Billig analog fotografieren: Der 20 Euro Scanner

Analoge Fotografie macht Spaß! Auch in digitalen Zeiten.

Analoge Kameras sind billig (seit letzter Woche steht hier eine minolta* XG 2 mit 1,7 50er im Regal – jede Menge Nostalgie für 49,- € – und es geht noch viel billiger) , ein paar SW-Filme kosten nicht die Welt. Noch eine einfache Entwicklungsdose und ein Wechselsack zum Einspulen der Filme im Hellen. Jetzt noch ein paar Chemikalien dazuschütten, trocknen lassen und fertig.

Die legendäre Yashica T4, Kodak Tri-X 400 (auch legendär) und der 20€ Scanner (noch nicht legendär)

Und dann ist auch schon wieder Schluß mit billig, leider. Denn das Negativ ist zwar das Ende der Filmentwicklung aber nicht wirklich schön anzusehen und auch nur schwer im Internet zu zeigen oder per email zu verschicken. Denn eigentlich ist das Negativ ja nur der Anfang einer weiteren Verarbeitungskette und sich gleich ein Naßlabor einzurichten ist für die meisten, dann doch eher ein Problem. Geld, Räumlichkeiten und nicht zuletzt ist es wieder eine Wissenschaft für sich selbst. Bliebe also noch das Scannen der Negative, aber das ist dann schnell Schluß mit dem günstigen Spaß.

Ein Scan vom Dienstleister kostet schnell zwischen 5 und 20 €.

Neue Filmscanner sind teuer und nicht mehr so gut wie es Filmscanner mal waren. Deswegen sind richtig gute Nikon Scanner, die es nurnoch gebraucht gibt, heute teurer als sie es neu waren und die meisten neuen Filmscanner heute sind. Das nächste Problem ist dann oft die Scannersoftware die bei älteren Scannern zwar mit im Karton war, aber mit aktuellen Betriebssysteme klemmen kann und dann gleich wieder Kosten verursacht.

Der Billigscanner in seiner vollen Schönheit. Jede Menge Knöpfe und keine Kabel.

Aber um billigen Spaß mit Kleinbildfilmen zu haben gibt es eine lustige Alternative. Scanner für unter 50 € (meiner hat als Angebot 19,90 € gekostet), die eben keine Scanner sind, sondern bei denen es sich genau genommen um eine Kombination aus Billigdigitalkamera (5 Megapixel), Makroobjektiv und Leuchtpult handelt. Das Negativ wird von hinten beleuchtet und dann von oben „fotografiert“. Diese Konstruktion bringt auf der Plusseite einige Vorteile mit:

– da nicht zeilenweise abgetastet  sondern fotografiert wird ist das Ding (besonders im Vergleich zu Flachbettscannern) rasend schnell

– das Ding bringt einen hübschen Monitor mit auf dem man eine Vorschau hat

– das Ding speichert auf einer SD-Karte wie eine Digitalkamera und ist damit völlig frei von Treibern etc. (Gerade für Mac-User ein echtes Plus im Gegensatz zu ähnlichen günstigen Geräten die per USB an den Rechner angeschlossen werden, die es dann oft nur mit Treibern und Software für den günstigen Windows-Massenmarkt gibt)

Der Monitor des Billigscanners

– die Kombination, von Digitalkamera, Leuchtpult mit LED-Beleuchtung, eigenem Monitor zur Benutzerführung (und fünfmal so viele Tasten wie ein Nikon Coolscan V) und Speicherung auf SD-Karte wird durch ein Batteriefach für 4 AAA Zellen ergänzt und damit hat man dann ein komplett autarkes Gerät, daß man z.B. auch mitnehmen kann, um schnell mal beim Weihnachtsbesuch bei den Großeltern Opas Negativ-Sammlung zu scannen. (Und durch den Monitor mit „Live-View“ ist das Ding auch ganz praktisch um Negative zu sichten, die sich irgendwo finden.)

unbearbeiteter Rohscan von einem AGFA ISOPAN (die "frischen" Filme die noch danebenlagen haben als Ablaufdatum den Juni 1944)

Natürlich hat die Konstruktion auch eine Negativseite, denn das was da qualitativ rauskommt kann natürlich nicht wirklich mit einem Nikon Coolscan oder auch nur einem Epson Flachbettscanner vom oberen Ende der Produktpalette, denn für die 20,- € kann man da natürlich keine ED-Optik und eben auch keine Wunder erwarten.

Ein Manko, daß man im obigen Beispiel sofort erkennt ist, daß der Billigdigitalkamera-Sensor dummerweise im Format 4:3 unterwegs ist und nicht das volle 3:2 (36×24 mm) Kleinbildnegativ erfaßt. Schade, da hätte man besser etwas Auflösung „verschenkt“ und dafür sichergestellt, daß das ganze Negativ erfaßt wird.

Und in der 100% Ansicht sieht man natürlich, daß der Nikon qualitativ ganz weit vorne liegt. Was einen nun nicht wirklich überraschen sollte.

Nun muß man bei allem aber auch den Preis im Auge behalten. Absolut sind 20,- € ein Knaller und relativ eigentlich auch, denn da kostet ein gebrauchter Nikon eben nunmal ungefähr so viel wie 30-50 dieser Billigscanner. Und die 20,- € stehen nicht zuletzt auch in einer sehr gute Relation zu einer gepflegten gebrauchten analogen Kamera.

 

Und zu guter Letzt darf man eines nicht vergessen:

Aus dem Bild einer 20 € Digitalkamera von der Resterampe kann zwar niemand die Bilddatei einer EOS 5DII machen. Keine Frage.

Aber ein schlechter Scan(ner) ist was anderes als eine schlechte Digitalkamera, denn der Scanner setzt zu einem viel späteren Zeitpunkt des Prozesses an, da das Bild zum Zeitpunkt des Scannens längst fertig ist und seine Qualität durch das Objektiv der Kamera und den Film (inkl. Entwicklung) definiert wurde.

Wer ein Negativ mit dem 20,- € Scanner scannt, der hat  ja nicht nur die Datei aus dem Scanner, sondern immernoch das Negativ und damit kann man ohne Probleme jederzeit mit einem guten Scanner einen High-End Scan machen oder im Fachlabor die tollsten Vergrößerungen bestellen.

Und die Bilder im Internet zu zeigen, sie Freunden zu schicken und für Abzüge bis 13x18cm sollte das was hier rauskommt locker reichen.

In jedem Fall ist es aber keine Monster-Investition, die einem den billigen Einstieg in die analoge Fotografie verwehren oder vermiesen könnte, sondern eine preiswerte Verbindung zwischen analoger und digitaler Welt.

 

* damals noch ohne Großbuchstaben

 

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2 thoughts on “Billig analog fotografieren: Der 20 Euro Scanner

  1. …die Lage an der Filmfront ist dramatisch. Irgendwo im Internet habe ich gelesen, das der Filmverbrauch auf den Stand von 1930 zurückgefallen ist. Kodak soll 70 Millionen Dollar Verlust im Monat machen und einen Firmenteil nach dem anderen verramschen. Gerade ist die Gelatineherstellung verkauft worden.

    …Fuji nutzt die Gelatinemaschinen jetzt wohl vor allem um Grundstoffe für die Damenkosmetik herzustellen. Die DInger sind einfach für den augenblicklichen Filmbedarf zu groß und im Betrieb zu teuer.

    …in Bad Saarow im Ossiland startet eine NEUE Filmherstellung. Die Marke ADOX wurde wiederbelebt. Das ist eine alte Frankfurter Marke – ADOX war wohl einer der ersten Filmhersteller der Welt.

    …ich habe mir derweil eine 8×10 Inch Plaubel gekauft und werde die über die Festtage renovieren (neue Dichtungen, Chrom polieren)

    …jedenfalls wurden auch schon in den siebzigern die mechanischen Armbanduhren, oder auch das mechanische Klaiver totgesagt und haben dann einen fulminaten Neustart hingelegt. Wer trägt noch elektronische Digitaluhren? Wer kennt noch „Dr. Böhm Heimorgel“. Genau diese Produkte waren aber in den siebzigern total angesagt und galten als Zukunftstechnologie. Autotelefone mit langem Spiralkabel aus den achzigern sind übrigens auch schon ausgestorben.

    ….wichtig ist, das die Filmindustrie den Wandel in die Filmmanufaktur schafft – ich bin ziemlich sicher das es da ein Revival gibt. Schließlich wird schon über ein drittel aller Fotos mit dem Handy gemacht, und die nächste Zukunftstechnologie, die auf dem Müllhaufen der Geschichte wandert sind digitale Billigkameras für die breite Masse der Benutzer.

    Spannende Zeiten.

  2. Für 20€ würde ich so ein Ding auch noch mitnehmen :-)
    Ich digitalisiere meine Negative ja auch per digitaler Kamera, auch wenn mein Equipment da ein wenig mher gekostet hat als 20€ :-)
    Aber da die Kosten für die dicke Digi plus Makro unter „war-eh-da“ abgerechnet werden, hab ich mir da die Naeusachaffung eines dedizierten Negativscanners verkniffen und die Qualität der entstandenen Digibilder ist einem Coolscan durchaus vergleichbar – und schneller gehts allemal.

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