibt bei denen dann auf der Website keine Bilder des Photographen zu finden sind sondern wo für alle Bilder andere Photographen angegeben sind oder wo auf der Seite genau Null Bilder sind.

Sehr beliebt ist es auch darauf hinzuweisen, wo man überall Mitglied ist: CPS, NPS, DGPh, freelens, DJU, DJV, ADAC, AOK, ADC, ADG, VG Bild-Kunst etc… Fast könnte man meinen, daß die Mitgliedschaften da verliehen werden und nicht durch den Kauf einer bestimmten Anzahl Kameras/Objektive oder simple Beitragszahlung erworben werden können.






Urheberrecht für Fortgeschrittene und Abgehobene…

12 08 2009

netzpolitik.org hat einen Wettbewerb gestartet bei dem es darum ging einen Remix des aktuellen Schäuble Wahlplakates zu erstellen und dabei sind einige gelungene Sachen rausgekommen. Die Vorlage gab es auf der Seite der CDU mit folgenden Nutzungsbedingungen:

Die Bilder dürfen ausschließlich zur redaktionellen Berichterstattung über die CDU-Bundestagswahlkampagne 2009 genutzt werden. Die Nutzung ist bis zum 31.12.2009 honorarfrei. Danach tritt die Honorarpflicht zugunsten der jeweiligen Agentur/des jeweiligen Fotografen gemäß deren AGBs in Kraft. Eine Weitergabe an Dritte ist untersagt. Die Weitergabe an und Nutzung durch weiterverbreitende Agenturen und Pressedienste ist nicht gestattet.

Wenn jemand die Bilder eines Photographen oder einer Photographin einfach so widerrechtlich benutzt, dann kann man was dagegen machen. Keine Frage!

ABER: Wenn man als Photographin einem Kunden (in diesem Fall der CDU) gestattet die eigenen Bilder bzw. Wahlkampfplakate die die Fotos nutzen als Handouts an andere Medien weiterzugeben oder zum Download anzubieten, dann sollte man damit rechnen, daß das Material auch benutzt wird. Und man muß damit rechnen, daß auch Medien die die CDU kritisieren dies tun werden. Dann mit einer Klage zu drohen und davon Abstand zu nehmen, sobald man merkt, warum das alles so nicht geht (und mandabei auch irgendwie unsympathisch rüberkommt), spricht Bände.

Ärgerlich ist der Vorgang, weil solche Auftritte die Position all jener Photographen schwächen die berechtigterweise versuchen Ihre Urheberrechte durchzusetzen, weil das Urheberrecht einmal mehr als Repressionswerkzeug gegen unliebsame Meinungen oder als Gelddruckmaschine erscheint.

Wenn der Photograph die Entscheidung über das „wer benutzt meine Bilder“ aus der Hand (und dem Wirkungsbereich der eigenen AGB) gibt, indem er einem Dritten das Recht zur Weitergabe der Bilder einräumt, dann hat er da auch kaum noch was zu sagen. So einfach ist das. Und das ist ja auch einer der Gründe, warum man für solche Sachen deutlich mehr Geld bekommt als für ein einfaches Nutzungsrecht, weil eben diese weiteren Nutzungen damit auch abgegolten werden.

Die Vorstellung der Photographin von der Welt ist bizarr: Wenn sich Politiker bei einem Pressetermin aus Anlaß des Klebens der ersten Wahlplakate vor den Plakaten fotografieren lassen, dann verklagt die Photographin des Politiker Portraits auf dem Wahlplakat alle Photographen die auf dem Termin Bilder machen? Denn nicht zuletzt, geht es hier ja nicht wirklich nur um das Photo, sondern um ein Wahlplakat, daß unter Benutzung des Photos entstanden ist. Da stellt sich die Frage ob es sich nicht schon um ein eigenständiges Werk handelt.

Für diese Annahme spricht ja nicht zuletzt der Umstand, daß die satirische Verfremdung nicht  am Photo passiert, sondern der Text des Wahlplakates und damit die Arbeit der Werbeagentur und nicht das Werk der Photographin verfremdet wird.

Und: wenn ich ein Bild für einen Buchtitel liefere, kann ich auch nicht amazon abkassieren, wenn die um das Buch zu verkaufen ein Bild vom Buch und damit auch das Photo zeigen.

Und selbst, wenn die Parodien der Wahlplakate beleidigend und diffamierend wären wie die Photographin behauptet (sie sieht das ja eher so, daß ihre Bilder beleidigt und diffamiert werden), dann hätten nur die Beleidigten zu klagen und nicht die Photographin. Photos können aber niemanden verklagen und Wolfgang Schäuble nimmt, bei allem was man an seiner Arbeit kritisieren kann, solche Sachen erfreulich sportlich statt zu versuchen Kritiker per Beleidigungsklagen und ähnlichem einzuschüchtern. Nicht zuletzt ist Schäuble offenkundig klug genug sich nicht als jemand zu exponieren, der andere Meinungen unterdrücken will. Etwas das im Internetzeitalter nicht nur schlecht ankommt, sondern nahezu immer nach hinten los geht.

Selbst, wenn man der Photographin hier die altruistische Absicht unterstellt, zur Ehrenrettung ihres Kunden (CDU) zu handeln, so schadet sie der CDU doch eher, denn im Netz und in den Medien kommt die ganze Aktion garnicht gut an. Somit erweißt sie ihrem Kunden gerade einen Bärendienst, daß das abgesprochen ist und die CDU sie vorgeschickt hat ist kaum vorstellbar.

Nochmal die beiden sehr lesenswerten Texte  bei lawblog.de:

http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/08/12/schnell-zuruckpfeifen

http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/08/12/fotografin-will-nicht-klagen/





Netter Zusatzverdienst und höchst peinliche Nummer

22 07 2009

Die „Bild“ hat einen Fotowettbewerb unter ihren Lesern veranstaltet. Kann man ja machen. Gewinnspiele und Wettbewerbe gibt es ja auch anderenorts. Aber bei der näheren Betrachtung durch die Leute vom bildblog sieht es so aus, daß das ganze doch eher irgendwas zwischen Bonusprogramm für die freien Fotografen und höchst peinlicher Nummer ist. Da wird der Gewinner-Fotograf als „gelernter KFZ-Mechaniker“ vorgestellt (was ja stimmen mag) und er selbst wird mit den Worten „So was nennt man wohl einen Glücksschuss“ zitiert (und auch das kann stimmen). Das peinliche an der Nummer ist nur, daß  “Bild“ schon öfter Bilder dieses Fotografen gedruckt hat und das nicht, weil er öfter mal mit einem Glücksschuss einen Fotowettbewerb gewinnt, sondern wohl eher, weil er das augenscheinlich als Beruf macht. Ein Blick auf die Website des Fotografen, wo sich auch „Bild“ und „bild.de“ unter den Kunden finden, die er als Referenzen angibt, weckt jedenfalls nicht den Eindruck, daß er noch als KFZ-Mechaniker arbeitet.

Bild 8

Was soll man von Journalisten halten, die nebenbei als Laiendarsteller und „glückliche Gewinner aus dem KFZ-Handwerk“ in den Blättern auftreten die sie sonst mit Bildern versorgen? Und wie mögen sich die Leser fühlen die da mitgemacht haben und dann gegen einen Profifotografen der für das Blatt arbeitet verloren haben? Und wie mag sich erst der Teilnehmer fühlen, der auch noch den Tips die die „Bild“ ihm mit auf den Weg gab „Und jetzt gucken Sie mal, welche Tipps die professionellen BILD-Fotografen allen Teilnehmern geben…“ gefolgt ist und nichts gewonnen hat?

Der ethisch saubere Weg wäre garnicht so schwer gewesen:

- als jemand der da professionell Bilder liefert nimmt man an Wettbewerben die sich an die Leser richten nicht teil

- wenn jemand der seit 1999 als Berufsfotograf arbeitet einen Fotowettbewerb gewinnt, dann sollte man ihn nicht als Automechaniker im Glück darstellen und der Fotograf sollte das nicht mitspielen





Einfach mal nein sagen!

12 07 2009

Auf themaastrix.net findet sich ein sehr interessanter Text zum Thema Konzertphotographie. Der dem Post neulich einen Aspekt hinzufügt.

Nicht, daß der Versuch Tracy Chapman sich die Rechte an den Bildern unter den Nagel zu reißen etwas neues oder positiv erwähnenswertes wäre:

You hereby acknowledge and agree that Ms. Chapman is the owner of the entire worldwide right, title, and interest, including, without limitation, the copyright, and all renewals and extensions of copyright, in and to the Photos and all negatives, prints, transparencies and other reproductions and derivatives thereof.

Spannend ist aber, daß den Leuten die diesen Vetrag aufgesetzt haben aber scheinbar doch irgendwie klar ist, daß das daneben ist und es deswegen folgenden Anweisung geben soll:

2A. Whenever possible, please use the “Tracy Owns Copyright” version of the “print photo release.”
2B. However, if they photographers or their employers insist on owning the copyrights, then use the “photographer owns copyright” version.

Und wenn man schlicht „nein“ sagt und damit unter 2B fällt, dann liest sich der oberste Absatz im Vertrag schon viel schöner:

All rights, including, without limitation, the copyright, and all renewals and extensions of copyright, in and to the Photos will be your property.

Was zwei Dinge beweist:

1. Irgendwie scheint auch den Managern, Konzertveranstaltern, Künstlern oder wer immer diese Verträge macht klar zu sein, daß es so eigentlich nicht geht. Aber versuchen kann man es ja mal.

2. Es kann sich durchaus lohnen auch mal nein zu sagen! Denn scheinbar sind manche Künstler doch noch auf Berichterstattung angewisen.





Ich hab gedacht ich darf das…

30 06 2009

forum

„I never knew that blog stole those photos from you, I thought they were placed there with permission, as there was a credit attached (your name). I copied all that content from there.“

„I thought that by using a credited low res images on a non profit site, this was OK.
I will remove the photos tonight. If you have the images online, I can link to them…“


Aua das tut richtig weh! Aber das sind halt die Antworten, die man bekommt, wenn man mal nachfragt wie denn die eigenen Bilder auf irgendeine fremde Website kommen.

Wenn man also irgendwo in einem Blog (und da waren die schon geklaut) Bilder findet, dann darf man die einfach so runterladen und sie in die eigene Website einbauen, weil die ist ja kein kommerzielles Projekt. Nicht nur das; der Umstand,  daß eine Autorennennung an den Bildern ist, ist ein sicheres Zeichen, daß man die Bilder kostenfrei nutzen kann. Und überhaupt, geklaut ist etwas in der Konsequenz nur, wenn man es jemandem wegnimmt, der es selbst geklaut hat. Das ist eine logische Glanzleistung, denn in der Folge kann man ja eigentlich nie irgendwas klauen. Und auch alle Bilder in Zeitungen, Zeitschriften, Bücher etc. an denen der Name des Fotografen steht, stehen jedermann zur Nutzung frei. Klasse!

Die  Selbstverständlichkeit mit der das scheinbar in Ordnung ist und die in dem tollen Angebot gipfelt einen Link auf meine Website anzubieten ist schon toll. Mal ehrlich, was soll mir das helfen, außer vielleicht noch mehr Leute auf meine Seite zu leiten, die mir auch was klauen?

Aber eigentlich ist das ja kein Wunder schließlich werden Urheberrechtsverstöße ja sogar in – an und für sich – seriösen Medien von Journalistendarstellern wie Sonia Zjawinski propagiert. Die Dame empfiehlt auf den Webseiten der New York Times, man könne sich jedes bei flickr gezeigte Bild printen lassen, rahmen und in die Wohnung hängen, was ein toller Einrichtungstip sei. Und auf die einsetzende Kritik gibt es dann einen peinlichen Rechtfertigungsartikel, in dem dann ein Anwalt bemüht wird, der das über ein altes Urteil rechtfertigen soll: man darf ja auch Fernsehsendungen aufnehmen. Nun ist es aber was anderes ob jemand sich meine Website auf dem Rechner speichert, um sie sich zeitversetzt anzusehen (Videorecorder-Analogie) oder ob jemand mein Bild von einer Website zieht, um es in völlig anderer Form zu nutzen.

Urheberrechtsverletzungen sind sehr in Vogue, jedenfalls bei Bildern und wehe der Beklaute wehrt sich, man denke nur an den „Physik-Doktorand“ dem Getty Images eine 2000€ Rechnung geschrieben hat, „obwohl er das Bild bezahlt hatte“. Der hat seinen Fall damals bis zum Spiegel getragen und die Empöhrungsmaschinerie lief ganz flott. Wenn man sich das genauer angesehen hatte, sah das gleich ganz anders aus, denn zwar stimmte es schon, daß der Doktorand (der sich dazu auch noch ausführlich im SpiegelOnline Formu äußerte) eine Lizenz zur Nutzung des Bildes auf einer privaten Website gekauft hatte. Benutzt hat er das Bild dann aber in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer eines gewerblichen Internetportals auf eben dieser gewerblichen Seite.  Also stornierte Getty den Privatnutzervertrag und stellte die nicht lizensierte gewerbliche Nutzung in Rechnung. Eigentlich ganz normal, daß man das bei Getty nicht wirklich lustig fand, oder? Und auch die anderen vermeintlichen Abmahnopfer aus dem Spiegelartikel erscheinenschon bei oberflächlicher Betrachtung auch nicht so richtig als unschuldige Opfer eines bösen Abmahnmonsters.

Aber sobald die Begriffe Abmahnung und Urheberrechtsverletzung fallen ist für die meisten Menschen klar, daß da jemandem ein ganz böses Unrecht zugefügt wird.

Nein, ich mag die auch Art und Weise wie die Musik- und Filmindustrie solche Sachen angeht nicht. Zum einen nervt es mich mir bei jeder gekauften DVD zwangsweise minutenlang irgendeinen „Papa ist 5 Jahre im Knast, weil er einen Film aus dem Internet gesaugt hat!“-Film anschauen zu müssen und zum anderen finde ich nicht, daß man einen 14jährigen der sich irgendwelche Lieder runtergeladen hat so rannehmen muß, daß es sich für ihn eigentlich nicht mehr lohnt irgendwann im Leben arbeiten zu gehen. Nicht zuletzt ist es leider so, daß die Musik- und Filmindustrie es auf diese Weise geschafft hat zu einem ordentlichen Maß dran schuld zu sein, daß viele Menschen das Vorgehen so derart Ungerecht finden, daß der Eindruck entstanden ist, Urheberschaft und geistiges Eigentum an sich seien schon etwas unanständiges.

Aber das macht eine Abmahnung ja nicht automatisch zu etwas unmoralischem. Denn solange es dabei nur um die Erstattung des Schadens, als das ausstehende Nutzungshonorar und die Unkosten (und nicht um die Erweiterung der Porschesammlung irgendeines windigen Anwalts) geht, ist das für den Bilderdieb eine günstige Möglichkeit aus der Nummer wieder rauszukommen. Denn die Alternative ist ein Gerichtsverfahren.

Das jemand der etwas geklaut hat den marktüblichen Preis nicht bezahlen mag und für zu hoch hält, ja den Gegenstand der Begierde plötzlich für wert- und nutzlos und überteuert erklärt, ist nicht wirklich überraschend. Und so sind die beliebtesten Argumente in Urheberrechtsstreitigkeiten um Photos, daß:

a) man genausogut ein irgendwie ähnliches (auch beliebt: viel besseres) Bild für 25 Cent von einer Micro Stock Agentur* hätte nehmen können (da stellt sich dann halt die Frage warum man das nicht gemacht hat, oder das Bild nicht zumindestens da geklaut hat, wo es nur 25 Cent statt 500 € kostet)

b) man das Bild auch selbst hätte machen können (ich habe noch nie von einem Fall gehört, in dem da dann auch mal der Beweis angetreten worden wäre)

c) jemand anderes Schuld ist. (Schuld ist dann gerne mal der Billig-Webdesigner dessen Budget man so gering gehalten hatte oder der so billig war, daß es für eine gewisse Basiskompetenz nicht gereicht hat, daß er die Bilder per Google-Bildersuche „beschafft“ hat. Verantwortlich ist halt der, der als „Verantwortlich im Sinne …“ im Impressum steht. Dem Photographen kann das egal sein, das können Betreiber und Webdesigner später unter einander ausmachen.)

Wer in der U-Bahn schwarzfährt, kommt auch nicht davon, indem er sagt, er wäre eigentlich lieber zu Fuß gegangen. Auch das Argument man müsse garnicht zahlen, weil der Zug ja eh die Strecke gefahren wäre, zieht genauso wenig wie das Argument, daß dem Photographen überhaupt kein Schaden entstanden wäre, weil er die Bilddatei dabei schließlich nicht verloren habe.

Und, daß nicht der Photograph auf den Kosten die durch die Urheberrechtsverletzung und die Verfolgung (Anwalt, Porto, etc.) entstehen sitzenbleiben kann sollte auch klar sein. Nach einem Wohnungseinbruch will der Geschädigte auch nicht nur das Geld für den geklauten Fernseher; und die eingeschlagene Scheibe, die zerschlagenen Blumentöpfe und den versauten Teppich bezahlt er selbst.





Nachdenkenswertes zum Thema Geschäftsgebahren

30 05 2009

Videos gefunden beim sehr empfehlenswerten John Harrington.

Für die meisten Menschen ist es nur ein lustiger Clip mit bizarren Kunden die irgendwo zwischen balla-balla und unverschämt sind. Kein Mensch würde sich so aufführen.

Für die meisten Fotografen ist es dagegen ein Wiedersehen mit Leuten die auch schonmal an die eigene Tür geklopft haben und die man wieder weggeschickt hat oder mit denen man nach einem Job jede Menge Ärger hatte. Ich erinnere mich da z.B. an einen Möchtegernkunden, der ein Angebot für Portraits einer Bundesliga-Handballmannschaft für irgendeinen Sponsoren eingeholt hat und dann verlauten ließ, er habe da aber einen Fotografen, der macht ihm für 80,- Euro eine CD mit 200 Bildern. Als ich ihm dann leider sagen mußte, daß sich seine Honorarvorstellungen leider schon mit meinen Fahrtkosten im Angebot beißen und er dann doch den 80-Euro-Kollegen buchen muß, kam dann ein lustiges „ja, aber sie fotografieren besser“ und er könne mich vielleicht mal bei irgendeinem Handballspiel reinbringen und da dürfte ich dann fotografieren und das ganze wäre ja auch eine tolle Chance. Hurra! Schade um die Arbeitszeit für das Angebot. Die tolle Chance habe ich dann gerne für den 80-Euro-“Kollegen“ stehen gelassen.

Wer aber in den Typen aus dem Video sogar das normale Geschäftsgebahren  der eigenen Kundschaft wiedererkennt, der sollte seine eigenen Geschäftspraktiken doch irgendwie mal überdenken. Es sei denn natürlich er hat selbst Restaurantbesitzer, Vermieter, Fotohändler und Autohaus gefunden bei denen er als Kunde die Preise diktieren kann, dann kann das natürlich trotzdem funktionieren.





Drauflegen? (Umsonst oder kostenlos? Teil 3)

26 12 2008

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In Teil 2 klang es ja schon leicht an: Wer kostenlos arbeitet, dem kann es nicht nur passieren, daß er am Ende umsonst gearbeitet hat. Man kann auch drauflegen. Sogar dann, wenn man nicht kostenlos arbeitet.

„Ich mache bei jedem Auftrag 20 Euro Verlust, aber das hole ich über die Menge wieder rein, denn wegen meiner günstigen Preise bekomme ich viele Aufträge.“

Zitat von einer amerikanischen Website zum Thema

Viele Photographen machen sich die Welt im Kopf passend und sonnenbeschienen. Das Thema Betriebskosten wird gerne ausgeklammert oder man redet es sich schön. „Ich hab ja eine Digitalkamera, da kostet photographieren nicht mehr als das bißchen Strom um die Akkus zu laden.“ Und schwups erscheint jeder Euro der reinkommt als Gewinn.

Das ist aber Augenwischerei: Wenn man als Photograph Geld verdienen will – und da ist es egal, ob man sich beim Lokalblättchen am Wochenende was dazuverdienen will oder ob man in der Spitzengruppe als Modephotograph arbeiten will – fängt das Verdienen erst an, wenn man die Ausgaben, und zwar alle Ausgaben, wieder drin hat.

Als ersten Schritt muß man also seine gesamten Betriebskosten erkennen und verstehen. Und viele Photographen haben keinerlei Ahnung davon, was die eigenen Betriebskosten, die gesamten Betriebskosten oder was Betriebskosten an sich sind.

Ein tolles Werkzeug sich mal einen Überblick zu verschaffen ist der NPPA Cost of Doing Business (CDB) Calculator, der amerikanischen National Press Photographers Association. Das ist ein Tool, das berechnet, was man bei einer angegebenen Anzahl von Jobs pro Jahr durschnittlich pro  Job verdienen muß, um die durch das Tool erfaßten Betriebskosten wieder reinzubekommen und das gewünschte Jahreseinkommen zu erzielen.  Und man sollte sich bei den einzelnen Posten die Erläuterungen durchzulesen, die eingeblendet werden, wenn man auf das „i“ neben dem Posten klickt, und man sollte ehrlich sein, auch wenn einen das Ergebnis erschreckt. Man braucht schon ganz ordentliche Tageseinnahmen, um über die Runden zu kommen.

Nehmen wir zum Beispiel den Photographen aus Teil 2 der für ein Abdruckhonorar von 20 Euro pro Bild arbeitet  für eine Beispielrechnung, die bei weitem nicht so detailiert und durchdacht sein wird wie der NPPA Rechner:

Gehen wir mal davon aus, daß unser Photograph pro (Arbeits-)Tag 5 Themen für „Die Zeitung“ arbeitet und die zudem noch ein Archivbild von ihm benutzen. Das macht 120 Euro pro Tag.

Für den Einsteiger, Studenten oder den Semi-Profi mag das verlockend klingen, denn schon nach 7 Wochenenden hätte man z.B. eine EOS 50D mit einem brauchbaren Objektiv finanziert. Und wenn man das jede Woche 5 Tage machen würde käme man auf 2400 Euro Einnahmen im Monat. Wer mag da schon von drauflegen sprechen?

Dummerweise sind 2400 Euro Einnahmen was anderes als 2400 Euro Lohn oder Einkommen. Die Supermarktkassiererin kann ja Abends auch nicht die Tageseinnahmen mitnehmen, dafür muß sie aber auch nicht die Waren kaufen, den laden mieten und die Regale und die Kasse hat auch jemand anderes bezahlt.

Kommen wir mal zu den Betriebskosten eines Photographen:

Nehmen wir nur mal ein paar Fixkosten, als Beispiele: DSL-Internetzugang für zuhause 400 Euro pro Jahr, Handy mit UMTS Datenflatrate und UMTS-Karte 800 Euro, Computer anteilig für ein Jahr  600 Euro, Software anteilig für ein Jahr 600 Euro, Kameraausrüstung anteilig für ein Jahr 2000 Euro, Bürobedarf 100 Euro. Macht zusammen 4500 Euro.

Manch einer wird jetzt sagen, daß man über die Fixkosten diskutieren kann. Klar kann man das, man könnte sagen, daß es auch ohne UMTS und Handy geht. Das ist aber schwierig, denn zum einen wird heute von vielen Kunden erwartet, daß man das einfach hat und zum anderen fallen einem die am UMTS gesparten Kosten wieder auf die Füße, wenn man immerzu irgendwohin fahren muß, von wo man Bilder schicken kann.
Man könnte einwenden, daß 2000 Euro pro Jahr für die Kameraausrüstung viel zu hoch gegriffen sind. Aber: Wer professionell arbeiten will sollte schon 2 Kameragehäuse haben (wer meint er braucht das nicht, muß dann eben Geld weglegen um die 2 Wochen zu überbrücken, wenn die Kamera mal in der Werkstatt ist), die Standardausstattung sollte heute den KB-Brennweitenbereich von ca. 16-200mm umfassen, das aber möglichst so lichtstark, daß man das auch sinnvoll nutzen kann. Kann man das nicht, kann man manche Jobs nicht annehmen und das Einkommen sinkt. Rechnen wir also mal mit:

2x EOS 50D mit Hochformatgriffen…………..2400 Euro

1x Canon EF-S 10-22……………………………..650 Euro

1x Canon EF-S 2, 8  17-55 IS …………………..800 Euro

1x Canon EF 4,0 70-200 IS…………………….950 Euro

2x Canon Speedlite 580EX II…………………..800 Euro

1x Tasche z.B. Domke J2…………………………….300 Euro

Speicherkarten, Akkus, Ladegeräte
Kleinteile etc. …………………………………….500 Euro
======================================
6400 Euro

Dann darf jetzt bei den angesetzten 2000 Euro pro Jahr, frühestens nach 3,5 Jahren etwas kaputt gehen oder Bedarf für etwas zusätzliches aufkommen, sonst sind die 2000 Euro noch viel zu bescheiden angesetzt.

Aber wer nun sagt,  daß er den Computer und DSL Anschluß ja auch schon hat um privat im Internet zu surfen und er die Kameras schon längst bezahlt hatte bevor er den ersten Job angenommen hatte, der hat eigentlich schon erkannt, daß er seine Photo-Jobs (und damit schlußendlich auch den vermeintlichen „Kunden“) irgendwie selbst subventioniert.

Neben den Fixkosten enthalten die Betriebskosten aber noch einen variablen Anteil von Kosten die mit jedem Job entstehen und deren Höhe von der Art des Jobs abhängt. Es macht einen Unterschied ob man an 200 Tagen für 120 Euro Anstrichhonorar arbeitet und pro Tag 5 Geschichten fotografiert oder ob man an 60 Tage für 400 Euro arbeitet und dabei je eine Geschichte fotografiert und der Kunde auch noch die Spesen bezahlt. Im letzteren Fall zahlt der Kunde für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent und kommt somit für die Kosten auf. Im ersten Fall fährt der Photograph täglich zu 5 Terminen und diese Kosten bleiben an ihm hängen. Grob überschlagen sind 20km pro Termin nicht viel. Macht also

20km x 5 Termine pro Tag x 200 Tage x 0,30 € = 6000 €

Auch berücksichtigen muß man, daß einer der Beispiel-Photographen 140 Tage mehr arbeiten war als der andere und 1000 statt 60 Termine fotografiert hat, was dazu führt, daß seine Ausrüstung mehr leidet und er weniger Zeit hat um z.B. freie Arbeiten zu machen, die sich ja wiederum verkaufen ließen:

Im oberen Beispiel kommen beide Photographen auf

24.000 Euro

Abzüglich der oben genannten Fixkosten und der Fahrtkosten bleiben dem einen dann 1125,- Euro im Monat und dem der 140 Tage weniger gearbeitet hat bleiben 1625 Euro im Monat.

Wenn jetzt beide Photographen zwei Tage pro Monat mehr arbeiten, dann hat der eine 1305,-  und der andere 2425,- Euro. Wobei es für den einen viel wahrscheinlicher ist, daß er einen zusätzlichen Job annehmen kann, weil er ja nur an 60 statt 200 Tagen ausgebucht ist. Wer 60 Geschichten mit Muße fotografiert und nebenbei noch eigene Geschichten machen kann, der wird am Ende sicher mit besseren Bildern dastehen als jemand der Tag ein Tag aus von einem Termin zum anderen hetzt; so gesehen hat der Photograph da noch den Vorteil, daß er ein wesentlich besseres Portfolio entwickelt und damit einen weiteren Vorteil erwirbt, wenn es um andere oder bessere Jobs geht.

Nach dem Kassensturz ist der Job unseres Beispiel-Photographen der für 20 Euro auf Anstrichbasis arbeitet also alles andere als ein Hauptgewinn. Und um ehrlich zu ein fehlen in dieser Rechnung der Einfachheit halber einige Posten (wie Strom, Kameraversicherung etc.) und sechs Bilder pro Tag im Blatt zu haben ist auch schon eine stolze Leistung. Einfach mal die örtliche Lokalzeitung zu Hand nehmen und schauen wieviele Bilder die Fotografen da so pro Tag im Blatt haben.

Photographie ist ein teueres Hobby und die Honorare der Berufsfotografen erscheinen (vergleichen mit den Stundenlöhnen von Arbeitern und Angestellten) als leicht verdientes Geld und so liegt der Gedanke nahe sich mit dem teuren Hobby einen Teil der Kosten zu refinanzieren und sich so mehr leisten zu können. Solange das keine Schwarzarbeit ist, sei das auch jedem gegönnt. Wer aber für 100 Euro pro Auftrag Hochzeiten fotografiert kann, wenn er Pech hat feststellen, daß er sich nach 2 Jahren mit je einer Hochzeit pro Monat nicht mehr erarbeitet hat als die Kamera die er dabei verschlissen oder fallen gelassen hat. Wenn er diesen Text verstanden hat wird er einsehen müssen, daß er obendrein noch die Fahrtkosten und alle anderen Unkosten draufgelegt hat.





Noch mehr für noch weniger. (Umsonst oder kostenlos? Teil 2)

11 12 2008

Es gibt da noch einige Dinge zu ergänzen.

Viele Zeitungen in Deutschland zahlen Abdruckhonorare zwischen 10 und 20 Euro pro Bild und schaffen es sogar Leute zu finden die zu diesen Preisen Aufträge abarbeiten.

Es gibt kaum ein fieseres System als Fotografen auf Anstrich Aufträge arbeiten zu lassen (Bilder aus Datenbanken und Material das Fotografen schicken per Anstrcih zu honorieren ist was anderes), denn der „Kunde“ zahlt nur für gedruckte Bilder gibt aber fröhlich Aufträge raus. Das Risiko für Sachen die es nicht ins Blatt schaffen, für Dinge die nicht funktionieren, Termine die ausfallen etc. trägt der Fotograf und das bei minimalem eigenen Einfluß. Außerdem  schafft das schreckliche Machtgefälle zwischen Redakteuren und den Fotografen und unter den Fotografen, denn der Redakteur, der die Aufträge vergibt ist ein kleiner Gott, bestimmt er doch nicht nur die Anzahl der Aufträge für die einzelnen Fotografen und damit deren Verdienst, nein zusätzlich kann er auch noch seinem Lieblingsfotografen die schönen Aufträge (6 Bilder in einer Stunde zu Fuß in der Innenstadt mit Chancen auf eine spätere Zweitverwertung der Bilder) zuschanzen und den Doofmannfotografen für 3 Abdrucke von Morgens bis Abends wie blöde durch die Gegend fahren lassen.

Wie die Fotografen die zu solchen Bedingungen arbeiten davon leben können ist ein Rätsel, das das auf die Qualität schlägt kann jeder in etlichen Lokalzeitungen tagtäglich besichtigen. Das man sich dabei irgend einen tollen Ruf oder ein beeindruckendes Portfolio aufbaut ist eher unwahrscheinlich und jedes „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“-Gesabbel ist purer Unsinn oder ein trauriger Versuch sich die eigene Lage schönzureden.

Wahrscheinlich leben die meisten nicht wirklich davon, sondern machen das so nebenbei. Und selbst, wenn man das nur als Hobby oder für die Profilneurose macht, dann ist es immernoch nahezu unmöglich für 10-20 Euro zu einem Termin zu fahren, da ein Bild zu machen, zurückzufahren, es an einem Computer zu bearbeiten und zu verschicken und dabei auch noch irgendwie die entstehenden Kosten und den Verschleiß wieder reinzubekommen, geschweige denn eine Kameraausrüstung, Computer, Internetanschluß, Auto etc. auch nur teilweise zu amortisieren.

Wir haben uns z.B. als bei attenzione darauf geeinigt, daß es einen Mindestpreis gibt, unter dem wir nicht arbeiten, kein Bild rausgeben und unter dem wir eine Nutzung von Bildern aus unserem Archiv nicht zulassen. Natürlich kann man das auch so sehen, daß man „die 10 oder 20 Euro auch noch mitnimmt“,  wenn das Bild eh schon im Archiv ist und der Kunde es sich einfach runterlädt, per Anstrich honoriert und das Geld überweist. Money for nothing!

Tatsächlich macht man aber nicht mehr als die eigene Arbeit zu entwerten und obendrein läßt man in gewisser Weise auch noch die eigenen ordentlich zahlenden Kunden den Billigsektor der Branche subventionieren. und nicht zuletzt macht man es möglich, daß eine Honorarpraxis die unter den Produktionskosten liegt überhaupt möglich ist.

Da macht es dann schon eher Sinn seine Bilder z.B. für einen guten Zweck kostenlos an Projekte abzugeben die kein Geld für Bilder haben, denn die sind dann dankbar und man wird auch wesentlich besser behandelt als von Leuten denen unsere Arbeit keine 20 Euro wert ist und die einen behandeln, als käme man von einem anderen Stern, wenn man nach so exotischen Dingen wie „Belegexemplaren“ oder „Autorennennung“ fragt, denn schließlich hat man ja seine 15 Euro für eine halbe Seite bekommen, da soll man doch zufrieden sein und die Füße still halten. Foto ist schließlich Foto egal wie aufwendig produziert oder wie groß gedruckt.

Man kann all diese Umstände beklagen und auch gerne (eine extrem beliebte Standardvorgehensweise bei Fotografen seit den 50er Jahren) mal wieder das Ende des Fotojournalismus als solchen ausrufen und beweinen und die Schuld daran wahlweise beim Fernsehen, dem Internet, den anderen, der Wirtschaftkrise und wasweißichnicht sehen. Das ist immerhin bequem.

Schuld daran sind aber in erster Linie Fotografen die nicht „nein“ sagen können. Selbst wenn es sich weder wirtschaftlich lohnt, noch sie irgendwie weiterbringt, Ja die selbst dann freudig antreten, wenn es ihnen und anderen wirtschaftlich eher schadet und sie in ihrem Können einfriert oder zurückwirft.





Umsonst oder kostenlos?

8 12 2008

Wenn man sich in den letzten Tagen einige der wichtigsten englischsprachigen Blogs zum Thema Photographie angesehen hat, stößt man dort auf eine sehr interessante Diskussion zum Thema „umsonst arbeiten“ die David Hobby in seinem Strobist Blog mit dem Artikel „Four Reasons to Consider Working for Free“ losgetreten hat.

Ein schwieriges Thema, vor allem weil man es komplett falsch verstehen kann. Besonders, wenn man nur die Überschrift liest.

Die zwei großen Mißverständnisse  in diesem Zusammenhang sind:

a) zu glauben, daß man es zum Berufsphotographen bringen kann, indem man anbietet ohne Bezahlung zu arbeiten, um „erstmal einen Fuß in die Tür zu bekommen“ und dann darauf zu bauen, daß der Kunde einen ab einem gewissen Punkt aus Begeisterung über die Arbeit königlich entlohnen wird oder jemand anderer auf die eigenen Arbeiten stößt und man so „den Druchbruch“ schafft

b) daß man niemals umsonst arbeiten darf, weil man sonst den Markt zerstört

Beide Positionen sind dumme Extreme. Dummerweise ist aber das Feld zwischen beiden Positionen, in dem sich die vernünftigen Positionen, finden sehr unübersichtlich. Noch dazu ist das was für den etablierten Profi eine tolle Idee ist noch lange nichts, was dem Berufseinsteiger hilft. Und für den Amateur sieht das alle noch ganz anders aus.

Zuerst stellt sich die Frage, was heißt es denn umsonst zu arbeiten?

Ganz sicher heißt es nicht seine Bilder herzuschenken oder in Micro Stock Agencies zu verschleudern, denn die erste wichtige Einschränkung die David Hobby macht, ist, daß es ihm nur um Bilder und Projekte geht die noch nicht existieren.  Und wenn man Hobby’s Artikel weiter liest, dann merkt man schnell, daß es garnicht darum geht umsonst zu arbeiten, sondern bestenfalls darum, daß man kostenlos oder unentgeltlich arbeitet.  Denn Hobby geht es darum, daß der Photograph, bei dem von ihm angeführten Beispielen, durchaus einen Gewinn hat, er nur eben kein oder nur ein geringes Honorar bekommt.

„Wir bieten jungen Fotografen die Gelegenheit ihre Bilder kostenlos im XXXXXXXXX (Name eines großen Frankfuter-Szenemagazins) zu veröffentlichen.“ (Aushang an der Uni Frankfurt, selbst gesehen)

Wenn man das liest, könnte man meinen, James Nachtwey muß auf der Weihnachtsfeier des Stern jedes Jahr im Krippenspiel als Esel (Hinterteil)  auftreten, damit die seine Bilder drucken und andere müssen dafür bezahlen in der Bäckerblume gedruckt zu werden. Aber so funktioniert der Markt nicht!

Damit sind wir mitten im Durcheinander zwischen a) und b). Es gibt viele Menschen, die der Meinung sind, daß man durchaus mal umsonst arbeiten oder Bilder abgeben könne, um einen Fuß in die Tür zu bekommen und seine Fähigkeiten zu beweisen. Das mag sinnvoll sein, wenn man eine Lehrstelle als Photograph ergattern will und man dem potentiellen Arbeitgeber so beweisen kann, daß man in der Lage ist pünktlich zur Arbeit zu kommen und ohne eine eklatante Störung des Betriebsfriedens mitzuarbeiten.

Das lohnt sich aber nur, wenn es eine solche Stelle auch gibt und das Gegenüber überhaupt beabsichtigt diese zu besetzen statt alle zwei Wochen ein neues Gesicht zu begrüßen, das ein paar Tage/Wochen für umsonst arbeitet.

Das gleiche gilt für das Angebot „Bilder mit Namensnennung zu veröffentlichen“. Viele junge Photographen sehen darin eine Chance, weil sie glauben sich so einen Namen zu machen. Das ist eine Illusion, mehr leider nicht. Die Photographie ist eine Welt der Eigeninitiative! Wer etwas erreichen will muß es selber angehen. Praktisch alles was einem per Anzeige angeboten wird ist Nepp! Da gibt es den „offiziellen Bildpresseausweis der Vereinigung der taubblinden Pressefotografen mit Sprachstörung“ den man sich für 200 Euro (Autopresseschild inkludiert!) bestellen soll (ein Preis für den man auch Drucker plus Laminiergerät bekommt) und der das „VIP-Ticket zu allen coolen Konzerten und den Presserabtten“ sein soll. Nebenan sucht eine „Fotopresseagentur“ Bilder; warum man denen aber erstmal 20 Euro in einem Briefumschlag statt einer Mappe mit Bildern schicken soll, wird wohl deren Geheimnis bleiben.

Eine Zeitung die nach kostenlosen Bildern sucht, sucht nicht nach Leuten die sie bezahlen, fördern oder irgendwie weiterbringen kann. Das Angebot der Namensnennung ist auch nicht mehr als ein Appell an die Eitelkeit des Photographen. Wer glaubt, daß andere Zeitungen Fotografen in den Captions irgendwelcher billig produzierter Stadtmagazine suchen ist naiv. Wer glaubt, daß er irgendwo von unbezahlt zu bezahlt aufsteigen kann, der ist noch naiver und wird einfach vom nächsten „Freiwilligen“ ersetzt.

Damit kommen wir zu einem Punkt an dem sich zeigt wie es zu den Mißverständnissen bezüglich Hobby’s Artikel kommt, denn Hobby erklärt, daß einen kostenlose Projekte photographisch weiterbringen würden. Keine Frage: beim Photographieren lernt der Photograph am meisten und an seinen Herausforderungen wächst man. Hobby meint damit aber etwas anderes als jedes Wochenende auf irgendeinem Volksfest oder in irgendeiner Disko betrunkene 16jährige totzublitzen. Das kann in der geforderten Qualität jeder, der eine vollautomatische Kamera auslösen kann ohne dabei umzukippen. Da lernt man mehr, wenn man sich selbst irgendwelche Aufträge erfindet und die Bezahlung ist die gleiche. Aber am Ende hat man eine Mappe mit 15 spannenden Bildern statt 15.000 Bilder von betrunkenen Heranwachsenden. Was mehr Wert ist, falls man sich mal irgendwo vorstellen geht, sollte jedem klar sein.

Was Hobby meint ist, daß es Sinn macht etwas umsonst zu machen, wenn der Kunde eine Gegenleistung bieten kann die den Ausfall eines Honorars kompensieren. Das sind aber Sachen an die man nicht einfach so rankommt, weil der „Kunde“ eben auch etwas dazu beiträgt, er ein Risiko trägt und er für diesen Einsatz auch ein Ergebnis erwartet. Wenn eine Hilfsorganisation einem Photographen anbietet ihn für 4 Wochen in ein Krisengebiet „mitzunehmen“ und er ihr dafür Bilder liefert, welche die Organisation zur Darstellung ihrer Arbeit nutzen kann, dann profitieren beide Seiten. Der Photograph, weil er Zugang und Logistik (Reise, 4 Wochen Unterkunft, Kontakte und Infrastruktur vor Ort usw.) gestellt bekommt und zudem Bilder machen kann die er auch anderen (z.B. Zeitungen) anbieten kann und die sein Portfolio aufwerten. Auf der anderen Seite gewinnt auch die Hilfsorganisation, weil sie an Bilder in einer Qualität kommt die sie sonst (28 Tagessätze) vielleicht nicht bezahlen könnte. Dafür sucht man sich aber einen  Photographen der sich nicht dadurch auszeichnet umsonst zu arbeiten, sondern man wird das jemandem vorschlagen bei dem man davon ausgeht, daß er gut photographieren kann

Chase Jarvis erklärt einen entscheidenden Punkt (wohl unabsichtlich) sehr gut, wenn er erklärt, daß eine bekannte Band (und auch das Beispiel Dave Matthews Band ist gut gewählt) die ein Benefizkonzert gibt, sich damit nicht schadet, weil das nicht dazu führt daß das nächste Konzert schlecht besucht wäre und daß es auch der Musikindustrie nicht schadet weil es auch nicht dazu führt, daß Justin Timberlake beim nächsten Konzert alleine dasteht. Dabei übersieht er aber, daß man das alles nicht nach unten übertragen kann.

Erfolgreiche Spitzenbands können locker von der Musik leben und auch das Benefizkonzert finanziert die durch das Konzert entstehenden Kosten in der Regel selbst. Natürlich wird ein Dave Matthews Band Konzert für umsonst keinen Justin Timerlake Fan dazu bringen stattdessen das kostenlose Konzert zu besuchen, so wie Metallica nicht die Fans weglaufen, wenn in der Oper der Tag der offenen Tür ist. Und wer schwarz-weiß Kriegsbilder von James Nachtwey im Blatt haben will, um einen Artikel über Kriege zu bebildern, der wird nicht nackte Frauen von Terry Richardson drucken, nur weil der die Woche mal umsonst Bilder verteilt.

Am anderen Ende des Marktes – also genau da wo Leute umsonst arbeiten, weil sie hoffen sich so etwas aufzubauen, um in den Markt zu kommen und nicht da wo Leute, die es geschafft haben,  “etwas zurückgeben wollen“  - haut das, was Chase Jarvis sagt, aber nicht mehr hin. Da wo es nur darum geht, daß im Pub an der Ecke irgendeine Band spielt, wird sich der Pub-Besitzer für die Band entscheiden, die umsonst spielt und mit dem Hut rumgeht. Und die andere Band, die letzte Woche noch 50 Pfund dafür bekommen hat, wird schön wieder nachhause geschickt. Und wer kostenlose Bilder bekommen kann und dem es eigentlich egal ist wie die aussehen, Hauptsache die Leute aus der Disko suchen sich am Montag auf den Bildern auf seiner Website und generieren dabei Klicks, der wird genauso entscheiden. Und dann werden Märkte zerstört und das dummerweise von den Leuten die sich einen Platz in eben diesen Märkten erobern wollen.

Wenn es um die Frage geht, ob man umsonst arbeiten sollte oder nicht, gibt es leider keine einfache Antwort; „es kommt halt drauf“ an und zwar auf den Photographen, das Projekt, den Markt, die Bedingungen und den Kunden. Tragisch ist, wenn Leute ausgenutzt werden, anderen weh tun und dabei noch glauben, daß sie es dabei zu etwas bringen.

Spannend zum Thema wie schaden sich Photographen selbst und gegenseitig sind auch Mark Loundy’s monatliche Kolumnen.