Die Olympus E-P1 ist nichts wirklich neues. Die Sucherkamera mit Wechselobjektiven erwacht nur aus ihrem Dornröschenschlaf. So wie eine EOS 1Ds III auf der reinen fotografischen Seite (wenn man sich das Aufnahmemedium wegdenkt) nicht wirklich wesentlich weiter ist als eine EOS 1V, so waren/sind auch die Contax G2, Konica Hexar RF, diverse Voigtländer und die Leica M6 & M7 vollentwickelte Kamerasysteme, die leider in den meisten Fällen ihre digitalen Geschwister nicht mehr erlebt haben (Contax und Konica), noch auf deren Geburt warten (Voigtländer, wenn man von der Epson R-D1 absieht) oder unter deren Kinderkrankheiten (Leica M8) leiden. Und so ist der Anspruch die Olympus E-P1 als legitimen Erben der PEN-Serie zu sehen mehr als nur ein Marketing-Gag.
Natürlich wäre ein Vollformatchip besser, natürlich wären mehr Objektive und weitwinkligere Festbrennweiten besser und wenn die Dinger lichtstärker wären als 2,8 bzw. 3,5-5,6 wäre das natürlich auch besser, natürlich wäre ein eingebauter Sucher, der sich verschiedenen Objektiven anpaßt besser, natürlich wären dann auch noch sowas wie eine Lichtwaage im Sucher schöner als nur ein Aufstecksucher und ein Meßsucher oder eigenständiger AF wäre viel besser als der Live-View-AF. Eigentlich sähe so eine Kamera im „fast Idealfall“ so aus wie die Contax G2, im Idealfall wäre es eine Leica M9 ohne die Kinderkrankheiten der M8 und mit dem Chip einer Canon 5DII im Bauch. Der Wunsch nach so einer Kamera ist umso frustrierender als es alles was ein Hersteller dazu bräuchte längst gibt und man die einzelnen Komponenten nur zusammenpacken müßte!

Entscheidend ist aber weniger was eine Kamera noch alles haben könnte. Entscheidend ist was hinten rauskommt und da muß sich die Olympus E-P1 wirklich nicht verstecken, ganz besonders, wenn man sich ansieht, was die Kamera bei hohen Empfindlichkeiten an Bildqualität liefert und wenn man das mit den Bildern aus anderen ähnlich kompakten Kameras vergleicht (oder wenn man noch weiß wie ein 800er oder1600er Farbfilm aussieht).
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Und auch sonst kann die E-P1 in vielen Punkten überzeugen. Das beginnt schon bei der Ankündigung Olympus‘, daß da noch mehr kommen wird - Voigtländer hat sein mittlerweile sehr umfangreiches Objektiv- und Kamerasortiment auf Leica M-Bajonettbasis ja auch mit einem sehr einfachen Body mit Aufstecksucher begonnen. Der Umstand, daß man sich bei Olympus auf die Tugenden der Sucherkamera besonnen hat, statt wie Panasonic den Micro Four Thirds Standard (MFT) zu nutzen, um irgendwas zwischen DSLR und Superzoom-Bridgekamera zu bauen ist schonmal toll! Und das auch bei den Objektiven halbwegs konsequent beizubehalten ist auch erfrischend, das 14-42er Zoom ist nicht gerade klein, läßt sich bei Nichtbenutzung aber zusammenschieben. Denn was nützt mir das geringere Auflagemaß von MFT, wenn man nicht mehr daraus macht als eine kleinere aber ebenso sperrige Kamera im Design einer SLR, mit Zoomobjektiven die größer und dabei lichtschwächer sind als z.B. ein Canon EF 1,8 28er? Welchen Sinn macht es, Kameras mit größeren Chips und damit besserem Rauschverhalten zu bauen, wenn man diesen Empflindlichkeitsvorteil durch dunkles Glas wieder verliert. Man muß den Leuten bei Olympus schon fast einen Orden verleihen, weil sie sich getraut haben neben dem Standardzoom eine Festbrennweite anzubieten statt irgendein mittelmäßiges, lichtschwaches Monster-Telezoom. Auch wenn ich statt dem 17er Pancake (umgerechnet 2,8 35mm) lieber ein 24er und ein 50er hätte (mit den Brennweiten dazwischen kann ich irgendwie nicht wirklich was anfangen), die beide lichtstärker sein könnten, schön gefunden hätte (dafür ist aber die Scharfstellgrenze der beiden Olympus Objektive mit 20 und 25cm klasse), so war die E-P1 doch das Signal zu Auszug meiner Lumix LX-3, 24mm und Blende 2,0 hin oder her, das Rauschverhalten ist einfach um Klassen besser.

Die LX-3, als Kompaktkamera, verliert auch, weil die E-P1 einfach besser zu bedienen ist. Allein schon, weil sie größer ist, mehr wiegt und getrennte Bedienelemente für Zeit und Blende hat. Auch die manuelle Fokussierung ist toll gelöst, mit einem Fokussierring am Objektiv; und auch gezoomt wird mit einem Ring am Objektiv. Das ist intuitiver und spart auch noch Strom. Strom spart auch das fehlende Blitzgerät, da eingebaute Blitzgeräte in den meisten Fällen nicht mehr als ein Placebo sind oder nur dazu taugen anderen rote Augen zu machen, kann ich da gerne verzichten, ein Blitzschuh bietet viel mehr Möglichkeiten.
Ein weiterer großer Pluspunkt der E-P1 ist, daß der Monitor wirklich abgeschaltet werden kann, wenn man nur den Aufstecksucher benutzen will und er nicht wie z.B. bei der LX-3 benutzt wird um die Leuchtdioden zu simulieren, die früher neben dem Sucher einfacher Kompaktkameras waren und dabei das Gesicht des Fotografen beleuchten, mal abgesehen davon, daß auch das Strom kostet. Toll wäre es dann freilich noch, wenn man es dem Hauptschalter der E-P1 austreiben könnte grün zu leuchten und die Kamera schwarz wäre.
Die E-P1 ist eine tolle Kamera und die eingangs angesprochenen Punkte sind weniger Kritik als Hoffnung auf Dinge die hoffentlich noch kommen werden. Die Kritikpunkte am Anfang messen die E-P1 an dem, was ich mir wünschen würde. Mißt man die E-P1 jedoch an dem was der Markt sonst an Kameras beitet, dann ist sie ziemlich einzigartig, außer der Leica M8 (und einer vergriffenen Epson auf Cosina/Voigtländer-Basis) ist da derzeit keine realexistierende Konkurrenz in Sicht. Und obendrein ist die Olympus im Vergleich zur Leica schlicht spottbillig.
Die E-P1 dürfte, eben auch wegen des Preises, derzeit die einzige Kamera sein, die das Potential hat eine Renaissance der hochwertigen Sucherkameras mit exzellenter Bildqualität auszulösen, statt auf Megapixel und XX-fach Zoom zu setzen. Denn das Rauschen unzähliger Kompaktkameras ist zum Glück so massiv, daß es auch dem Normal-User auffällt, daß seine Bilder verrauscht oder verwackelt sind, wo die E-P1 bei 800ASA, selbst wenn man JPGs direkt aus der Kamera benutzt, noch völlig unproblematisch ist.
Womit wir mit dem Stichwort „JPG“ beim einzigen wirklichen Ärgernis im Zusammenhang mit der E-P1 sind: Nicht nur, daß Olympus die RAW-Konverter Software nur als Testversion beilegt, für die Vollversion zusätzliche 100 Euro fällig sind und die Software als solche einfach bescheiden zu bedienen ist. Da man bei der E-P1 den Weg gewählt hat die Verzeichnung der Objektive elektronisch zu korrigieren, dürfte Apples Aperture die RAW-Daten der E-P1 erstmal nicht verstehen, da Aperture Verzeichnungskorrektur derzeit nicht kann (das ist auch der Grund warum Aperture Raw-Daten aus der LX-3 nicht versteht, die ja nun schon fast ein Jahr auf dem Markt ist). Also heißt es erstmal abwarten, ob Apple da nacharbeitet, Adobe einen aktuellen DNG Converter anbieten wird oder ob man zu einer Lösung vom Dritthersteller greift.
Alles in Allem kann man nur hoffen, daßdie E-P1 ein Erfolg wird und die anderen Hersteller nachziehen.
Update:
Die E-P1 hat mich dann doch leider wieder verlassen müssen. Der AF war einfach zu lahm und zu ungenau, besonders, weil man im Aufstecksucher raten mußte, wo die Kamera denn überhaupt hinfokussiert und weil auch nicht so ganz klar wird, was im grünen Viereck des AF jetzt das ist, auf das die Kamera scharf stellt. Dass die Kamera dann noch RAW-Daten produziert die Aperture nicht versteht und die mitgelieferte RAW-Software (die nach 30 Tagen Testen nochmal 100 Euro kosten sollte) völlig unbrauchbar ist, war auch nichts was so richtig für die Kamera sprach. Und so richtigen Spaß hat auch nur die Festbrennweite gemacht und davon gibt es nur eine und die ist mit 2,8 auch nicht so super lichtstark. Und was hilft es schon Leica oder Voigtländer Objektive ohne AF zu daptieren und dann mit dem Display zurueiern. Also hat am Ende die Meßsuchersehnsucht über alle Horrorgeschichten über IR-Filter und was nicht noch alles gesiegt und ich bin sehr glücklich damit.


















Wer entscheidet bei den Herstellern darüber wie eine Kamera aussieht und was sie kann? Die Lumix gibt es in rot, blau und schwarz, sie ist kompakt, weil sie keinen Spiegelkaste, Spiegel oder Prismensucher hat. Und sie hat einen halbwegs großen Sensor. Aber warum sieht das Ding dann eher aus wie eine kleine Spiegelreflex statt einer Leica M8 zu ähneln? 








