Für die Grünen gibt es nur manche Urheber

http://frei.djv-online.de/die-grunen-planen-massive-einschrankungen-des-urheberrechts/

Wenn man sich das hier anschaut

http://gruen-digital.de/2011/11/gruene-antworten-auf-interessenverbaende/comment-page-1/#comment-1046

dann wird klar für die Grünen sind Urheber vor allem die Musik- und  Filmindustrie. Und die ist böse. Denn auch die haben den Grünen ihre Bedenken mitgeteilt und sie sind irgendwie die einzigen, die da Erwähnung finden. Man hat schon fast den Eindruck man freut sich bei den Grünen, daß sich die Richtigen gemeldet haben und man jetzt Kontra geben kann:

„Bei den Verfassern des Schreibens handelt es zum Teil um die gleichen Verbände, die sich für die unsägliche Kampagne “Raubkopierer sind Verbrecher” verantwortlich zeichnen.“

“ So zeige das Schreiben, so die Abgeordneten, „sehr anschaulich, wie unwillig bestimmte Akteure sind, sich im gesamtgesellschaftlichen, aber auch im eigenen Interesse endlich Gedanken über zukünftige Geschäftsmodelle in Zeiten der Digitalisierung und des Internets zu machen“.“

Und natürlich macht man das alles nicht, wegen der Erfolge der Piraten, denn letztlich hatte man das alles schon viel früher…

„Wir haben bereits kontrovers über das Urheberrecht diskutiert, als es die Piraten noch gar nicht gab“.

Und dann kommt noch ein Satz, der einen staunend zurückläßt:

„Die Digitalisierung ist – so trivial es erst einmal klingt – einfach eine revolutionäre Erfindung. Sie ermöglicht das unendlichfache Kopieren von Inhalten, in wenigen Sekunden, zu praktisch Null Kosten und ohne Qualitätsverlust. „

Wenn der Umstand, daß es technisch so einfach geht die Begründung ist, daß jeder einfach so meine Bilder nutzen dürfen soll, dann kann man gespannt sein, was passiert, wenn irgendwann das „Beamen“ wie bei Käpten Kirk Wirklichkeit wird und man einfach so Kameras, Fernseher, und Stereoanlagen aus Wohungen bzw. Geld und Gold aus Tresoren direkt in den Fluchtwagen beamen kann.

Die Kommentare von Fotografen und Grünen dazu sind auch lesenswert, so entgegnen die Grünen dem Kollegen Marco Urban, auf den Vorwurf: “ Es wäre ganz schön, wenn Ihre mal vorher mit Betroffenen reden würdet.“,

“ wir haben mit vielen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, mit Musikerinnen und Musikern, Übersetzerinnen und Übersetzern gesprochen. Wir haben auch mit der Musikindustrie und der Filmwirtschaft, mit Bibliotheken und Kinobetreibern gesprochen. “

Tja, Fotografen. Was sind schon Fotografen?

 

Meiner sei hier der Vollständiglkeit halber auch wiederholt:

Grüne,

man hat fast den Eindruck, Ihr habt Euch über das Schreiben von der Filmindustrie gefreut, die sind ja auch ein tolles Feindbild, schade, daß die Musikindustrie nicht auch noch geschrieben hat, oder? Da kann man so tun als würde man gegen die große böse Krake ankämpfen. So wie gegen die Atomindustrie.

Ich bin nicht die Filmindustrie, ich bedrohe Menschen die sich eine DVD gekauft haben nicht mit Gefängnis (incl. davor singender Kinder, die Papa noch nie gesehen haben) sobald sie die DVD in den Player einlegen. Und ich ruiniere keine Schüler, indem ich ihnen für eine geklaute CD 10.000 € abpresse.

Ich bin Fotograf. Fotojournalist. Jemand, den es, wenn man Euren Antrag gelesen hat nicht zu geben scheint.

Die meisten Urheber sind eher Leute mit einem kleinen Windrad im Garten, um mal beim Vergleich mit der Atomindustrie zu bleiben. Für die ist Euer Leitantrag existenzbedrohend und Sätze wie “Somit soll sichergestellt werden, dass KünstlerInnen die Möglichkeit haben, sich auf die Erschaffung neuer Werke konzentrieren zu können….” aus Eurem Leitantrag sind der blanke Hohn.

Wenn ich meine Urheberrechte durchsetze, dann geht es meistens gegen Medienkonzerne oder Firmen, die meinen mit meiner Arbeit Geld verdienen zu dürfen, ohne meine Leistung zu entlohnen. Da geht es dann um Schadenersatz für ausgefallene Honorare, durch den Mißbrauch enstandene Kosten, aber nicht um ins astronomisch aufgestockte Fanatsiesummen wie bei der Musikindustrie.

Manchmal geht es natürlich auch gegen nicht kommerzielle Nutzer und Privatleute, die Ihr scheinbar vor mir schützen zu müssen glaubt oder denen ihr meine Arbeit gerne einfach so zur freien Verfügung schenken wollt. Ich habe aber, in den all den Jahren noch keinen Privatmann juristisch zu einer Zahlung gezwungen oder da einen Euro eingenommen.
Wenn ich juristisch gegen private, oder wie Ihr es nennt “nicht-kommerzielle”, Nutzer vorgehe, dann geht es mir in der Regel um Kontrolle über meine Bilder. Also um Unterlassung der Nutzung.

Wenn Ihr mir diese Kontrolle nehmt, dann kann ich meine Arbeit nicht mehr machen. Kann ich sie nicht mehr verantworten. Ich müßte z.B. eines meiner aktuellen Projekte über eine Vierlingsschwangerschaft sofort abbrechen und ettliche andere in Frage stellen, weil ich meine berufliche, moralische Integrität nicht mehr aufrecht erhalten und verteidigen könnte, wenn Euer Leitantrag jemals geltendes Recht wird.

Denn die Schwangere ist eine Migrantin!

Und nach 5 Jahren dürfte, nach Euren Vorstellungen, jeder deutsche Neonazi meine Bilder von der Vierlingsgeburt bei einer Migrantin auf seinem Facebook-Account, seiner privaten Website (und ist die NPD Website eigentlich kommerziell, sind es die NPD-Wahlplakate, nö oder?) mit markigen Sprüchen zur Gebährfreudigkeit der Migranten benutzen.

Und ich als Fotograf, der sich das Vertrauen der Familie erworben hat, der da mit seinem Namen, seinem Ruf für gerade steht, ich hätte keine Möglichkeit irgendwas dagegen zu unternehmen. Ich müßte denen sagen, daß sie es ja vielleicht über das Persönlichkeitsrecht versuchen können, da selbst zu klagen, von mir wäre keine Hilfe zu erwarten.

Ich habe Einkünfte nur aus der Lizensierung meiner Werke an Kunden. Ich schreibt da neben diesen Einkünften noch irgendwasn “von damit (also mit meinen Werken) verbundenen indirekten Einnahmen (z.B. Auftritte, Merchandise, Vermarktung der Persönlichkeit etc.)” Könnt ihr mir bitte erklären wie ich als Fotograf zu Einnahmen aus Auftritten, Merchandise und Vermarktung der Persönlichkeit kommen soll?

Irgendwelche Fotobücher können es nicht sein, da wäre ich ja wieder Urheber.

Soll ich kleine Puppen von mir machen lassen und die als Merchandising-Artikel verkaufen?

Soll ich Konzerte geben, wie es mir schonmal ein Vertreter der Piratenpartei, als einzige legitime Einnahmequelle für Urheber, empfohlen hat?

Ich habe den Eindruck, Ihr habt unter dem Eindruck der Erfolge der Piratenpartei, gemeint “da auch mal was für kostenlose Musik- und Filmdownloads machen zu müssen”.

Es wäre besser gewesen erstmal zu schauen, wer und was Urheber überhaupt sind.

Sascha Rheker

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One thought on “Für die Grünen gibt es nur manche Urheber

  1. Ja, sowohl das Parteiprogramm der Piraten als auch der o.g. Grünen-Leitantrag lesen sich verdammt stark wie ein Wünsch-Dir-Was für legalisierte Gratisdownloads von Musik und Filmen. Alles abseits von Musik und Film kommt darin schlicht nicht vor. Ich hatte das vor einiger Zeit auch zusammen mit anderen potentiell Betroffenen im damaligen Piratenpartei-Forum andiskutiert (http://forum.piratenpartei.de/viewtopic.php?f=8&t=5336), aber alles, was von offizieller Seite überhaupt kam, ging meilenweit am Thema vorbei. :(

    Nun ja, ich werde mir in Zukunft drei Mal überlegen, ob ich überhaupt noch irgendwelche Fotos von irgendwo veröffentliche. (Als jemand, der nicht davon lebt, kann ich mir das leisten – das sieht bei Berufsfotografen natürlich leider anders aus. :( )

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