Cloak Bag: Tarnen, Täuschen, Auffallen!

Es gibt Zubehörteile, bei denen man im ersten Moment glaubt einer Satire aufgesessen zu sein. So wie bei dieser sonderbaren Fototasche mit dem Namen „Cloak Bag“, die dadurch besticht, daß sie oben und unten aufgeht, die Kamera reingeschraubt wird und man sich zum Fotografieren die ganze Tasche vor’s Gesicht halten soll, statt die Kamera aus der Tasche zu nehmen.

Das ganze kommt mit dem Versprechen, daß man nie wieder zögern wird sich seine Kamera umzuhängen und man nie wieder ein Bild verpassen wird. Also geht es um die große Angst, des Fotoamateurs, daß jemand die Kamera sieht und klaut. Und natürlich um das große Problem, daß man im Urlaub irgendwelche Menschen am liebsten heimlich mit dem Tele fotografieren will.

Und um das zu untermauern, bemüht man dann in einem „Testimonial Video“ auf der Website eine Photojournalistin, die erklärt, daß sie ohne das Ding nicht in Tijuana hätte fotografieren können. Und nebendran noch einen anderen Fotografen, der so tut als wäre es praktisch unmöglich eine Spiegelrefelxkamera ohne einen Cloak Bag mit auf einen Spaziergang zu nehmen, denn das geht sonst nur mit Kompaktkameras.

Wenn ich nicht will, daß man meine Kamera sieht, dann kann ich sie in eine Tasche stecken und das sogar in eine die oben richtig zugeht, wenn es mal regnet und wo ich noch ein, zwei andere Objektive und einen Blitz* reinkriege. Wenn ich dann fotografieren will, nehme ich sie einfach raus. Das geht mindestens so schnell wie den Cloak Bag oben (und wenn man da zugemacht hat auch unten) aufzumachen und eine bzw. zwei Hände in die Tasche reinzufummeln, um die Kamera bedienen zu können.

Und in der wirklichen Welt wird jemand der mit einer offen sichtbaren Kamera fotografiert vielleicht Aufmerksamkeit, Mißtrauen, Mißfallen und dergleichen auf sich ziehen; keine Frage.

Aber ich würde daraus nicht den Schluß ziehen, daß man weniger Aufmerksamkeit, Mißtrauen, Mißfallen und dergleichen auf sich zieht, wenn man sich plötzlich eine Tasche, in die man beide Hände versenkt hat und aus der ein Objektiv rausschaut, vors Gesicht hält. Ganz im Gegenteil, wer so fotografiert ist für den netten Terroristen, Drogendealer oder Kriminellen von neben an alles, aber sicher nicht der unbedarfte Tourist oder Fotograf.

Und nicht zuletzt sollte man bei allen Drang zum Tarnen und Täuschen nicht vergessen, daß es nur begrenzt sinnvoll ist eine Kamera zu verstecken, weil Menschen die Kameras klauen in den vielen Fällen auch (Hand-)Taschen nehmen und Menschen die andere überfallen machen das auch bei Leuten ohne Umhängetasche. Geld ist eh die praktischste Beute. Und wer Angst hat und was versteckt, der macht sich erst recht interessant.

* Da man die Kamera beim Cloak Bag erst rausschrauben müßte, um einen Blitz drauf zu machen, ist es andererseits egal, daß da kein Blitz reinpaßt…

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4 thoughts on “Cloak Bag: Tarnen, Täuschen, Auffallen!

  1. Oder man steckt die Kamera einfach in eine normale Tasche/Rucksack. Dann fällt die solange nicht auf, wie man sie nicht rausnimmt.

  2. Immerhin immer wieder erstaunlich, was für neue Produktideen es immer wieder gibt. Und noch erstaunlicher finde ich, dass es Leute geben muss, die das alles kaufen. Merkwürdige Welt…

  3. Pingback: realfragment

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