Was man nicht auf seine Website schreiben sollte… (Teil 2)

siehe auch Teil 1.

Sprechen wir nicht über Killersätze wie: „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.“, „Bilder sagen mehr als tausend Worte“.

Es braucht keine schlimmen Bilder um potentielle Kunden als Fotojournalist mit der eigenen Website in die Flucht zu schlagen. Das schafft man auch mit ein paar Sätzen zwischen unfreiwillig komisch und „ich will, daß meine Leser ratlos zurückbleiben“. Welchen Wert hat der folgende Satz für einen potentiellen Kunden eines Fotografen?

Auch diese Internetseiten erstelle ich selbst. Durch meine autodidaktischen Kreationen und fortwährend aktuell neuer Projekte bedingt, erfreut sich meine Webpräsenz einem ständigen Wachstum.

Dass man ohne Betreuer in der Lage ist einen Termin wahrzunehmen und sich zu akkreditieren, dürfte auch keinen Kunden umhauen.

Viele meiner Medientermine organisiere ich in Eigenregie. Oft sind Akkreditierungen notwendig, die je nach Eventveranstalter im Vorfeld zu tätigen sind. Bei einigen kann man dies aber auch direkt vor Ort im Pressebereich problemlos abwickeln.

Wenn man eine Website betreibt um potentielle Kunden zu gewinnen, dann sollte man vermeiden, Zweifel an der eigenen Professionalität zu wecken. (Wenn man diese Zweifel selbst hat, dann sollte man sich überlegen, ob man das Kunden zumuten kann oder ob man besser noch ein wenig wartet. In der Regel versaut man es sich mit jedem Kunden nur einmal.)

Da ich kein gelernter Fotograf bin, habe ich meine Webseite mit dem Begriff „<BEGRIFF_OHNE_VERBINDUNG_ZU_FOTOGRAFIE_ODER_JOURNALISMUS>“ kombiniert. Die Ausübung meiner Tätigkeit ist der Bildjournalismus. Eine Ausbildung zum Fotografen ist jedoch ein zusätzliches Ziel von mir.

Ebenfalls ein wenig unglücklich sind auch Sätze wie:

Wie viele andere Pressefotografen habe auch ich mein Hobby zum Beruf gemacht.

besonders, wenn man dann drei Sätze später erklärt, man wäre über das Schreiben zum Fotografieren gekommen, weil „auch mal auf den Auslöser drücken“ ja scheinbar eh jeder kann:

Über das Texten kam ich zur Pressefotografie. Während eines Praktikums bei  ************“  (…)  wuchs das Bedürfnis, mich fotografierend einzubringen. Ich fragte mich, warum solle ich bloß die Texte schreiben, ich könne ja auch mal auf den Auslöser drücken.

Wer als Profifotograf eine Website betreibt, sollte zu diesem Zwecke eine sinnvolle Domain registrieren und nicht einfach eine nehmen die er, aus welchem Grund auch immer, schon hat. Eigentlich sollte klar, sein, daß weder http://www.firefighter<ZAHLENWERT>.de noch http://www.knipser<EIGENER_VORNAME>.com, sonderlich geeignet sind, einen halbwegs seriösen und professionelle Eindruck zu machen, da rettet es dann auch nichts mehr auf die Startseite zu schreiben:

Wenn Sie meine Bildergalerie besuchen, werden Sie sehen, dass es weniger geknipste Bilder sind. Wenn ich fotografiere, dann fotografiere ich bewusst.

Professionelle Kunden werden schon vor der URL zurückschrecken, die kommen nicht bis zu diesem Satz.

Wenn man als Fotograf keine eigene Website hat, dann ist es sicher cleverer ganz darauf zu verzichten im Internet Bilder zu zeigen, als seine Bilder auf „Amateure zeigen sich gegenseitig belanglose Bilder und schreiben einander gegenseitig ‚Hammergeiles Bild, toll gesehen, perfekt gestaltet!‘ drunter“-Portalen zu zeigen.
Wenn das alles ist, was ein potentieller Kunde findet der den Fotografennamen bei google eingibt, hat sich das schon erledigt. Und „Da hat sich nie ein Kunde bei mir drüber beschwert!“ ist da kein Argument. Kunden haben was besseres zu tun als irgendwem zu erklären wie man sich selbst vermarktet. Wer übrigens auf seine Website statt einer Mail-Adresse oder Telefonnummer ein Emailkontaktformular baut, bei dem der Kunde noch eine seitenlange Datenschutzvereinbarung anerkennen muß, um den Fotografen kontaktieren zu dürfen, der hat einen wirklich effektiven Weg gefunden das eigene Postfach weniger vor Spam aber doch effektiv vor Kundenanfragen zu schützen.

Bei vielen Kunden, wir sprechen hier ja nur über Seiten von Fotojournalisten, sind gestellte Bilder nicht gerne gesehen oder bei vielen Agenturen ist das schlicht verboten oder ein Kündigungsgrund (natürlich gilt das nicht für Portraits und Bilder die es „ungestellt nicht gibt“ wo jedem Betrachter klar ist, was er das sieht) in diesem Zusammenhang ist die folgende Formulierung natürlich eher schwierig:

Bei meiner Arbeit bin ich gern stiller Beobachter. Um authentische Bilder zu erhalten, greife ich selten in die Situationen ein. Wenn ich schon mal ein Bild stellen muss, gebe ich mir Mühe, dass es nicht auffällt.

Nicht daß ich dem Verfasser irgendwas unterstellen wollte, aber es ist ziemlich unglücklich formuliert.

Was ebenfalls ziemlich nach hinten losgehen dürfet sind maßlose Übertreibungen. Wer mittelmäßig bis bescheiden fotografiert wird dafür von professionellen Kunden nur ein genervtes Lächeln ernten, selbst, wenn der Kunde nur einen mittelmäßigen Fotografen gesucht haben sollte, und kann damit höchstens irgendeinem Unbedarften  beeindrucken. Wer wirklich außergewöhnlich gut fotografiert hat es nicht nötig das zu erklären, dafür hat er ja seine Bilder. Also sollte man sich Sätze wie diese schenken:

Das perfekte Bild ist: ein <Fotografenname>-Foto.

Ohne ihn geht garnichts.

<Fotografenname> ist Vollblut-Profi mit Hang zur Perfektion.

Stress fegt er einfach weg; miese Laune vertreibt er mit einem frechen Grinsen; ratlos ist eh niemand, weil er Gott sei Dank zu allem was zu sagen hat und ist mal jemand traurig, holt er ihn mit Charme und Optimismus aus dem Tief raus.


P.S.: Bei allen Zitaten in diesem geht es nicht darum irgendwen dumm hinzustellen oder sich über andere lustig zu machen. Es geht darum, daraus lernen zu können. Deswegen haben alle Zitate auch keine Quellenangaben oder Links und sind, so gut es geht, unkenntlich gemacht.

Advertisements

3 thoughts on “Was man nicht auf seine Website schreiben sollte… (Teil 2)

  1. Normalerweise schreiben Fotografen gar nix auf ihre Webseite. Das ist unklug, aber wenn man diese Zusammenstellung liest, vielleicht noch die bessere Lösung. Fotografen-Web-Präsenzen anzugucken und zu kommentieren ist ein wichtiger Teil meines Jobs und mein Eindruck ist, über 80 Prozent der Fotografen haben über das, was sie da präsentieren, nie wirklich nachgedacht.

  2. WENN man schon Seiten kritisiert, dann sollte man nicht selbst den Fehler begehen und so richtig schön unstrukturiert zu schreiben.

    Sicherlich sind die genannten Punkte alle richtig und Killerargumente für eine gute Präsentation. Allerdings wäre es doch schön, wenn man mal einige Seiten / Texte präsentiert bekommt, auf denen der Fotograf auch mal was richtig gemacht hat.

    1. Ich denke es ist durchaus sinnvoll, das zu trennen, allein weil Positivbesispiele nicht zur Überschrift passen und bloßes Abschreiben auch nur wieder zu sonderbaren Ergebnissen führt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s