Ralph Laurens Kampf gegen die Magersucht

7 10 2009

Wenn ein Modelabel was gegen Magersucht macht  ist das mindestens gut wie etwas zum Urheberschutz zu machen. Jedenfalls im Prinzip. Wenn man sich als Modelabel aber entblödet ein krankes Bild eines im Photoshop völlig unnatürlich bearbeiteten Model zu nutzen und dann versucht die Berichterstattung darüber unter zuhilfename des Urheberrechts zu verbieten, dann ist das was anderes. Das wirklich abartige an dem Bild ist, daß es (jedenfalls für alle die sich nicht darüber totlachen und glauben man könne wirklich so aussehen) den Eindruck vermittelt man könne sich soweit runterhungern ohne das das Gesicht völlig abgezehrt aussieht, an den Armen jede Vene und Sehne zu sehen ist und alles was mal Oberweite war den Bach runter geht.

Magersucht ist eine Krankheit und man kann nicht gleichzeitig eine Wespentaille und das dralle gesunde Gesicht der Biene Maja haben! Wer das Gewicht eines Verhungernden aus der Sahel-Zone haben will, der bekommt auch das Gesicht eines Sterbenden.

So zu tun als wäre es möglich das eine ohne das andere zu haben ist zynisch und gefährdet die Gesundheit tausender Essgestörter in aller Welt noch mehr als das ohnehin der Fall ist. Zu versuchen Hinweise, daß die Frau in der Anzeige garnicht wirklich so aussehen kann – was vielleicht das eine oder andere jungen Mädchen vom Versuch abhalten könnte sich so eine Figur zu erkotzen – zu unterbinden setzt dem ganzen noch einen drauf und das ganze bekommt einen menschenverachtenden Touch.

Ganz abgesehen davon, daß sowas im Internet eh nicht funktioniert, denn was man bei photoshopdisasters nicht mehr sehen kann, sieht man jetzt auf all jenen Seiten die darüber berichten, wie hier im Screenshot:





Piraten vs. Photographen

14 09 2009

Heute hatte ich das Vergnügen einen Auftritt von 5 Bundestagskandidaten in einem Gymnasium erleben zu dürfen.

Reden wir besser nicht vom ersten Teil der Diskussion in der die amtierenden und angehenden Volksvertreter sich zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr äußerten. Höhepunkt war, als einer, ich glaube der von der Linken, den Schülerinnen und Schülern mal etwas von der „Hagener Konvention“ erzählte. Tolle Werbung für die Stadt Hagen oder ein Armutszeugnis für jemanden der sich aufschwingt als Politiker anderen zu erklären wie die Welt funktioniert und der das mit der Haager Landkriegsordnung selbst nicht so recht verstanden hat.

Als nächsten Punkt hatte man sich das publikumswirksame Thema Urheberrecht ausgesucht. Wohl in der Hoffnung, daß Jugendliche alle im Internet Musik runterladen und dabei nicht kriminalisiert werden wollen. Da sollte man doch punkten können.

Und in der Folge kamen dann gute 30 Minuten die einem Urheber die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Den Höhepunkt bei diesem Treiben bildeten die Äußerungen des Kandidaten der Piratenpartei, der sich eigentlich für kaum eine Position zu blöd war. Vom Klassiker „Wenn ich etwas aus dem Internet runterlade, dann mache ich eine Kopie und das Original ist nicht weg also ist kein Schaden entstanden“. Bis hin zu so tollen Vorschlägen wie der Idee, daß Urheber ihr Geld gefälligst ausschließlich mit Konzerten verdienen sollen für die ihre Werke ansonsten nur kostenlos verteilte Werbung sein sollen.

Na, herzlichen Dank! Da hat ja jemand alle Arten des geistigen Eigentums voll und ganz verstanden und beweist eine beeindruckende Kompetenz.

Urheberschaft gibt es scheinbar nur bei Musik, Filmen und Software.

Nur zu gerne hätte ich da auch mal ein paar Fragen gestellt, die die Veranstaltung aber sicher gesprengt hätten:

- Wie veranstalte ich als Fotograf, Illustrator oder Schreiber Konzerte die meinen Lebensunterhalt decken?

- Was muß ich als Fotograf zukünftig jemandem zahlen, wenn er mit meinen Fotos auf seiner Website Werbung für meine Konzerte macht?

- Ist Schwarzfahren auch ok; jedenfalls solange ich die U-Bahn nicht mitnehme?

- Ist mir wirklich kein Schaden entstanden nur weil ich die Datei noch habe, wenn mein Portrait einer jungen blonden Frau deutschlandweit auf Nazi-Wahlplakaten zu sehen war und deswegen kein Kunde mehr mit dem Gesicht Werbung für irgendein Produkt machen will, das Bild also unverkäuflich geworden ist?

- Wird sich die Konzertkarten noch jemand leisten können, denn die Kosten für die Produktion der Alben einer Band müssen ja irgendwo herkommen?

- Fordert die Piratenpartei auch daß Pornofilme kostenlos abgegeben werden und wie sehen da die Konzerte aus?

- Wo kommen die ganzen Theater her in denen Filmschauspieler auftreten um den Werbeeffekt ihrer Filme in Geld umzusetzen? Was kosten da die Karten um millionenteuere Filme zu refinanzieren?

- Wenn die Piratenpartei den Schülern in Aussicht stellt, daß Urheberrechtsverletzungen kein Thema sein sollen und im Internet juristisch alles nicht so eng zu sehen ist, was sagt die Piratenpartei denn dann wenn jemand den Schülern bei ebay, was verkauft, das Geld nimmt und keine Ware schickt?

Der große Verlierer der Diskussion war übrigens der Schüler, der später gerne Filme machen würde und sich irgendwie nicht vorstellen konnte wie er davon leben können sollte.

Dem hat man dann was von irgendeiner Kulturflatrate erzählt.

Ich soll jetzt also glauben, daß alle die heute schon (durchaus nachvollziehbar) wegen der GEZ-Pflicht von Computern auf die Barrikaden gehen in Zukunft heiß drauf sind eine Abgabe auf alle Internetanschlüsse zu entrichten, die dann an die Urheber geht?

Mal abgesehen davon, daß so eine Kulturflatrate nichts anderes ist, als der Versuch derer, die für die Werke von Urhebern nicht bezahlen wollen, die Kosten für diese Werke auf die Allgemeinheit umzulegen (man stelle sich nur eine Benzinflatrate vor, bei der die Fahrrad- und 3L Lupo-Fahrer helfen den Durst der SUVs zu stillen), kann das nur funktionieren, wenn es sich dabei um einen lächerlichen Feigenblattbetrag handelt, von dem am Ende praktisch nichts bei den Urhebern ankommt. Ein Almosen, das eher ein Hohn als ein Honorar ist.

Wie sollten denn die Ausschüttung solcher Gelder geregelt werden, die Frage, was die Verwaltung einer solchen Abgabe verschlingt, mal außen vor?

Bekomme ich für 100 unterbelichtete Fotos in 10 Sekunden mit 10B/s gemacht genausoviel wie jemand der 100 aufwändige Portraits an 100 Arbeitstagen fotografiert hat? Um das fair zu regeln müßte man ja irgendwie messen, was wie oft runtergeladen wurde oder soll jemand der ein völlig mißlungenes Foto produziert genausoviel bekomme, wie jemand der den Sommerhit des jeweiligen Jahres produziert hat? Jetzt kann ich mir nicht vorstellen, daß diejenigen die sich eine Kulturflatrate wünschen eine solche Erfassung der Nutzung haben wollen. Da würde das Lieblingsfeindbild der Piratenpartei ja lachend aus dem Rollstuhl kippen.

Ergänzung:

Was mir heute beim Nachdenken noch besonders sauer aufgestoßen ist, ist daß da auch tatsächlich das Argument kam, daß man mit all diesen Plänen zur Abschaffung des geistigen Eigentums junge Talente fördern und Ihnen somit eine Chance geben würde. Das ist etwas, daß Fotografen zur Genüge kennen: Leute die etwas für lau abgreifen wollen und dabei noch mäzenatenhaft tun, weil sie sich herablassen den Namen des Fotografen an das Bild zu schreiben, was schließlich eine tolle Werbung ist.

Soll man doch einfach sagen: wir finden die Idee des geistigen Eigentums scheiße, wollen dafür nix bezahlen und was aus denen die sowas herstellen wird ist uns auch egal. Das wäre wenigstens ehrlich.  Aber bitte nicht so tun, als würde man den Urhebern damit noch helfen.





Antiphrasis oder Euphemismus „Da habe ich kein Problem mit!“

14 07 2009

Es gibt Sätze die einem nichts gutes verheißen, weil sie das Gegenteil dessen bedeuten, was eigentlich gesagt wird. Einer der schlimmsten Vertreter dieser Problemgattung ist: „Da habe ich kein Problem mit!“ Für den naiven Sprachwissenschaftler dürfte das irgendwo zwischen Antiphrasis und Euphemismus verortet sein. In der praktischen Anwendung signalisiert der Einschlag dieser Worte im Ohr nur eins: „Das Problem-Mutterschiff ist gelandet!“.  Fällt dieser Satz, ist klar, wenn es irgendwas gibt an dem es dem Gegenüber nicht mangelt, dann sind es Probleme. Was schon bei dem Problem beginnt, daß sich das Gegenüber der eigenen Probleme meist in so geringem Maße bewußt ist, daß es wirklich glaubt, was es da sagt. Und wenn man nur ganz fest an etwas glaubt, dann wird es auch wahr. Und im wirklichen Leben, abseits der linguistischen Einordnung dieses Phänomens, stellt sich das ganze dann meistens wirklich so dar, daß der Satz „Da habe ich kein Problem mit!“ stimmt. Jedenfalls, wenn man den meist nicht ausgesprochenen zweiten Satz direkt dranhängt: „weil ich meine Probleme zwar verleugne, sie aber trotzdem so auslebe, daß sie zu Deinen/Euren Problemen werden!“





Dicke schwitzen, wenn es heiß wird…

1 07 2009

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Ich weiß ja selbst wie das ist: Dicke schwitzen schneller und mehr und so. Und das kann schon nerven, weil man sich ja naßgeschwitzt im Wind erkälten kann und sich auf dunkler Kleidung dann auch irgendwann eine Salzkruste bildet und man dann aussieht wie ein Zebra, wie ein dickes Zebra.

Jürgen Banzer, der Hessische Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit, dürfte grob geschätzt noch etwas schlimmer schwitzen als ich. Aber das man deswegen gleich für ein ganzes Bundesland Hitzewarnstufen ausruft und man, nur weil es diese Woche an drei Tagen nacheinander 30-32°C geben wird sogar die Hitzewarnstufe 2 ausruft finde ich dann doch etwas übertrieben.

Irgendwie kommen einem doch Zweifel an der Lebensfähigkeit der Bevölkerung dieses Landes, wenn schon normales Sommerwetter in die Nähe von Pandemien und Naturkatastrophen gerückt wird und man Überlebenstips rausgibt, die irgendwie an die Merkblätter zum Verhalten bei Atomangriffen erinnern. Wie haben unsere Eltern und Großeltern bis heute überleben können? Wie konnten wir als Kinder 40°C im Sommer überleben und das sogar toll finden?

Wenn man sich aber man das Merkblatt hier anschaut, dann trägt das den spannenden Titel:

KLIMAWANDEL UND GESUNDHEIT

Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen sommerlicher Hitze und

Hitzewellen und Tipps zum vorbeugenden Gesundheitsschutz

Und wenn man dann noch die folgende Pressemitteilung gelesen hat, dann kann man allerdings auch irgendwie den Eindruck gewinnen, daß die Klimakatastrophe kein größeres Problem ist, wenn man einfach ordentlich kalte Getränke bevorratet und dafür sorgt, daß die Omas und Opas in den Heimen im Schatten stehen.

Und was kaltes Trinken ist ja irgendwie auch viel weniger stressig als sich Gedanken über den eigenen CO2-Ausstoß zu machen, oder?

29.06.2009 – Pressemitteilung
ab Donnerstag Hitzewarnstufe 2

Wiesbaden. Bei den derzeitigen Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes wird das HMAFG (Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit) ab Donnerstag dieser Woche erstmals in diesem Jahr die Hitze-Warnstufe 2 ausrufen, nachdem ab dem heutigen Montag, 29. Juni 2009 bereits Hitzewarnstufe 1 gilt. Sollte die Hitze-Warnstufe 2 aufgrund einer Veränderung der Wetterlage entfallen, informiert das HMAFG umgehend. Die Hitzewarnstufe 2 gilt aufgrund einer anhaltend starken Wärmebelastung von mehr als drei Tagen in Folge. Die fortdauernde starke Wärmebelastung erhöhe die Gefahr gesundheitlicher Beschwerden für die gesamte Bevölkerung. Staatsminister Jürgen Banzer appellierte deshalb an alle Bürgerinnen und Bürger, ihr Verhalten an diese Belastungssituation anzupassen.

Er verwies auf verschiedene Verhaltensmaßregeln, die bei den anhaltenden hohen Temperaturen zu beachten seien: „Halten Sie sich in kühlen Räumen auf, vermeiden Sie körperliche Aktivitäten, halten Sie die Fenster tagsüber geschlossen und öffnen sie erst nachts zum Lüften.“ Darüber hinaus sollten vor allem leichte Speisen verzehrt werden und viel getrunken werden. Alkoholische, koffeinhaltige oder stark gezuckerte Getränke seien dabei nicht zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs geeignet, geachtet werden müsse auf einen Ausgleich des durch Schwitzen bedingten Salzverlustes.

Über die hessischen Heimaufsichtsbehörden sind die Alten- /Pflegeheime und Heime für Menschen mit Behinderungen zu verstärkten Anstrengungen zum Schutz der ihnen anvertrauten Menschen aufgerufen. So muss der Gesundheitszustand der Heimbewohner regelmäßig kontrolliert werden. „Wichtig ist, dass sich die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner nicht in zu warmen Räumen aufhalten oder zu wenig trinken“ sagte Staatsminister Jürgen Banzer. Die Umsetzung der Maßnahmen wird von der Heimaufsicht kontrolliert.

Da jedoch nur jeder dritte pflegebedürftige Mensch in Hessen in einem Heim lebt, appellierte Jürgen Banzer auch an die Pflegedienste und die pflegenden Angehörigen, auf die anhaltend hohen Temperaturen zu reagieren. Zur Unterstützung dieser Pflegebedürftigen, aber auch grundsätzlich zur Aufmerksamkeit gegenüber den besonders gefährdeten älteren Menschen mit Herzkreislauf- oder Atemwegserkrankungen seien Angehörige, Nachbarn sowie die betreuenden Ärzte aufgerufen.

Die aktuelle Warnsituation kann von der Bevölkerung auf der Interseite des DWD (www.dwd.de ) abgerufen werden. Hinweise für Maßnahmen zur Vermeidung von Gesundheitsbeeinträchtigungen bei Hitze sind im Internet unter www.hmafg.hessen.de/Gesundheit/krankheitenundvorsorge; www.rp-giessen.de mit der Bezeichnung „Hitze – Handlungsempfehlungen für die Praxis“ zu finden.





Scheitern als Weg zum Weltruhm

25 04 2009

Daedalus war ein Erfinder; jedenfalls in der griechischen Mythologie. Und er soll aus Wachs und Federn Schwinge gebaut haben mit denen Menschen fliegen konnten. Ein toller Kerl also; jedenfalls wenn man davon absieht, daß er seinen Neffen und Lehrling Perdix ins Jenseits befördern wollte, weil ihm dieser zu clever wurde.

Dass man davon ausgehen kann, daß Perdix ziemlich doof geschaut hat als Daedalus ihn von einer Klippe stürzte, dürfte einleuchten. Als dann die Göttin Athene zu seiner Rettung erschien dürfte sichdie Laune des Perdix jedoch kurzzeitig wieder gebessert haben. Warum kurzzeitig? Nun, aus durchaus nachvollziehbaren Gründen , hat ihn die gute Göttin nicht einfach so gerettet, sondern ihn in ein Rebhuhn verwandelt, weswegen noch heute alle Rebhühner Perdix perdix heißen. Welche nachvollziehbaren Gründe Athene hatte, sich unbedingt für ein Rebhuhn zu entscheiden statt ihn einfach so zu retten? Der aufgeklärte Leser darf sich das einfach so vorstellen, daß der Kerl die Klippe runterplumpst ist und weg war er. Athene steht da, ruft „Ich hab ihn gerettet, indem ich ihn in dieses Rebhuhn verwandelt habe, toll was?“ und die umstehenden Griechen riefen „Schon toll diese Athene“, aber einer der Klügsten unter den Griechen rief „Vielleicht stimmt das ja garnicht!“ und deswegen fragte dann einer der dümmeren Griechen das Rebhuhn, ob es nicht doch nur ein Rebhuhn sei. Das Tier hat nicht „ja“ gesagt und damit war das Wunder bewiesen und man war sehr stolz auf Athene.

Daedalus bekam sowas wie eine mildernde Umstände: Weil Perdix ja nur ein Rebhuhn statt einer  Leiche geworden war, wurde er  mitsamt seinem Sohn Ikarus auf eine Insel verbannt. Um von dieser Insel zu fliehen, erfand Daedalus nun die besagten Flügel aus Wachs und Federn, baute ebensolche für sich und den Sohnemann, erklärte diesem kurz wie das alles so funktioniert – ganz grob: immer in der Mitte fliegen, zu nah über dem Meer werden die Feder naß, zu nah an der Sonne schmilzt das Wachs, in beiden Fällen stürzt man ab (alle Griechen in dieser Geschichte sind Nichtschwimmer) – und los ging es.

Machen wir es kurz, Ikarus war nicht der Hellste, flog zu nah an die Sonne, das Wachs schmolz, die Flügel waren keine mehr, sein Vater ruft noch „Deswegen hab ich nie erwogen, auch Dich wegen Cleverness über die Klippe schubsen zu müssen…“. Ikarus fällt ins Meer, wird nicht in ein Rebhuhn verwandelt, ertrinkt und wird bizarrer Weise zum Star. Schon Ovid berichtet, daß sowohl das Meer an der Absturzstelle als auch der Landstrich wo sein Vater ihn begraben hat umgehend nach ihm benannt wurden. Man kann sich vorstellen, wie sich Perdix gefühlt haben muß, bei dem es nur für ein Rebhuhn gereicht hatte.

Ikarus, der erste durch Dummheit verunglückte Flugreisende, jedoch wurde zu einem beliebten Namensgeber für alles mögliche was mit Fliegen zu tun hat und mitnichten für alles was mit abstürzen zu tun hat. Nein im Gegenteil, sogar ettliche Flugschulen haben sich nach Ikarus benannt (eine Phaeton-Fahrschule hab ich noch nicht gefunden, aber immerhin hat man nach dem schon ein Auto benannt, was auch eine dumme Wahl war).

Sein Vater Daedalus ist deutlich weniger populär. Manche Menschen wissen nichtmal, daß es ihn gab und daß er das Fliegen für Menschen erfunden und selbst erfolgreich praktiziert hat. Irgendwie sonderbar.





Keiner da – trotzdem einer dran

17 03 2009

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Früher war vieles anders und manches was heute praktischer erscheint ist es nicht. Jedenfalls, wenn man genau hinschaut. Nein, ich will nicht wieder anfangen hektisch Filme zu entwickeln, in Labors zu hetzen oder ewig auf Scanner oder ISDN-Transfers zu warten.  

Es geht ums Telefonieren. Oder genauer ums vergebliche Telefonieren. Wer früher nicht da war, der konnte nicht ans Telefon gehen und dann hat man halt später nochmal angerufen. Heute kann man sein Telefon „auf den Apparat eines Kollegen/einer Kollegin umstellen“. Das ist sicher Klasse, wenn man einen von 1000 Sachbearbeitern anrufen will, die alle die Buchstaben A-K bearbeiten und es einem völlig egal ist, mit wem man spricht (es sein denn man heißt Rheker, dann ist man da eh falsch).

Wenn ich heute irgendwo anrufe, dann habe ich meistens jemand nettes am Telefon, der mir auch sehr nett erklärt, wo derjenige den ich eigentlich sprechen wollte nicht ist, jetzt gerade aber sein könnte und was er da wohl zu tun pflegen könnte. Meistens bin ich dann erstmal ein wenig baff, daß man praktisch zu jeder Tageszeit „zu Tisch“ sein kann und dann traue ich mich erstmal nicht nochmal anzurufen, denn das muß den armen Kollegen auf dessen Telefon da jemand sein Telefon umgestellt hat ja auch nerven, wenn ich da ständig anrufe nur um zu schauen ob mein eigentlich gewünschter Gesprächspartner schon wieder da ist. Meistens nerve ich den armen umgestellten Kollegen dann dadurch, daß ich aus Höflichkeit mit meinem nächsten Anruf solange warte bis der eigentlich Angerufene zwar „vom Tisch zurück war“ aber „schon wieder weg“ ist. Aber vielleicht sitzen da immer alle in den Büros und tun nur so und haben einen Mordspaß dabei…





Die Dame von den Linken und die Pressefreiheit

14 01 2009

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Landtagswahlkampf ist die Zeit in der es die Landtagsabgeordneten zum Volk zieht, auf daß es sie wähle. Und das ist für das Volk auch mal eine tolle Gelegenheit seine Volksvertreter mal so richtig kennen zu lernen. Wenn man genau hinhört.

Und so war das Spannendste an der „Abgeordnete treffen (wahlberechtigte) Schüler“-Veranstaltung am Montag auch ein beleidigter Nebensatz der ebenfalls anwesenden Barbara Cardenas von der Linken. Da sie früher gehen mußte, weil sie noch zu einem Interviewtermin (diese Detail unbedingt merken) mußte, versäumte es die Dame nicht, den Schülern noch ihre Hoffnung mitzuteilen, daß Ihre Partei auch gewaählt werden möge, auch wenn sie keine eigene Presse hätten.

Wenn mir die Dame auch vorher schon ein wenig suspekt war, weil sie ihre Einschätzung ob das neun- oder das achtjährige Gymnasium besser sei ausgerechnet daran festmachte, was ein Handwerksmeister gesagt haben soll, den sie befragt hat ob ihm Lehrlingen mit acht oder neun Jahren Gymnasium lieber seien. Und ich hatte immer Gedacht, daß das Abitur eigentlich zum Besuch einer Universität befähigen soll und das man sowas nicht unbedingt für eine Handwerkslehre bräuchte.

Aber auch hier regte sich bei den Schülern kein Widerspruch und eben auch nicht als sie mal einen tiefen Einblick in ihr Verstaändnis von freier Presse gibt.

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Was soll es uns denn sagen, daß die Linke „keine eigene Presse“ hat.

Haben andere Parteien Zeitungen? Nicht wirklich, auch wenn die SPD Anteile an Zeitungen hält, kann man kaum einer Zeitung in Deutschland vorwerfen, sie würde einer Partei „gehören“. Es sei denn die Linke würde da die NPD um ihre „Deutsche Stimme“ beneiden. 

Dass die Linke nicht in den Medien stattfinden, also totgeschwiegen, würde kann man auch nicht wirklich behaupten. Erst recht wäre das ja auch ziemlich dumm, wenn man sich mit dieser Bemerkung früher verabschiedet, weil man noch einen anderen Interviewtermin hat. Oder?

Zugegeben ist das was man derzeit über die Linke zu lesen bekommt sicher nicht, daß was eine Partei im Wahlkampf über sich lesen mag. Aber es ist nunmal die Realität, daß der Linken derzeit einige Parteimitglieder abhanden kommen und daß die dafür Gründe angeben die kein schönes Licht auf das Innenleben der Linken werfen.

Da bleibt ja als Erklärung der Bemerkung eigentlich nurnoch, daß Frau Cardenas beklagt, daß die Presse nicht das tut, was sie oder die Linke gerne hätte.

Das aber, offenbart ein befremdliches Verständnis von der Funktion der Presse in einer Demokratie. Was dann ja wieder genau in die Richtung der Vorwürfe geht, die von ehemaligen Parteimitgliedern erhoben werden.

Ich jedenfalls war bis Montag solche Sprüche nur von Neonazis gewohnt. Und was mir am meisten Sorgen macht, ist daß da keiner der Schüler mal nachgefragt hat was das denn heißen soll.





Lieber „richtig“ statt „etwas anders“!

17 11 2008

Vor ein paar Jahren fing es irgendwann in der Radiowerbung an. Eine Frauenstimme mit osteuropäischem Einschlag, die versuchte irgendwie billig und verrucht zu klingen, erklärte, daß es sich bei einer bestimmten Videothek um „die etwas andere Videothek“ handeln würde. Das alles erinnerte an diverse TV-Auftritte einer schlauchbootlippigen Ex-Pornodastellerin und sollte dem geneigten Radiohörer wohl etwas mitteilen.

Mittlerweile schwappte eine faszinierende Welle der Andersartigkeit über die Welt der selbstgemachten Mittelstandswerbung. Wo früher fröhlich und völlig ungehemmt gereimt wurde („Willst Du gut beraten sein, kauf Dein Brot beim Tischler ein!“ „Die dicksten Eier hat Bauer Meier!“), sind heute alle „etwas anders“. Der Gedanke, dass so etwas bestenfalls unfreiwillig komisch; schlimmstenfalls aber absonderlich bis befremdlich wirkt, scheint den auf diese Weise werbenden Personen und Firmen völlig fremd zu sein. 

Was macht „der etwas andere“ Gebäudereinigungs- und Hausmeisterservice? Die normalen putzen und reparieren irgendwas; das kann also nicht gemeint sein? Putzen die nackt, machen die Schmutz? Ist das am Ende sowas wie ehedem Joschka Fischers Putzgruppe?

Was verkauft der „etwas andere“ Blumenladen? Unkraut? Drogen zum Selbstanbau? Wenn ich mit denen Blumen versende geben die dann einen Topf und eine Tüte Samen ab und helfen den Empfänger zur Selbständigkeit zu erziehen?

Will man die Darbietungen des „etwas anderen Chors“  wirklich hören? Braucht man für einen „etwas anderen Gottestdienst“ schwarze Kerzen? Bedient der „etwas andere Friseur“ nur Glatzköpfe? Hat eine Ehe nach Konsultation des “etwas anderen Ratgebers zur Hochzeitsvorbereitung“ überhaupt eine Chance? Und wer kauft beim „etwas anderen Pferdehandel“ ein, der Pferdemetzger? Und wie oft trifft man sich beim „etwas anderen One-Night-Stand“? Bekomme ich beim etwas anderen Weinhandel Zutaten für ein tolles Salatdressing oder zur Entfernung von Kalkflecken im Bad? Was kann ich im „etwas anderen Kinderladen“ kaufen? Ist der etwas andere Berlin-Reiseführer ein Kopenhagen-Stadtplan? Und sehen Kopien aus dem „etwas anderen Copyshop“ den Originalen überhaupt ähnlich?

Fragen über Fragen. Und man bleibt ratlos zurück, beschließt aber doch lieber eine „richtige“ Firma zu wählen statt einer „etwas anderen“. Wer so doofe Worthülsen benutzt, der kann doch auch sonst nicht wirklich kompetent sein, oder?

Manchmal werden auch Chancen verschenkt, mal wirklich was anderes zu machen. Zum Beispiel hier: Der etwas andere Adventskalender. Ein Adventskalender der schon Mitte August anfängt, also dann, wenn die Nikoläuse und die Marzipankartoffeln in die Supermärkte gerollt werden, das wäre was gewesen.

Und zum Schluß: Wenn vor mir ein Kleinlaster fährt der einer Firma gehört, die „Möbel für Menschen“ macht, dann frage ich mich, ob die nur betonen wollen, daß man bitte nicht wegen einem Hundesofa oder Puppenmöbeln anruft, oder ob die einfach Särge machen und das nur nicht so direkt sagen wollen.





Das BKA-Gesetz (BerufsKampftrinker-Armee-Gesetz)

13 11 2008

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Wenn man als kleiner Lokalradiosender über Bundespolitik berichtet und das auf seiner Homepage macht, dann muß man das auch irgendwie bebildern. So wie das oben bei einem Artikel über das BKA-Gesetz passiert. Der eine oder andere mag jetzt das BKA Wappen neben dem Artikel sonderbar finden:

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Es ist zwar auf der Seite des Radiosenders so klein, daß man nur die Buchstaben BKA erkennen kann, aber irgendwie hatte ich das doch anders in Erinnerung.

Wenn man nun einfach vom journalistisch schlimmsten Fall ausgeht und schlicht annimmt, daß man da einfach bei google.de in der Bildersuche nach dem Begriff „BKA“ gesucht hat um billig an Bilder zu kommen und obendrein noch ein(e) Praktikant(in), mit einer gegen Null tendierenden Wissenslage darüber was das BKA so ist/macht, am Ruder war, dann probiert man einfach Google und BKA aus und landet hier:

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Huch! Da ist ja das Logo von der Newsseite des Radiosenders!

Und das scheinen die dann auch direkt per copy & paste von der google-Suchergebnisseite runtergesaugt zu haben, ohne mal zu schauen, auf welcher Website das denn wirklich steht, wem das gehört und vor allem wie das in 934 x 980 pixel Größe aussieht.

Hätte man das getan (was ja, nicht zuletzt wegen des Umstandes, daß das Urheberrecht als solches ja auch im Internet existiert und man nicht einfach so Bilder benutzen darf die man irgendwo findet, nicht dumm gewesen wäre), wäre man nur einen Link weiter auf die Website des Kölner Alleinunterhalters Christian Kusen gestoßen ( von da geht es weiter auf www.bka-nippes.de), auf der das Logo zu finden ist. Und da hätte man hellhörig werden können (auch als PraktikantIn), jedenfalls, wenn man ein wenig gesunden Menschenverstand hätte und man sich mal die Frage gestellt hätte, warum das „Berufs Kampftrinker Armee Gesetz“ das Ausspähen privater Wohnungen und Computer erlaubt.

bka

Narhallamarsch!

(der Narhallamarsch stammt immerhin aus Mainz und Das ist ja schon viel näher an Wiesbaden)…





26 10 2008

…oder sie holt ihren Bruder.