Fotohonorare verstehen (Umsonst oder kostenlos? Teil5)

Zu wissen, was man verdienen müßte um über die Runden zu kommen hilft einem nicht wirklich viel, wenn man nicht wirklich weiß, was man überhaupt wie, wann, warum, wie lange, und wem verkauft.

Auf den ersten Blick erscheinen vielen Menschen die üblichen Honorarmodelle für Fotos unübersichtlich und gerade von Seiten von Amateurfotografen und nicht professionellen Kunden wird oft der Vorwurf erhoben diese Modelle seien unfair, weil mancher nicht versteht, daß hier Nutzungsrechte erworben werden und nicht etwa der Gegenstand „Foto“ oder „Bilddatei“ verkauft wird. Das ist dann wohl auch der Grund warum viele Leute ihre Bilder bei diversen Micro Stock Agencies für 99Cent das Stück verscherbeln; egal, was der Kunde damit vor hat.

Neu ist das Prinzip, daß man an geistigem Eigentum nur gewisse Nutzungsrechte erwirbt aber nicht. Eigentlich ist ja jedem klar, daß wer sich eine Musik-CD kauft damit nicht das Recht erwirbt nun selbst CDs mit dieser Musik pressen zu lassen oder die Kompositionen an andere Musiker weiterzuverkaufen.

Im großen und ganzen unterscheidet man zwischen Nutzungshonoraren, Anstrichhonoraren (für schon vorhandenes Material) und Tagessätzen (für die Erstellung von Material auf Auftragsbasis) und den verschiedenen Nutzungsumfängen für das jeweilige Material.

Der Kunde bezahlt dafür, daß er ein Bild benutzt, wobei der Preis vom Umfang der Nutzung abhängig ist. Das ist für den Kunden durchaus von Vorteil, denn er bezahlt nur für das was er braucht statt die komplette Herstellung eines Bildes zu bezahlen. Der Umfang dieser Nutzung geht von der einfachen Nutzung (z.B. der einmalige Abdruck in einer Zeitung) bis zum Buy-Out mit exklusiven Nutzungrechten (z.B. bei Fotografen die für Agenturen arbeiten oder bei Werbefotos, bei denen der Kunde natürlich nicht will, daß auch die Konkurrenz damit wirbt). In jedem Fall nach deutschem Recht unverkäuflich und nicht übertragbar ist, ist allerdings das Urheberrecht.

Diese Nutzungsrechte kann man sich vorstellen wie eine Miete. Einen Smart zu mieten kostet weniger als ein LKW und es macht einen Unterschied ob man den Wagen für 3 Stunden braucht und damit 50km fährt oder ob man den 4 Wochen haben will, um damit 1000km pro Tag abzuspulen. Und so kostet die Nutzung eines Bildes auf dem Titel eines Magazins mit sechsstelliger Auflage auch mehr als ein briefmarkengroßes Bild in einer Tageszeitung. Und wenn man ein Bild öfter benutzen will muß man mehr zahlen, so wie die 12er Karte im Hallenbad auch mehr kostet als die Einzelkarte und wenn man das Bild exklusiv haben will wird es noch teurer, so wie es auch ziemlich teuer ist ein Hallenbad anzumieten, um es für sich allein zu haben. Und natürlich würde niemand glauben, weil er eine Eintrittskarte hat wäre es sein Hallenbad und er könne das Wasser mitnehmen oder nun selbst Eintrittskarten verkaufen.

Die Höhe des Honorars ist natürlich frei verhandelbar, aber selbstverständlich gibt es auch hier marktübliche Preise, die sich über die Jahre entwickelt haben.  Ein guter Ansatzpunkt ist die MFM-Liste der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing. Wer Bilder unaufgefordert z.B. per FTP an Zeitungen und Kunden schickt, der ist damit mit deren Standardhonoraren, den sog. Anstrichhonoraren, einverstanden. Dabei geht es in der Regel immer nur um die einmalige Nutzung des Bildes, auch wenn es mittlerweile Verlage gibt, die selbst da versuchen sich alle Rechte an einem Bild zu krallen.

Kaum jemand wird es mit einem gesunden Gerechtigkeitsempfinden in Einklang bringen können, wenn Zeitung A das Abdruckrecht für z.B. das Bild hier für sagen wir mal 100.- € erwirbt und es dann für ebenfalls jeweils 100,- € an drei weitere Zeitungen der Verlagsgruppe und dann noch an die Lufthansa und die fraport AG als Werbemotiv für jeweils 4-stellige Beträge verkauft (Ich will damit nicht sagen, daß genau dieses Bild sich so gut verkaufen würde).

Ich hab neulich mit einem Lokaljournalisten gesprochen, der feststellen mußte, daß ein Lokalzeitung für die er arbeitet, die Bilder (und Texte) die er denen gegen Anstrichhonorar und Zeilenhonorar als Freier verkauft hat, an eine andere Zeitung in der nächsten größeren Stadt weiterverkauft hat. Die fanden das völlig ok und weigern sich auch da zu bezahlen, ihm entgeht so das Geld für eine Zweitnutzung. Ob die einfach nur keine Ahnung von dem haben, was sie da machen oder ob die einfach“ für ein paar Doller mehr“ ihren langjährigen Geschäftspartnern mal zeigen, was sie von ihnen wirklich halten, ist schwer zu sagen. Es zeigt aber vor allem eines: Wer als Fotograf keine Ahnung hat, wird im Zweifelsfall über den Tisch gezogen ohne es zu merken. Wer Verträge unterschreibt, ohne sie zu verstehen robbt freiwillig über den Tisch.

Was man in diesem Zusammenhang z.B. mal gelesen haben sollte ist z.B. die Webseite mit den Honorarregelungen des Spiegel, die für jederman frei einsehbar ist und die exemplarisch für eine faire Honorarvereinbarung ist. Das ist auch eine gute Ausgangsbasis, um das System des Arbeitens auf Tagessatzbasis zu verstehen, denn auch da ist die Frage, welche Nutzungsrechte der Kunde erhält nicht ohne Belang für die Frage, was ein fairer Tagessatz ist. Der Spiegel erhält z.B. mit dem Tagessatz Honorar ein einfaches Nutzungsrecht an den entstandenen Bildern, das für eine definierte Zeitspanne exklusiv ist. Sollte das sogenannte Anstrichhonorar, höher sein als der Tagessatz, wird zudem diese Differenz ausgezahlt. Nach dem Ablauf der definierten Frist kann der Fotograf das Material weiterverkaufen, innerhalb der Frist ist das, nach Rücksprache, ebenfalls möglich.

Betrachtet man dagegen die Vorstellungen einiger anderer Verlage die versuchen, sich mit einem (geringeren) Tagessatz, im Rahmen von Buyout-Verträgen, die kompletten Rechte an den Bildern inklusive des Rechtes zur Weiterverbreitung des Materials sicher wollen, was bislang von deutschen Gerichten kassiert wurde, wird klar, daß man Tagessätze, Honorare etc. nicht nur nach der Höhe sondern auch nach dem damit verbundenen Rechteumfang bewerten muß. Wer anderen ohne lange nachzudenken und ohne da einen finanziellen Ausgleich zu bekommen das Recht einräumt die eigenen Bilder weiterzuverkaufen, der wird am Ende doof schauen, wenn er auf einem Archiv mit tausenden Bildern sitzt, die aber unverkäuflich sind statt eine zusätzliche Rente für den Ruhestand zu generieren, weil jemand anderer das Recht hat die Bilder ebenfalls zu verkaufen und das zu Schleuderpreisen macht.

Nun darf man aber nicht den Fehler machen zu glauben, daß ein Buyout generell etwas unrechtmäßiges oder unanständiges wäre. Fotografen die für Agenturen arbeiten machen sowas tagtäglich, aber dafür bekommen die auch ihre Ausrüstung und einen Dienstwagen gestellt und obendrein genießen sie die Sozialleistungen, Rentenansprüche usw. eines normalen Angestelltenverhältnisses. Und wenn ein Kunde ein Buyout will, weil er z.B. das Bild nutzen können will, ohne da jeweils nachzahlen zu müssen, oder er das Bild genau zu dem Zweck benötigt, es als Handoutbild verteilen zu können oder er das Bild eben nicht an anderer Stelle benutzt sehen will, dann ist das alles kein Problem solange er dafür dementsprechend bezahlt. Und das ist natürlich nur ok, solange darüber offen gesprochen wird und nicht eine Seite versucht den anderen in einen Buyout-Vertrag zu drängen oder ihm einen solchen Vertrag einfach kommentarlos unterzuschieben.

Es macht halt einen Unterschied, ob man bei der Autovermietung fragt ob man den Wagen auch kaufen kann oder ob man meint ihn für den Tagesmietpreis einfach behalten zu dürfen. Wenn der Typ von der Autovermietung aber so doof ist für den Tagesmietpreis das Auto zu verkaufen, dann wird es eng für ihn.

Für Fotografen gehört es deshalb zum ganz kleinen 1×1, zu verstehen, was man dem Kunden an Rechten zu welchem Preis verkauft, statt nur den Geldbetrag zu sehen. Wer das nicht tut, ist am Ende der Dumme, wenn er nicht durch eine eventuelle Rechtswidrigkeit des Vertrages gerettet wird.

P.S.: Was man bei allem nicht vergessen darf, wenn Verlage plötzlich, zum gleichen Preis wie vorher, jegliche Zweitverwertung oder Mehrfachverwertung im Medium selbst und in anderen Publikationen eines Verlages bis hin zum Recht des Weiterverkaufs abgreifen wollen ist, daß bei der Höhe der Tagessätzen ja schon immer eine solche Weiterverwertung eingerechnet war. Dazu kommt, daß bei vielen Verlagen die Tagessätze das letzte Mal bei der Euroumstellung geändert wurden.

Das erinnert ein wenig an die Situation beim Umstieg auf digitale Kameras. Damals wurden von vielen Verlagen die Kosten für Filmmaterial, Labor und Transport freudig gestrichen. Auf der anderen Seite hat aber z.B. eine Kodak DCS 620 damals (also so um das Jahr 2000 herum) schlanke 36.500,- DM gekostet und eine EOS 1DsIII liegt heute im Bereich von 12.000,- DM, der Preis einer Nikon F5 lag bei 5000,- DM.

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