Neil Burgess: Photojournalism: time of death 11.12. GMT 1st August 2010

Schon Robert Capa soll kurz vor seinem Tod das Ende des Photojournalismus verkündet haben und seitdem hat immer mal wieder jemand das Ende des Photojournalismus verkündet. Das war nicht weiter schlimm, denn es ging irgendwie immer weiter und allerlei Dinge konnte man heranziehen, um zu behaupten, der Patient sei vielleicht nicht mehr der Gesündeste, rieche vielleicht an manchen Tagen sonderbar, aber tot sei er noch lange nicht.

Heute habe ich dann leider einen Text gelesen, der recht genau den klinischen Tod des Photojournalismus diagnostiziert. Neil Burgess macht dabei eine interessante Diagnose auf, die insoweit brilliant ist, als sie nicht darauf reinfällt, aus der Tatsache, daß es noch Photographen gibt die Reportagen fotografieren oder irgendwo mehr als ein Bild gedruckt wird, in dem Trugschluß zu landen, es gäbe noch Photojournalismus oder es ginge ihm sogar gut.

Denn Photojournalismus ist das ganze nur, wenn es auch zu diesem Zweck produziert wird, es von jemandem aus der Medienbranche finanziert wird und wenn es in einer Zeitung oder einem Magazin publiziert wird. Das Photographen „Photoreportagen“ als Kunstprojekte, für Hilfsorganisationen, Firmen, Stiftungen, sich selbst oder ganz andere produzieren ist kein Photojournalismus. Genausowenig wie die Illustrationsphotographien die für Artikel produziert werden oder das Photographieren auf Terminen, bei denen Inszenierungen abgelichtet werden, statt Geschichten zu erzählen, die man sich selbst ausgesucht hat.

Burgess macht das alles zum Beispiel auch daran deutlich, daß von den sieben britischen Photographen die in diesem Jahr etwas beim World Press Photo gewonnen haben, nicht einer von der britischen Medienbranche finanziert gearbeitet hat.

Und wer das alles nicht glaubt, soll sich mal fragen, wann er zum letzten mal eine wirklich gute Fotostrecke von einem Fotografen (und nicht einen schön illustrierten Text) in einer Zeitung oder einem Magazin gesehen hat.

Burgess sagt nicht, daß keine Geschichten mehr fotografiert werden, er sagt nur, daß der Photojournalismus tot ist und es ist schwer seine Argumente zu widerlegen.

Vielleicht bleibt allein die Hoffnung, daß der Photojournalismus nur klinisch tot und noch nicht hirntot ist, und man ihn vielleicht reanimieren kann. Dazu muß man das wollen und man muß die Notwendigkeit dazu erkennen den Patienten zu retten. Und man muß die Krankheit erkennen, die liegt nämlich weniger bei den Photographen, sondern vor allem bei denen die früher Photojournalismus in Auftrag gegeben und publiziert haben und denen vielleicht garnicht klar ist, daß sie das nicht mehr tun, sondern nurnoch Bilder abdrucken.

Eine der Hoffnungen könnte das Internet sein, das dem Photojournalismus den Platz geben könnte, den er anderswo nicht mehr hat und es gibt da wunderbare Beispiele, wie die Sachen von Brian Storm.

Aber da gibt es ein großes ABER, das Burgess zentraler Aspekt ist und den man garnicht genug herausstellen kann: Wenn Medien nicht für Photojournalismus bezahlen, dann ist er verloren.

Und das heißt, daß Medien Photojournalismus finanzieren und ermöglichen müssen und nicht nur, daß man sich für ein Almosen mit den für Stiftungen, Firmen oder aus der Tasche des Photographen produzierten Reportagen zu schmücken versucht!

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