Noch mehr für noch weniger. (Umsonst oder kostenlos? Teil 2)

Es gibt da noch einige Dinge zu ergänzen.

Viele Zeitungen in Deutschland zahlen Abdruckhonorare zwischen 10 und 20 Euro pro Bild und schaffen es sogar Leute zu finden die zu diesen Preisen Aufträge abarbeiten.

Es gibt kaum ein fieseres System als Fotografen auf Anstrich Aufträge arbeiten zu lassen (Bilder aus Datenbanken und Material das Fotografen schicken per Anstrcih zu honorieren ist was anderes), denn der „Kunde“ zahlt nur für gedruckte Bilder gibt aber fröhlich Aufträge raus. Das Risiko für Sachen die es nicht ins Blatt schaffen, für Dinge die nicht funktionieren, Termine die ausfallen etc. trägt der Fotograf und das bei minimalem eigenen Einfluß. Außerdem  schafft das schreckliche Machtgefälle zwischen Redakteuren und den Fotografen und unter den Fotografen, denn der Redakteur, der die Aufträge vergibt ist ein kleiner Gott, bestimmt er doch nicht nur die Anzahl der Aufträge für die einzelnen Fotografen und damit deren Verdienst, nein zusätzlich kann er auch noch seinem Lieblingsfotografen die schönen Aufträge (6 Bilder in einer Stunde zu Fuß in der Innenstadt mit Chancen auf eine spätere Zweitverwertung der Bilder) zuschanzen und den Doofmannfotografen für 3 Abdrucke von Morgens bis Abends wie blöde durch die Gegend fahren lassen.

Wie die Fotografen die zu solchen Bedingungen arbeiten davon leben können ist ein Rätsel, das das auf die Qualität schlägt kann jeder in etlichen Lokalzeitungen tagtäglich besichtigen. Das man sich dabei irgend einen tollen Ruf oder ein beeindruckendes Portfolio aufbaut ist eher unwahrscheinlich und jedes „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“-Gesabbel ist purer Unsinn oder ein trauriger Versuch sich die eigene Lage schönzureden.

Wahrscheinlich leben die meisten nicht wirklich davon, sondern machen das so nebenbei. Und selbst, wenn man das nur als Hobby oder für die Profilneurose macht, dann ist es immernoch nahezu unmöglich für 10-20 Euro zu einem Termin zu fahren, da ein Bild zu machen, zurückzufahren, es an einem Computer zu bearbeiten und zu verschicken und dabei auch noch irgendwie die entstehenden Kosten und den Verschleiß wieder reinzubekommen, geschweige denn eine Kameraausrüstung, Computer, Internetanschluß, Auto etc. auch nur teilweise zu amortisieren.

Wir haben uns z.B. als bei attenzione darauf geeinigt, daß es einen Mindestpreis gibt, unter dem wir nicht arbeiten, kein Bild rausgeben und unter dem wir eine Nutzung von Bildern aus unserem Archiv nicht zulassen. Natürlich kann man das auch so sehen, daß man „die 10 oder 20 Euro auch noch mitnimmt“,  wenn das Bild eh schon im Archiv ist und der Kunde es sich einfach runterlädt, per Anstrich honoriert und das Geld überweist. Money for nothing!

Tatsächlich macht man aber nicht mehr als die eigene Arbeit zu entwerten und obendrein läßt man in gewisser Weise auch noch die eigenen ordentlich zahlenden Kunden den Billigsektor der Branche subventionieren. und nicht zuletzt macht man es möglich, daß eine Honorarpraxis die unter den Produktionskosten liegt überhaupt möglich ist.

Da macht es dann schon eher Sinn seine Bilder z.B. für einen guten Zweck kostenlos an Projekte abzugeben die kein Geld für Bilder haben, denn die sind dann dankbar und man wird auch wesentlich besser behandelt als von Leuten denen unsere Arbeit keine 20 Euro wert ist und die einen behandeln, als käme man von einem anderen Stern, wenn man nach so exotischen Dingen wie „Belegexemplaren“ oder „Autorennennung“ fragt, denn schließlich hat man ja seine 15 Euro für eine halbe Seite bekommen, da soll man doch zufrieden sein und die Füße still halten. Foto ist schließlich Foto egal wie aufwendig produziert oder wie groß gedruckt.

Man kann all diese Umstände beklagen und auch gerne (eine extrem beliebte Standardvorgehensweise bei Fotografen seit den 50er Jahren) mal wieder das Ende des Fotojournalismus als solchen ausrufen und beweinen und die Schuld daran wahlweise beim Fernsehen, dem Internet, den anderen, der Wirtschaftkrise und wasweißichnicht sehen. Das ist immerhin bequem.

Schuld daran sind aber in erster Linie Fotografen die nicht „nein“ sagen können. Selbst wenn es sich weder wirtschaftlich lohnt, noch sie irgendwie weiterbringt, Ja die selbst dann freudig antreten, wenn es ihnen und anderen wirtschaftlich eher schadet und sie in ihrem Können einfriert oder zurückwirft.

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