Wieviel verdienen? (Umsonst oder kostenlos? Teil4)

In Teil3 hatte ich ja schonmal einen Link zum NPPA-Kostenrechner eingebaut. Wer nicht umsonst oder sogar defizitär arbeiten will, muß mehr Geld einnehmen als er ausgibt, wer sogar Gewinn machen will muß eben um diesen Gewinn mehr einnehmen als er ausgibt.

Das Problem der meisten Fotografen (gerade von solchen die an Anfang stehen) ist nicht, daß sie zu doof sind um zu begreifen, daß nur wer Geld einnimmt am Ende auch welches hat, sondern, daß sie daran scheitern den Umfang der Kosten zu erfassen, die entstehen, wenn man das Produkt Foto oder die Dienstleistung Fotografie erstellt oder sie sich diesen Aufwand schönrechnen. Oft schlicht, weil es weh tut, „Nein“ zu einem Kunden zu sagen und garkein Geld zu bekommen.

Einen Auftrag oder Abdruck abzulehnen, erzeugt schnell das Gefühl, daß man eben die gebotene Summe verloren hat und es ist durchaus schwer ganz nüchtern zu sehen, daß man gerade ein Defizit von XYZ,- € vermieden hat. Das um so mehr als die fixen Betriebskosten (Internetanschluß, Büromiete, Autoversicherung etc.)  ja weiterlaufen, selbst wenn man den Auftrag nicht annimmt. Und so kann es sein, daß man wenn man den Auftrag annimmt zwar ein Defizit erwirtschaftet, dieses Defizit aber geringer ist als das Defizit das bei einem Tag  oder einer Woche ohne Auftrag entsteht. Aber Defizitminimierung ist kein tragfähiges Geschäftsmodell! Das nicht nur, weil man so auf keinen grünen Zweig kommt, sondern vor allem weil man so Preise am Markt etabliert die den Gesetzen des Marktes widersprechen.

Einen Kostenrechner, wie den der NPPA, gibt es jetzt auch in deutscher Sprache auf der Seite von Peter Wafzig konzertfoto-faq.de. Das ist eine tolle Sache und da kann man ihm wirklich dankbar sein, das war sicher einiges an Arbeit; die anderen Sachen in seinem Blog sind übrigens auch lesenswert.

Einen Wert für den Nutzer hat ein solches Werkzeug natürlich nur dann, wenn man sich beim Ausfüllen nicht selbst in die Tasche lügt und das ganze solange anpaßt bis einem die Ergebnisse gefallen. Das gilt besonders für die folgenden Punkte:

Kosten für Fotoausrüstung
Viele, die eine Karriere als Fotograf beginnen, haben bereits eine Kameraausrüstung. Diese wird sicher so lange halten, wie es dauert als Fotograf zu scheitern oder der Defekt der Ausrüstung markiert den Zeitpunkt des Scheiterns. Wer aber langfristig als Fotograf arbeiten will, wird irgendwann an den Punkt kommen wo er neue Geräte oder zusätzliches Material brauchen wird.* Also braucht man Rücklagen für diesen Fall und da ein Fotograf ohne Kamera nur schwer arbeiten kann, ist eine Versicherung gegen Diebstahl oder Zerstörung der Ausrüstung eigentlich ein Muß.

* Übrigens verändern sich durch sowas auch die Tagessätze die man braucht um kostendeckend zu bleiben: Wer mit einer EOS 400D mit Kitobjektiv kostendeckend gearbeitet hat, wird mit dem Tagessatz den er da bekommen hat nicht mehr auskommen, wenn er sich zwei EOS 1D und langes teures Glas kauft (oder kaufen muß), um Bundesligafußball zu fotografieren.


Kosten für Internet und Computer
So wie man mit der privat gekauften Kamera fotografieren kann, kann man seine Bilder auch auf dem privaten Computer bearbeiten und sie über den privaten Internetanschluß versenden, man kann das alles in seiner Privatwohnung machen und mit dem Privatwagen zum Termin fahren. Sich das alles also sparen oder nur zur Hälfte in die Rechnung mit aufnehmen. Wenn man aber sein Einkommen als Fotograf verdienen will, dann ist das eine ziemliche Milchmädchenrechnung. Denn auch das Geld für den Internetanschluß, die Zahnpasta und die Frühstücksbrötchen müssen dann erwirtschaftet werden.

Reisekosten und Spesen
Es ist ein trauriges Zeichen, daß diese Posten im Rechner auftauchen, denn eigentlich sind das Kosten die der Kunde trägt und die neben dem Tagessatz mit auf die Rechnung kommen und eigentlich einfach durchgereicht werden. Wenn dem nicht so ist, sollte man bedenken: Die Fahrtkosten sind mehr als die Treibstoffkosten!

Zweitverwertung
Hier kann natürlich nur der was eintragen, der auch Strukturen unterhält die solche Einkünfte generieren. Dann müssen natürlich auch die Kosten z.B. für ein Online-Bildarchiv irgendwo in die Rechnung mit einfließen. Zweitverwertung setzt übrigens voraus, daß man dem Kunden nicht alle Rechte übergibt bzw. selbst das Recht hat das Material selbst zu verwerten.

und dann ist da noch der vielleicht komplizierteste Faktor in der Rechnung:

die Arbeitstage

Hier geht es nicht darum, eine Aussage über die eigene Arbeitsbereitschaft zu treffen, sondern ehrlich und  realistisch zu sagen, wie oft man wirklich pro Woche (in ganzen Tagessätzen!) gebucht wird. Dabei kommt dann natürlich nur ein Durchschnittswert raus, also muß man darauf achten, daß das insgesamt paßt. Wenn man, bei einem errechneten Tagessatz von 900,-€ am Montag für einen Kunden arbeite der 1200.-€ pro Tag zahlt und am Dienstag für einen Kunden, der für den halben Tag 700,-€ zahlt (damit aber defacto doch irgendwie den ganzen Tag blockiert), dann ist das kein Problem, solange man insgesamt auf die Menge Geld kommt , die man im Jahr zum Überleben braucht.

Angenommen ein Fotograf braucht im Monat 9000,- Euro Umsatz und rechnet mit 10 Arbeitstagen. Mit 6 Tagessätzen zu 1200,- kommt man da nicht hin und man kann den Kunden ja nicht zwingen da 8 Tage draus zu machen, kommen aber noch 4 Tage dazu an denen man 700,- Euro macht, selbst wenn das für den ganzen Tag wäre, dann kommt man über die Runden, selbst, wenn man dann 40% der Tage unter dem eigentlich notwendigen Tagessatz gearbeitet hat. Willkommen in der wunderbaren Welt der Mischkalkulation.

Aber Vorsicht: das heißt nämlich nicht, daß es in obiger Situation klug wäre noch 10 Jobs anzunehmen bei denen es 100,-€ am Tag gibt, das sind nämlich nicht einfach 1000 Euro obendrauf.

Zum einen darf man nicht außer Acht lassen, daß das ganze nur funktioniert, solange bei einem Job dieser Zusatzjobs deutlich mehr Geld reinkommt als durch den Job an Kosten entsteht.

Zum anderen bohrt man sich selbst ein Loch ins Knie, wenn man wegen einem oder mehrerer der 100,- € Jobs Tage sperrt, an denen man dann einen oder mehrere  zusätzliche 700,-€ oder 1200,-€ Jobs ablehnen müßte.

Und zum Schluß nochmal, als Appell an Amateure mit Ambitionen und junge Kollegen: wenn man Euch Preise sagt, die man mindestens erreichen muß, um über die Runden zu kommen, dann sind das bei den meisten Kollegen keine raffinierten Lügen, um Euch aus dem Markt zu halten, sondern schlicht die Wahrheit. Das manche Kunden das anders sehen, weil sie einen Dummen suchen ist was anderes.

(Die sonderbaren Bilder in diesem Text ersparen übrigens irgendwelche passenden und genauso langweilige Symbolbilder.)

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