Piraten und Bildung

Verlogen, peinlich und arrogant! Anders kann ich den ständigen Hinweis der Piraten, auf Schulen und Bildungseinrichtungen nicht nennen.

 Christopher Lauer:
“Urheberrechtlich geschützte Werke sollen an Schulen und Bildungseinrichtungen kostenlos genutzt werden können.”

Und auch in den Kommentaren hier, haut man in diese Kerbe:

„Es geht doch gar nicht um Schulbücher, die man nicht so einfach wie eine MP3-Datei kopieren kann, sondern darum, dass ein Lehrer seinen Schülern “Schindlers Liste” zeigen kann, ohne dafür eine extra Version kaufen zu müssen. Unsere Lehrer haben uns ihre privat gekauften DVDs gezeigt und damit gegen das Urheberrecht verstoßen, das eine öffentliche Vorführung der DVDs untersagt.“

Abgesehen von dem verlogenen Tränengemelke, das so tut, als wäre das Urheberrecht jetzt der Grund, warum junge Deutsche nichts vom Holocaust erfahren und der nächste Holocaust dann wohl die Schuld der Urheber ist.

Wieviele Lehrer wurden denn im letzten Jahr abgemahnt, weil sie ihren Schülern im Unterricht einen Film gezeigt haben? Ich habe noch nie von einem solchen Fall gehört. Nach den Erhebungen des Vereins zur Hilfe und Unterstützung gegen den Abmahnwahn e.V., also sowas wie der Lobbyorganisation der abgemahnten, erfolgen rund zwei Drittel der Abmahnungen wegen Porno-Videos. Wegen „Schindlers Liste“ ist überhaupt keine Abmahnung verzeichnet. Schul- und Fachbücher findet man übrigens gar nicht in der Erhebung.

http://abmahndatenbank.de/Gesamtliste%20abgemahnte%20Werke.html

Von solchen Geschmacklosigkeiten wie der Instrumentalisierung des Holocaust und des Bildungssektors generell mal abgesehen, hat die Forderung „alles umsonst“ für Schulen und Bildungseinrichtungen noch einen anderen Haken, denn das heißt:

Das Werk eines Urhebers ist so bedeutend, daß es geeignet erscheint damit die Jugend einer Gesellschaft in den Schulen zu bilden. Aber das Werk und der Urheber dieses Werkes sind es der Gesellschaft (wenn es nach den Piraten geht) offenkundig nicht wert, daß der Urheber von dieser Leistung leben kann?

Das kann es doch nicht sein. Wie kann ich so tun als wäre ein Roman ein Kulturgut und den Autoren gleichzeitig mit solcher Geringschätzung vor die Füße kotzen?

Und glauben die Piraten wirklich, daß man Kinder und Jugendliche mit Fotokopien oder pdf-Dateien ans Lesen heranführen können wird und man so ihre Begeisterung für Bücher weckt? Oder muß jeder Buchautor dann jedem Schüler ein Buch schenken? Oder sollen, wenn ein Roman als Lektüre im Unterricht gelesen wird, dem Schüler vermittelt werden, daß nur das Papier und die Druckerschwärze eines Buches einen Wert darstellt, für den es sich zu bezahlen lohnt?

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