Leica M9 – Eine Sucherkamera braucht halt einen Sucher

9 11 2009

Mit der Olympus EP-1 bin ich nicht glücklich geworden und bei Olympus hat man scheinbar auch erkannt, daß eine Sucherkamera ohne Sucher irgendwie nicht so das Ende der Weisheit darstellt und deswegen wird es ab Anfang nächstem Jahres eine EP-2 geben bei der man einen elektronischen Sucher aufstecken kann (selbiges bietet auch die Panasonic GF-1, die ebenfalls den MicroFourThirds-Standard nutzt).

Ob es Spaß machen wird mit diesem elektronischen Sucher scharf zu stellen und wie gut das gehen wird, wird man sehen, in jedem Fall macht er die Kamera nicht unbedingt kompakter. Aber wer Zoomobjektive will, wie sie zu den MFT-Kameras angeboten werden, wird um einen elektronischen Sucher kaum herumkommen.

Für mich ging der Weg deswegen zurück zur Meßsucherkamera (meiner M6TTL hatte ich auch lange genug nachgetrauert). Meßsucherkameras sind nicht jedermanns Sache, ob man damit klar kommt muß jeder für sich selbst entscheiden. Dem ganzen aber mal eine Chance zu geben und sowas mal auszuprobieren ist sicher kein Fehler. Meßsucherkameras, gerade wenn Leica draufsteht und sie teuer sind, gehören zu den Dingen in der Fotografie zu denen viele eine Meinung haben; auch gerne ohne sowas überhaupt mal benutzt zu haben. Gleichzeitig sind Meßsucherkameras der Kameratyp, bei dem einem fremde Meinungen am wenigsten helfen. Manche Dinge muß man einfach selbst ausprobieren.

Nach einem kurzen Leica M8-Gastspiel* tut jetzt hier seit ein paar Wochen eine M9 ihre Pflicht und Schludigkeit; und das macht sie richtig gut. Schon die M8 war eine Offenbahrung, aber kaum daß sie da war, war leider schon das Ende ihres Gastspiels absehbar, deswegen hab ich es mir geschenkt etwas dazu zu schreiben, aber viele Dinge die an der M9 toll sind, sind an der M8 schlicht identisch und machen die M8 momentan auch zu einer tollen Gebrauchtkamera. Auch wenn man an jeder Ecke jemanden findet, der einem erklärt, daß die M8 praktisch unbrauchbar sei – Leute die damit fotografieren sehen das anders.

Die M9 ist eine „richtige Kamera“, wenn man die Blende verstellen will, dreht man am Blendenring, wenn man scharfstellen will am Fokussierring und wenn man die Belichtungszeiten verstellen will, dann dreht man am Zeitwahlrad, alles wie bei einer analogen M6. Das ist so dermaßen intuitiv, daß einem Kameras wie eine E-P1 vorkommen wie ein Zauberwürfel. Es ist einfach eine Freude wieder mit einer M-Leica arbeiten zu können, weil es so ist als hätte man wieder eine gute alte Kamera in der Hand. Das ist ein wenig so wie der haptische Unterschied zwischen eine Nikon FM2 und einer D90, das optisch, mechanischen Erlebnis der Fotografie gewinnt wieder über all die elektronischen Aspekte. Natürlich braucht die M9 wie jede Digitalkamera auch ein paar Knöpfe für den digitalen Teil und ein Display auf dem Rücken, hat Menues und eine Speicherkarte, aber auch das ist alles überaus einfach und elegant gelöst, daß man oft schlicht verwundert ist, daß an der Kamera nichts fehlt.

Der Engländer sagt zum Sucher „Finder“ und der Unterschied zwischen einem Sucher einer Sucherkamera wie einer Canon G9 und dem Sucher der Leica M9 ist eigentlich ganz gut beschrieben, wenn man den einen Sucher und den anderen „Finder“ nennt. Der entscheidende Vorteil einer Meßsucherkamera gegenüber einer Sucherkamera ist schlicht und einfach, daß man wirklich sieht wo man fokussiert und das mit einer Präzision die es ermöglicht auch wirklich lichtstarke Objektive bei Offenblende zu benutzen. Die Leica Objektive sind auch bei Offenblende schon gestochen scharf, aber das wäre völlig nutzlos, wenn die Kamera es nicht ermöglicht die präzise Schärfe da hinzulegen wo man sie haben will.

Das war einer der Punkte die an der Olympus EP-1 ärgerlich waren, denn der eingebaute AF hat schon beim 2,8 17er (entspricht einem 35er an KB) bei Offenblende gerne mal daneben gelegen und auch mit der manuellen Fokussierung (über das Display) war das nicht besser zu schaffen (auf das Paar im Hintergrund zu fokussieren wie beim ersten Bild war ein Albtraum), mal abgesehen davon, daß das nicht wirklich schnell geht. Ob man mit einem 1,4er Objektiv da glücklich wird man sehen müssen. Ein gescheiter Sucher war früher etwas ganz normales und sogar Meßsucher waren in Kameras wie der Minolta Hi-Matic zu finden.

Manuelles Fokussieren mit der M9 geht mit ein wenig Übung schneller und präziser als mit dem AF einer Sucherkamera.

Und die Schärfe liegt dann auch genau da, wo man sie haben will. Denn das Meßfeld einer Meßsucherkamera zeigt genau, was innerhalb des Meßfeldes scharf wird, das AF-Meßfeld einer AF-Sucherkamera stellt auf irgendwas innerhalb des Meßfeldes scharf, was genau das ist, ist das Geheimnis des AF-Systems, denn im Gegensatz zur Spiegelreflex und Meßsucherkamera gibt es bei der AF-Sucherkamera keine optische Kontrolle der Schärfe im Sucher (elektronische Sucher mal ausgenommen, aber die haben die gleichen Probleme wie die Displays auf der Rückwand).

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Wenn es dann noch ein gutes Objektiv ist, dann ist die Schärfenebene auch am Rand so scharf wie in der Mitte.

Abgesehen davon, daß die Optiken, die Leica für das M-System baut, zum besten gehören, was man für Geld kaufen kann, sind die Dateien die aus der M9 (oder auch der M8) kommen wegen des nicht vorhandenen AA-Filters vor dem Chip im Vergleich zu anderen Kameras, wie der EOS 5DII, ungeheuer scharf.

Beim Thema Rauschen kann die M9 gegenüber der M8 punkten, aber nicht mit Kameras wie der 5DII oder der Nikon D3 mithalten. Das ist ein tolles Thema für Leute die sich stundenlang damit beschäftigen können Bilder bei 100% zu betrachten, die noch nie einen 800ASA CN-Film gesehen haben und für die das Bild nicht sehen, weil sie an den technischen Aspekten des Fotos hängen bleiben.

Die Praxis ist eine andere Geschichte: Meine Canon DSLRs benutze ich in der Regel bis 800ASA, wenn es sein muß auch mal bis 1600ASA. 3200ASA ginge zur Not auch, allein ich brauche es vielleicht alle 6 Monate einmal. Die M9 ist bei 800ASA unkritisch und bei 1600ASA noch keine Katastrophe, dazu kommt der Vorteil der lichtstarken Objektive und der genaueren Fokussierung, was schnell nochmal 1-2 Blendenstufen bringt. Wo ich mit der Canon bei 800 ASA liege, reichen mir bei der M9 meist schon 400ASA. So gesehen ist Rauschen nichts wovor man bei der M9 sonderlich Angst haben müßte.

Was die Bildqualität betrifft braucht sich die M9 vor Spiegelreflexkameras nicht zu verstecken. Und auch sonst kann sie punkten, denn eine M9 mit 2-3 Objektiven kann man locker in den Jackentaschen unterbringen (ein Leica M 1,4 35er ist ein Winzling im Vergleich zu einem Canon EF 1,4 35L) das macht das Leben im wahrsten Sinne des Wortes leichter, denn eine DSLR mit 2-3 Objektiven den ganzen Tag zu schleppen kann ganz schön in die Knochen gehen. Dazu kommt, daß die Leica leiser und weit weniger auffällig ist als eine DSLR.

Kurz: Die M9 ist eine digitale M6 mit besseren Filmen als man sie zur M6 kaufen konnte.

Auf der negativen Seite stehen ein paar Kleinigkeiten, wie z.B. der Umstand, daß die Kamera Ewigkeiten (im Vergleich) braucht, um eine Speicherkarte zu formatieren, was sich sicher per Firmware-Update lösen läßt und ich hätte die Kamera lieber schwarz verchromt statt lackiert gekauft. Und einen mechanischen Aufzugshebel hätte ich auch lieber als den elektrischen Aufzug. Aber relevant ist das alles kaum.

* Die M8 ist mit der aktuellen Firmware und einem IR-Filter vor dem 6-bit codierten Objektiv eine wirklich tolle Kamera und wenn man sie nicht mit einer M9 zusammen benutzt, kann man damit sehr sehr glücklich werden. Aber eine Kamera die IR-Filter braucht und eine Kamera die ohne auskommt zusammen zu benutzen ist einfach eine anstrengende Kombination.





Oktoberfest in Nord-Korea!

19 09 2009

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In Deutschland ist Pressefreiheit kein wirkliches Problem, in anderen Ländern sieht das anders aus. Das ist ja hinlänglich bekannt.

In diesem Jahr findet mit Unterstützung des Goethe-Instituts, des Landes Bayern und der EU zum ersten Mal ein Oktoberfest in Nord-Korea statt. Zur Berichterstattung gaben die nordkoreanischen Behörden folgendes bekannt:

Der Pressesprecher des nordkoreanischen Ministeriums für Bier & Presse, Kim Sung Lee, macht die Akkreditierung von Fotografen für das Festzelt davon abhängig, dass nur Motive fotografiert werden, die ihm genehm sind. „Sie dürfen das machen, was ich zulasse“, sagte Lee.

Fotografen dürften im Zelt auch nur in seiner Begleitung unterwegs sein. Er begründete dies damit, dass er um das Image des Festzeltes und Nord-Koreas besorgt sei. „Es gibt ein paar Dinge, die will ich nicht sehen“, sagte Lee. Falls ein Fotograf in seiner Begleitung Motive ablichten wolle, die er nicht in Ordnung finde, „dann werde ich wahrscheinlich die Hand vor die Kamera halten“, sagte er.

„Ich will keine Oppositionellen, ich will keine Demonstrationen. Dieses Recht steht mir zu“, sagte Kim Sung Lee und fügte hinzu: „Das ist meine Spielregel.“

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Und auch andere staatliche Stellen machen bei der Zensur (anders kann man das nicht nennen) fröhlich mit:

So fordert das nordkoreanische Tourismusamt TV-Teams auf, täglich eine Liste der geplanten Themen zusammen mit den Akkreditierungsunterlagen abzugeben. Danach entscheide das Amt über die Erteilung einer Drehgenehmigung.

In mindestens einem Fall sei diese Genehmigung „ohne ersichtlichen Grund tatsächlich verweigert“ worden, so Reporter ohne Grenzen.

Das nordkoreanische Tourismusamt als Veranstalter des Oktoberfestes wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf der nordkoreanischen Wiesn gebe es keine Zensur, und Journalisten würden auch nicht in der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. „Das Tourismusamt erteilt auf Wunsch jederzeit Fotogenehmigungen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Aber mal ehrlich was anderes haben wir von denen in Nord-Korea ja auch garnicht erwartet, oder?

Dumm nur, daß das alles garnicht stimmt! In Wirklichkeit sieht der Text nämlich so aus und es geht um das echte Oktoberfest in München, Bundesrepublik Deutschland:


Der Pressesprecher des staatlichen Hofbräuhauses, Stefan Hempl, macht die Akkreditierung von Fotografen für das Festzelt davon abhängig, dass nur Motive fotografiert werden, die ihm genehm sind. „Sie dürfen das machen, was ich zulasse“, sagte Hempl.

Fotografen dürften im Zelt auch nur in seiner Begleitung unterwegs sein. Er begründete dies damit, dass er um das Image des Hofbräuzelts und der Brauerei besorgt sei. „Es gibt ein paar Dinge, die will ich nicht sehen“, sagte Hempl. Falls ein Fotograf in seiner Begleitung Motive ablichten wolle, die er nicht in Ordnung finde, „dann werde ich wahrscheinlich die Hand vor die Kamera halten“, sagte er.

„Ich will keine Nackten, ich will keine Titten. Dieses Recht steht mir zu“, sagte Hempl und fügte hinzu: „Das ist meine Spielregel.“

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Und auch direkt staatliche Stellen machen bei der Zensur (die man in Deutschland natürlich nicht so nennen wollen würde) fröhlich mit:

Zudem fordere das Münchner Tourismusamt TV-Teams auf, täglich eine Liste der geplanten Themen zusammen mit den Akkreditierungsunterlagen abzugeben. Danach entscheide das Amt über die Erteilung einer Drehgenehmigung.

In mindestens einem Fall sei diese Genehmigung „ohne ersichtlichen Grund tatsächlich verweigert“ worden, so der BJV.

Das Münchner Tourismusamt als Veranstalter des Oktoberfestes wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf der Wiesn gebe es keine Zensur, und Journalisten würden auch nicht in der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. „Das Tourismusamt erteilt auf Wunsch jederzeit Fotogenehmigungen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Quelle: Spiegel Online

Wer die Presse nur als Marketinginstrument versteht und deswegen meint es wäre ok, wenn sie nur die Sonnenseiten zeigen sollte und man ihr den Rest einfach verbietet, hat zwar nicht wirklich begriffen was das Grundgesetz zum Thema Presse sagt. Auf der anderen Seite ist man mit solchen Aussagen wie denen oben aber für den Fall, daß es in Deutschland nicht mehr weiter geht durchaus qualifiziert sich als Pressebetreuer in Nord-Korea zu verdingen, oder?

Und nein, es soll mir niemand (wie Herr Hempl das tut) mit irgendwelchem Geseier kommen, es ginge ihm darum die betrunkenen Damen die sich entblößen zu schützen oder stellvertretend die Persönlichkeitsrechte der vollgekotzen Alkoholleiche wahrzunehmen. Wenn Herrn Hempl die Menschen so sehr am Herzen liegen würden, dann könnte er ja eine Grenze einführen, ab der den Kunden nichts mehr ausgeschenkt wird. Aber solange der Gast bezahlt und Herr Hempl dran verdient, ist es ihm egal, ob sich Menschen dort bis zu Besinnungslosigkeit besaufen und neben den Zelten am eigenen Erbrochenen ertsicken. Nur zeigen soll das bitte keiner!

In Nord-Korea würden wir das Zensur nennen. Und deswegen sollten wir uns alle mal die Frage stellen, wie wir mit sowas in unserem eigenen Land umgehen wollen. Jedenfalls wenn wir nicht davon träumen, daß es bei uns wird wie in Nord-Korea!





Antiphrasis oder Euphemismus „Da habe ich kein Problem mit!“

14 07 2009

Es gibt Sätze die einem nichts gutes verheißen, weil sie das Gegenteil dessen bedeuten, was eigentlich gesagt wird. Einer der schlimmsten Vertreter dieser Problemgattung ist: „Da habe ich kein Problem mit!“ Für den naiven Sprachwissenschaftler dürfte das irgendwo zwischen Antiphrasis und Euphemismus verortet sein. In der praktischen Anwendung signalisiert der Einschlag dieser Worte im Ohr nur eins: „Das Problem-Mutterschiff ist gelandet!“.  Fällt dieser Satz, ist klar, wenn es irgendwas gibt an dem es dem Gegenüber nicht mangelt, dann sind es Probleme. Was schon bei dem Problem beginnt, daß sich das Gegenüber der eigenen Probleme meist in so geringem Maße bewußt ist, daß es wirklich glaubt, was es da sagt. Und wenn man nur ganz fest an etwas glaubt, dann wird es auch wahr. Und im wirklichen Leben, abseits der linguistischen Einordnung dieses Phänomens, stellt sich das ganze dann meistens wirklich so dar, daß der Satz „Da habe ich kein Problem mit!“ stimmt. Jedenfalls, wenn man den meist nicht ausgesprochenen zweiten Satz direkt dranhängt: „weil ich meine Probleme zwar verleugne, sie aber trotzdem so auslebe, daß sie zu Deinen/Euren Problemen werden!“





Ich hab gedacht ich darf das…

30 06 2009

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„I never knew that blog stole those photos from you, I thought they were placed there with permission, as there was a credit attached (your name). I copied all that content from there.“

„I thought that by using a credited low res images on a non profit site, this was OK.
I will remove the photos tonight. If you have the images online, I can link to them…“


Aua das tut richtig weh! Aber das sind halt die Antworten, die man bekommt, wenn man mal nachfragt wie denn die eigenen Bilder auf irgendeine fremde Website kommen.

Wenn man also irgendwo in einem Blog (und da waren die schon geklaut) Bilder findet, dann darf man die einfach so runterladen und sie in die eigene Website einbauen, weil die ist ja kein kommerzielles Projekt. Nicht nur das; der Umstand,  daß eine Autorennennung an den Bildern ist, ist ein sicheres Zeichen, daß man die Bilder kostenfrei nutzen kann. Und überhaupt, geklaut ist etwas in der Konsequenz nur, wenn man es jemandem wegnimmt, der es selbst geklaut hat. Das ist eine logische Glanzleistung, denn in der Folge kann man ja eigentlich nie irgendwas klauen. Und auch alle Bilder in Zeitungen, Zeitschriften, Bücher etc. an denen der Name des Fotografen steht, stehen jedermann zur Nutzung frei. Klasse!

Die  Selbstverständlichkeit mit der das scheinbar in Ordnung ist und die in dem tollen Angebot gipfelt einen Link auf meine Website anzubieten ist schon toll. Mal ehrlich, was soll mir das helfen, außer vielleicht noch mehr Leute auf meine Seite zu leiten, die mir auch was klauen?

Aber eigentlich ist das ja kein Wunder schließlich werden Urheberrechtsverstöße ja sogar in – an und für sich – seriösen Medien von Journalistendarstellern wie Sonia Zjawinski propagiert. Die Dame empfiehlt auf den Webseiten der New York Times, man könne sich jedes bei flickr gezeigte Bild printen lassen, rahmen und in die Wohnung hängen, was ein toller Einrichtungstip sei. Und auf die einsetzende Kritik gibt es dann einen peinlichen Rechtfertigungsartikel, in dem dann ein Anwalt bemüht wird, der das über ein altes Urteil rechtfertigen soll: man darf ja auch Fernsehsendungen aufnehmen. Nun ist es aber was anderes ob jemand sich meine Website auf dem Rechner speichert, um sie sich zeitversetzt anzusehen (Videorecorder-Analogie) oder ob jemand mein Bild von einer Website zieht, um es in völlig anderer Form zu nutzen.

Urheberrechtsverletzungen sind sehr in Vogue, jedenfalls bei Bildern und wehe der Beklaute wehrt sich, man denke nur an den „Physik-Doktorand“ dem Getty Images eine 2000€ Rechnung geschrieben hat, „obwohl er das Bild bezahlt hatte“. Der hat seinen Fall damals bis zum Spiegel getragen und die Empöhrungsmaschinerie lief ganz flott. Wenn man sich das genauer angesehen hatte, sah das gleich ganz anders aus, denn zwar stimmte es schon, daß der Doktorand (der sich dazu auch noch ausführlich im SpiegelOnline Formu äußerte) eine Lizenz zur Nutzung des Bildes auf einer privaten Website gekauft hatte. Benutzt hat er das Bild dann aber in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer eines gewerblichen Internetportals auf eben dieser gewerblichen Seite.  Also stornierte Getty den Privatnutzervertrag und stellte die nicht lizensierte gewerbliche Nutzung in Rechnung. Eigentlich ganz normal, daß man das bei Getty nicht wirklich lustig fand, oder? Und auch die anderen vermeintlichen Abmahnopfer aus dem Spiegelartikel erscheinenschon bei oberflächlicher Betrachtung auch nicht so richtig als unschuldige Opfer eines bösen Abmahnmonsters.

Aber sobald die Begriffe Abmahnung und Urheberrechtsverletzung fallen ist für die meisten Menschen klar, daß da jemandem ein ganz böses Unrecht zugefügt wird.

Nein, ich mag die auch Art und Weise wie die Musik- und Filmindustrie solche Sachen angeht nicht. Zum einen nervt es mich mir bei jeder gekauften DVD zwangsweise minutenlang irgendeinen „Papa ist 5 Jahre im Knast, weil er einen Film aus dem Internet gesaugt hat!“-Film anschauen zu müssen und zum anderen finde ich nicht, daß man einen 14jährigen der sich irgendwelche Lieder runtergeladen hat so rannehmen muß, daß es sich für ihn eigentlich nicht mehr lohnt irgendwann im Leben arbeiten zu gehen. Nicht zuletzt ist es leider so, daß die Musik- und Filmindustrie es auf diese Weise geschafft hat zu einem ordentlichen Maß dran schuld zu sein, daß viele Menschen das Vorgehen so derart Ungerecht finden, daß der Eindruck entstanden ist, Urheberschaft und geistiges Eigentum an sich seien schon etwas unanständiges.

Aber das macht eine Abmahnung ja nicht automatisch zu etwas unmoralischem. Denn solange es dabei nur um die Erstattung des Schadens, als das ausstehende Nutzungshonorar und die Unkosten (und nicht um die Erweiterung der Porschesammlung irgendeines windigen Anwalts) geht, ist das für den Bilderdieb eine günstige Möglichkeit aus der Nummer wieder rauszukommen. Denn die Alternative ist ein Gerichtsverfahren.

Das jemand der etwas geklaut hat den marktüblichen Preis nicht bezahlen mag und für zu hoch hält, ja den Gegenstand der Begierde plötzlich für wert- und nutzlos und überteuert erklärt, ist nicht wirklich überraschend. Und so sind die beliebtesten Argumente in Urheberrechtsstreitigkeiten um Photos, daß:

a) man genausogut ein irgendwie ähnliches (auch beliebt: viel besseres) Bild für 25 Cent von einer Micro Stock Agentur* hätte nehmen können (da stellt sich dann halt die Frage warum man das nicht gemacht hat, oder das Bild nicht zumindestens da geklaut hat, wo es nur 25 Cent statt 500 € kostet)

b) man das Bild auch selbst hätte machen können (ich habe noch nie von einem Fall gehört, in dem da dann auch mal der Beweis angetreten worden wäre)

c) jemand anderes Schuld ist. (Schuld ist dann gerne mal der Billig-Webdesigner dessen Budget man so gering gehalten hatte oder der so billig war, daß es für eine gewisse Basiskompetenz nicht gereicht hat, daß er die Bilder per Google-Bildersuche „beschafft“ hat. Verantwortlich ist halt der, der als „Verantwortlich im Sinne …“ im Impressum steht. Dem Photographen kann das egal sein, das können Betreiber und Webdesigner später unter einander ausmachen.)

Wer in der U-Bahn schwarzfährt, kommt auch nicht davon, indem er sagt, er wäre eigentlich lieber zu Fuß gegangen. Auch das Argument man müsse garnicht zahlen, weil der Zug ja eh die Strecke gefahren wäre, zieht genauso wenig wie das Argument, daß dem Photographen überhaupt kein Schaden entstanden wäre, weil er die Bilddatei dabei schließlich nicht verloren habe.

Und, daß nicht der Photograph auf den Kosten die durch die Urheberrechtsverletzung und die Verfolgung (Anwalt, Porto, etc.) entstehen sitzenbleiben kann sollte auch klar sein. Nach einem Wohnungseinbruch will der Geschädigte auch nicht nur das Geld für den geklauten Fernseher; und die eingeschlagene Scheibe, die zerschlagenen Blumentöpfe und den versauten Teppich bezahlt er selbst.





Der Geruch von Entwickler und Fixierer

25 05 2009

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Als ich das erste Mal was über Silver Efex Pro von Nik Software gelesen habe, habe ich das spontan für eine ziemlich überflüssige Geschichte und Geldschneiderei gehalten und mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht. Immerhin gibt es jede Menge Möglichkeiten aus einer RGB-Datei ein SW-Bild zu machen. Diese Meinung hab ich dann beibehalten bis mir Roland neulich ein paar Bilder geschickt hat, die er damit bearbeitet hatte. 

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Nach einem kurzen Test hab ich dann sehr schnell und sehr bereitwillig das Geld in die Hand genommen. Und mittlerweile hab ich sogar das Gefühl, daß die mit Silver Efex Pro bearbeiteten Dateien nach Entwickler und Fixierer stinken! Die wirkliche Freude kommt aber weniger von der Nase als von den Augen. Denn Silver Efex Pro kann mehr als nur die  Farbe aus dem Bild zu nehmen und es kann auch mehr als das was man in Photoshop per Farbmixer hinbekommt. Und selbst wenn man in Photoshop versuchen würde irgendwelche Störungen in das Bild reinzurechnen irgendwie dasFilmkorn zu simulieren, man kommt nicht an das ran, was Silver Efex Pro kann!

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Silver Efex Pro erzeugt „echtes“ Filmkorn und nicht nur ein Filmkorn, sondern das Korn der gängigsten Filme. Und da Silver Efex Pro nicht nur weiß wie das Korn eines Tri-X pan 400, eines Ilford Delta 100 oder eines Kodak P3200 TMAX Pro asuzusehen hat, sondern auch weiß wie die jeweiligen Filme hinsichtlich Kontrast und so weiter aussehen, kommt das Programm echten Filmen so nah wie es derzeit wohl nur geht.

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Und damit kommt man dann zu wirklichen Schwarzweißbildern, die sicher einiges von der Auflsöung einer modernen DSLR verlieren, was ihrer Wirkung aber keinen Abbruch tut. Mir jedenfalls macht SW seit Nik Efex Pro wieder richtig Spaß! Denn der Spaß hatte in den letzten Jahren ein wenig gelitten, weil ich zuwenig Zeit hatte, um soviel SW zu machen, daß es sich wirklich lohnt.

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Denn SW wird zur Hölle, wenn man kein permanent laufendes Labor hat. Klingt vielleicht doof, aber jeden Tag 2 Filme zu entwickeln ist weniger stressig als alle 2 Wochen einen Film zu entwickeln. Es gibt einfach Sachen die machen keinen Spaß, wenn man sie nicht ständig macht, weil man jedesmal aus der Übung ist und von neuem anfängt. Mal ganz abgesehen davon, daß man heute nicht mehr so einfach mal einen SW-Film in die Kamera steckt, wie das früher mal ging.

Mit Silver Efex findet SW wieder im normalen Workflow (irgendwann finde ich dafür auch mal ein deutsches Wort) statt, man braucht keine zusätzlichen Kameras, kein Labor, keinen Scanner (der auch nicht wirklich Spaß macht, weil die Staub- und Kratzerentfernung mit dem Silber im Film nicht klarkommt) und vor allem ist SW nicht mehr wesentlich langsamer als digitales Buntes.

 

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Tolle Bilder, da haben sie sicher eine teuere Kamera!

19 03 2009

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„Nicht die Kamera, sondern der Fotograf macht das Bild.“

Diesen Satz halten viele Fotografen (besonders als Erwiderung auf die, sonst völlig zusammenhanglose, Überschrift) für eine Wahrheit, manche sogar für eine Weisheit. Dabei ist es nicht mehr als eine dumme Plattheit und mitnichten durchdachter als die Überschrift.

Sicher wird die beste Kamera in den Händen eines Dilettanten keine Wunder bewirken. Und natürlich kann ein guter Fotograf mit einer einfachen Kamera auch schöne Bilder machen. Aber nicht alles dunkelhaarigen Menschen sind Chinesen und so wie die Kamera aus niemandem einen Fotografen macht, macht der Fotograf aus einem Schuhkarton keine Spitzenkamera. Und nicht zuletzt besteht der große Denkfehler des Satzes darin, so zu tun, als würden Fotograf und Kamera völlig isoliert von einander existieren und agieren. 

 

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Tatsächlich aber, macht der Fotograf das Bild mit der Kamera, die er sich dazu ausgesucht hat. Und ein guter Fotograf zeichnet sich eben auch dadurch aus, daß er entweder zu einer Kamera greift die für das was er fotografieren will geeignet ist oder er sich an das, was ihm  an Material zur Verfügung steht, anpassen kann.

Um noch einen weiteren logischen Fehler draufzusatteln argumentiert man  gerne mit irgendwelchen hübschen Bildern, die mit schlechten, billigen oder völlig veralteten Kameras gemacht worden sind und als Beweis dienen sollen, daß der Fotograf allein der entscheidende Faktor ist. Nüchtern betrachtet, beweisen diese Bilder nicht mehr, als daß es möglich war das eine Bild mit der einen Kamera zu genau dem Zeitpunkt an genau dem Ort zu machen.  Schon, daß der selbe Fotograf das selbe Bild am selben Ort zur selben Zeit mit einer anderen Kamera macht, darf man getrost anzweifeln.  

Mit einer kleinen Ixus kann man toll in Katzen hineinfotografieren. Man kann sogar spontan aus der Hand stimmungsvolle Nachtaufnahmen in Frankfurt machen und die Unschärfe tut der Stimmung keinen Abbruch. Hätte ich das aber geplant, hätte ich sicher zur Spiegelreflex mit Stativ gegriffen. Und zu einem Konzert würde ich sicher nicht mit einer Ixus erscheinen. Es kann gut sein, daß ich eine in der Jackentasche habe, weil die da wohnt, aber sicher nicht, weil ich da damit fotografieren will.

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Und wenn ich Architekturfotos mit einer Holga mache, dann weil ich ich genau solche Bilder will wie sie dabei rauskommen und nicht weil in dem Wahn lebe, ich wäre so toll, daß ich damit genau das gleiche hinbekomme wie andere Fotografen mit einer Fachkamera.

 


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Wie man sich selbst entzaubert

28 02 2009

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Annie Leibovitz ist sicher eine tolle Photographin und als ich auf photoshopdisasters (übrigens eine Spitzen-Website!) das Bild oben gesehen habe, da hab ich mir gedacht „Naja, kann ja schonmal vorkommen, daß man zwei Leute nicht zusammen vor die Kamera bekommt und daß das dann irgendwer zusammenbaut, der es irgendwie nicht so richtig drauf hat und daß dem dann noch ein dummer Fehler mit dem Sakko unterläuft.“

 

Dummerweise gibt es da dann aber noch einen Link zu einem Making-Of-Video von Vanity Fair, für die Leibovitz Mendes und Winslet fotografiert hat. Und da sieht man dann Leibovitz plus Assis, Mendez und Winselt zusammen beim Shooting. Und Mendes hat das Sakko noch an.

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Jedem, der mal ein Doppelportrait (oder etwas mit noch mehr Leuten drauf) gemacht hat, wird es so gegangen sein, daß auf dem einen oder anderen Bild der eine von Beiden einfach toll kuckt, daß man bei einem Einzelportrait sagen würde „Das ist das Bild!“ und der andere hat dummerweise die Augen zu hat oder sieht aus wie gerade vom Bus überfahren. Dann kann man sich mit den Bildern auf denen beide gut schauen zufrieden geben oder man kann anfangen zu basteln. Perfektionismus ist das eine, Aufrichtigkeit das andere. Klar, was Leibovitz macht ist kein Journalismus und im Bereich der Portraist von Stars und Sternchen wird an allen Enden „gephotoshoppt“. Wenn man aber schlampt, dann fällt das auf und alle Welt lacht über  den Photographen und den Kunden. Das macht den Kunden sicher nicht glücklich.

Aber immerhin zeigt es, daß auch die Großen nur mit Wasser kochen und daß ihnen manchmal sogar das anbrennt.





166 Sekunden bis zur Perfektion

7 01 2009

Henri Cartier-Bresson soll einmal gesagt haben, daß die ersten 10.000 Photos eine Photographen seine schlechtesten sind. Er wollte damit wahrscheinlich sagen, daß es eine ganze Zeit dauert, bis man das so kann, wie er das konnte. Daraus kann man schließen, daß man photographieren lernt, indem man viel photographiert. Nach einem einfachen Dreisatz käme man also mit einer Kamera wie der Casio EXILIM Pro EX-F1 und ihren 60 Bildern pro Sekunde schon in 166 Sekunden da hin wo Cartier-Bresson war und mein Opa müßte bei 5 Filmen im Jahr bis zu seinem Tode ungefähr 75% so toll photographiert haben wie Cartier-Breson. 

Um Photographieren zu lernen muß man photographieren, keine Frage. Aber zu photographieren allein bedeutet nicht, daß man dabei etwas lernt. Schwimmen lernt man nur im Wasser, aber wer sich einfach 2 Wochen ins knietiefe Wasser stellt, lernt nicht schwimmen bekommt aber ein Problem mit seinen Füßen. Es muß einem jemand sagen, wie es geht. In der Folge gibt es einen fast unüberschaubaren Markt an Büchern die versprechen einem das Photographieren beizubringen. Sucht man bei amazon.de nach dem Begriff „fotografie“ finden sich unzählige Lehrbücher mit Titeln wie:

  • Digitale Fotografie: Sehen und Können – Bild für Bild
  • Digitale Fotoschule easy: Vom Einsteiger zum Könner
  • Digitale Fotografie – Der Meisterkurs: Für Könner, die noch weiter wollen
  • Der fotografische Blick: Bildkomposition und Gestaltung
  • Und z.B. eine mehrbändige Reihe „Digital Fotografieren“

Welches aus dieser Auswahl das beste Buch ist, weiß wohl nichtmal der Verlag, denn das sind alles Werke aus dem Markt und Technik Verlag. Und auch einzelne Autoren scheuen sich nicht „Das einzig wahre ultimative Photographielehrbuch“ mehr als einmal zu schreiben und damit meine ich jetzt nicht, daß z.B. John Hedgecoe alle paar Jahre eine aktualisierte Version seines Buches rausbringt, damit auch immer ein aktuelles Kameramodell abgebildet ist (das ist irgendwo auch legitim, denn nach meinem Eindruck sind viele der neuen Bücher nur Paraphrasen von alteingesessenen Büchern wie dem von Hedgecoe mit neuen Kameras, und warum sollte er da nicht immermal nachziehen) . Wer es nicht glaubt, klicke bei Amazon mal auf den Autorenamen eines der Bücher und – Überraschung – da finden sich in den meisten Fällen mehrere Bücher. 

Macht ja nix, denn in den meisten dieser Bücher steht das selbe Zeug. Hatte man eins, kennt man alle. Meistens versucht der Autor alles mal kurz zu erklären und so geht es im Schweinsgalopp, von der Sucherkamera über die Fachkamera zur Spotmessung zur Zeitautomatik, zum Zonensystem, zur Reportagefotografie usw. und so fort. In der Folge sind diese Bücher tolle Beweise dafür, daß der Autor nahezu alles weiß, was mit Photographie zu tun hat oder es sich zumindestens aus anderen Büchern rausgeschrieben hat und es in vielen Fällen auch ohne eine irgendwie didaktisch wertvolle Struktur oder Reihenfolge abspulen kann. Das ist beeindruckend, aber in den meisten Fällen völlig ohne Wert für denjenigen der was lernen will. Ein Beispiel aus dem schon im letzten Post angesprochenen Digitale Fotografie – Der Meisterkurs: Für Könner, die noch weiter wollen (Leseprobe hier): In der Leseprobe (und vielen anderen Büchern heißt es fast wortgleich) z.B. zum Thema Spotmessung:

Spotmessung
Bei der Spotmessung wird ein eng begrenzter Kreis des Bildfelds zur Belichtungsmessung herangezogen. Diese Messmethode bietet sich bei schwierigen Motiv- und Lichtsituationen an, bei der gezielt Details ausgemessen werden, um den Kontrastumfang zu bestimmen.

Das ist sicher eine schöne Zusammenfassung darüber was Spotmessung ist, aber wenn ich jemandem erklären wollte, wie das geht und was er damit machen kann, würde ich mehr Worte brauchen. 

Eine weitere Gelddruckmaschine sind auf einzelne Kameramodelle zugeschnittene Photographiebücher. Wer böse ist könnte sagen, daß da nicht viel mehr passiert, als daß jemand Bedieungsanleitung und Fotolehrgang zusammenschreibt und so für jede Kamera ein neues Buch auf den Markt werfen kann, in der Hoffnung, daß der dumme Leser glauben möge, er brauche das Buch, weil sich die Gesetze der Photographie mit dem Wechsel von der EOS 400D zur EOS 450D grundlegend geändert haben. Allein zu Canon EOS 450D findet man bei amazon.de 9 verschiedene Bücher und es ist nicht so, daß Canon der Kamera keine Bedienungsanleitung beilegen würde. Mein persönlicher Held in dieser Disziplin ist Artur Landt, der zu EOS 40D, 400D und 450D gleich jeweils zwei dieser Bücher verfaßt hat. Die eine Version hat (interessanter Weise jeweils) 290 statt 224 Seiten und das Wort „Profi“ im Titel und kostet deswegen bei amazon z.b. 49,95 € statt der 19,95 € der normalen Version. 

Kommen wir nochmal auf den Vergleich mit dem Schwimmen zurück. Auch über das Schwimmenlernen gibt es bei amazon Bücher. Bücher die einem versprechen, man würde schwimmen lernen wie die Profis findet man da aber nicht. Ebensowenig wie das Buch „Schwimmen lernen mit dem Speedo Men’s Elite LZR Racer®„; und schon garnicht in der Profi- und der Amateurversion. Das sollte einem doch zu denken geben.

Man wird nicht wirklich drunter leiden mal eines dieser Bücher gelesen zu haben, solange man jemanden hat, der einem sagt, was von dem gelesenen wirklich wichtig ist und was man als Rauschen vergessen kann. 

Aber es gibt natürlich auch wirklich tolle Bücher zum Thema Photographie:

Mein absolutes Lieblingsbuch ist 

David Hurn, On Being a Photographer : A Practical Guide by David Hurn and Bill Jay 

das ist in jeder Hinsicht lesenswert. (Über den Link gibt es das aus den USA für 10$ plus Versand, in Deutschland bezahlt man bisweilen Mondpreise.) Wie man eine Kamera einschaltet muß man aber woanders lernen.

Auch sehr lehrreich ist 

Russell Miller, Magnum: Fifty Years at the Front Line of History

Das Buch gibt tolle Einblicke in die Art und Weise wie die erste Magnum-Generation Bilder gesichtet hat, wie man sich gegenseitig weitergebracht hat und wie man sich zusätzliche Mitglieder gesucht hat.

Und nicht zuletzt kann man auch aus Bildbänden eine Menge lernen, solange man nicht versucht „genau die Bilder zu machen“ die man da gesehen hat und anfängt mit Amateurfotogruppen nach Nepal zu fahren um Kinder mit dreckigen Gesichtern und laufenden Nasen zu photographieren.

Und so wie die meisten Leute einen Schwimmlehrer dem Selbstversuch mit Buch vorziehen, macht ein Lehrer oder Mentor auch beim Photographieren Sinn. Allein schon, weil ein Buch nie wirklich auf eine Frage antworten und erst recht nichts zu einem Photo sagen kann. Und ein Buch das einem sagt, was nun in dem anderen Buch wichtig war gibt es auch noch nicht. An dieser Stelle greift dann auch ein wichtiger Satz aus dem oben beworbenen David Hurn Buch:

Learn from the best; the second-raters have nothing to offer.

Das klingt im ersten Moment ein wenig arrogant ist aber ungemein clever. Wenn man sich z.B. die diversen Internet-Communities anschaut wo sich mittelmäßige Photographen gegenseitig hochleben lassen – weil man gelobt wird, wenn man eben andere lobt – dann sollte man schnell feststellen, daß man dabei genauso wenig lernen wird, wie in einer Gruppe von Nichtschwimmern die sich gegenseitig das Schwimmen beibringen wollen. Wenn man ertrinkt, dann hilft es einem nicht, wenn 20 Leute am Beckenrand stehen die einem zurufen, daß das in ihren Augen „schon ganz gut aussieht“ was man da macht.





Alle Jahre wieder…

6 01 2009

 

20090105sr2015Kindergeburtstag ist ja auch jedes Jahr und so spielte die Blaskapelle gestern – in dieser Reihenfolge – „Heidi“, „Das Lied der Schlümpfe“ und dann noch „Kreuzberger Nächte sind lang“. Genau, wir sind auf einer Wahlkampfveranstaltung der CDU. Das erkennt man daran, daß die Leute im Publikum vor allem in grau, beige und braun gekleidet sind (verzweifelte Wahlkampfstrategen verkleiden deswegen ab und an einen Teil der CDU Anhänger als holländische Fußballfans) und auch selbst eher farblos wirken und eben an einer atemberaubenden Musikauswahl. Das ist nicht schön anzuhören (was sicher Geschmacksache ist, also an mir liegt) führt einem aber auch eine der der harten Realitäten im Journalismus vor Augen: Man beeilt sich fortwährend um irgendwo hinzukommen, um dann irgendwo auf irgendwas zu warten. Und so beeilt man sich auf dem Weg zum Termin, um sicherheitshalber einen 10-20 Minuten Puffer zu haben, dann verzögert sich das da alles ein wenig und man hat wieder 40 Minuten seines Lebens mehr oder weniger verschwendet.

Und so sitzt man dann da und grübelt, wer wohl wie warum die Musik für diese Wahlkampfveranstaltung ausgewählt hat. Und kann sich das nur so erklären, daß das die Krise ist und man einfach um Geld zu sparen das „Kindergeburtstagspaket“ der Kapelle gekauft hat, weil das Paket mit der Parteitagsmusik teuerer war.

Aber zurück zur Politik: Es ist wieder Wahlkampf in Hessen. Dieses Jahr wenigstens ohne die Frau die immer „isch, isch, isch“ sagt. Wenn man dem Wirken von Andrea Ypsilanti und der Wirtschaftskrise etwas positives abgewinnen will, dann ist es wohl, daß es sich Roland Koch in diesem Jahr verkneift die Angst vor jungen Menschen und Kommunisten auf Altenkaffees zu propagieren und man ihm auch nicht zuhören muß, wie er erklärt wie man die scheintote Oma im Nachbarbett per Briefwahl wieder in einen Aktivposten verwandeln kann.

In jedem Fall gilt: Das Volk will belogen werden. Anders ist z.B. nicht zu erklären, daß sich niemand, an der enormen Diskrepanz zwischen Wahlplakatsgesicht und dem Menschen den man dann in Zeitung, Fernsehen und Natura erlebt – und der dreist behauptet der von dem Plakat zu sein – zu stören scheint. Bei der letzten Bundestagswahl hatte ich immer den Eindruck Angela Merkel hat eine jüngere Schwester, die ihr ein paar Pflichten abnimmt und für sie beim Photographen war. Der Bürger schätzt an Politikern, wenn sie ehrlich sind, findet es aber völlig ok, wenn der Kandidat auf dem Plakat fremde Zähne und keine Falten hat. Und so kann man auch unter dem Motto: „Da geht jedem das Herz auf wenn „alle Neune“ der Drei-Generationen-Familie zusammen sind.“ die Familienmitglieder für seine Wahlbroschüre einspannen. Und das scheinbar ohne befürchten zu müssen, daß irgendwer fragt, was es denn in dem Zusammenhang bedeutet, wenn man das scheinbar nicht wirklich photographieren konnte, sondern man stattdessen den rechten Schwiegersohn am Computer dazumontieren mußte. Hätte man da nicht besser das „zusammen“ statt dem „alle Neune“  in Anführungszeichen setzen sollen? Mal abgesehen davon, daß mir da das Herz nicht aufgegangen ist, sondern ich eher herzhaft gelacht hab. Das ist mir dann aber im Halse steckengeblieben, weil es ja darum geht irgendwelche Omas einzulullen wie bei einer Volksmusiksendung.

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Ansonsten ist Wahlkampf immer die gleiche Leier. Ein Politiker steht irgendwo um ereifert sich vor Leuten über irgendwelche Themen. Da die Leute natürlich nur zu den Politikern gehen die sich über genau das ereifern, das sie selbst ereiferungswürdig finden, kommt das was da gesagt wird natürlich gut an. Ganz selten kommen mal ein paar Studenten zu CDU Terminen, um zu zeigen, daß garnicht alle Menschen Studiengebühren toll finden. Dann fliegen die Studenten da raus und die Leute im Saal sagen: „Siehste, da kommen die hier von unserem Geld demonstrieren. Wenn die erst Gebühren zahlen haben die für so einen Scheiß auch keine Zeit mehr.“ Applaus!

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Da die Zuhörer eh der Meinung des Redners sind, sind Fakten auch nicht wirklich von Belang. Wer ruft, daß er seit 2004 soundsoviel neue Lehrer eingestellt hat wird begeistert beklatscht, daß in so einer Situation mal jemand aufsteht und fragt „Tschuldigung, um das einzuschätzen zu können, wüßte ich gerne, wieviele Lehrer in der Zeit aus dem Schuldienst ausgeschieden sind?“, wird man nicht erleben. Worauf man sich dagegen verlassen kann ist, daß man über jeden Versuch den politischen Gegner verächtlich zu machen begeistert sein wird. Das stiftet Identität. Oder um es mit den Worten eines CDU-Mitglieds von gestern Abend zu sagen: „Wenn einer schon einen Doppelnamen hat!“. Tiefschürfender hat sich wohl noch niemand mit der Lage der hessischen SPD und der Person des Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel auseinandergesetzt. (Der „besuchte“ (so steht es bei spd-hessen.de) gestern übrigens eine Biogasanlage in der Gemeinde Ebsdorfergrund. Ob die ihn wohl wählt?)

 

Das heißt aber nicht, daß es anderswo besser wäre. Und so begrüßte Claudia Roth ein paar Stunden früher 20 (in Worten: zwanzig) Besucher einer Veranstaltung der Grünen zum geplanten Ausbau des Kohlekraftwerkes Staudinger mit den Worten: „Ich freue mich, daß so viele gekommen sind.“ 

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Und nicht einer hatte den Mumm zu sagen „Leute was soll der Scheiß hier? Wir sind zwanzig Leute und das ist völlig lächerlich, denn wir waren schonmal mehr.“ (Fairerweise muß man an dieser Stelle auch die 4-5 mal so große Halle der CDU Wahlveranstaltung erwähnen, die komplett voll war und wo nicht alle einen Sitzplatz bekommen haben.)

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Drauflegen? (Umsonst oder kostenlos? Teil 3)

26 12 2008

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In Teil 2 klang es ja schon leicht an: Wer kostenlos arbeitet, dem kann es nicht nur passieren, daß er am Ende umsonst gearbeitet hat. Man kann auch drauflegen. Sogar dann, wenn man nicht kostenlos arbeitet.

„Ich mache bei jedem Auftrag 20 Euro Verlust, aber das hole ich über die Menge wieder rein, denn wegen meiner günstigen Preise bekomme ich viele Aufträge.“

Zitat von einer amerikanischen Website zum Thema

Viele Photographen machen sich die Welt im Kopf passend und sonnenbeschienen. Das Thema Betriebskosten wird gerne ausgeklammert oder man redet es sich schön. „Ich hab ja eine Digitalkamera, da kostet photographieren nicht mehr als das bißchen Strom um die Akkus zu laden.“ Und schwups erscheint jeder Euro der reinkommt als Gewinn.

Das ist aber Augenwischerei: Wenn man als Photograph Geld verdienen will – und da ist es egal, ob man sich beim Lokalblättchen am Wochenende was dazuverdienen will oder ob man in der Spitzengruppe als Modephotograph arbeiten will – fängt das Verdienen erst an, wenn man die Ausgaben, und zwar alle Ausgaben, wieder drin hat.

Als ersten Schritt muß man also seine gesamten Betriebskosten erkennen und verstehen. Und viele Photographen haben keinerlei Ahnung davon, was die eigenen Betriebskosten, die gesamten Betriebskosten oder was Betriebskosten an sich sind.

Ein tolles Werkzeug sich mal einen Überblick zu verschaffen ist der NPPA Cost of Doing Business (CDB) Calculator, der amerikanischen National Press Photographers Association. Das ist ein Tool, das berechnet, was man bei einer angegebenen Anzahl von Jobs pro Jahr durschnittlich pro  Job verdienen muß, um die durch das Tool erfaßten Betriebskosten wieder reinzubekommen und das gewünschte Jahreseinkommen zu erzielen.  Und man sollte sich bei den einzelnen Posten die Erläuterungen durchzulesen, die eingeblendet werden, wenn man auf das „i“ neben dem Posten klickt, und man sollte ehrlich sein, auch wenn einen das Ergebnis erschreckt. Man braucht schon ganz ordentliche Tageseinnahmen, um über die Runden zu kommen.

Nehmen wir zum Beispiel den Photographen aus Teil 2 der für ein Abdruckhonorar von 20 Euro pro Bild arbeitet  für eine Beispielrechnung, die bei weitem nicht so detailiert und durchdacht sein wird wie der NPPA Rechner:

Gehen wir mal davon aus, daß unser Photograph pro (Arbeits-)Tag 5 Themen für „Die Zeitung“ arbeitet und die zudem noch ein Archivbild von ihm benutzen. Das macht 120 Euro pro Tag.

Für den Einsteiger, Studenten oder den Semi-Profi mag das verlockend klingen, denn schon nach 7 Wochenenden hätte man z.B. eine EOS 50D mit einem brauchbaren Objektiv finanziert. Und wenn man das jede Woche 5 Tage machen würde käme man auf 2400 Euro Einnahmen im Monat. Wer mag da schon von drauflegen sprechen?

Dummerweise sind 2400 Euro Einnahmen was anderes als 2400 Euro Lohn oder Einkommen. Die Supermarktkassiererin kann ja Abends auch nicht die Tageseinnahmen mitnehmen, dafür muß sie aber auch nicht die Waren kaufen, den laden mieten und die Regale und die Kasse hat auch jemand anderes bezahlt.

Kommen wir mal zu den Betriebskosten eines Photographen:

Nehmen wir nur mal ein paar Fixkosten, als Beispiele: DSL-Internetzugang für zuhause 400 Euro pro Jahr, Handy mit UMTS Datenflatrate und UMTS-Karte 800 Euro, Computer anteilig für ein Jahr  600 Euro, Software anteilig für ein Jahr 600 Euro, Kameraausrüstung anteilig für ein Jahr 2000 Euro, Bürobedarf 100 Euro. Macht zusammen 4500 Euro.

Manch einer wird jetzt sagen, daß man über die Fixkosten diskutieren kann. Klar kann man das, man könnte sagen, daß es auch ohne UMTS und Handy geht. Das ist aber schwierig, denn zum einen wird heute von vielen Kunden erwartet, daß man das einfach hat und zum anderen fallen einem die am UMTS gesparten Kosten wieder auf die Füße, wenn man immerzu irgendwohin fahren muß, von wo man Bilder schicken kann.
Man könnte einwenden, daß 2000 Euro pro Jahr für die Kameraausrüstung viel zu hoch gegriffen sind. Aber: Wer professionell arbeiten will sollte schon 2 Kameragehäuse haben (wer meint er braucht das nicht, muß dann eben Geld weglegen um die 2 Wochen zu überbrücken, wenn die Kamera mal in der Werkstatt ist), die Standardausstattung sollte heute den KB-Brennweitenbereich von ca. 16-200mm umfassen, das aber möglichst so lichtstark, daß man das auch sinnvoll nutzen kann. Kann man das nicht, kann man manche Jobs nicht annehmen und das Einkommen sinkt. Rechnen wir also mal mit:

2x EOS 50D mit Hochformatgriffen…………..2400 Euro

1x Canon EF-S 10-22……………………………..650 Euro

1x Canon EF-S 2, 8  17-55 IS …………………..800 Euro

1x Canon EF 4,0 70-200 IS…………………….950 Euro

2x Canon Speedlite 580EX II…………………..800 Euro

1x Tasche z.B. Domke J2…………………………….300 Euro

Speicherkarten, Akkus, Ladegeräte
Kleinteile etc. …………………………………….500 Euro
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6400 Euro

Dann darf jetzt bei den angesetzten 2000 Euro pro Jahr, frühestens nach 3,5 Jahren etwas kaputt gehen oder Bedarf für etwas zusätzliches aufkommen, sonst sind die 2000 Euro noch viel zu bescheiden angesetzt.

Aber wer nun sagt,  daß er den Computer und DSL Anschluß ja auch schon hat um privat im Internet zu surfen und er die Kameras schon längst bezahlt hatte bevor er den ersten Job angenommen hatte, der hat eigentlich schon erkannt, daß er seine Photo-Jobs (und damit schlußendlich auch den vermeintlichen „Kunden“) irgendwie selbst subventioniert.

Neben den Fixkosten enthalten die Betriebskosten aber noch einen variablen Anteil von Kosten die mit jedem Job entstehen und deren Höhe von der Art des Jobs abhängt. Es macht einen Unterschied ob man an 200 Tagen für 120 Euro Anstrichhonorar arbeitet und pro Tag 5 Geschichten fotografiert oder ob man an 60 Tage für 400 Euro arbeitet und dabei je eine Geschichte fotografiert und der Kunde auch noch die Spesen bezahlt. Im letzteren Fall zahlt der Kunde für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent und kommt somit für die Kosten auf. Im ersten Fall fährt der Photograph täglich zu 5 Terminen und diese Kosten bleiben an ihm hängen. Grob überschlagen sind 20km pro Termin nicht viel. Macht also

20km x 5 Termine pro Tag x 200 Tage x 0,30 € = 6000 €

Auch berücksichtigen muß man, daß einer der Beispiel-Photographen 140 Tage mehr arbeiten war als der andere und 1000 statt 60 Termine fotografiert hat, was dazu führt, daß seine Ausrüstung mehr leidet und er weniger Zeit hat um z.B. freie Arbeiten zu machen, die sich ja wiederum verkaufen ließen:

Im oberen Beispiel kommen beide Photographen auf

24.000 Euro

Abzüglich der oben genannten Fixkosten und der Fahrtkosten bleiben dem einen dann 1125,- Euro im Monat und dem der 140 Tage weniger gearbeitet hat bleiben 1625 Euro im Monat.

Wenn jetzt beide Photographen zwei Tage pro Monat mehr arbeiten, dann hat der eine 1305,-  und der andere 2425,- Euro. Wobei es für den einen viel wahrscheinlicher ist, daß er einen zusätzlichen Job annehmen kann, weil er ja nur an 60 statt 200 Tagen ausgebucht ist. Wer 60 Geschichten mit Muße fotografiert und nebenbei noch eigene Geschichten machen kann, der wird am Ende sicher mit besseren Bildern dastehen als jemand der Tag ein Tag aus von einem Termin zum anderen hetzt; so gesehen hat der Photograph da noch den Vorteil, daß er ein wesentlich besseres Portfolio entwickelt und damit einen weiteren Vorteil erwirbt, wenn es um andere oder bessere Jobs geht.

Nach dem Kassensturz ist der Job unseres Beispiel-Photographen der für 20 Euro auf Anstrichbasis arbeitet also alles andere als ein Hauptgewinn. Und um ehrlich zu ein fehlen in dieser Rechnung der Einfachheit halber einige Posten (wie Strom, Kameraversicherung etc.) und sechs Bilder pro Tag im Blatt zu haben ist auch schon eine stolze Leistung. Einfach mal die örtliche Lokalzeitung zu Hand nehmen und schauen wieviele Bilder die Fotografen da so pro Tag im Blatt haben.

Photographie ist ein teueres Hobby und die Honorare der Berufsfotografen erscheinen (vergleichen mit den Stundenlöhnen von Arbeitern und Angestellten) als leicht verdientes Geld und so liegt der Gedanke nahe sich mit dem teuren Hobby einen Teil der Kosten zu refinanzieren und sich so mehr leisten zu können. Solange das keine Schwarzarbeit ist, sei das auch jedem gegönnt. Wer aber für 100 Euro pro Auftrag Hochzeiten fotografiert kann, wenn er Pech hat feststellen, daß er sich nach 2 Jahren mit je einer Hochzeit pro Monat nicht mehr erarbeitet hat als die Kamera die er dabei verschlissen oder fallen gelassen hat. Wenn er diesen Text verstanden hat wird er einsehen müssen, daß er obendrein noch die Fahrtkosten und alle anderen Unkosten draufgelegt hat.