Der Spiegel und die Spiegelreflex

4 07 2009

Bild 12

Es ist ja nicht das erste mal, daß ich Artikel bei Spiegel Online zum Thema Photographie enttäuschen finde. Vielleicht ist es keine wirklich gute Idee gewesen, daß man bei Spiegel-Online Phototechnik in die Sparte „Netzwelt“ gepackt hat. Scheinbar hat man da völlig ausgeblendet, daß Photographie schon lange vor der Digitalkamera angefangen hat.

Natürlich ist eine Sucherkamera, die nichtmal einen fest eingebauten Sucher hat, sondern Aufstecksucher nutzt (und sowas ist erstmal nur für eines der angebotenen Objektive erhältlich) wie die Olympus E-P1 (ja, der Rest der Welt schreibt die Bezeichnung der Kamera anders als Spiegel-Online) keine Spiegelflexkamera ohne Spiegel, sondern eher eine Sucherkamera ohne Sucher. Aber das Prinzip Sucherkamera scheint dem Autor des Artikels eher Fremd zu sein. Spiegelreflexsucher o Muerte! oder garnichts:

„Dass der EP-1 der optische Sucher fehlt, liegt bei einer Kamera ohne Spiegel-Apparat in der Natur der Sache – wer das Gehäuse schrumpft, muss ja etwas weglassen.“

Und natürlich gab es schon vor langer Zeit ein noch kleineres Kamerasystem mit Wechselobjektiven und das war sogar eine richtige Spiegelreflex; die Pentax 110.

pentax110

Und man kann auch davon ausgehen, daß man sich bei Olympus nicht weil man in der Marketingsabteilung ein Problem mit dieser Kamera hat zum Werbeslogan „Not a compact. Not an SLR. It’s a PEN.“ gegriffen hat, sondern schlicht weil Olympus PEN mal eine Familie von Halbformatkameras (72 Bilder auf einen Film, Negative halb so groß wie KB auf normalem KB Film) war und die E-P1 einen Sensor in der Negativgröße der PEN Kameras hat. Und auch die PEN F hatte schon Wechselobjektive.

Also ist auch die Frage, warum sowas nie einer gebaut hat fragwürdig, denn all die Fotografen die sich sowas gewünscht haben (und ich bin ja einer davon) wollten wieder sowas haben. Denn bevor die Kameras digital wurden gab es es hauptsächlich und wenn man nicht gerade James Bond und damit Minoxnutzer war Kompaktkameras mit großen Bildsensoren, die Olympus PEN war da sogar eher eine Ausnahme, weil sie nur 50% der Negativfläche der anderen Kleinbildfilm (die Negative im Standardformat 24×36mm belichteten) nutzenden Kompaktkameras hatte. Bei einer Kamera wie der E-P1 geht es also weniger um Innovation, als um die Rückkehr vom Irrweg der kleinen, billigeren Chips in kompakten Digitalkameras.

Aber weiter im Spiegelartikel: Man muß sich schon entscheiden, ob die E-P1 jetzt kompakter als eine Mirco Four Thirds Kamera ist oder es sich bei der E-P1 um eine Micro Four Thirds Kamera handelt.

„Aber im Vergleich zu einer Spiegelreflexkamera oder auch einer Micro Four Thirds wie der Lumix G1 wirkt die EP-1 angenehmen leicht und klein. (…) Und da zeigt sich sehr deutlich der Vorteil des Kamerasystems Micro Four Thirds, nach dem die EP-1 gebaut ist.“

Ein Vergleichstest zur Bildqualität macht bei einer Kamera wie der E-P1 natürlich Sinn, denn die Bildqualität ist ja der Grund diese Kamera so anders zu konstruieren als z.B. eine Canon G10 oder Panasonic Lumix LX-3:

„anspruchsvolle Kompaktknipsen wie die Canon G10 (siehe Fotostrecke oben) ersetzt die EP-1 locker.“

Dummerweise präsentiert Spiegel Online in der genannten Bildstrecke mitnichten einen Vergleich zwischen der E-P1 und der G10 sondern einen zwischen Canon G10 oder Panasonic Lumix LX-3. Da kann man sich der Leser dann natürlich nicht wirklich ein Bild von der Leistung der E-P1 machen.

Wer sich wirklich über die E-P1 und andere Kameras informieren will, der ist bei dpreview.com besser aufgeboben.





Schöne Photozeitschriften Teil 3

26 06 2009

Es wird wieder nichts mit der Photozeitschrift in dieser Rubrik. Das liegt sicher auch dran, daß ich kaum welche lese. In letzter Zeit eigentlich nur fotoforum, da gab es neulich mal ein Jahresabo zu einem Objektiv als Geschenk und jetzt kommt der Postbote alle zwei Monate damit an. Da sind sogar bisweilen schöne Bilder drin. Irgendwelche Kameras, in einer Zeitschrift die nur alle 2 Monate erscheint vorzustellen, finde ich eher Platzverschwendung, denn das bekommt man alles schneller und viel umfangreicher, mit mehr technischen Daten im Internet und eine echte Datei direkt aus der Kamera sagt auch mehr als ein abgedrucktes Bild in einer Zeitschrift. Naja, und ob ein 2700,-€ Fahrrad wirklich toll für Naturfotografen ist, weil es nur reflexionsfreie Oberflächen hat, „damit die Tiere nicht aufgescheucht werden“, mag ich nicht wirklich zu beurteile. Aber irgendwie hege ich Zweifel, daß die Rehe, wenn ich durch den Wald fahre am Wegesrand stehen bleiben würden, wenn ich mein Fahrrad mattschwarz lackiere…

Und so finden die wirklich tollen Fotozeitschriften bis auf weiteres im Netz statt, wie zum Beispiel 100eyes.org. Das ist noch relativ neu und sehr vielversprechend. In der aktuellen Ausgabe geht es um Gefängnisse. Und allein schon wegen der Geschichte zum Thema „Altwerden im Gefängnis“ von Tim Gruber ist das sehr sehenswert.

100eyes

Überhaupt nicht neu ist digitaljournalist.org Die Website gibt es schon seit (für Internetverhältnisse) Ewigkeiten und deswegen haben die mittlerweile ein sehr umfangreiches Archiv mit Bildstrecken von 1997 bis heute, das durchaus ein gut sortiertes Regal mit Bildbänden ersetzen kann, wenn man mal kein solches Regal zur Hand hat. Nicht zuletzt wegen solchen Schätzen wie Vincent Laforets Flugzeugträgergeschichte für die New York Times.

vlcarrier





Schöne Photozeitschriften Teil 2

17 03 2009

Auch wenn das ganze eigentlich von schönen Photozeitschriften handeln soll, geht es heute nicht um Zeitschriften, sondern um Websites. Und da die beiden Websites um die es geht Bilder, im Gegensatz zu vielen anderen Websites, in einer ansprechenden Größe gezeigt werden und auch die Qualität der Bilder die man da jeweils auswählt außergewöhnlich gut ist.

 

Die erste Seite ist „The Big Picture“ vom Boston Globe. Hier gibt es themenbezogene Bildstrecken, das können Projekte von einzelnen Photographen oder Bilder aus dem verschiedenen Quellen zu einem Thema sein.

 

bigpicture

 

Die zweite Seite kommt vom Wall Street Journal und zeigt, wie der Name „Photo Journal“ schon andeutet, jeweils eine Zusammenstellung von Bilder eines Tages aus den verschiedensten Quellen, Orten, Themen.

wsjphotojournal

Beiden ist gemeinsam, daß die gezeigten Bilder weit über dem Niveau und Umfang der Bildstrecken liegt die man sonst so in den Online-Ausgaben diverser Zeitungen und Magazine geboten bekommt. Wenn dann auch mal ein photographisch schwächeres Bild oder ein Fernsehstandbild dazwischen ist, dann spricht das durchaus auch für die Qualität der Bildstrecken, weil es hier nicht nur um photographische Meisterleistungen sondern auch um journalistische Relevanz geht.





Schöne Photozeitschriften Teil 1

14 02 2009

Das was man in Deutschland so am Kiosk als Photozeitschrift bekommt ist eher traurig und besteht hauptsächlich aus Produktvorstellungen (wie aktuell sowas, bei monatlicher Erscheinung, in Zeiten des Internets ist kann man sich denken), Rezitationen aus Bedienungsanleitungen, irgendwelchen eher sinnlosen Tests und so weiter.

Deswegen gebe ich mein Geld lieber für Blätter aus in denen man sich schöne Photos und Photoreportagen ansehen kann. 

Diesen Monat hat mich zum Beispiel eine Reportage über Kettenfahrzeuge in der Tundra von Sergej Issakow in der „Mare“ mehr als umgehauen. Unheimlich intensive SW-Bilder von Leuten die da unter sehr lebensfeindlichen Bedingungen mit uralten Kettenfahrzeugen Personen und Güter durch den Schnee transportieren. Und das ist beileibe nicht die einzige schöne Bildstrecke im Heft. 

Und um erhlich zu sein: Mich interessiert es nicht mit welcher Kamera, auf welchem Film oder welcher Speicherkarte das mit welchem Objektiv aus welcher Fototasche photographiert wurde. Ich lese da lieber einen gut geschriebenen Text zum Thema selbst.

So sieht das Heft aus. Und jetzt ab an den Kiosk oder gleich ein Abo bestellen. Aus photographischer Sicht lohnt sich Mare jedesmal und mehr als irgendeine Zeitschrift mit „Photo“ im Titel allemal!

mare1