Fast eine Contax G2… (Updated)

25 08 2009

Die Olympus E-P1 ist nichts wirklich neues. Die Sucherkamera mit Wechselobjektiven erwacht nur aus ihrem Dornröschenschlaf. So wie eine EOS 1Ds III auf der reinen fotografischen Seite (wenn man sich das Aufnahmemedium wegdenkt) nicht wirklich wesentlich weiter ist als eine EOS 1V, so waren/sind auch die Contax G2, Konica Hexar RF, diverse Voigtländer und die Leica M6 & M7 vollentwickelte Kamerasysteme, die leider in den meisten Fällen ihre digitalen Geschwister nicht mehr erlebt haben (Contax und Konica), noch auf deren Geburt warten (Voigtländer, wenn man von der Epson R-D1 absieht) oder unter deren Kinderkrankheiten (Leica M8) leiden. Und so ist der Anspruch die Olympus E-P1 als legitimen Erben der PEN-Serie zu sehen mehr als nur ein Marketing-Gag.

E-P1_silver_17mm_VF-1_side_to_left_rdax_483x349Natürlich wäre ein Vollformatchip besser, natürlich wären mehr Objektive und weitwinkligere Festbrennweiten besser und wenn die Dinger lichtstärker wären als 2,8 bzw. 3,5-5,6 wäre das natürlich auch besser, natürlich wäre ein eingebauter Sucher, der sich verschiedenen Objektiven anpaßt besser, natürlich wären dann auch noch sowas wie eine Lichtwaage im Sucher schöner als nur ein Aufstecksucher und ein Meßsucher  oder eigenständiger AF wäre viel besser als der Live-View-AF. Eigentlich sähe so eine Kamera im „fast Idealfall“ so aus wie die Contax G2, im Idealfall wäre es eine Leica M9 ohne die Kinderkrankheiten der M8 und mit dem Chip einer Canon 5DII im Bauch. Der Wunsch nach so einer Kamera ist umso frustrierender als es alles was ein Hersteller dazu bräuchte längst gibt und man die einzelnen Komponenten nur zusammenpacken müßte!

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Entscheidend ist aber weniger was eine Kamera noch alles haben könnte. Entscheidend ist was hinten rauskommt und da muß sich die Olympus E-P1 wirklich nicht verstecken, ganz besonders, wenn man sich ansieht, was die Kamera bei hohen Empfindlichkeiten an Bildqualität liefert und wenn man das mit den Bildern aus anderen ähnlich kompakten Kameras vergleicht (oder wenn man noch weiß wie ein 800er oder1600er Farbfilm aussieht).

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100% Ausschnitte – werden durch anklicken größer

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Und auch sonst kann die E-P1 in vielen Punkten überzeugen. Das beginnt schon bei der Ankündigung Olympus‘, daß da noch mehr kommen wird  - Voigtländer hat sein mittlerweile sehr umfangreiches Objektiv- und Kamerasortiment auf Leica M-Bajonettbasis ja auch mit einem sehr einfachen Body mit Aufstecksucher begonnen. Der Umstand, daß man sich bei Olympus auf die Tugenden der Sucherkamera besonnen hat, statt wie Panasonic den Micro Four Thirds Standard (MFT) zu nutzen, um irgendwas zwischen DSLR und Superzoom-Bridgekamera zu bauen ist schonmal toll! Und das auch bei den Objektiven halbwegs konsequent beizubehalten ist auch erfrischend, das 14-42er Zoom ist nicht gerade klein, läßt sich bei Nichtbenutzung aber zusammenschieben. Denn was nützt mir das geringere Auflagemaß von MFT, wenn man nicht mehr daraus macht als eine kleinere aber ebenso sperrige Kamera im Design einer SLR, mit Zoomobjektiven die größer und dabei lichtschwächer sind als z.B. ein Canon EF 1,8 28er? Welchen Sinn macht es, Kameras mit größeren Chips und damit besserem Rauschverhalten zu bauen, wenn man diesen Empflindlichkeitsvorteil durch dunkles Glas wieder verliert. Man muß den Leuten bei Olympus schon fast einen Orden verleihen, weil sie sich getraut haben neben dem Standardzoom eine Festbrennweite anzubieten statt irgendein mittelmäßiges, lichtschwaches Monster-Telezoom. Auch wenn ich statt dem 17er Pancake  (umgerechnet 2,8 35mm) lieber ein 24er und ein 50er hätte (mit den Brennweiten dazwischen kann ich irgendwie nicht wirklich was anfangen), die beide lichtstärker sein könnten, schön gefunden hätte (dafür ist aber die Scharfstellgrenze der beiden Olympus Objektive mit 20 und 25cm klasse), so war die E-P1 doch das Signal zu Auszug meiner Lumix LX-3, 24mm und Blende 2,0 hin oder her, das Rauschverhalten ist einfach um Klassen besser.

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Die LX-3, als Kompaktkamera, verliert auch, weil die E-P1 einfach besser zu bedienen ist. Allein schon, weil sie größer ist, mehr wiegt und getrennte Bedienelemente für Zeit und Blende hat. Auch die manuelle Fokussierung ist toll gelöst, mit einem Fokussierring am Objektiv; und auch gezoomt wird mit einem Ring am Objektiv. Das ist intuitiver und spart auch noch Strom. Strom spart auch das fehlende Blitzgerät, da eingebaute Blitzgeräte in den meisten Fällen nicht mehr als ein Placebo sind oder nur dazu taugen anderen rote Augen zu machen, kann ich da gerne verzichten, ein Blitzschuh bietet viel mehr Möglichkeiten.

Ein weiterer großer Pluspunkt der E-P1 ist, daß der Monitor wirklich abgeschaltet werden kann, wenn man nur den Aufstecksucher benutzen will und er nicht wie z.B. bei der LX-3 benutzt wird um die Leuchtdioden zu simulieren, die früher neben dem Sucher einfacher Kompaktkameras waren und dabei das Gesicht des Fotografen beleuchten, mal abgesehen davon, daß auch das Strom kostet. Toll wäre es dann freilich noch, wenn man es dem Hauptschalter der E-P1 austreiben könnte grün zu leuchten und die Kamera schwarz wäre.

Die E-P1 ist eine tolle Kamera und die eingangs angesprochenen Punkte sind weniger Kritik als Hoffnung auf Dinge die hoffentlich noch kommen werden. Die Kritikpunkte am Anfang messen die E-P1 an dem, was ich mir wünschen würde. Mißt man die E-P1 jedoch an dem was der Markt sonst an Kameras beitet, dann ist sie ziemlich einzigartig, außer der Leica M8 (und einer vergriffenen Epson auf Cosina/Voigtländer-Basis) ist da derzeit keine realexistierende Konkurrenz in Sicht. Und obendrein ist die Olympus im Vergleich zur Leica schlicht spottbillig.

Die E-P1 dürfte, eben auch wegen des Preises, derzeit die einzige Kamera sein, die das Potential hat eine Renaissance der hochwertigen Sucherkameras mit exzellenter Bildqualität auszulösen, statt auf Megapixel und XX-fach Zoom zu setzen. Denn das Rauschen unzähliger Kompaktkameras ist zum Glück so massiv, daß es auch dem Normal-User auffällt, daß seine Bilder verrauscht oder verwackelt sind, wo die E-P1 bei 800ASA, selbst wenn man JPGs direkt aus der Kamera benutzt, noch völlig unproblematisch ist.

Womit wir mit dem Stichwort „JPG“ beim einzigen wirklichen Ärgernis im Zusammenhang mit der E-P1 sind: Nicht nur, daß Olympus die RAW-Konverter Software nur als Testversion beilegt, für die Vollversion zusätzliche 100 Euro fällig sind und die Software als solche einfach bescheiden zu bedienen ist. Da man bei der E-P1 den Weg gewählt hat die Verzeichnung der Objektive elektronisch zu korrigieren, dürfte Apples Aperture die RAW-Daten der E-P1 erstmal nicht verstehen, da Aperture Verzeichnungskorrektur derzeit nicht kann (das ist auch der Grund warum Aperture Raw-Daten aus der LX-3 nicht versteht, die ja nun schon fast ein Jahr auf dem Markt ist). Also heißt es erstmal abwarten, ob Apple da nacharbeitet, Adobe einen aktuellen DNG Converter anbieten wird oder ob man zu einer Lösung vom Dritthersteller greift.

Alles in Allem kann man nur hoffen, daßdie E-P1 ein Erfolg wird und die anderen Hersteller nachziehen.

Update:

Die E-P1 hat mich dann doch leider wieder verlassen müssen. Der AF war einfach zu lahm und zu ungenau, besonders, weil man im Aufstecksucher raten mußte, wo die Kamera denn überhaupt hinfokussiert und weil auch nicht so ganz klar wird, was im grünen Viereck des AF jetzt das ist, auf das die Kamera scharf stellt. Dass die Kamera dann noch RAW-Daten produziert die Aperture nicht versteht und die mitgelieferte RAW-Software (die nach 30 Tagen Testen nochmal 100 Euro kosten sollte) völlig unbrauchbar ist, war auch nichts was so richtig für die Kamera sprach. Und so richtigen Spaß hat auch nur die Festbrennweite gemacht und davon gibt es nur eine und die ist mit 2,8 auch nicht so super lichtstark. Und was hilft es schon Leica oder Voigtländer Objektive ohne AF zu daptieren und dann mit dem Display zurueiern. Also hat am Ende die Meßsuchersehnsucht über alle Horrorgeschichten über IR-Filter und was nicht noch alles gesiegt und ich bin sehr glücklich damit.

e-p1_katze001Das Katzenbild wird durch klicken größer.

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Der Spiegel und die Spiegelreflex

4 07 2009

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Es ist ja nicht das erste mal, daß ich Artikel bei Spiegel Online zum Thema Photographie enttäuschen finde. Vielleicht ist es keine wirklich gute Idee gewesen, daß man bei Spiegel-Online Phototechnik in die Sparte „Netzwelt“ gepackt hat. Scheinbar hat man da völlig ausgeblendet, daß Photographie schon lange vor der Digitalkamera angefangen hat.

Natürlich ist eine Sucherkamera, die nichtmal einen fest eingebauten Sucher hat, sondern Aufstecksucher nutzt (und sowas ist erstmal nur für eines der angebotenen Objektive erhältlich) wie die Olympus E-P1 (ja, der Rest der Welt schreibt die Bezeichnung der Kamera anders als Spiegel-Online) keine Spiegelflexkamera ohne Spiegel, sondern eher eine Sucherkamera ohne Sucher. Aber das Prinzip Sucherkamera scheint dem Autor des Artikels eher Fremd zu sein. Spiegelreflexsucher o Muerte! oder garnichts:

„Dass der EP-1 der optische Sucher fehlt, liegt bei einer Kamera ohne Spiegel-Apparat in der Natur der Sache – wer das Gehäuse schrumpft, muss ja etwas weglassen.“

Und natürlich gab es schon vor langer Zeit ein noch kleineres Kamerasystem mit Wechselobjektiven und das war sogar eine richtige Spiegelreflex; die Pentax 110.

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Und man kann auch davon ausgehen, daß man sich bei Olympus nicht weil man in der Marketingsabteilung ein Problem mit dieser Kamera hat zum Werbeslogan „Not a compact. Not an SLR. It’s a PEN.“ gegriffen hat, sondern schlicht weil Olympus PEN mal eine Familie von Halbformatkameras (72 Bilder auf einen Film, Negative halb so groß wie KB auf normalem KB Film) war und die E-P1 einen Sensor in der Negativgröße der PEN Kameras hat. Und auch die PEN F hatte schon Wechselobjektive.

Also ist auch die Frage, warum sowas nie einer gebaut hat fragwürdig, denn all die Fotografen die sich sowas gewünscht haben (und ich bin ja einer davon) wollten wieder sowas haben. Denn bevor die Kameras digital wurden gab es es hauptsächlich und wenn man nicht gerade James Bond und damit Minoxnutzer war Kompaktkameras mit großen Bildsensoren, die Olympus PEN war da sogar eher eine Ausnahme, weil sie nur 50% der Negativfläche der anderen Kleinbildfilm (die Negative im Standardformat 24×36mm belichteten) nutzenden Kompaktkameras hatte. Bei einer Kamera wie der E-P1 geht es also weniger um Innovation, als um die Rückkehr vom Irrweg der kleinen, billigeren Chips in kompakten Digitalkameras.

Aber weiter im Spiegelartikel: Man muß sich schon entscheiden, ob die E-P1 jetzt kompakter als eine Mirco Four Thirds Kamera ist oder es sich bei der E-P1 um eine Micro Four Thirds Kamera handelt.

„Aber im Vergleich zu einer Spiegelreflexkamera oder auch einer Micro Four Thirds wie der Lumix G1 wirkt die EP-1 angenehmen leicht und klein. (…) Und da zeigt sich sehr deutlich der Vorteil des Kamerasystems Micro Four Thirds, nach dem die EP-1 gebaut ist.“

Ein Vergleichstest zur Bildqualität macht bei einer Kamera wie der E-P1 natürlich Sinn, denn die Bildqualität ist ja der Grund diese Kamera so anders zu konstruieren als z.B. eine Canon G10 oder Panasonic Lumix LX-3:

„anspruchsvolle Kompaktknipsen wie die Canon G10 (siehe Fotostrecke oben) ersetzt die EP-1 locker.“

Dummerweise präsentiert Spiegel Online in der genannten Bildstrecke mitnichten einen Vergleich zwischen der E-P1 und der G10 sondern einen zwischen Canon G10 oder Panasonic Lumix LX-3. Da kann man sich der Leser dann natürlich nicht wirklich ein Bild von der Leistung der E-P1 machen.

Wer sich wirklich über die E-P1 und andere Kameras informieren will, der ist bei dpreview.com besser aufgeboben.





Der Geruch von Entwickler und Fixierer

25 05 2009

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Als ich das erste Mal was über Silver Efex Pro von Nik Software gelesen habe, habe ich das spontan für eine ziemlich überflüssige Geschichte und Geldschneiderei gehalten und mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht. Immerhin gibt es jede Menge Möglichkeiten aus einer RGB-Datei ein SW-Bild zu machen. Diese Meinung hab ich dann beibehalten bis mir Roland neulich ein paar Bilder geschickt hat, die er damit bearbeitet hatte. 

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Nach einem kurzen Test hab ich dann sehr schnell und sehr bereitwillig das Geld in die Hand genommen. Und mittlerweile hab ich sogar das Gefühl, daß die mit Silver Efex Pro bearbeiteten Dateien nach Entwickler und Fixierer stinken! Die wirkliche Freude kommt aber weniger von der Nase als von den Augen. Denn Silver Efex Pro kann mehr als nur die  Farbe aus dem Bild zu nehmen und es kann auch mehr als das was man in Photoshop per Farbmixer hinbekommt. Und selbst wenn man in Photoshop versuchen würde irgendwelche Störungen in das Bild reinzurechnen irgendwie dasFilmkorn zu simulieren, man kommt nicht an das ran, was Silver Efex Pro kann!

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Silver Efex Pro erzeugt „echtes“ Filmkorn und nicht nur ein Filmkorn, sondern das Korn der gängigsten Filme. Und da Silver Efex Pro nicht nur weiß wie das Korn eines Tri-X pan 400, eines Ilford Delta 100 oder eines Kodak P3200 TMAX Pro asuzusehen hat, sondern auch weiß wie die jeweiligen Filme hinsichtlich Kontrast und so weiter aussehen, kommt das Programm echten Filmen so nah wie es derzeit wohl nur geht.

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Und damit kommt man dann zu wirklichen Schwarzweißbildern, die sicher einiges von der Auflsöung einer modernen DSLR verlieren, was ihrer Wirkung aber keinen Abbruch tut. Mir jedenfalls macht SW seit Nik Efex Pro wieder richtig Spaß! Denn der Spaß hatte in den letzten Jahren ein wenig gelitten, weil ich zuwenig Zeit hatte, um soviel SW zu machen, daß es sich wirklich lohnt.

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Denn SW wird zur Hölle, wenn man kein permanent laufendes Labor hat. Klingt vielleicht doof, aber jeden Tag 2 Filme zu entwickeln ist weniger stressig als alle 2 Wochen einen Film zu entwickeln. Es gibt einfach Sachen die machen keinen Spaß, wenn man sie nicht ständig macht, weil man jedesmal aus der Übung ist und von neuem anfängt. Mal ganz abgesehen davon, daß man heute nicht mehr so einfach mal einen SW-Film in die Kamera steckt, wie das früher mal ging.

Mit Silver Efex findet SW wieder im normalen Workflow (irgendwann finde ich dafür auch mal ein deutsches Wort) statt, man braucht keine zusätzlichen Kameras, kein Labor, keinen Scanner (der auch nicht wirklich Spaß macht, weil die Staub- und Kratzerentfernung mit dem Silber im Film nicht klarkommt) und vor allem ist SW nicht mehr wesentlich langsamer als digitales Buntes.

 

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It was all decided by market research.

15 03 2009

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Die Zeit wäre reif für die Wiederauferstehung der Meßsucherkameras, aber gerade die Kamera die die Königin dieser Disziplin sein sollte hat mit fiesen Kinderkrankheiten zu kämpfen, hätte man der M8 einfach das Herz einer Canon EOS 5D eingepflanzt (Leica hat ja auch den Tri-X zur M6 nicht selbst gemacht) und auf Schick-Schnack wie einen Selbstaulöser der sich selbst einschaltet und Knöpfe die sich selbst drücken verzichtet, dann würden hier schon zwei Stück ihren Dienst versehen. Und wenn man dann noch so mutig gewesen wäre, den mechanischen Aufzugshebel beizubehalten (wie bei der Epson R1D, von der gerade ein neues Modell in Japan erschienen ist). Ach was wäre das toll!

Die traurige Realität kann man in einem Field Report von Michael Kamber lesen. Und würde man das bei Leica lesen und diese Punkte beheben, dann würde die M8 zu einer richtig guten Kamera. Hoffentlich macht man das bevor man das Ding schlangenbeledert und vergoldet.

Dass es scheinbar einen Markt zwischen den digitalen Spiegelreflexkameras und Kompaktkameras – mit ihren kleinen, rauschenden Chips und bescheidenen Objektiven – gibt, haben andere längst erkannt und als erste Kamera kam vor einiger Zeit die Lumix G1 von Panasonic auf den Markt und schon da habe ich mir gedacht: Warum so und nicht richtig?

lumix_g1Wer entscheidet bei den Herstellern darüber wie eine Kamera aussieht und was sie kann? Die Lumix gibt es in rot, blau und schwarz, sie ist kompakt, weil sie keinen Spiegelkaste, Spiegel oder Prismensucher hat. Und sie hat einen halbwegs großen Sensor. Aber warum sieht das Ding dann eher aus wie eine kleine Spiegelreflex statt einer Leica M8 zu ähneln? 

Und nun kommt die Samsung NX und die sieht genauso aus wie eine Spiegelreflex für Kinder.

samsung

So toll ich es auch finde, daß man endlich Kameras mit größeren Sensoren auch unterhalb einer DSLRs baut, so richtige Freude kommt da nicht auf. Das fängt schon mit den elektronischen Suchern an. Warum keinen optischen Sucher? Das geht auch an Kameras mit AF und Zoomobjektiven, Contax hat das im G-System vorgemacht (Telebrennweiten über 100 mm scheiden dann aus, aber die werden eh überschätzt). 

Warum sehen diese Kameras so aus wie sie aussehen? Marktforschung.

In einem Interview mit Samsung Managern bei dpreview.com sagen die ganz klar, daß die SLR-Form ein Ergebnis der Marktforschung ist und sich Meßsucherformen nicht durchsetzen konnten. Was nichts anderes heißt, als daß sich die Hersteller nicht trauen, das Beste zu bauen, was sie können und was technisch geht, sondern, daß man das baut, was sich hoffentlich ganz gut verkauft.

Heißt das, daß man den Kunden ernst nimmt oder heißt das, daß man dem Kunden nicht mal zutraut zu lernen mit dem besten machbaren Gerät umzugehen und daran zu wachsen? Mir gefällt der Gedanke, daß man das baut, was mehrheitsfähig ist nicht, denn das endet schnell im Mittelmaß, das es allen recht machen will und doch zu nichts so richtig taugt.

Das Gegenteil ist dann die Leica M8, bei der man in manchen Bereichen das Rad neu erfinden mußte und in der Folge eine Sensoreinheit verbaut hat die nicht immer zum Fotografieren taugt, dafür aber genaue Auskunft über im Bild enthaltene Kunstfaserbekleidung zuläßt.

Aber kein Grund die Hoffnung aufzugeben, es gibt soviele tolle Meßsucher-Objektive von Leica, Voigtländer und Co. irgendwann wird da jemand eine vernünftige Meßsucherkamera bauen müssen und vielleicht kommen die dann auch zu wirtschaftlichen Stückzahlen, weil die Kinder-SLRs genug Leuten gelehrt haben, daß gute Wechselobjektive besser sind als ein festangeschraubtes 25x Zoom, daß Festbrennweiten nicht weh tun, aber daß es da doch was besseres als einen elektronischen Sucher geben muß.





Taschen kaufen 2.0 – cambags.com

22 12 2008

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Früher gab es einen einfachen Rat, wenn man eine Fototasche kaufen wollte: Einfach alles was man da reinpacken wollte mit ins Geschäft nehmen und da ausprobieren, welche Tasche die richtige ist.

Dieser Tip hatte schon damals einen Haken. Man kann nur ausprobieren, was der jeweilige Händler gerade so da hat. Und da Fotohändler (von Elektronikmärkten will ich garnicht reden) heute eher weniger als mehr Ware im Geschäft vorrätig haben und vor allem auch die Breite des Angebots abgenommen hat, ist das heute kein wirklich guter Rat mehr.  Man muß sich immer die Frage stellen, ob das was der Händler einem für das eigene Transportproblem empfiehlt nun wirklich „die beste Lösung“ ist oder es es doch nur „die beste Lösung unter den Lösungen die er gerade mal da hat, aber auch gerne verkaufen würde“ ist. 

Dazu kommt, daß heute viele Internetshops deutlich besser sortiert sind als jeder Fotohändler vor Ort und man praktisch jede Fototasche oder jeden Rucksack der Welt bekommen kann, wenn man sie/ihn haben will. Und das meist noch günstiger als im Laden.

Doch ausprobieren geht da nicht und selbst die Möglichkeit sich 20 Taschen zur Ansicht zu bestellen und alles was nichts taugt zurückzuschicken ist nicht wirklich praktisch. Viele Internetshops beschränken sich dummerweise darauf die Tasche nur von außen zu zeigen und selbst auf den Herstellerseiten ist es oft schwer einen Eindruck davon zu bekommen, was in die Tasche XY passen könnte. Bilder vom Innenleben der Taschen sind Mangelware, solche mit Kameras drin echte Raritäten. Zumal Taschen im wirklichen Leben ganz anders gepackt werden als der Hersteller sich das gedacht hat und mir da jetzt eigentlich nur Think Tank einfällt, wenn es darum geht wirklich benutzte Taschen auf einer Herstellerseite zu sehen.

Und genau für oder gegen dieses Dilemma gibt es:

http://www.cambags.com/


Update: Wieder was gelernt (siehe Kommentare), es gibt mehr als eine solche Seite auf der man sowas findet. Die hier ist sogar aus Deutschland und hat damit natürlich auch eher Taschen zu bieten die es hier zu kaufen gibt:

http://www.taschenfreak.de

Und für beide Seiten gilt, je mehr Leute mitmachen, umso informativer und wertvoller werden die Seiten!

 

Eine tolle Seite wo Fotografen Bilder ihrer gepackten Taschen/Rucksäcke ins Netz stellen und man sich anschauen kann wie denn die Tasche XY aussieht, wenn erstmal eine EOS 1D mit einem 16-25er, 24-70er und 70-200er drin Platz genommen hat. Und das ist, selbst wenn das nicht genau die eigene Ausrüstung ist, viel informativer als eines dieser „2 Kameras, 8 Objektive, ein Blitz und ein Notebook“ Piktogramme von einer Herstellerseite. 

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Denn solche Angaben sind spätstens dann sinnlos, wenn man ein 2,8 24-70er und 70-200er in Fächer stecken will in die vielleicht irgendwann in den 70ern mal die lichtschwachen Urahnen dieser Optiken ohne AF gepaßt haben die auch beide 55er statt 77er Filterdurchmesser benutzt haben. Und ein 1,4 24er ist auch was anderes als ein 2,8 24er. Wer dann noch die Gegenlichtblenden seiner Objektive benutzen will und keine Lust hat die in einer separaten Tasche mitzuführen, der wird sicher schon gemerkt haben, daß ein EF 2,8 24-70 L selbst mit verkehrt herum aufgesetzter Blende deutlich mehr Platz braucht als ohne (denn dann ist man eher bei einem Durchmesser von 90mm als beim Filterdurchmesser von 77mm); und spätstens damit ist dann die vom Hersteller angegebene Kapazität einer Tasche hinfällig. Wenn man richtig Pech hat kann man nichtmal mehr was mit den mitgelieferten Teilern anfangen.

Und selbst da wo letzte Woche noch ein Canon EF 2,8 70-200 IS L mit 19,3 cm Länge ganz locker unterkam, kann schon heute die Tasche nicht mehr zugehen, weil das neue Nikon 2,8 70-200 VR zwar schlanker aussieht aber mit 21,5 cm auch deutlich länger ist. Und was ist, wenn ich in die „2 Gehäuse und 8 Objektive“-Tasche aber lieber 3 Gehäuse und 5 Objektive packen will? Und passen in die “2 Gehäuse und 8 Objektive“-Tasche die Sachen auch rein, wenn ich die Objektive an den Kameras lassen will? 

Genau betrachtet ist cambags.com sogar besser als das eigene Zeug in den Laden zu schleppen und Taschen auszuprobieren, weil man sogar schon sehen kann, ob denn das Objektiv auf das man noch ein Jahr sparen muß reinpassen wird.





Von Grubenlampen und Blitzgeräten

21 12 2008

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Die wenigsten Menschen laufen ihr Leben lang mit einer Grubenlampe auf dem Kopf durch’s Leben, die sie einschalten sobald es dunkel wird. Viele Photographen machen genau das und wundern sich dann, wenn ihre Bilder aussehen wie „unter Tage gemacht“.  Denn ein Blitzgerät auf der Kamera ist nicht viel anders als eine Grubenlampe und das so erzeugte Licht widerspricht massiv unseren sonstigen Sehgewohnheiten, es sei denn man ist Bergmann. In der Folge blitzen viele Photographen „lieber nicht so gerne“, „nur wenn’s garnicht anders geht“ usw. Eine Technik die man nur als Notnagel beherrscht wird aber immer zu schlechteren Ergebnissen führen als etwas das man wirklich beherrscht. Also entweder läßt man das Blitzen sein oder man lernt und betreibt es konsequent. 

Zuerst muß man sich vergegenwärtigen, welche Probleme ein auf der Kamera befestigter Blitz mit sich bringt. Es ist nicht nur die Grubenlampen-Problematik, die natürlich noch um so mehr ins Gewicht fällt wenn man sich ganz auf den Blitz stützt statt die Umgebungshelligkeit mitzunehmen (aber das wäre der schlimmste Fall von dem wir besser nicht ausgehen). Zusätzlich trifft der Blitz auch alle Objekte die zwischen Kamera und dem eigentlichen Motiv sind. Nahe Objekte werden entweder überbelichtet oder führen zur Unterbelichtung des Hauptmotives, wenn sie korrekt belichtet werden, Objekte im Hintergrund bekommen bei korrekter Belichtung des Hauptmotives zu wenig Licht ab, somit werden räumliche Staffelungen nahezu unmöglich. Arbeitet man dagegen mit Licht von der Seite oder mit mehreren ebenfalls gestaffelten oder auf unterschiedliche Leistungsstufen gestellten Lichtern von der Seite, dann kann man auch mit räumlichen Staffelungen arbeiten.

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Da der Blitz auf der Kamera annähernd in der Achse des Objektivs ist kommt es zu Reflektionen und Schattenwurf. An Bilder durch Glasscheiben hindurch (wie dem Portrait im Auto) ist garnicht zu denken.

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Und auch indirekt zu blitzen ist keine wirkliche Patent-Lösung, denn das Licht kommt immernoch aus der Richtung des Photographen und es findet sich auch nicht überall eine Fläche die man benutzen kann um „über Bande“ zu blitzen, außerdem darf diese Fläche dann nicht im Bild sein, weil sie dafür zuviel Licht abbekommt.  Und außerdem muß man dann eine bestimmte Position zur Reflektionsfläche einhalten und kann die Kamera z.B. auch nicht einfach ins Hochformat drehen.
Das führt zum für mich größten Hindernis beim Blitzen mit dem Blitz auf der Kamera: Bei jeder Änderung des Bildausschnitts oder der Distanz zum Motiv ändert man automatisch auch die Leuchtrichtung des Blitzes und damit die Lichtstimmung. 

Wenn man sich dieser Probleme bewußt ist, kann die Konsequenz eigentlich nur darin bestehen, die Benutzung von Blitzgeräten auf der Kamera zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Das ist heute alles keine große Sache, weil bei praktisch allen Herstellern mindestens ein TTL-Kabel im Programm ist, wenn es nicht sogar Systeme gibt bei denen das Blitzgerät in der Kamera, ein System-Blitzgerät auf der Kamera oder ein spezieller Transmitter ferngesteuerte Blitze auslösen können. Das löst schon viele Probleme (bei dem Baustellenbild oben ist das Blitzgerät z.B. einfach am ausgestreckten rechten Arm gehalten). Wenn man ein Blitzgerät benutzt um andere Blitzgeräte (besonders TTL) zu steuern, dann sollte man aber unbedingt darauf achten, daß das Blitzgerät nichts anderes macht als die anderen Blitzgeräte zu steuern. Läßt man das Blitzgerät auf der Kamera mitblitzen hat man wieder das Grubenlampenproblem.

Ein weitere Vorteil von entkoppelten Blitzgeräten ist, daß man Lichtformer benutzen kann die auf der Kamera kaum Platz finden würden, denn ein Reflexschirm mit 40cm Durchmesser ist nichts was der Blitzschuh einer Kamera tragen kann. Und es macht schon einen Unterschied ob die Lichtquelle die Größe einer Zigarettenschachtel oder eben eines Reflexschirms hat. Und auch der Einsatz von deutlich gerichtetem Licht geht viel besser, wenn das nicht von einer wackligen Kamera kommt und sich bei jeder Bewegung des Photographen ein neues Ziel sucht.

Noch wichtiger als die Frage wie und womit man blitzt ist jedoch die Frage, warum und wann man überhaupt blitzen sollte. 

Wer nicht über eine Studioblitzanlage verfügt, wird kaum die Nacht zum Tag machen können, schon garnicht unterwegs. Mit zwei, drei, vielen Kompaktblitzgeräten kann man aber sehr schön den Tag zur Nacht machen und vor allem Anderen: Kontraste steuern. In den wenigsten Fällen wird man als Photograph die Möglichkeit haben das vorhandene Tageslicht zu verändern. Das Verhältnis zwischen Tages- und Blitzlicht ist dagegen durchaus regelbar und wenn man zur Unterbelichtung über die Belichtungszeit greifen kann, dann hat man plötzlich sogar das Tageslicht unter Kontrolle und kann einen rotbraunen Fußboden verschwinden lassen, wie oben beim Bild der Sozialarbeiterin mit der Jugendgruppe, oder man kann einen Raum komplett ausblenden, wenn es z.B. terminlich nicht anders geht als jemanden tagsüber in seinem Büro zu photographieren, es bei der Geschichte aber darum geht, daß der Portraitierte eine Website betreibt die nichts mit seinem Beruf oder Büro zu tun hat. Geblitzte Bilder können durchaus viel dunkler sein als es ein korrekt (was immer das heißt) belichtetes available light Bild wäre!
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Auf der anderen Seite kann man Blitzlicht aber auch benutzen, um eine korrekte Belichtung des Umfeldes zu erreichen (um z.B. Zeichnung im Himmel zu erhalten)  und gleichzeitig das (z.B. im Schatten liegende) Hauptmotiv aufzuhellen, wie beim z.B. beim Baustellenbild oben sowohl in der Baugrube als auch beim Bagger außerhalb Zeichnung zu haben. Im Gegensatz zum Aufhellblitzen mit dem Blitz auf der Kamera erhält man so aber eine wesentlich stimmigere Lichtstimmung, weil sich der Betrachter nicht daran stört, daß eine der Lichtquellen aus seiner Blickrichtung kommt, das besonders, wenn man mehr als ein Blitzgerät benutzt.

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Auch der Umstand, daß der entfesselte Aufhellblitz von der Seite Objekte im Vordergrund nicht ausfressen läßt führt beim Aufhellen zu wesentlich natürlicheren Bildern.

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Ein weiterer Vorteil von seitlichem Licht liegt darin, daß bei gestaffelten Motiven die Schatten nicht in das Motiv sondern seitlich aus dem Motiv rausfallen, und so z.B. bei diesem Bild die Schatten der vorne stehenden nicht auf die hinten stehenden fallen. Bei Licht von beiden Seiten minimiert man Schatten zusätzlich.

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