Billige Foto-Clichés wie das Pictogramm an der Klotür

25 04 2013

Jan Banning hat völlig recht! Es sind immer wieder die gleichen Clichés, die nichts weiter machen als Vorurteile zu bedienen.

Diese Bilder ezählen nichts, hinterfragen nichts, sondern sind unkritische Pictogramme die dem Leser anzeigen wo der Krieg, das Klo oder der Babywickelraum sind. Und das alles genau so, wie er den Krieg und all die anderen Dinge schon kennt, nur vielleicht von Jahr zu Jahr ein wenig bunter, kontrastiger, photogeshoppter.

http://www.janbanning.com/icon-or-cliche-photojournalism-and-world-press-photo-2013

“What do these photos show us about these conflicts? What we seen last year from Libya we now see from Syria. What we seen last year – and many times before that from Gaza – we see again now. The same men and women (in their cliché’d roles), the same weapons, the same wounded and dead: visual archetypes.  It’s all very poignant, that’s for sure, and vividly photographed by brave, inspired and professional photographers. But it is visualised and presented in such a way that the conflicts have become inter-changeable through the repitition of the photographed aspects and the comparable visual language.”

Fotos können dem Betrachter Geschichten erzählen, sie können ihn herausfordern, das Gezeigte zu verstehen, wenn er im Bild lesen kann und muß. Das Bild, das nur die Clichés in seinem Kopf bedient kann das nicht.

Und dieser Mangel an Inhalt und echter Bedeutung, mag auch eine Erklärung sein, warum Bilder so massiv aufgehübscht werden müssen wie das diesjährige WPP Gewinnerbild.

Aber auch beim WPP gibt es Fotos die mit diesem Cliché-Mechanismus brechen:

“Surprisingly, even in WPP’s conflict categories we do find an example of a photo that questions issues that we regard as self-evident: the photo in which we see members of the Syrian opposition – in our (western) eyes we like to think of them as the good guys – torturing a man who is suspected of collaborating with the Assad regime (Spot News, 2nd prize singles). We can conclude from the fact that the tortured man was released after 48 hours that he appeared to be innocent. This photo shows us that we can’t always divide the world easily into categories like ‘good’ and ‘evil’.”





Taugt die Kamera oder das Objektiv was?

5 04 2013

Es gibt Menschen, die unverständliche Grafiken anfertigen, mit denen Menschen, denen die Bilder, die aus einer Kamera kommen, zu diesem Zweck nicht reichen, sich eine Meinung über eine Kamera oder ein Objektiv bilden können.

 

Ich schau mir auch immer eine Massenspektrometerkurve an, wenn ich wissen will, ob mir Rippchen mit Sauerkraut schmecken.

 

© CC Andreas Böhm

© CC Andreas Böhm

 

Mhhhh! Lecker!





Analog entschleunigt…

22 01 2013

Analoge Fotografie entschleunigt das Leben!
Aber natürlich nur dann, wenn die Digitalkamera einem den Luxus ermöglicht, den Film aus dem Oktober erst im Januar zu entwickeln. Sonst wäre das Entwickeln, Scannen und Staub putzen Stress vom Feinsten…





Reparaturkosten einfach abschätzen

2 10 2012

Wenn heute jemandem eine Kamera, ein Blitz oder ein Objektiv runterfallen und die nachher nicht mehr so funktionieren wie sie sollen, dann schreibt man einen Beitrag in einem Internetforum und möchte da dann bitte genau wissen, was die Reparatur kosten wird. Und wehe, es sagt dann jemand, daß man das nicht so einfach sagen sollte, weil ein Sturz etc. ja kein genormter Vorgang sei.

Dann wird erklärt, daß es einem schon weiterhelfen würde, wenn jemand, dessen Objektiv auch schonmal runtergefallen und repariert worden ist einfach mal sagen würde, was das gekostet hat. Denn die Werkstatt erscheint manchem unseriös, weil die am Telefon nichtmal grob schätzen wollen, was die Reparatur kosten würde und da hätte man gerne einen Preis an dem man messen kann, ob das was die Werkstatt am Ende berechnet betrügerisch ist oder nicht.

Hier für alle, die nicht verstehen wollen oder können, warum Werkstätten am Telefon keine Kostenvoranschläge machen das passende “Peter Lustig Löwenzahn Experiment”, zum selbst begreifen und verstehen:

Pack einen Teller in einen Karton, klebe ihn mit Paketband ordentlich zu und laß ihn fallen, bis Du hörst, das er “klirr” macht.

Jetzt beschreibe, ohne den Karton zu öffnen, die genaue Form und Anzahl der Scherben und wie lange es dauern wird den Teller wieder zusammenzukleben und ob das bei einem Tellerpreis von X und einem Stundenlohn von Y wirtschaftlich sinnvoll ist.

 





Wo die Piraten Recht haben…

18 09 2012

Man kann guten Gewissens zugeben, daß die Piraten in manchen Punkten Recht haben. Zum Beispiel, wenn sie sagen, daß noch nicht alle Institutionen in der Realität des Jahres 2012 angekommen sind. Das Gericht im Pariser Vorort Nanterre ist sicher noch nicht ganz im digitalen Zeitalter angekommen

“Ein französisches Gericht hat dem Magazin “Closer” die weitere Veröffentlichung der Oben-ohne-Bilder von Prinz Williams Ehefrau verboten. Der Verlag muss die Fotos innerhalb von 24 Stunden an Kate aushändigen.

Wahrscheinlich fährt da jetzt ein Kurier Ausdrucke der Bilder zum Buckingham Palace, die stecken die da in den Aktenvernichter und gut isses!

“”Diese Fotoaufnahmen können nicht als Gegenstand von allgemeinem Interesse gesehen werden, da sie nicht mit den offiziellen oder öffentlichen Auftritten in Zusammenhang stehen”, begründete der Richter seine Entscheidung.”

Ja, gewiss! Aber diese Bilder sich sicher überhaupt keinen Gegenstände und deswegen erscheint das mit dem Aushändigen, sehr weltfremd!

 

http://www.spiegel.de/panorama/leute/william-und-kate-nach-oben-ohne-fotos-erfolg-gegen-closer-a-856443.html





Analoge Fotografie. Zukunftsinvestitionen in die Vergangenheit!?

24 07 2012

Film ist tot. Das hört man immer wieder. Eine der Begründungen ist oft, daß Digitalkameras besser sind als es analoge Kameras je waren. Und angesichts der Bilder aus einer Leica M9, Canon EOS 5D Mark III oder Hasselblad H mit Digitalrückteil, hat diese Aussage durchaus ihre Berechtigung, denn was da rauskommt ist in mancher Hinsicht besser und sicher flexibler als alles, was ich früher analog gemacht habe.

Und dann sind da noch die Bilder die mein iPhone so machen kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und das was da rauskommt kann man ja noch mit tausend Apps so aussehen lassen als wäre es praktisch alles von der Polaroid bis zur Lochkamera.

Bild aus einem iPhone 4

Und als wäre das alles nicht genug, kommt zu alledem natürlich noch die Frage der Zukunftssicherheit. Die ehemals ganz gute Minilab Versorgung ist Geschichte. Wer weiß schon, ob es Morgen noch Filme und Chemie gibt bzw. ob es Morgen noch die Filme gibt die ich benutzen will. Von Ersatzteilen für Kameras (wenn nicht Leica draufsteht) oder gar Scannern ganz zu schweigen.

Bleibt also die Frage “Warum noch analog fotografieren? Und wenn ja, wie und womit?”

Wenn nicht sogar: “Warum damit (wieder) anfangen?”

Die “womit-Frage” hat mir David Burnett abgenommen, als er mich in der Normandie 2004 neugierig auf die lustige Plastikkamera machte, die er um den Hals hatte. Und als ich dann Bilder aus dem Ding gesehen hatte war ich hin und weg.  Die erste Holga trat in mein Leben. Und dabei war ich gerade erst komplett digital geworden!

Die Holga ist eventuell, nein, sicher, die schlechteste Mittelformatkamera der Welt. Sie ist in den meisten Fällen nicht mal wirklich lichtdicht. Der Verschluß kann nur eine Belichtungszeit bilden, die wohl irgendwo um 1/125 liegt und B, dafür sieht er aus als wäre er aus dem Überraschungsei, und manche Holgas haben zwei Blenden (f8 und F11), manche nur eine, weil da ein Teil fehlt. Das Objektiv, hat selbstverständlich jeden optischen Fehler der bislang entdeckt wurde, ist wahlweise mit Kunststoff- oder Glaselementen zu haben und alle 12 Bilder ist der Film voll.

Und die Holga benutzt Mittelformatfilme. Das ist teuer, erst recht für Menschen, die glauben Digitalbilder würden garnichts kosten, und man muß das Zeug verarbeiten, das ist noch teurer. Zum einen weil man die Filme entwickeln lassen muß, zum anderen weil das nach einem Scanner schreit.

Fairer Weise muß man da aber auch sehen, daß die Holga für 25,- € incl. Versand aus China angeflogen kommt.

Wenn man dann aber mit den Bildern auch was anfangen will, wird es teurer. Das Problem ist schlicht, daß die sehr guten Mittelformatscanner sehr teuer sind (Hasselblad Flextight) oder (Nikon) nicht mehr gebaut werden. Für die meisten Dinge reicht aber auch ein guter Flachbettscanner mit Durchlichteinheit, für das was das Objektiv der Holga kann allemal.

Mein älterer Epson hat gerade einem Epson V-700 (gibt es noch neu und um die 450,- €) Platz gemacht, der ein wenig besser und deutlich schneller (gerade mit der automatischen Staub- und Kratzerkorrektur iSRD) scannen kann und der zwar nurnoch zwei statt drei Mittelformatstreifen auf einmal in den Halter bekommt, dafür sind die Streifen aber längs statt quer komplett im Scanbereich angeordnet und hängen nicht mehr teilweise seitlich raus wie beim Vorgänger. Damit kann man dann in einem Durchgang zwei 3er Streifen 6×6 scannen. (Und wenn ich irgendwann mal völlig den Rappel bekomme und eine Großformatkamera kaufe, dann scannt der das auch…)

Richtig Spaß macht das ganze dann mit Silverfast 8 (auch wenn das Programm und ich einen schwierigen Start hatten, sind wir mittlerweile sehr glücklich miteinander), weil man da einfach Rahmen für jedes Bild aufziehen kann und Silverfast die dann nacheinander scannt, wo man früher jedes Bild einzeln nacheinander scannen mußte und den nächsten Scan erst starten konnte wenn der vorherigen abgeschlossen war. Hinzu kam dann noch das Gefummel, weil man jeden Negativstreifen zum Scannen einmal neu im Halter Positionieren mußte. Das macht das Scannen viel angenehmer, weil man nebenbei noch andere Dinge erledigen kann und verschafft dem Flachbettscanner, mit sechs auf einen Streich, dann einen deutlichen Geschwindigkeits- und Komfortvorteil gegenüber reinen MF-Filmscannern.

Für noch schnelleres Scannen: Einfach für ein paar Euro einen zweiten Filmhalter bestellen, dann kann der Scanner weiterarbeiten während man in aller Ruhe die Filmstreifen im  zweiten Halter tauscht.

Da bleibt natürlich immernoch die Frage nach dem “warum analog fotografieren”. Mancher wird sagen, daß man die Bilder hier im Artikel auch locker aus den Daten aus einer EOS 5D erstellen kann und man obendrein noch die deutlich besseren Bilder zusätzlich hätte.

Ja, das mag sein. Aber eine Kamera wie die Holga verändert fundamental die Art und Weise wie man fotografiert. Das fängt bei den 12 Bildern bis zum Filmwechsel und dem Bewußtsein, daß jedes Bild Geld kostet  an, hört da aber noch lange nicht auf, denn der Umstand, daß man an einer Kamera wie der Holga eigentlich nichts einstellen kann bleibt auch nicht ohne Folgen. Spätestens, nachdem man nach den ersten paar Filmen feststellt, daß das überhaupt kein so dolles Problem ist wie der Fotograf der ständig an Blende, Zeit und ISO rumschraubt und der auch früher bei analogem Material brav die Belichtung gemessen hat, im ersten Moment annehmen würde.

Analoges Fotografieren ist aber auch dann anders, wenn man nicht gleich zu so extremen Maßnahmen wie der Holga greift, sondern eine alte Sucherkamera oder eine günstige Spiegelreflex von ebay benutzen.

Da ist zum einen der Umstand, daß die Kamera wieder vom Fernseher zur Black Box wird. Da ist nichts mit rumprobieren, nachschauen, was ändern, weiterprobieren. Zum anderen wird das auch alles langsamer, nein, sagen wir lieber: geruhsamer. Die Bilder sind nach der Aufnahme erstmal weg. Und sie wandern auch nicht gleich abends im Hotel oder zuhause in den Computer und ab ins Internet.

Die Holga-Bilder hier im Artikel habe ich im Oktober 2009 in Frankreich gemacht, irgendwann 2010 entwickeln lassen und dann erst letzte Woche gescannt. Und das war schön, weil es so ein wenig wie eine Schatzsuche ist, wenn man die Bilder wiederfindet. Dazu muß man das Zeug aber nicht unbedingt so lange liegen lassen. Das war auch dem Umstand geschuldet, daß das Scannen vor dem V700 und der neuen Silverfast-Version etwas anstrengender war, aber wenn ich da keine Digitalkamera parallel benutzt hätte, wäre das sicher auch schneller gegangen.





Wider dem Drang zur Hochzeitsreportage und schwachsinnigen Bildern!

15 07 2012

Gerade las ich im Internet von einer Pfarrerin die nicht will, daß in ihrer Kirche bei einer Trauung fotografiert wird.

Manche Kommentatoren fanden das intolerant. Und treffen damit wohl ins Schwarze, auch wenn sie das wohl nicht so gemeint haben werden.

Toleranz kommt von lat. tolerare und das heißt ertragen. Und wenn die Pfarrerin “intolerant” ist, dann kann oder will sie etwas nicht mehr ertragen.

Und auch ein religöser Ritus kann nur ein gewisses Maß an Störung ertragen, soll er nicht zur Farce werden.

Ich habe schon so manchen (Berufs-)Fotografen(oder als beliebte Steigerung Hobbyfilmer)-Auftritt auf Hochzeiten miterleben dürfen der kaum zu ertragen war und dessen Protagonisten sich, mitunter unfreiwillig, zur Hauptperson des Rituals “kirchliche Trauung” gemacht haben.

Irgendwie hat die Pfarrerin, da also schon durchaus recht damit, daß eine Trauung in der Kirche etwas anderes ist (oder wenigstens sein sollte) als ein Hochzeits-Shooting in einer tollen Location.

Und zu einem gewissen Teil mag die Ablehnung gegenüber Fotografie auch daran liegen, daß es in den Kirchen – und da muß man nicht mal irgendwie religiös sein, um das nachvollziehen zu können – PfarrerInnen gibt, denen es mißfällt, daß ihre Kirchen von Menschen denen Kirche und Glaube sonst eher fremd ist und denen die vermittelten Werte im Alltag erst recht wumpe sind, nur als Kulisse einer “Rosamunde Pilcher”-artigen Inszenierung genutzt werden, das Fundament eines Glaubens dem ganzen aber völlig abgeht.

Ausgehend von diesem Gedanken sind Fotos dann ab einem gewissen Punkt Trophäen/Fetische die das Paar in der Kirche produzieren lassen will. Und dies verweigert mancher Geistliche dann im Gegenzug. Klar trifft es da auch immer mal die falschen Brautpaare und Fotografen.

Und auch außerhalb von Kirchen ist manches befremdlich:

Meiner Ansicht nach (und ich sage das als Fotograf), wird heute auf vielen Hochzeiten zuviel fotografiert, Fotografie zu wichtig genommen.

So sehr, daß manche Hochzeit nurnoch als eine Art Bravo-Foto-Lovestory-Shooting mit Laiendarstellern – die dafür eine warme Mahlzeit bekommen, andererseits aber Geschenke mitbringen müssen – erscheint.

Welche Würde haben da noch die Hochzeitsbilder meiner Urgroßeltern bis Eltern. Die standen einfach da. Nebeneinander. Und gut war’s. Dann vielleicht noch ein Gruppenbild auf dem man heute spannende Reisen durch die Verwandtschaft unternehmen kann. Dann vielleicht noch ein paar Bilder vom Kaffeetrinken, Uroma mit der Kuchengabel im Mund und die Hälfte unscharf.

Dagegen bucht man heute die “Hochzeitsreportage” mit allem drum und dran. Am besten mit gleich zwei Fotografen, denn dann kann man sicher sein, daß die Verwandten, die nicht dabei sein konnten (und das plötzlich nicht mehr schade finden), im Hochzeitsalbum sowohl Braut als Bräutigam beim Einstieg in die Unterhose für den Tag der Tage bewundern können. Und auch der Onkel aus Amerika kann beruhigt sein, daß selbst wenn der Bräutigam wegen eines Unfalls mit dem Tortenmesser ins Krankenhaus gekommen wäre, er da mit sauberer Unterbuxe eine gute Figur gemacht hätte.

Und natürlich reicht es nicht, daß man Bilder hat auf denen die beiden glücklich nebeneinander stehen oder sich im Arm halten. Das Brautpaar von heute hängt lächerlich verrenkt im Sprung eingefroren in der Luft, weil der Fotograf seine Kreativität, mit vermeintlich tollen und frischen Ideen, unter Beweis stellen muß und das Paar, das “etwas besonderes” will zieht hemmungslos mit. Und weil jeder Hochzeitsfotograf eigene beeindruckende neue Ideen benötigt ist eine Reise über die, fröhlich Musik dudelnden, Hochzeitsfotografen-Homepages des Internets eine Tour auf der einem Brautpaare in den sonderbarsten Situationen begegnen. Die einen stehen barfuß in einem Brunnen, andere rennen, wie von einer Bestie gejagt, mit ihren Trauzeugen durch den Wald, andere rennen, ohne Trauzeugen, durch den Park, andere stehen auf einer Tartanbahn, wo man doch wirklich mal hätten rennen können. Auch beliebt sind akrobatische Posen, bei denen man den Bräutigam von hinten und der Braut in die Nasenlöcher sieht. Paare stehen in Restaurantküchen und rühren in Töpfen voller Gulaschsuppe. Was sagt mir ein Brautpaar hinter eine vergammelten Leitplanke? Was eine Braut in Unterwäsche breitbeinig vor dem Spiegel eine Hand an der Brust die andere im Schritt? Oder die Braut gleich ganz nackt, dafür so positioniert, daß es ein wohl eher ein  Vorher-Bild für ein Cellulitis-Präparat werden sollte.

Und das alles mit einer vollen Breitseite der in der jeweiligen Woche angesagtesten Photoshop Effekte, daß man den Eindruck hat, es ginge vor allem darum, mir zu vermitteln, wie ein Farbenblinder mit 50% Sehkraft und erheblichen Problemen in der Darstellung von Kontrasten so seine Welt wahrnehmen könnte.

Vieles davon so offenkundig bei jedem Bild gestellt und ausgeleuchtet und in so epischer Breite bebildert, daß es schwer vorstellbar ist, daß das an nur einem Tag gemacht ist. Geschweige denn, das Brautpaar zwischen drin noch “ja” gesagt, gefeiert oder mal die Toilette aufgesucht hat (sonst gäbe es ja sicher auch davon Bilder).

Und damit wären wir wieder beim Gedanken der Trophäen/Fetisch-Produktion. Wenn nämlich die Bilder wichtiger werden als das Ereignis selbst und das wirkliche Erleben hinter die Erzeugung dieser Bilder zurücktritt oder das Ereignis gleich ganz so ausgestaltet wird, daß Bilder das Ziel sind, die dann als Erinnerungsobjekte wichtiger werden als die wirkliche Erinnerung, dann läuft was falsch.

 





Billig analog fotografieren: Der 20 Euro Scanner

24 12 2011

Analoge Fotografie macht Spaß! Auch in digitalen Zeiten.

Analoge Kameras sind billig (seit letzter Woche steht hier eine minolta* XG 2 mit 1,7 50er im Regal – jede Menge Nostalgie für 49,- € – und es geht noch viel billiger) , ein paar SW-Filme kosten nicht die Welt. Noch eine einfache Entwicklungsdose und ein Wechselsack zum Einspulen der Filme im Hellen. Jetzt noch ein paar Chemikalien dazuschütten, trocknen lassen und fertig.

Die legendäre Yashica T4, Kodak Tri-X 400 (auch legendär) und der 20€ Scanner (noch nicht legendär)

Und dann ist auch schon wieder Schluß mit billig, leider. Denn das Negativ ist zwar das Ende der Filmentwicklung aber nicht wirklich schön anzusehen und auch nur schwer im Internet zu zeigen oder per email zu verschicken. Denn eigentlich ist das Negativ ja nur der Anfang einer weiteren Verarbeitungskette und sich gleich ein Naßlabor einzurichten ist für die meisten, dann doch eher ein Problem. Geld, Räumlichkeiten und nicht zuletzt ist es wieder eine Wissenschaft für sich selbst. Bliebe also noch das Scannen der Negative, aber das ist dann schnell Schluß mit dem günstigen Spaß.

Ein Scan vom Dienstleister kostet schnell zwischen 5 und 20 €.

Neue Filmscanner sind teuer und nicht mehr so gut wie es Filmscanner mal waren. Deswegen sind richtig gute Nikon Scanner, die es nurnoch gebraucht gibt, heute teurer als sie es neu waren und die meisten neuen Filmscanner heute sind. Das nächste Problem ist dann oft die Scannersoftware die bei älteren Scannern zwar mit im Karton war, aber mit aktuellen Betriebssysteme klemmen kann und dann gleich wieder Kosten verursacht.

Der Billigscanner in seiner vollen Schönheit. Jede Menge Knöpfe und keine Kabel.

Aber um billigen Spaß mit Kleinbildfilmen zu haben gibt es eine lustige Alternative. Scanner für unter 50 € (meiner hat als Angebot 19,90 € gekostet), die eben keine Scanner sind, sondern bei denen es sich genau genommen um eine Kombination aus Billigdigitalkamera (5 Megapixel), Makroobjektiv und Leuchtpult handelt. Das Negativ wird von hinten beleuchtet und dann von oben “fotografiert”. Diese Konstruktion bringt auf der Plusseite einige Vorteile mit:

- da nicht zeilenweise abgetastet  sondern fotografiert wird ist das Ding (besonders im Vergleich zu Flachbettscannern) rasend schnell

- das Ding bringt einen hübschen Monitor mit auf dem man eine Vorschau hat

- das Ding speichert auf einer SD-Karte wie eine Digitalkamera und ist damit völlig frei von Treibern etc. (Gerade für Mac-User ein echtes Plus im Gegensatz zu ähnlichen günstigen Geräten die per USB an den Rechner angeschlossen werden, die es dann oft nur mit Treibern und Software für den günstigen Windows-Massenmarkt gibt)

Der Monitor des Billigscanners

- die Kombination, von Digitalkamera, Leuchtpult mit LED-Beleuchtung, eigenem Monitor zur Benutzerführung (und fünfmal so viele Tasten wie ein Nikon Coolscan V) und Speicherung auf SD-Karte wird durch ein Batteriefach für 4 AAA Zellen ergänzt und damit hat man dann ein komplett autarkes Gerät, daß man z.B. auch mitnehmen kann, um schnell mal beim Weihnachtsbesuch bei den Großeltern Opas Negativ-Sammlung zu scannen. (Und durch den Monitor mit “Live-View” ist das Ding auch ganz praktisch um Negative zu sichten, die sich irgendwo finden.)

unbearbeiteter Rohscan von einem AGFA ISOPAN (die "frischen" Filme die noch danebenlagen haben als Ablaufdatum den Juni 1944)

Natürlich hat die Konstruktion auch eine Negativseite, denn das was da qualitativ rauskommt kann natürlich nicht wirklich mit einem Nikon Coolscan oder auch nur einem Epson Flachbettscanner vom oberen Ende der Produktpalette, denn für die 20,- € kann man da natürlich keine ED-Optik und eben auch keine Wunder erwarten.

Ein Manko, daß man im obigen Beispiel sofort erkennt ist, daß der Billigdigitalkamera-Sensor dummerweise im Format 4:3 unterwegs ist und nicht das volle 3:2 (36×24 mm) Kleinbildnegativ erfaßt. Schade, da hätte man besser etwas Auflösung “verschenkt” und dafür sichergestellt, daß das ganze Negativ erfaßt wird.

Und in der 100% Ansicht sieht man natürlich, daß der Nikon qualitativ ganz weit vorne liegt. Was einen nun nicht wirklich überraschen sollte.

Nun muß man bei allem aber auch den Preis im Auge behalten. Absolut sind 20,- € ein Knaller und relativ eigentlich auch, denn da kostet ein gebrauchter Nikon eben nunmal ungefähr so viel wie 30-50 dieser Billigscanner. Und die 20,- € stehen nicht zuletzt auch in einer sehr gute Relation zu einer gepflegten gebrauchten analogen Kamera.

 

Und zu guter Letzt darf man eines nicht vergessen:

Aus dem Bild einer 20 € Digitalkamera von der Resterampe kann zwar niemand die Bilddatei einer EOS 5DII machen. Keine Frage.

Aber ein schlechter Scan(ner) ist was anderes als eine schlechte Digitalkamera, denn der Scanner setzt zu einem viel späteren Zeitpunkt des Prozesses an, da das Bild zum Zeitpunkt des Scannens längst fertig ist und seine Qualität durch das Objektiv der Kamera und den Film (inkl. Entwicklung) definiert wurde.

Wer ein Negativ mit dem 20,- € Scanner scannt, der hat  ja nicht nur die Datei aus dem Scanner, sondern immernoch das Negativ und damit kann man ohne Probleme jederzeit mit einem guten Scanner einen High-End Scan machen oder im Fachlabor die tollsten Vergrößerungen bestellen.

Und die Bilder im Internet zu zeigen, sie Freunden zu schicken und für Abzüge bis 13x18cm sollte das was hier rauskommt locker reichen.

In jedem Fall ist es aber keine Monster-Investition, die einem den billigen Einstieg in die analoge Fotografie verwehren oder vermiesen könnte, sondern eine preiswerte Verbindung zwischen analoger und digitaler Welt.

 

* damals noch ohne Großbuchstaben

 





Neil Burgess: Photojournalism: time of death 11.12. GMT 1st August 2010

3 08 2010

Schon Robert Capa soll kurz vor seinem Tod das Ende des Photojournalismus verkündet haben und seitdem hat immer mal wieder jemand das Ende des Photojournalismus verkündet. Das war nicht weiter schlimm, denn es ging irgendwie immer weiter und allerlei Dinge konnte man heranziehen, um zu behaupten, der Patient sei vielleicht nicht mehr der Gesündeste, rieche vielleicht an manchen Tagen sonderbar, aber tot sei er noch lange nicht.

Heute habe ich dann leider einen Text gelesen, der recht genau den klinischen Tod des Photojournalismus diagnostiziert. Neil Burgess macht dabei eine interessante Diagnose auf, die insoweit brilliant ist, als sie nicht darauf reinfällt, aus der Tatsache, daß es noch Photographen gibt die Reportagen fotografieren oder irgendwo mehr als ein Bild gedruckt wird, in dem Trugschluß zu landen, es gäbe noch Photojournalismus oder es ginge ihm sogar gut.

Denn Photojournalismus ist das ganze nur, wenn es auch zu diesem Zweck produziert wird, es von jemandem aus der Medienbranche finanziert wird und wenn es in einer Zeitung oder einem Magazin publiziert wird. Das Photographen “Photoreportagen” als Kunstprojekte, für Hilfsorganisationen, Firmen, Stiftungen, sich selbst oder ganz andere produzieren ist kein Photojournalismus. Genausowenig wie die Illustrationsphotographien die für Artikel produziert werden oder das Photographieren auf Terminen, bei denen Inszenierungen abgelichtet werden, statt Geschichten zu erzählen, die man sich selbst ausgesucht hat.

Burgess macht das alles zum Beispiel auch daran deutlich, daß von den sieben britischen Photographen die in diesem Jahr etwas beim World Press Photo gewonnen haben, nicht einer von der britischen Medienbranche finanziert gearbeitet hat.

Und wer das alles nicht glaubt, soll sich mal fragen, wann er zum letzten mal eine wirklich gute Fotostrecke von einem Fotografen (und nicht einen schön illustrierten Text) in einer Zeitung oder einem Magazin gesehen hat.

Burgess sagt nicht, daß keine Geschichten mehr fotografiert werden, er sagt nur, daß der Photojournalismus tot ist und es ist schwer seine Argumente zu widerlegen.

Vielleicht bleibt allein die Hoffnung, daß der Photojournalismus nur klinisch tot und noch nicht hirntot ist, und man ihn vielleicht reanimieren kann. Dazu muß man das wollen und man muß die Notwendigkeit dazu erkennen den Patienten zu retten. Und man muß die Krankheit erkennen, die liegt nämlich weniger bei den Photographen, sondern vor allem bei denen die früher Photojournalismus in Auftrag gegeben und publiziert haben und denen vielleicht garnicht klar ist, daß sie das nicht mehr tun, sondern nurnoch Bilder abdrucken.

Eine der Hoffnungen könnte das Internet sein, das dem Photojournalismus den Platz geben könnte, den er anderswo nicht mehr hat und es gibt da wunderbare Beispiele, wie die Sachen von Brian Storm.

Aber da gibt es ein großes ABER, das Burgess zentraler Aspekt ist und den man garnicht genug herausstellen kann: Wenn Medien nicht für Photojournalismus bezahlen, dann ist er verloren.

Und das heißt, daß Medien Photojournalismus finanzieren und ermöglichen müssen und nicht nur, daß man sich für ein Almosen mit den für Stiftungen, Firmen oder aus der Tasche des Photographen produzierten Reportagen zu schmücken versucht!





Können Fotos guter Journalismus sein?

24 01 2010

Hajo Schumacher kennen viele sicher als “Achim Achilles”, denn unter diesem Pseudonym schreibt er Laufsportkolumnen bei Spiegel-online. Er schreibt aber auch für das Onlinemagazin V.i.S.d.P. Und ebenda ereifert er sich in der aktuellen Ausgabe über die Medienvertreter in Haiti, die statt zu helfen lieber schreiben, filmen oder fotografieren. Nein, garnicht wahr: Er beklagt sich nur über die Fotografen.

Ob Berichterstattung bei Katastrophen die Rettungsarbeiten stört und damit den Opfern schadet oder ob es den Menschen hilft, weil erst die Berichte zum notwendigen Spendenaufkommen führen,  ist eine wichtige Frage. Und sicher eine die polarisiert. Und natürlich eine, die sich so pauschal garnicht beantworten läßt, denn im Endeffekt ist das ja immer auch vom Verhalten des einzelnen Journalisten abhängig. Und natürlich gibt es jede Menge Journalisten die sich in solchen Situationen daneben benehmen und solche die das auch tun, um Geld zu verdienen oder beruflich weiter zu kommen. Was in der Diskussion wenig hilfreich ist, sind aber Beiträge wie die von Hajo Schumacher, und das aus mehreren Gründen.

Schumacher (als schreibender Journalist) sieht das Problem überhaupt nur bei Fotografen (und in einer Nebenbemerkung bei “Kameraleuten”), denn die sind alle geil auf die sensationellen Bilder und fotografieren immer nur dann, wenn sie eigentlich die Kamera beiseite legen und helfen müßten.

Das ist in mancher Hinsicht diskussionswürdig:

Die größte Kritik die man an Journalisten in Krisengebieten haben kann ist, daß sie Transportkapazitäten ins und aus dem Krisengebiet, Resourcen vor Ort (Essen, Trinkwasser, Strom, Transportmittel, Kommunikation…) belegen, die man für zusätzliche Retter verwenden könnte und durch ihre Anwesenheit die Rettungsarbeiten behindern. Das führt aber zur  fundamentalen Frage, ob Berichterstattung ganz unterbleiben soll. Dem würden die meisten Hilfsorganisationen und die Menschen vor Ort widersprechen, denn Berichterstattung sorgt für Spenden, denn wer nichts vom Leid der Menschen im Katastrophengebiet weiß, der spendet nicht. Auf der anderen Seite sichert Berichterstattung aber auch, daß Hilfe ankommt und die Öffentlichkeit erfährt, wenn Hilfe an den Bedürfnissen vor Ort vorbeigeht. Somit dient Berichterstattung auch der Kontrolle der Hilfsorganisationen. Wer das für abwegig und bösartig hält, weil seiner Meinung nach alle Helfer altruistische Helden sind, denen man nichts böses unterstellen sollte, der soll sich mal die Berichte zu den Auftritten der Helfer der Scientology Church anschauen, die im Moment in Haiti per Handauflegen abgetrennte Nervenverbindungen wiederherstellen. Da staunt der Neurochirurg!

Wenn man nun aber Berichterstattung generell zuläßt, dann kommt man zu dem Punkt in Schumachers Kritik, daß die Kollegen da nicht im rechten Moment die Kamera beiseite legen und helfen. Schumacher versucht den Eindruck zu erwecken, daß die Fotografen in Haiti “angesichts hundertausendfachen Sterbens” nicht geholfen hätten. Das ist zynisch und dumm, denn wir sprechen hier von einem Erdbeben, also einem Ereignis bei dem innerhalb weniger Minuten tausende Menschen in einstürzenden Gebäuden sterben. Die Berichterstattung beginnt erst danach. Es ist also mitnichten so, daß da Fotografen hunderttausende Menschen einfach sterben ließen. Wer das nicht glaubt, der soll sich mal fragen, warum die internationalen Helfer vor Ort mühsam in Trümmern nach Menschen suchen, und auch einzelne gerettete Verschüttete feiern, statt die hunderttausenden Sterbenden in den Straßen zu retten.

Aber einen Verschütteten nach einem Erdbeben zieht man nicht mal so eben mit einer “helfenden Hand” aus den Trümmern, wie sich Schumacher das reichlich naiv vorstellt. Das geht selbst für professionelle Helfer oft nur mit schwerem Bergungsgerät und oft genug nur nach Notamputationen. Und nur ein völlig naiver Laie kann so tun, als würde jemand der Stunden oder Tage verschüttet war, dann einfach “Danke” sagen und dann fröhlich seines Weges gehen oder gleich fleißig selbst die “helfende Hand” in die Trümmer strecken. Das ist nichts, was der nette Fotograf von nebenan mal so eben leistet und auch Hajo Schumacher würde da nichts reißen, auch wenn es verständlich ist, daß manch einer sich angesichts des Ausmaßes einer Katastrophe in Allmachtsphantasien flüchtet.

Dazu kommt, daß die Berichterstattung aus Krisengebieten meistens an Orten erfolgt, an denen schon professionelle Helfer vor Ort sind. Da ist kein Eingreifen durch Journalisten nötig oder erwünscht, weil das keine wirkliche Hilfe wäre, sondern eher ein symbolischer, sinnloser Akt. Für sinnlose Gutmenschensymbolik ist aber bei solchen Ereignissen kein Platz! Bei einem Brand oder einer Überflutung in Deutschland würde auch niemand erwarten, daß Presseverterter je einen Sandsack oder eine Flasche Wasser mitbringen.

Und es ist natürlich auch reichlich vermessen/scheinheilig anhand eines Fotos beurteilen zu wollen ob jemand vor oder nach der Aufnahme geholfen hat, ob er überhaupt helfen mußte (mal ganz abgesehen von konnte) oder ob außerhalb des Bildes 100 Mann von einer Hilforganisation zugange sind.

Wie sollte eine Katastrophenberichterstattung aussehen, die Schumacher gutheißen könnte? Opfer werden erst fotografiert, wenn sie vom Fotografen persönlich gerettet, verarztet, geduscht und frisch angezogen sind? Ist das noch eine objektive Berichterstattung oder sind das alles gestellte Fotos? Und kann man damit noch wirklich zeigen, was da vor Ort passiert oder konstruiert man ein spendenminderndes Idyll?

Was Schumacher, wie schon erwähnt, ausläßt ist der Umstand, daß da in Haiti ja nicht nur Fotografen (Kameramänner) unterwegs sind. Aber bei denen die schreiben, Ton für Fernsehsendungen machen, die als Techniker oder redaktionell an Fernsehbeiträgen arbeiten, bei denen scheint sich die Frage, ob sie helfen sollten, ob sie fehl am Platze sind garnicht zu stellen. Der Fotograf kann einen Moment nur im Moment festhalten, der schreibende Journalist kann auch seinen  Block weglegen und es nachher aus der Erinnerung aufschreiben.

Schumacher mag Recht haben, wenn er sagt, daß es in Haiti derzeit nicht an Bildmaterial mangelt, sondern an Helfern. Aber es fehlt eben an Helfern und Hilfsgütern! Und so wie sich ein Fotograf nicht in einen Reissack und eine Palette Wasserflaschen verwandeln läßt, so verwandelt er sich auch nicht in einen Notarzt, wenn man ihm die Kamera wegnimmt und stattdessen ein Stethoskop um den Hals hängt.

Genauso abwegig ist es, zu glauben, daß automatisch mehr Ärzte kommen, wenn man nur weniger oder keine Journalisten reinläßt.

Wenn Schumacher also im ersten Satz die Wirkung der Bilder auf ihn selbst beschreibt und bei ihm dabei der Wunsch aufkommt, daß der Fotograf ihn nicht damit belästigen soll, ja er gefälligst den abgebildeten Umstand selbst beheben soll, dann zeigt das zumindestens, daß die Bilder das Grauen der Situation in Haiti transportieren. Auch wenn nicht alle die richtigen Schlußfolgerungen daraus ziehen.

Das alles wird nicht besser, wenn man Fotografen abschätzig als “Kamerakünstler” tituliert und behauptet, daß deren Entgegnung sei, daß die Aufgabe eines Fotografen nicht in humanitärer Hilfe, sondern im Abbilden des Elends bestünde.

Was in Schumachers Text völlig untergeht ist, daß es sich bei den kritisierten Fotografen um Journalisten handelt, die aus einem Krisengebiet berichten. Stattdessen gewinnt man, den Eindruck, daß da irgendwelche verkappten aber selbstverliebten Künstler in ein Krisengebiet eingefallen sind, wo sie nach blutigen Bildern für einen Fotowettbewerb suchen. Scheinbar ganz im Gegensatz zu den Menschen die in Mikrofone sprechen und in Blöcke schreiben und auf Notebooktastaturen schreiben. Fast hat man den Eindruck, daß Fotografen keine echten Journalisten sind, die sich der Fotografie statt des Wortes bedienen, um Geschichten zu erzählen, sondern eher aus der Not heraus fotografieren, weil sie nicht schreiben können oder weil sie parasitär vom Leid anderer profitieren wollen, aber in der Mülltonne gegenüber von Paris Hiltons Schlafzimmerfenster keinen Platz mehr bekommen haben.

Anbei ein Screenshot des Textes zum Nachlesen:









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