Noch mehr Dinge die ein Fotograf nicht über sich selbst sagen sollte.

Letzter Workshop: “ Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte – XXXXXXX-Fotografie“ am XX.XX.XXXX mit XXXX XXXXX, Wort- und Bildjournalist (DJV).

Eben! Wenn es etwas gibt, womit ein Fotograf auf einer Website für sich werben kann, dann sind das seine Bilder. Das sollte wirklich kein großes Geheimnis sein. Scheint es aber doch zu sein, sonst könnte man nicht schlechte Bilder zeigen und sich damit rühmen am Workshop „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ teilgenommen zu haben. (Anfangs hielt ich die Seite von der die Beispiele in diesem Text stammen für einen Spaß.)

Auf jeder Firmenwebsite einer (erfolgreichen) Firma wird das Produkt im Mittelpunkt stehen, wenn das Produkt toll ist, dann wird sich sicher auch mal jemand für die Firmengeschichte oder die Leute die das Produkt bauen interessieren. Fehlen solche Informationen, ist das Produkt toll, wird das Fehlen kaum jemanden stören. Wenn das Produkt nichts taugt, dann wird das durch Biographien der Mitarbeiter, Firmenphilosophien oder die Firmenhistorie kaum rausgerissen. Wenn das Produkt aber nicht gerade doll ist, die Selbstdarstellung aber keck das Gegenteil behauptet, dann wird es ein Eigentor.

Für Fotografenwebsites scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, unbedingt auch eine Seite zu haben, auf der etwas über den Fotografen gesagt wird bzw. wo der Fotograf in den meisten Fällen was über sich selbst schreibt. Sicher ist es nicht falsch ein paar Sachen, die man früher über sich erzählt hätte oder die man gefragt worden wäre, wenn man irgendwo eine Mappe gezeigt hätte, auch auf der eigenen Website niederzuschreiben. Das muß keine literarische Höchstleistung sein, weniger kann da durchaus mehr sein.

XYZ lebt in Dingsdorf, seine fotografischen Arbeitsfelder sind Reportage, Politik und Kegelsport. Er spricht Deutsch, Englisch, Französisch und Blindenschrift.

Das kann schon reichen. Wer einen Fotografen bucht, der will Arbeitsproben sehen, keine Schriftproben. Nochmal: die Bilder sind das wichtigste. Der Kunde will aber u.U. zusätzlich wissen, wo der Fotograf sitzt, denn die wenigsten sind so toll, daß man sie quer durch die Republik anreisen lassen würde und wer dringend einen Fotografen für einen Termin in Hamburg sucht, wird nicht zuerst die Münchner Fotografen abtelefonieren. Der will wissen, was der Fotograf macht und kann, und wer sonst nur Portraits mit einer Großformatkamera macht, der wird sich keinen Gefallen tun, wenn er mit dieser Erfahrung & Ausrüstung ein Bundesligaspiel für den Kicker oder die Mai-Krawalle in Berlin für eine Tageszeitung übernimmt.

Das wichtigste bei allem ist aber: Das alles muß irgendwie stimmig sein und das gilt nicht nur für den Text allein, sondern besonders für das Zusammenspiel zwischen Text und Bildern; gleichsam Anspruch und Wirklichkeit. Ein bescheidener Text mit tollen Bildern ist da was anderes als ein Fotografen-Epos mit schlechten Fotos.

Wer so tut, als würde er tagtäglich für die führenden Magazine der Welt arbeiten, aber auf seiner Website nur Bilder zeigt, die es mit Mühe in den Gemeindeboten schaffen könnten, der macht sich lächerlich und wird Kunden einfach suspekt sein. Für den Kunden der einen Fotografen bucht, muß der Fotograf aber vor allem „berechenbar“ sein, die Website des Fotografen sollte dem Kunden also idealerweise helfen den Fotografen und die zu erwartenden Ergebnisse einzuschätzen statt zusätzliche Unsicherheit zu produzieren.

Eine „Kaufmännisch Ausbildung im Fotofachhandelumfeld“ (Fleischereifachverkäufer beim Metzger neben dem Fotoladen gelernt?) ist genau wie „diverse Workshops und Fotokurse absolviert“ nicht wirklich etwas womit man jemanden beindrucken könnte, wenn die Bilder gut sind ist das egal, sind die Bilder so lala oder schlecht, dann hilft es auch nichts. Das gilt auch, wenn man anschließend behauptet, dann noch innerhalb von 6 Monaten an einer Fotofachschule zum Fotografengesellen ausgebildet worden zu sein oder „die Umstellung auf die digitale Fotografie (…) komplett im Eigenstudium abgeschlossen“ zu haben. Das sind alles Sachen die niemanden positiv beeindrucken, daß jemand der als Fotograf gebucht werden will fotografieren kann wird einfach vorausgesetzt, wei auch niemand einen Bademeister fragt ob er schwimmen kann. Also kann man sich solches Geschwätz einfach sparen, weil man sich damit nur schaden kann.

Kunden erwarten, daß man die Ausrüstung hat (oder anmietet) die man für den Job braucht oder man den Job ablehnt, wenn man es nicht gebacken bekommt. Ob die eigene Ausrüstung reicht oder nicht entscheidet der Fotograf, der Kunde entscheidet ob die Ergebnisse in Ordnung sind oder nicht. Das man die Gerätschaften hat, um das normale Tagesgeschäft abzuwickeln wird vorausgesetzt. Deswegen interessieren sich Kunden nicht dafür, was ein Fotograf in der Fototasche oder im Schrank hat. Es sein denn man schreibt, daß man nur eine Kompaktkamera hat: „Ausrüstung: Panasonic Digitalkamera DMC-LC1-K und mobile Multiblitzanlage.“  Damit hat es sich dann erledigt, es sei denn die Bilder wären toll. Wofür sich Kunden aber überhaupt nicht interessieren, ist die Ausrüstung, die der Fotograf irgendwann mal zu kaufen gedenkt: „Die Ausrüstung wird demnächst um eine Canon EOS 500D, mit dem Originalobjektiv Canon Zoom 18mm bis 200mm und dem Canonblitz 580 ergänzt.“  Das führt beim Kunden sicher nicht zum Gedanken: „Boah, der kauft sich bald eine Einsteigerkamera!“.

Fremdsprachenkenntnisse sind wichtig und können gerne erwähnt werden. Die Urlaubswünsche des Fotografen zu erfüllen, sehen nur die wenigsten Kunden als ihre Aufgabe: „Ich bin sehr flexibel und arbeite gern in Nordamerika (New York, Boston, Chicago), England (London, Bristol) und Frankreich (Paris, Marseille).“ Toll, aber dann sollte man im Portfolio schon mehr zeigen, als nur ein paar lasche Bilder von Gebäuden aus dem eigenen Wohnort. Wo man überall schonmal war kann man durchaus erwähnen, wenn (und nur wenn) es beruflich relevant ist, man also da gearbeitet hat. Es ist was anderes, ob ein Fotograf Erfahrung darin hat in China Geschichten zu fotografieren oder ob er mal eine Pauschalstädtereise mit der Volkshochschule nach Peking gemacht und einen Reisestecker für das Kameraladegerät gekauft hat.

Wenn man als Fotograf mit professionellen Kunden zusammenarbeiten will, dann sollte man auch nicht versuchen, denen das Geschäft zu erklären, besonders nicht, wenn man bei selbst grundsätzliche Unkenntnis und Unerfahrenheit demonstriert. „Aufträge werden nur auf vertraglich abgesicherter Basis ausgeführt, eine frühzeitige Auftragsabsprache ist daher sinnvoll. Grundlage für meine Aufträge sind die AGBs von (Name eines Verbandes).“ So wie ich bei ALDI keinen Kaufvertrag auf Basis der Lidl AGB schließen werde, so ist es auch unwahrscheinlich, daß die AGB eines Berufsverbandes Bestandteil des Vertrages zwischen Fotograf und Kunde werden, auch wenn er die da abgeschrieben oder als Muster-AGB bekommen hat. Und was eine „vertraglich abgesicherte Basis“ sein soll, ist auch eher dubios, ich habe jedenfalls noch von keinem Auftrag gehört, der ohne Vetragsschluß abgewickelt worden wäre, so wie auch jeder Brötchenkauf beim Bäcker einen Kaufvertrag beinhaltet.

Und das langweiligste Fisheyebild der Welt, das man irgendwo im Portfolio versteckt hat, sollte man nicht unbedingt auch noch in der Selbstdarstellung bzw. im Lebenslauf, wie folgt, bewerben:

Vor Jahren ist mir ein einzigartiges Foto mit dem Objektiv Nikkor 2,8/ 6mm gelungen, dass ich hier einmal zeigen will.

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11 thoughts on “Noch mehr Dinge die ein Fotograf nicht über sich selbst sagen sollte.

  1. @ Milos: Ich finde, das hier hat nichts mit „Zerreißen“ zu tun. Der Fotograf soll nicht bloßgestellt werden (der stellt sich höchstens selber bloß).

    Es soll zum Nachdenken anregen, auch für alle anderen Fotografen.
    Denn den einen oder anderen Fehler in der Selbstdarstellung machen doch wir alle mal.

    Gruß Michael

  2. Nein, denn es geht ja nicht darum irgendwem zu sagen, daß er sich da doof anstellt. Das würde ich dann per email machen. Da sowas aber die wenigsten Menschen annehmen können, wäre das eine völlige Zeitverschwendung. Aus den eigenen Fehlern zu lernen ist schwerer als aus den Fehlern anderer zu lernen. Trotzdem gibt es sicher eine Menge Leute, die hier über die Beispiele lachen, die Fotografen für Doofmänner halten sich köstlich amüsieren, aber auf der eigenen Website ähnliche, wenn nicht noch schlimmere Texte zu den Besucher bereithalten.

    Aber es geht mir hier auch nicht darum, irgendwen als jemanden, der sich doof anstellt an den Pranger zu stellen. Aus diesem Grund nenne ich hier auch keine Namen, poste keine direkten Links zu irgendwelchen Seiten und versuche das so anonym wie möglich zu halten.

    Auf der anderen Seite sind das aber alles Dinge die von Fotografen ins Internet – und damit die größte, am besten durchsuchbare und öffentlichste Öffentlichkeit der Welt – gestellt wurden, damit sie jemand findet und liest. Damit ist es praktisch unmöglich zu verhindern, daß irgendwer die betreffenden Websites findet. Ich oder andere sind ja auch drauf gestoßen, sonst könnte man nicht drüber schreiben.

    Und obendrein sind viele dieser Websites auch recht prominent plaziert oder „Search-Engine“-optimiert, denn man muß nicht lange suchen oder gar raffinierte Suchbegriffe bei google eingeben, um jede Menge Material zu finden, um was darüber zu schreiben. Die Suche nach „fotojournalist“ reicht schon.

  3. Treffend und pointiert zerlegt :)

    Richtig spaßig wird die Sache dadurch, dass der Fotograf, der sich hier selbst anpreist, gleichzeitig auch noch Unternehmensberater und Immobilienmakler ist. Und anscheinend auch noch Optiker. So universelle Topprofis wirken immer besonders überzeugend.

    Neben den Texten und Fotos zur Selbst-Beweihräucherung, sollte man heute auch immer mal prüfen, welches Bild jemand bekommt, wenn er bei Google nach Informationen über einen sucht. Das gilt nicht nur für Fotografen sondern allgemein für Selbständige, Bewerber, … Das Erste, was ich gewohnheitsmäßig mache, wenn ich einen neuen Geschäftskontakt bekomme, ist erstmal Google zu der Person zu befragen. Teilweise ist das sehr lustig…

    1. Eigentlich ging es nicht darum irgendwen oder -was zu zerlegen.

      Auch, wenn die Suche nach dem Urheber der Zitate nicht das ist, was ich bezwecken wollte, so beweist das doch leider:

      Heute ist es schwerer denn je so zu tun als ob, weil es für den Kunden per google etc. einfacher denn je ist, schnell mal zusätzliche Informationen über das Gegenüber einzuholen.

      Da kann man jetzt sicherlich sagen, daß google eine böse Datenkrake ist, aber wenn ich im Netz so tue als wäre ich Berufsfotograf und an anderer Stelle behaupte ich wäre was ganz anderes, dann ist es nicht die Schuld von google, wenn andere das sonderbar finden.

      Sonderbare Selbstdarstellungen fordern es geradezu heraus, daß das Gegenüber nach Sekundärquellen sucht, um das Gefasel einschätzen zu können.

      Das Dümmste was man machen kann ist, sich von einem potentiellen Kunden beim Lügen oder Angeben erwischen zu lassen. Selbst, wenn der Kunde mit dem was wirklich an Fähigkeiten und Erfahrungen da ist auskommen würde und das „Extra“ garnicht brauchen würde, wird er gerne auf die Dienste verzichten.

      Ehrlichkeit und ein gesundes Maß an Bescheidenheit sind gerade bei Selbstdarstellungen eine feine Sache.

  4. Danke. Ich empfinde die Beiträge aus dieser Serie als gut gemeint und positiv. Einen bsonderen „Kritikgeist“ kann ich nicht entdecken, sondern eher den Wunsch zu helfen.

    Und bitte mal Hand-aufs-Herz: Wir machen alle Fehler – egal wie lange oder kurz im Geschäft. Ja, auch auf unseren Websites und in unseren Portfolios. Deswegen lese ich hier gerne und aufmerksam mit.

  5. Um so interessanter, was man denn hier auf der „About“-Seite des Autors lesen kann. Die empfinde ich genauso peinlich und genau mit den Punkt bespickt, wie Sie vom Autor dieses Artikels angespochen worden sind. Also, erstmal besser (vor)machen !

  6. Über Geschmack lässt sich schlecht streiten, aber dass die About-Seite von Sascha Rheker genauso peinlich sein soll wie das angesprochene abschreckende Beispiel, das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, nachdem ich beide jetzt gerade nochmal gelesen habe.
    Eine andere Frage ist, ob jeder „Freak“ wirklich zur allgemeinen Belustigung durch die Manege gezerrt werden muss.
    Wer sich allerdings in einem gewerblichen Umfeld mit so einer unglaublich unprofessionellen Selbstdarstellung präsentiert, muss damit aber natürlich rechnen. Meiner Meinung nach taugt die zitierte Selbstdarstellung noch nicht mal zum schlechten Beispiel, dafür sind die Mängel einfach zu offensichtlich.

  7. Was ich sehr interessant finde ich, dass der Autor des Beitrags AGB Vorlagen belächelt, aber selber die AGB von ver.di nutz.

  8. Nein, ich belächele da keine Vorlagen oder Menschen die Vorlagen benutzen, sondern Menschen die statt eigene AGB (egal ob aus einer Vorlage oder selbstgeschrieben) zu haben oder zu begreifen, daß wenn sie eine Vorlage benutzen diese dann zu ihren AGB wird, da tatsächlich schreiben:

    „Grundlage für meine Aufträge sind die AGBs von XYZ.”

    Grundlage für Verträge zwischen einem Fotografen und einem Kunden können nur die AGB des Kunden oder die AGB des Fotografen sein.

    Oder unterschreibt dann auch ein Gewerkschaftssekretär für den Fotografen irgendwelche Verträge?

    Mancher mag das für Kleinkram halten, aber sowas signalisiert dem Kunden, daß der andere von Tuten und Blasen keine Ahnung hat.

  9. Ich kann diesem Beitrag nicht zustimmen da er eine wichtige Sache im Internetmarketing nicht berücksichtigt. Nämlich: Suchmaschinen können nur lesen und keine Bilder betrachten oder gar nach ihrer Qualität bewerten. Wenn ich also als Fotograf meine Webseite nur mit den tollsten Bildern bestücke und die „Selbst-Beweihräucherung“ weglasse kann ich sehr lange warten bis mich jemand mit dem Suchbegriff „sehr schöne Fotoaufnahmen Hamburg“ findet. Das kann ich nur erreichen wenn ich meine Bilder mit geschriebenen Worten immer wieder in den höchsten Tönen lobe und damit der Suchmaschine mitteile was es auf meiner Seite zu finden gibt.
    Ich hätte diesen Artikel auch nicht gefunden wenn sie nur Bilder der besagten Webseite und eine abgescannte AGB hier eingestellt hätten. Kurz gesagt: Viel Text ist wichtig im Internet!

    1. Man kann eine Website verschlagworten, man kann eine zutreffende Selbstdarstellung auf der Seite haben oder man kann seine “ Bilder mit geschriebenen Worten immer wieder in den höchsten Tönen lobe(n)“.

      Beim Loben in den höchsten Tönen kann man aber sehr schnell auf die Nase fallen, wenn das Lob in sich in die Lächerlichkeit abgleitet oder die Bilder da den selbst gestellten Anspruch verfehlen.

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