Das Wunder von Dubois County

Bei den „newspaper picture editing“ awards des Picture of the Year taucht plötzlich eine Zeitung auf die kaum einer kennt und die Preise abräumt wo man neben der LA Times andere Namen erwartet hätte:

Der Dubois County Herald, eine Zeitung auf deren Website es kaum was zu sehen gibt.

Wenn auch auf der Website der Satz „This content is available to subscribers only“ regiert, ist „Content“ das Geheimnis des Erfolgs des „Dubois County Heralds„, denn der Dubois County Herald versucht nicht sein Geld mit „Klicks“ im Internet zu gewinnen, der Dubois County Herald gewinnt und behält seine Leser über den Content, also das was in der Zeitung zu lesen und zu sehen ist.

Und man ist sich da beim Herald so sicher, daß die Inhalte die Leser interessieren, daß man darauf verzichtet diese kostenlos für ein paar Werbeklicks im Internet zu verschleudern.

Fragt sich also, was macht die Inhalte des Herald wertvoller als anderer Zeitungen, die unter Leserschwund leiden und pleite gehen?

Es sind (auch) die Bilder. Und die Bilder sind Reportagen. Reportagen über das Leben vor Ort. Nicht in New York, nicht in einem Krisengebiet, sondern irgendwo auf dem Platten Land in den USA.

Und es sind große Reportagen, die die Titelseite und mindestens die fünf folgenden Seiten füllen. (ein paar Bilder kann man hier sehen)

Vor allem aber sind es Geschichten die aufwendig produziert sind und die keine Angst davor haben müssen, daß „es“ irgendwo anders früher im Netz steht.

“They wanted something with a longer shelf-life“

Angefangen hat man damit aber schon Ende der 70er Jahre, also weit vor dem Internet, weil die Zeitung Montag bis Samstag jeweils abends und nicht morgens erscheint und viele Leser die Samstagsausgabe dann erst am Sonntag lasen und man da gegenüber den Zeitungen die Sonntags erschienen mitunter veraltete Meldungen auf dem Titel hatte.

Wie der Sohn des damaligen Herausgebers im wired-Artikel erzählt, hatte sein Vater, der für die Zeitung sowohl schrieb als auch fotografierte, an einem Foto-Seminar teilgenommen, wo er auf eine Lösung für dieses Problem stieß: man produzierte einfach für die Samstagsausgabe etwas, das eher Magazincharakter hat und „länger frisch bleibt“. Eine Reportage mit Fotos.

Über die Jahre hat das auch den Stellenwert des Bildes beim Dubois County Herald, im Vergleich zu vielen anderen Zeitungen, wo Fotografen als Zulieferer gesehen werden oder wo für Artikel über die örtlichen Milchbauern eigentlich auch ein Symbolbild einer Kuh aus dem Allgäu reicht, deutlich geändert.

“We now expect our reporters, when they are coming up with their ideas, to pitch them to a photo editor,” Rumbach says. “We are not going to put a photographer on an assignment that won’t produce a good picture.”

„Wir erwarten heute von unseren Reportern, daß sie ihre Ideen für Geschichten erstmal einem Bildredakteur vorschlagen. Wir werden keinen Fotografen auf einen Auftrag schicken, bei dem keine guten Bilder zu erwarten sind.“

Möglicherweise hat da jemand schon 1978 die Antwort auf das Internet gefunden, die viele Zeitungen noch heute suchen.

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