Zeitungen in der Krise

29 09 2009

In denUSA diskutiert man gerade, ob die Regierung beim durch die weltweite Wirtschaftkrise verursachten Zeitungsterben intervenieren soll. Wer ein wenig nachdenkt, wird sich fragen: War denn die Zeitungskriese nicht schon eine Folge des 11. September?

Aber auch das wäre eine Fehlannahme. Die Zeitungskrise ist genau das, was der Name sagt: eine Krise der Zeitungen. Und so ist der Artikel von Daniel Lyons zum Thema in der Newsweek etwas, das schon lange gesagt werden mußte und das sich auch in weiten Teilen mit dem deckt, was die Probleme der Zeitungen in Deutschland beschreibt.

Sehr treffend ist dabei Lyons’ Analyse, daß viele Zeitungen vor allem deswegen in die Krise geraten sind, weil sie den Anzeigenkunden für ihre entscheidende Kundschaft gehalten haben und dabei übersehen haben, daß es die Leser sind die über Erfolg oder Mißerfolg einer Zeitung entscheiden.





Wir sind hier in Deutschland!

28 09 2009

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Schon am Tag nach der Wahl zeigt der neuen Möchtegern-Außenminister Guido Westerwelle der Welt dann schonmal wie man sich das in Zukunft vorzustellen hat. Wer als BBC Reporter in Deutschland, was von ihm wissen will muß Deutsch sprechen, denn „Wir sind hier in Deutschland..“ Das hätte der NPD-Vorsitzende Udo Voigt nicht sympathischer rüberbringen können.

Schlimm ist aber auch, daß, wenn man mal eine Englischsprachprobe der selbsternannten deutschen Freiheitstatue gehört hat, man sich nicht so recht vorstellen kann wie er als Außenminister außerhalb von Deutschland anders als auf Deutsch kommunzieren will oder kann. In der freien Wirtschaft hätte er sich damit für alle Aufgaben außerhalb Deutschlands disqualifiziert.

In gewisser Weise kann man, wenn man Westerwelle mal auf Englisch gehört hat, seinen an den BBC Reporter gerichteten Versuch das zu retten auch als Drohung verstehen: „Wir können uns gern mal zum Tee treffen und dann Englisch reden.“

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Wie aus Satire Realität wird

21 09 2009

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Im Internet wird abgeschrieben und aus dem Internet wird abgeschrieben. Genauso holt man sich dort Zitate und Links. Zitate und Links sind kein Problem solange man seine Quellen angibt. Abschreiben ist genauso daneben wie es das früher in der Schule bei den Hausaufgaben war.

Was aber peinlich ist, egal ob man abschreibt, zitiert oder verlinkt, ist, wenn man etwas verlinkt, zitiert oder abschreibt, was man augenscheinlich selbst nicht gelesen hat und was überhaupt nicht zum Thema paßt oder dem diametral entgegenläuft. Und so hat es mein Text zum Thema Pressefreiheit auf dem Oktoberfest mittlerweile auch auf andere Websites geschafft, wo man beeindruckt ist, daß es sogar in Nordkorea ein Oktoberfest gibt.

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Peinliche Nummer. Der Lateinlehrer war früher ja auch nicht beeindruckt, wenn man die Mathehausaufgaben der Parallelklasse abgeschrieben hatte.

Die ganze Nummer zeigt einmal mehr, daß das Internet mit Vorsicht zu genieße ist. Jeder kann hier alles schreiben und deswegen sollte man nicht alles glauben, denn neben denen die bösartig die Wahrheit verdrehen gibt es Unmengen von Leuten die aus Unwissenheit, Unfähigkeit oder als Folge der eigenen Unbedarftheit und Leichtgläubigkeit Dinge verbreiten die mit der Wahrheit wenig bis garnichts zu tun haben.

Viele Menschen sind schnell mit dem Vorwurf bei der Hand, daß klassische Medien durch ihre Anzeigenkunden beeinflußt wären und man ihnen nicht trauen könne. In der Folge singt man gerne das hohe Lied auf den Citizen Journalism. Das auch die ganzen vermeintlich unabhängigen Stimmen im Netz eigene Interessen haben wird dabei ausgeblendet, weil diese oft nicht so leicht erkennbar sind. Sei es, daß es Ihnen weniger um Inhalte als um die darüber erzeugten Klicks und Werbeeinnahmen geht oder sei es, daß man einfach journalistisch unsauber oder sogar missionarisch arbeitet, weil man es nicht besser weiß.





Oktoberfest in Nord-Korea!

19 09 2009

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In Deutschland ist Pressefreiheit kein wirkliches Problem, in anderen Ländern sieht das anders aus. Das ist ja hinlänglich bekannt.

In diesem Jahr findet mit Unterstützung des Goethe-Instituts, des Landes Bayern und der EU zum ersten Mal ein Oktoberfest in Nord-Korea statt. Zur Berichterstattung gaben die nordkoreanischen Behörden folgendes bekannt:

Der Pressesprecher des nordkoreanischen Ministeriums für Bier & Presse, Kim Sung Lee, macht die Akkreditierung von Fotografen für das Festzelt davon abhängig, dass nur Motive fotografiert werden, die ihm genehm sind. „Sie dürfen das machen, was ich zulasse“, sagte Lee.

Fotografen dürften im Zelt auch nur in seiner Begleitung unterwegs sein. Er begründete dies damit, dass er um das Image des Festzeltes und Nord-Koreas besorgt sei. „Es gibt ein paar Dinge, die will ich nicht sehen“, sagte Lee. Falls ein Fotograf in seiner Begleitung Motive ablichten wolle, die er nicht in Ordnung finde, „dann werde ich wahrscheinlich die Hand vor die Kamera halten“, sagte er.

„Ich will keine Oppositionellen, ich will keine Demonstrationen. Dieses Recht steht mir zu“, sagte Kim Sung Lee und fügte hinzu: „Das ist meine Spielregel.“

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Und auch andere staatliche Stellen machen bei der Zensur (anders kann man das nicht nennen) fröhlich mit:

So fordert das nordkoreanische Tourismusamt TV-Teams auf, täglich eine Liste der geplanten Themen zusammen mit den Akkreditierungsunterlagen abzugeben. Danach entscheide das Amt über die Erteilung einer Drehgenehmigung.

In mindestens einem Fall sei diese Genehmigung „ohne ersichtlichen Grund tatsächlich verweigert“ worden, so Reporter ohne Grenzen.

Das nordkoreanische Tourismusamt als Veranstalter des Oktoberfestes wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf der nordkoreanischen Wiesn gebe es keine Zensur, und Journalisten würden auch nicht in der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. „Das Tourismusamt erteilt auf Wunsch jederzeit Fotogenehmigungen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Aber mal ehrlich was anderes haben wir von denen in Nord-Korea ja auch garnicht erwartet, oder?

Dumm nur, daß das alles garnicht stimmt! In Wirklichkeit sieht der Text nämlich so aus und es geht um das echte Oktoberfest in München, Bundesrepublik Deutschland:


Der Pressesprecher des staatlichen Hofbräuhauses, Stefan Hempl, macht die Akkreditierung von Fotografen für das Festzelt davon abhängig, dass nur Motive fotografiert werden, die ihm genehm sind. „Sie dürfen das machen, was ich zulasse“, sagte Hempl.

Fotografen dürften im Zelt auch nur in seiner Begleitung unterwegs sein. Er begründete dies damit, dass er um das Image des Hofbräuzelts und der Brauerei besorgt sei. „Es gibt ein paar Dinge, die will ich nicht sehen“, sagte Hempl. Falls ein Fotograf in seiner Begleitung Motive ablichten wolle, die er nicht in Ordnung finde, „dann werde ich wahrscheinlich die Hand vor die Kamera halten“, sagte er.

„Ich will keine Nackten, ich will keine Titten. Dieses Recht steht mir zu“, sagte Hempl und fügte hinzu: „Das ist meine Spielregel.“

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Und auch direkt staatliche Stellen machen bei der Zensur (die man in Deutschland natürlich nicht so nennen wollen würde) fröhlich mit:

Zudem fordere das Münchner Tourismusamt TV-Teams auf, täglich eine Liste der geplanten Themen zusammen mit den Akkreditierungsunterlagen abzugeben. Danach entscheide das Amt über die Erteilung einer Drehgenehmigung.

In mindestens einem Fall sei diese Genehmigung „ohne ersichtlichen Grund tatsächlich verweigert“ worden, so der BJV.

Das Münchner Tourismusamt als Veranstalter des Oktoberfestes wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf der Wiesn gebe es keine Zensur, und Journalisten würden auch nicht in der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. „Das Tourismusamt erteilt auf Wunsch jederzeit Fotogenehmigungen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Quelle: Spiegel Online

Wer die Presse nur als Marketinginstrument versteht und deswegen meint es wäre ok, wenn sie nur die Sonnenseiten zeigen sollte und man ihr den Rest einfach verbietet, hat zwar nicht wirklich begriffen was das Grundgesetz zum Thema Presse sagt. Auf der anderen Seite ist man mit solchen Aussagen wie denen oben aber für den Fall, daß es in Deutschland nicht mehr weiter geht durchaus qualifiziert sich als Pressebetreuer in Nord-Korea zu verdingen, oder?

Und nein, es soll mir niemand (wie Herr Hempl das tut) mit irgendwelchem Geseier kommen, es ginge ihm darum die betrunkenen Damen die sich entblößen zu schützen oder stellvertretend die Persönlichkeitsrechte der vollgekotzen Alkoholleiche wahrzunehmen. Wenn Herrn Hempl die Menschen so sehr am Herzen liegen würden, dann könnte er ja eine Grenze einführen, ab der den Kunden nichts mehr ausgeschenkt wird. Aber solange der Gast bezahlt und Herr Hempl dran verdient, ist es ihm egal, ob sich Menschen dort bis zu Besinnungslosigkeit besaufen und neben den Zelten am eigenen Erbrochenen ertsicken. Nur zeigen soll das bitte keiner!

In Nord-Korea würden wir das Zensur nennen. Und deswegen sollten wir uns alle mal die Frage stellen, wie wir mit sowas in unserem eigenen Land umgehen wollen. Jedenfalls wenn wir nicht davon träumen, daß es bei uns wird wie in Nord-Korea!





Piraten vs. Photographen

14 09 2009

Heute hatte ich das Vergnügen einen Auftritt von 5 Bundestagskandidaten in einem Gymnasium erleben zu dürfen.

Reden wir besser nicht vom ersten Teil der Diskussion in der die amtierenden und angehenden Volksvertreter sich zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr äußerten. Höhepunkt war, als einer, ich glaube der von der Linken, den Schülerinnen und Schülern mal etwas von der „Hagener Konvention“ erzählte. Tolle Werbung für die Stadt Hagen oder ein Armutszeugnis für jemanden der sich aufschwingt als Politiker anderen zu erklären wie die Welt funktioniert und der das mit der Haager Landkriegsordnung selbst nicht so recht verstanden hat.

Als nächsten Punkt hatte man sich das publikumswirksame Thema Urheberrecht ausgesucht. Wohl in der Hoffnung, daß Jugendliche alle im Internet Musik runterladen und dabei nicht kriminalisiert werden wollen. Da sollte man doch punkten können.

Und in der Folge kamen dann gute 30 Minuten die einem Urheber die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Den Höhepunkt bei diesem Treiben bildeten die Äußerungen des Kandidaten der Piratenpartei, der sich eigentlich für kaum eine Position zu blöd war. Vom Klassiker „Wenn ich etwas aus dem Internet runterlade, dann mache ich eine Kopie und das Original ist nicht weg also ist kein Schaden entstanden“. Bis hin zu so tollen Vorschlägen wie der Idee, daß Urheber ihr Geld gefälligst ausschließlich mit Konzerten verdienen sollen für die ihre Werke ansonsten nur kostenlos verteilte Werbung sein sollen.

Na, herzlichen Dank! Da hat ja jemand alle Arten des geistigen Eigentums voll und ganz verstanden und beweist eine beeindruckende Kompetenz.

Urheberschaft gibt es scheinbar nur bei Musik, Filmen und Software.

Nur zu gerne hätte ich da auch mal ein paar Fragen gestellt, die die Veranstaltung aber sicher gesprengt hätten:

- Wie veranstalte ich als Fotograf, Illustrator oder Schreiber Konzerte die meinen Lebensunterhalt decken?

- Was muß ich als Fotograf zukünftig jemandem zahlen, wenn er mit meinen Fotos auf seiner Website Werbung für meine Konzerte macht?

- Ist Schwarzfahren auch ok; jedenfalls solange ich die U-Bahn nicht mitnehme?

- Ist mir wirklich kein Schaden entstanden nur weil ich die Datei noch habe, wenn mein Portrait einer jungen blonden Frau deutschlandweit auf Nazi-Wahlplakaten zu sehen war und deswegen kein Kunde mehr mit dem Gesicht Werbung für irgendein Produkt machen will, das Bild also unverkäuflich geworden ist?

- Wird sich die Konzertkarten noch jemand leisten können, denn die Kosten für die Produktion der Alben einer Band müssen ja irgendwo herkommen?

- Fordert die Piratenpartei auch daß Pornofilme kostenlos abgegeben werden und wie sehen da die Konzerte aus?

- Wo kommen die ganzen Theater her in denen Filmschauspieler auftreten um den Werbeeffekt ihrer Filme in Geld umzusetzen? Was kosten da die Karten um millionenteuere Filme zu refinanzieren?

- Wenn die Piratenpartei den Schülern in Aussicht stellt, daß Urheberrechtsverletzungen kein Thema sein sollen und im Internet juristisch alles nicht so eng zu sehen ist, was sagt die Piratenpartei denn dann wenn jemand den Schülern bei ebay, was verkauft, das Geld nimmt und keine Ware schickt?

Der große Verlierer der Diskussion war übrigens der Schüler, der später gerne Filme machen würde und sich irgendwie nicht vorstellen konnte wie er davon leben können sollte.

Dem hat man dann was von irgendeiner Kulturflatrate erzählt.

Ich soll jetzt also glauben, daß alle die heute schon (durchaus nachvollziehbar) wegen der GEZ-Pflicht von Computern auf die Barrikaden gehen in Zukunft heiß drauf sind eine Abgabe auf alle Internetanschlüsse zu entrichten, die dann an die Urheber geht?

Mal abgesehen davon, daß so eine Kulturflatrate nichts anderes ist, als der Versuch derer, die für die Werke von Urhebern nicht bezahlen wollen, die Kosten für diese Werke auf die Allgemeinheit umzulegen (man stelle sich nur eine Benzinflatrate vor, bei der die Fahrrad- und 3L Lupo-Fahrer helfen den Durst der SUVs zu stillen), kann das nur funktionieren, wenn es sich dabei um einen lächerlichen Feigenblattbetrag handelt, von dem am Ende praktisch nichts bei den Urhebern ankommt. Ein Almosen, das eher ein Hohn als ein Honorar ist.

Wie sollten denn die Ausschüttung solcher Gelder geregelt werden, die Frage, was die Verwaltung einer solchen Abgabe verschlingt, mal außen vor?

Bekomme ich für 100 unterbelichtete Fotos in 10 Sekunden mit 10B/s gemacht genausoviel wie jemand der 100 aufwändige Portraits an 100 Arbeitstagen fotografiert hat? Um das fair zu regeln müßte man ja irgendwie messen, was wie oft runtergeladen wurde oder soll jemand der ein völlig mißlungenes Foto produziert genausoviel bekomme, wie jemand der den Sommerhit des jeweiligen Jahres produziert hat? Jetzt kann ich mir nicht vorstellen, daß diejenigen die sich eine Kulturflatrate wünschen eine solche Erfassung der Nutzung haben wollen. Da würde das Lieblingsfeindbild der Piratenpartei ja lachend aus dem Rollstuhl kippen.

Ergänzung:

Was mir heute beim Nachdenken noch besonders sauer aufgestoßen ist, ist daß da auch tatsächlich das Argument kam, daß man mit all diesen Plänen zur Abschaffung des geistigen Eigentums junge Talente fördern und Ihnen somit eine Chance geben würde. Das ist etwas, daß Fotografen zur Genüge kennen: Leute die etwas für lau abgreifen wollen und dabei noch mäzenatenhaft tun, weil sie sich herablassen den Namen des Fotografen an das Bild zu schreiben, was schließlich eine tolle Werbung ist.

Soll man doch einfach sagen: wir finden die Idee des geistigen Eigentums scheiße, wollen dafür nix bezahlen und was aus denen die sowas herstellen wird ist uns auch egal. Das wäre wenigstens ehrlich.  Aber bitte nicht so tun, als würde man den Urhebern damit noch helfen.





Bis zu 1.000.000€ Gewinn garantiert!

12 09 2009

Jeder kennt diese dubiosen Briefe oder Emails in denen einem versprochen wird, daß man gerade bis zu 1.000.000 € gewonnen hat und das ganz ohne überhaupt an em Gewinnspiel teilnehmen zu müssen. Wer ein wenig nachdenkt, wird feststellen, daß der garantierte Gewinn von bis zu 1.000.000 € eben auch erfüllt ist, wenn man genau 0 Euro bekommt. Die die nicht nachdenken lernen meist schmerzlich, daß man dabei noch draufzahlt.

Was das mit Photographie zu tun hat?  Da gibt es Thijs Heslenfeld und dem ist es gelungen beim Fotowettbewerb der Florida Magazine Association zu gewinnen und das auch ohne überhaupt teilgenommen zu haben. Und nicht nur daß, er hat davon auch nur durch Zufall und lange nach der Preisverleihungsgala erfahren, als er das Netz nach Urheberrechtsverkletzungen durchgegooglet hat.

Das ganze ist sehr lesenswert!





Ex(press) und hopp!

11 09 2009

Dienstag Morgen um 12.00 Uhr hätten die Bilder beim Kunden sein sollen. Also hab ich, sicherheitshalber, statt der „vor 12 Uhr“ die „vor 10 Uhr“ Zustellung bei DHL Express gebucht. Und damit nichts schief geht hab ich auch noch versucht alles richtig zu machen und auch peinlich genau drauf geachtet das alles rechtzeitig einzuliefern usw.

Und um den Beweis anzutreten, daß Bilder mehr können als einen Text illustrieren: Es wird sicher niemand nach dem Betrachten des Bildes oben überrascht sein, daß der Kunde als er am Dienstag um 12.00 Uhr angerufen hat, nicht gesagt hat, daß er sich die Bilder jetzt 2 Stunden lang angesehen hat und total begeistert ist. Denn, oh Wunder, die Bilder waren nicht angekommen.

Da natürlich ein wenig Geld dran hing, daß der Kunde die Bilder bekommt, war es das wichtigste erstmal dafür zu sorgen, daß die doch noch irgendwie bei ihm ankommen. Als die Notlösung dann per FTP zum Kunden unterwegs war, hab ich dann mal in die Online-Sendungsverfolgung geschaut und siehe da: es finden sich nur zwei Schritte „Online gebucht“ und „in der Filiale abgegeben“. Also mal die Nummer die daneben steht anrufen und dem Computer eine ellenlange Sendungsnummer diktieren und jede Menge Fragen beantworten. Der Computer wußte auch keinen Rat und hat mich dann an einen Menschen weitergereicht.

Von dem wurde ich dann, nachdem ich 3 mal meine Nummer diktiert hatte und mich beim letzte Durchgang wie ein Logopäde gefühlt habe, erstmal zurechtgewiesen, daß ich die falsche Nummer angerufen hätte. Klar versucht man sich als Kunde dann zu rechtfertigen, daß man die Nummer von der Seite der Onlinesendungsverfolgung hätte. Darauf wird man dann angeblafft, daß die Nummer letzte Woche geändert worden wäre, so als hätte man gerade den Kapitän der Queen Mary II bei der Atlantiküberquerung gefragt, wann denn der Rand der Scheibe käme oder ob es noch weit nach Indien sei.

Egal. Der Mitarbeiter kann in seinem System nur sehen, daß ich einen Aufkleber gedruckt habe von der Abgabe in der Filiale weiß er nichts. Und nein, er kann auch nicht einfach im Tracking auf der Website schauen, da hat er keinen Zugriff. Auch gut. Er nimmt einen klassischen Irgendwas-Such-Auftrag auf und das wars.

Schnell noch eine neue CD gebrannt und per normaler Post hinterhergeschickt.

Und das vorläufige Ende vom Lied:

Die Expresssendung kam am Donnerstag, zeitgleich mit der einen Tag später abgeschickten Schneckenpostsendung, an, das Online-Tracking behauptet immernoch, daß nach der Einlieferung nichts mehr passiert ist und von DHL habe ich natürlich nichts mehr gehört. Zum Glück hat der Kunde mit der Notlösung leben können. Was aber auch nur geklappt hat, weil ich Dienstag-Morgen in der Lage war das Problem zu lösen statt irgendwo schon wieder was anderes zu arbeiten.

Die Fotos haben damit nicht wirklich viel zu tun, aber als ich da am Dienstag Abend dran vorbei kam, konnte ich mir ein „Aha!“ nicht verkneifen.





Was man nicht auf seine Website schreiben sollte…

8 09 2009

Für einen Photographen ist eine Website die perfekte Möglichkeit potentiellen Kunden die eigenen Arbeiten zu präsentieren. Das macht man am besten mit seinen Photos. Aber natürlich ist auf einer Website auch jede Menge Platz für Texte und es gibt ja auch einiges was man da sinnvollerweise aufschreiben könnte und was für einen potentiellen Kunden eine wertvolle Information wäre. Das sind so Dinge wie Kontaktdaten, der eigene Wohnort, die Arbeitsfelder, die eigenen AGB, Hinweise zum Copyright, die Sprachen die man so spricht, ein paar biographische Daten…

Doch viele Photographen schreiben auf ihren Websites Zeug nieder, das man bestenfalls als ungeschickt oder sonderbar, in Verbindung mit den dort gezeigten Bildern in vielen Fällen auch irgendwo zwischen Lächerlichkeit und völligem Realitätsverlust einstufen kann. Wenn man schlecht photographiert, dann reißen das auch 1000 Zeilen feinste Marketing-Prosa nicht raus, wenn man aber ganz gut photographiert und Unfug schreibt, dann schadet man sich damit. Wer schlecht photographiert und das mit sonderbaren Texten garniert…naja, was soll man da groß sagen.

Zuerst sollte man sich überlegen, was man will. Wenn man dem Kunden zeigen will, daß man Berufsphotograph ist, dann sollte man darauf verzichten seine Dienste auch gleich noch als Webdesigner, Layouter, Lieferant für Visitenkarten und Fachbetrieb für Kanalreinigung anzubieten:

  • Erstellung und Wartung von Online-Auftritten
  • Programmierung von Websites
  • Einrichtung von Servern,Domains,CMS und Bloggsoftware
  • Beratung in technischen und programmtechnischen Fragen
  • Erstellung von Printwerbung
  • Konzeption, Erstellung und Druck
  • Fotografie zu Werbezwecken

Wenn der Photograph auch all das macht statt es einer Fachkraft zu überlassen, warum sollte dann nicht irgendwer sonst anstelle des Photographen genauso gut photographieren können?

Wer sich schon die Mühe macht, so zu tun, als würde er 50 Wochen im Jahr für National Geographic durch die Welt fliegen oder in Splitterschutzweste und Kevlarhelm (Kevlar kommt später nochmal) Kriege „covern“ und dabei ein Schweinegeld verdienen, sollte die Illusion nicht selbst dadurch zerstören, daß er auf seiner Website anbietet für 20 Euro zu mir nachhause zu kommen und Paßbilder von mir zu machen. Wenn er es trotzdem macht, dann will ich aber, daß er die Splitterschutzweste und den Kevlarhelm trägt, wenn er kommt.

Universalspezialisten

Auf seiner Website zu sagen, in welchen Teilen des weiten Feldes Photographie man bevorzugt  tätig ist ist für den Kunden nur dann von Wert, wenn man sich nicht von der Angst treiben läßt irgendeinen Auftrag verlieren zu können. Das Internet ist voll von Photographenwebsites deren Inhaber für sich in Anspruch nehmen sich auf mindestens 8 der folgenden Bereiche spezialisiert zu haben:

Presse, Reportage, Hochzeit, Akt, Schwangerschaft, Portraits, Events, Sport, Beauty, Editorial, People, Konzertphotographie, Kultur, Theater, Haustierphotographie…

Beleg für diese Spezialisierung sind dann in vielen Fällen Galerien bei denen man auf den ersten Blick sieht, daß die Spezialisierung eigentlich nur darin besteht, daß man mal jeweils ein Konzert, Theaterstück, Sportereignis etc. mehr schlecht als recht fotografiert hat.

Das man, wenn man den Begriff „fotojournalist“ auch noch in der eigenen URL unterbringt, auf seiner Seite vielleicht was anderes anbieten sollte als Paßbilder, Dankkarten und Familienfotos, sollte eigentlich selbsterklärend sein.

Ebenfalls sehr beliebt sind  lange Listen und Elaborate zur Ausrüstung die der Photograph benutzt. Da könnte man natürlich sagen, daß es für einen Kunden schon eine wichtige Information ist, ob der Photograph digital arbeiten kann und z.B. in der Lage ist aktuell Bilder zu schicken. Aber solche Informationen findet man auf Photographenwebsites selten. Stattdessen weiß der Kunde nach einem Blick auf die Website des Photographen, welchen Monitor der zuhause stehen hat, in welchem Koffer er seine Kamera transportiert und mit welcher Datenrate der Speicherkartenleser arbeitet. Ein Beispiel aus der Praxis:

Mit dieser Fotoausrüstung arbeite ich:

Kamera: Nikon D3
Diese Fotokamera ist mit einem Bildsensor im FX-Format (23,9 x 36 Millimeter) und einem Empfindlichkeitsbereich von ISO 200 bis 6400 ausgestattet. Sie ist perfekt auf mich zugeschnitten, da ich bisweilen unter extremen (Licht-)Bedingungen arbeite (Luftbild- und Eventfotografie etc.). Ihr Verschluss aus einem Kevlar-/Kohlefaser-Verbundmaterial und die „EXPEED-Bildverarbeitungs-Engine“ ermöglichen mir Serienaufnahmen mit neun bis elf Bildern pro Sekunde.

Mich hat noch nie (wirklich niemals) ein Kunde gefragt, welche Kamera ich benutze oder ob meine Kameras Verschlüsse aus Kevlar-/Kohlefaserverbundmaterialien haben. Kein Kunde sucht „einen Photographen mit einem Nikon 14-24er“.

Schlimm ist es auch, wenn Anspruch und Wirklichkeit so weit aueinander klaffen, daß selbst völlige Laien bestenfalls den Kopf schütteln. Wer behauptet als Photograph hauptberuflich journalistisch zu arbeiten, dabei aber betont, daß es ihm seine Ausrüstung sogar erlauben würde außerhalb der eigenen vier Wände zu arbeiten und in Blockschrift darauf hinweist, daß ein „PRESSEAUSWEIS VORHANDEN“ sei, macht sich lächerlich. Gleiches gilt für Formulierungen wie „flexibel und mobil durch eigenen PKW„.

Wer auf seiner Website eine Galerie für den Arbeitsbereich „Presse“ hat und da im Text verspricht,

Als „Lichtbildner des Zeitgeschehens“ produziere ich für Sie sowohl tagesaktuelle Bilder als auch Reportage-Fotografien von Personen und Ereignissen. Mein Anspruch ist es dabei, den Bildern bereits vor ihrer Entstehung eine bedeutsame Aussagekraft zu verleihen.

der sollte dann aber auch mehr zeigen können als 10 schlecht photographierte Bilder von einem Termin mit irgendeinem Lokalpolitiker. Mal abgesehen davon daß mir mal jemand erklären müßte, wie man Bildern bereits vor der Entstehung eine bedeutsame Aussagekraft verleiht.

Ebenfalls eine oft eher unterhaltsame Rubrik ist die Referenzen-Seite oder Biographie-Seite. Jedenfalls wenn da mit allem gewuchert wird, was man so zur Verfügung hat oder haben glaubt.

Doof nur, wenn man da Kundenreferenzen angibt bei denen dann auf der Website keine Bilder des Photographen zu finden sind sondern wo für alle Bilder andere Photographen angegeben sind oder wo auf der Seite genau Null Bilder sind.

Sehr beliebt ist es auch darauf hinzuweisen, wo man überall Mitglied ist: CPS, NPS, DGPh, freelens, DJU, DJV, ADAC, AOK, ADC, ADG, VG Bild-Kunst etc… Fast könnte man meinen, daß die Mitgliedschaften da verliehen werden und nicht durch den Kauf einer bestimmten Anzahl Kameras/Objektive oder simple Beitragszahlung erworben werden können.






Geschäftspartner gesucht!

2 09 2009

Heute ist der 02.09.2009, es dürfte so 26°C gehabt haben. Sommer eben. Das macht durstig und so führt einen der Weg in den Supermarkt, um das Getränkefach im Kühlschrank aufzufüllen. Die Menschen wollen Eistee, nicht Elisenlebkuchen.

Sollte man meinen.

Im Supermarkt ist aber seit heute schon wieder Vorweihnachtszeit. Und alle sind da: Elisen-Lebkuchen, Schokolebkuchen, Lebkuchenherzen, Spekulatius, Dominosteine, Marzipanbrote und Marzipankartoffeln. Und alles in mehreren Varianten.

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Natürlich könnte man das jetzt völlig bescheuert finden, weil es jede Vorfreude auf das Weihnachtsfest zerstört, es um die völlige Kommerzialisierung geht und denen, die das betreiben, alles was die Vorweihnachtszeit für Menschen und Kinder bedeuten könnte egal ist, solange die Menschen als Konsumenten dieser Weihnachtsprodukte funktionieren. Man könnte kritisieren, daß es völlig krank ist die Weihnachtskekse rauszuholen solange Mon Cherie noch Sommerpause macht.

Aber in Zeiten der Krise kann man sich doch so eine verkitschte „Plätzchebacken mit Oma“-Romatik nicht leisten. In Zeiten der Krise heißt es Chancen ergreifen und ausbeuten. Und so suche ich jetzt auf diesem Wege einen mutigen Geschäftspartner mit dem ich ein innovatives Produkt auf den Markt werfen kann, das dem veränderten kapitalistischen Weihnachtszyklus Rechnung trägt und nicht zuletzt auch hilft die Vorweihnachtszeit wieder zu dem zu machen, was sie einmal war:

Den variablen, kapitalismusoptimierten Adventkalender.

Das ist ein Adventskalender mit 365 Fächern mit Schokolade drin (statt 24 bei der überkommenen veralteten Version), bei dem der Benutzer aber eine beliebige Anzahl von Schokoladenfächern abtrennen und wegwerfen kann. Somit können Eltern, sobald die Supermarktketten den Startschuß geben und damit den Beginn der Vorweihnachtszeit (Advent von lat. advenire; herannahen)  festlegen, einfach einen Adventskalender herstellen, der genau bis zum 24.12. reicht. Somit können die Familien wieder eine ungestörte und unbeeinträchtigte Vorweihnachtszeit verleben, die obendrein noch deutlich länger (größer ist besser, ist schöner) ist. Ganz ohne irgendwelche Irritationen weil der Adventskalender nur unzeitgemäße 24 Tage mitspielt.

Das mag sonderbar klingen, aber doch auch nicht sonderbarer als fast 4 Monate vor Heiligabend schon die Weihnachtsware auszupacken, oder?





Der polnische Patient

2 09 2009

Wie soll man es finden, wenn auf der Website der Uniklinik von Lublin in der englischen Version ein dunkelhäutiger Assistenzarzt zu sehen ist und kaum, daß man auf die polnische Sprachverion umschaltet, macht es „Zing“ und der Assistenzarzt wechselt die Hautfarbe und man fragt sich, ob das mehr ist als ein Photoshop Disaster? Hat man Angst, daß der polnische Patient Angst vorm schwarzen Doktor hat?

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