Es erinnert mal wieder an den hochrangigen Vertreter der Piratenpartei, der mir mal erklärte, daß Urheber sich mit den Einnahmen aus Kino und Live-Konzerten zufrieden geben sollten und alles andere umsonst sein müßte. Immer wenn mich etwas daran erinnert wird mir übel.
Der Bundesvorstand der Grünen bringt auf dem Parteitag dieses Wochenende einen Leitantrag ein, der u.a. vorsieht das Urheberrecht auf fünf Jahre zu beschränken.
D-02__offenheit_freiheit_teilhabe_die_chancen
Eine deutliche Verkürzung bzw. Flexibilisierung der Schutzfristen z.B. auf fünf Jahre muss mit der Möglichkeit der Neuverhandlung einhergehen. Das bedeutet:
Eine fünfjährige Schutzfrist ab Veröffentlichung mit anschließender, gebührenpflichtiger mehrmaliger Verlängerungsoption.
Im Kampf um die Wähler der Piratenpartei haben die Grünen jetzt das Urheberecht auf’s Korn genommen und möchten uns Fotografen (und alle anderen Urheber) gerne nach fünf Jahren enteignen. Nein, eigentlich würden sie es im Rahmen des beliebten “Piratenpartei-Freibier-Populismus für kostenlose Musik und Filme im Internet” gleich sofort tun, lassen es uns aber gnädigerweise fünf Jahre, damit wir uns die Einnahmen, aus den Konzerten und so, noch etwas aufbessern können und wir nicht noch abends im Supermarkt Regale einräumen müssen, um unser Hobby Fotografie zu finanzieren:
“Durch eine befristete Exklusivität der Nutzungsmöglichkeiten für die UrheberInnen soll das Urheberrecht bspw. den SchöpferInnen ermöglichen, als Baustein der Finanzierung, von seinem Werk selbst angemessen finanziell zu profitieren (soweit er/sie dies will) und nicht nur von damit verbundenen indirekten Einnahmen (z.B. Auftritte, Merchandise, Vermarktung der Persönlichkeit etc.). Somit soll sichergestellt werden, dass KünstlerInnen die Möglichkeit haben, sich auf die Erschaffung neuer Werke konzentrieren zu können und nicht zur Ausübung eines weiteren Berufs, der nicht seiner/ihrer künstlerischen oder kreativen Qualifikation entspricht, gezwungen werden. “
Zu behaupten, daß es mir hilft, wenn man mir alle zukünftigen Einnahmen aus meinem bisherigen Werk nimmt, mich “auf die Erschaffung neuer Werke konzentrieren zu können” ist perfide. Da kann man auch sagen, daß Wohnungseinbrüche den Bestohlenen helfen sich auf die Neueinrichtung ihrer Wohnung mit frischen Ideen zu konzentrieren.
Einen Bildband mit dem Lebenswerk eins Fotografen oder Bildern aus einem längeren Werkzyklus würde es nie wieder geben, jedenfalls nicht so, daß der Fotograf noch was dran verdient, denn die Bilder darin dürften alle älter als fünf Jahre sein und es gibt keinen Grund für einen Verlag da dem Fotografen was zu zahlen. Aber eigentlich gibt es keinen Grund für einen Verlag sowas in hochwertigerer Machart als die Katzen-Fotokalender die es aus Billigst-Stock-Schrottfotos für 1,99, überall in den Postfilialen gibt, zu machen, denn man müßte damit rechnen drauf sitzen zu bleiben, wenn ein anderer Verlag sofort die Billigversion nachschiebt.
Es ist aber nicht nur das Geld, es geht um mehr.
Es geht auch darum, daß ich bestimmen will, was mit meinen Werken geschieht. Es geht um die Integrität meiner Arbeit. Ich will nicht, daß jeder nach fünf Jahren meine Bilder benutzen kann, wie er mag. Ich will nicht, daß ein Bild, das ich nur machen konnte weil mir Menschen ihr Vertrauen geliehen haben in Zusammenhängen benutzt werden kann, die dieses Vertrauen enttäuschen. Ich will nicht das Wahlkampfplakatmotiv der NPD fotografiert haben, so wie andere ihre Naturfotos die sie für das Greenpeace-Magazin gemacht haben nicht als Motiv der Kampagne eines fragwürdigen Konzerns sehen wollen.
Und nicht zu letzt zeigen solche Texte, wie der der Grünen, daß diejenigen die sich da anmaßen die Leben von Urhebern neu zu regeln, zum einen nur auf billige Klientelpolitik für jene die gerne im Internet alles umsonst haben wollen setzen, um deren Stimmen abzugreifen. Zum anderen zeigt sich aber ein ungeheures Maß an fachlicher Unkenntnis, weil der Eindruck entsteht, daß Urheber entweder milliardenschwere Filmstudios und milliardenschwere Musikkonzerne bzw. stinkreiche Schauspieler und Musiker sind. Das zeigt sich vor allem in dem, auch von den Grünen bemühten, Ansatz, daß Urheber sich gefälligst mit ihren Einnahmen aus Konzerten und Kino (und vielleicht noch dem “Merchandise, Vermarktung der Persönlichkeit etc”.) zufrieden geben sollen.
Fotografen kommen in dieser Glamourwelt-Vorstellung, die Politiker von Urhebern zu haben scheinen, garnicht vor.
Ich habe keine Auftritte, gebe keine Konzerte…wie auch?
Merchandising? Es gibt keine Sascha Rheker Fotografen-Action-Figur, keine Bettwäsche, kein Frühstücksgedeck. Merchandsingmäßig geht da nix! So wie es kein “James der Nachwey”-Spielset mit Schutzweste und Plastikhelm für Kinder gibt; und auch die Sebastiao Salgado Schmuckkollektion und Robert Lebecks neue Duftserie lassen noch auf sich warten. Das einzige was wir verkaufen könnten sind Prints, aber die darf dann ja auch jeder von unseren Bildern machen.
Die wenigsten Fotografen bekommen Geld dafür ihre Persönlichkeit zu vermarkten (ich will fotografieren und nicht Amateuren irgendwelche Kurse verkaufen, wie manch anderer das tut). Fotografen verdienen auch kein Geld, indem sie, wie Paris Hilton, doof irgendwo rumstehen oder sich gleich wie Seal (der ja auch für Leica als Fotografendarsteller engagiert ist), Jean-Claude van Damme, Kevin Costner und das mdr-Fernsehbalett für Geld bei Despoten auf dem Geburtstag rumzeigen lassen.
Das all diese tollen Vermarktungsideen wohl eher die Person des Fotografen und seine journalistische Integrität beschädigen würden, als ihm irgendwas einzubringen, mal außen vor. Vielleicht sollte man manchen Grünen Politiker mal mit 2 Kameras und einer “Atomforum Deutschland”-Werbeweste zum Fotografieren zu einem Castortransport schicken.
Und wie würden die Grünen wohl reagieren, wenn die Fotografen auf dem Parteitag erklären würden, daß sie im Rahmen des Merchandising und der Vermarktung ihrer Persönlichkeit alle einen Sponsoren-Vertrag mit der Atomwirtschaft haben, weil man ja von der journalstischen Arbeit allein nicht mehr leben kann, da das Archiv als Altersvorsorge gestorben ist, die Atomwirtschaft aber so gut für lustige und unvorteilhafte Bilder von Claudia Roth bezahlt, daß es egal ist, ob man das Bild vielleicht in 6 Jahren nochmal verkauft bekommt?
Den endgültigen Vogel schießen die Grünen aber ab, wenn dann plötzlich der Urheber Gebühren zahlen soll, wenn er länger als fünf Jahre die Früchte seiner Arbeit ernten will:
Eine deutliche Verkürzung bzw. Flexibilisierung der Schutzfristen z.B. auf fünf Jahre muss mit der Möglichkeit der Neuverhandlung einhergehen. Das bedeutet:
Eine fünfjährige Schutzfrist ab Veröffentlichung mit anschließender, gebührenpflichtiger mehrmaliger Verlängerungsoption.
Vielleicht kann man bei den Grünen ja noch einen Leitantrag Ausländerpolitik beschließen, mit dem man sich neben den Piratenwählern auch die NPD-Wähler an Land ziehen könnte.
Bleiberecht nur fünf Jahre mit gebührenpflichtiger Verlängerungsoption, Arbeitserlaubnis mit Entlohung nur für bestimmte Bereich, wie z.B. Auftritte, Merchandise, Vermarktung der Persönlichkeit etc., ansonsten kostenloses Bereitstellen der Arbeitsleistung zur Nutzung durch Deutsche….
Immerhin sitzt die NPD in mehr Landesparlamenten als die Piraten.
http://freelens.com/recht/die-gruenen-piraten-vergraben-den-kulturschatz