Streetspotr – Ausbeutung 2.0

Pfandflaschen aus Mülltonnen zu fischen ist gesellschaftlich nicht wirklich gut angesehen und viele Menschen haben ein ungutes Gefühl, wenn sie einen Mitmenschen sehen, der das macht oder machen muß. Wenn man aber zu ähnlichen Konditionen arbeitet, dabei aber ein Smartphone statt einer Plastiktüte als Betriebseinrichtung hat, dann ist das eine coole Sache. Jedenfalls für Spiegel-Online.

Streetspotr ist ein Internetstartup, das Leute dazu bringt für lächerliche Summen Fotos (z.B. von Parkhäusern für die Navisoftware eines großen Autherstellers) zu machen, Informationen zu recherchieren oder gar Restaurants zu testen.

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/streetspotr-minijobs-auf-dem-handy-im-selbstversuch-a-838967.html

Auch wenn die Dame von Spiegel-Online, das irgendwie für eine tolle, witzige Sache hält:

„Klingt nach der perfekten Lösung für den Nachmittag, den ich vor mir habe. Ein Arzttermin, eine Beratung beim Mieterschutzbund, außerdem will ich ein Geburtstagsgeschenk besorgen. Da ich selbständig bin, ist das ein halber Tag, an dem ich kein Geld verdienen kann. Warum nicht als mobile Arbeitskraft in meiner Wahlheimat Hamburg etwas dazuverdienen, so wie das rund 10.000 Streetspotr in Deutschland tun?“

Warum nicht?

Einfach Frage, einfache Antwort: Es ist nichts anderes als Ausbeutung und Jobvernichtung. Deswegen nicht!

Das wird unsere Spiegel-Online-Autorin aber wohl erst an dem Tag so richtig begreifen, wenn sie keine Jobs mehr bekommt, weil ihre Artikel jetzt ein „Streetspotr“ für 5 Euro schreibt. Aber die Autorin entblödet sich nicht auch noch umsonst für Streetspotr das Hamburger Rathaus zu fotografieren und dabei von „Ruhm und Ehre“ als lohnt zu reden.

Kann man ja locker sehen das ganze, denn, daß sie zwischen Arztbesuch und Mieterschutzverein frei hat, ist ja eigentlich glatt gelogen, denn sie arbeitet ja genau genommen an ihrem Artikel, verdient also eh gerade Geld.

Und der ganze Spaß ist eh nur halb so spontan wie das klingen mag, denn an anderer Stelle schreibt sie, daß jeder neue „Mitarbeiter“ bei Streetspotr erstmal umsonst zur Probe arbeiten müsse, nur sie nicht, denn “ Für den Test hat mir Streetspotr diese Aufgabe erlassen.“

Sorry, aber man kann nicht so tun als würde man als Journalist spontan, unabhängig und quasi in der Freizeit was testen, und dabei die Hilfe des Getesteten in Anspruch nehmen.

Aber was der Spiegel-Online-Artikel ganz außen vor läßt ist die Frage, wie und ob die Verdienste da versteuert werden, wer den Zuarbeitern von Streetspotr die Krankenversicherung zahlt usw…

Der große Unterschied zum Pfandflaschensammler ist wohl, daß der Pfandflaschensammler keine anderen Jobs vernichtet und nicht von anderen ausgebeutet wird, die sich seiner billigen Arbeitskraft bedienen.

Also wäre es nur gerecht, wenn der Pfandflaschensammler ein besseres Ansehen genießen würde.

Advertisements

20 thoughts on “Streetspotr – Ausbeutung 2.0

  1. Vor allem dürfte irgendwann jede Stadt irgendwie abgegrast sein. So viele Restaurants gibt es in der typischen deutschen Stadt auch nicht. Parkhäuser gibt es noch weniger und auch die Pizzerien sind bei ordentlicher Verbreitung des Programms recht schnell getestet. Und dann sitzen die Leute auf dem Trockenen und kriegen keine Aufträge mehr.

  2. „Das wird unsere Spiegel-Online-Autorin aber wohl erst an dem Tag so richtig begreifen, wenn sie keine Jobs mehr bekommt, weil ihre Artikel jetzt ein “Streetspotr” für 5 Euro schreibt“

    Das ist doch quatsch… Hat MyHammer dazu geführt, dass heute niemand mehr einen richtigen Klempner anruft?

  3. Nein, das finde ich gar keinen Quatsch.

    In den USA gibt es schon Lokalzeitungen, die ihre Redaktionen nach Indien ausgelagert haben. Die haben dann Rentner die z.B. eine Gemeinderatssitzung auf Video aufnehmen und das wird dann nach Indien übertragen und die Schreiben einen Artikel.

    Warum sollte also niemand, wenn vielleicht auch erstmal nicht beim Spiegel, Termine mit Billigkräften besetzen und so z.B. eine Lokalzeitung füllen?

  4. Sollte sich eine Redaktion dazu entscheiden Streetspotr als Hauptautoren für eine Lokalzeitung einzusetzen sollten sich die Journalisten lieber mal Gedanken über die Qualität der von ihnen abgelieferten Artikel machen .. weil ich mir sicher bin, dass grade der SPIEGEL, welcher in Deutschland ja nun wirklich ein gutes Ansehen genießt, sich nicht dazu entscheiden wird Amateure die Artikel schreiben zu lassen..
    Das Ziel von StreetSpotr ist Hauptsächlich das erstellen von Statistiken. In meinen Augen hat die App nicht das Potential andere Jobs zu „vernichten“.

  5. Es geht meiner Meinung nach bei Streetspotr nicht um Jobs, Geldverdienen und reich werden, sondern lediglich um den Spaß an der Sache.
    Hunderte bis Tausende zeihen Jährlich in die Wildnis zum Geo-Catching und machen das nur, weil es Spaß macht und nicht, weil am Ende ihres Weges ein unbezahlbarer Schatz wartet.
    Es geht hier nur um Spaß, und bei sowas sogar noch 1,50€ zu bekommen, nur weil man Spaß hat, ist das doch eine gute Sache.
    Und ich glaube nicht, dass man ungemein viele Jobs stiehlt, beim Hotspot austesten oder Schuhe fotographieren, das sind doch eher weniger dichte Berufsfelder.

  6. Sorry Sascha, aber wenn du so offensichtlich negativ voreingenommen von etwas schreibst und behauptest App-Nutzer schreiben demnächst SPON-Artikel kann man das so nicht stehenlassen.

    Wieso sollte da jemand Krankenversicherung zahlen? Wer ist denn so einfältig und läd sich eine App runter mit dem Gedanken er hat jetzt einen Arbeitsvertrag bei dem er krankenversichert ist? Steht das irgendwo?

    Also Kirche mal im Dorf lassen. Streetspotr ist eine App bei der man vor allem Geocaching-like unterwegs ist und sich als Anreiz ein paar Euros dazu verdienen kann. Also ein Hobby/Zeitvertreib. Nicht mehr und auch nicht weniger ;)

  7. Man sollte sich da nichts vormachen!

    Geld verdienen, ohne das bei der Steuererklärung anzugeben ist kein Hobby oder Zeitvertreib, sondern schlicht und ergreifend Schwarzarbeit.

    Und da die Betreiber von Streetspotr ihre Zulieferer sicher nicht aus einer schwarzen Kasse bezahlen werden, sondern das als Betriebsausgaben gegen die Einnahmen rechnen werden, kann man davon ausgehen, daß das Finanzamt da durchaus mal auf der Matte stehen kann, weil aus den Unterlagen bei Streetspotr sicher hervorgehen wird, wer da was bekommen hat.

  8. Heute auf der Spiegel-Homepage:

    Werden Sie Twitter-Reporter
    London 2012: Berichten Sie für SPIEGEL ONLINE über die Olympischen Spiele

  9. „Schwarzarbeit“??
    Bitte mal die Kirche im Dorf lassen! Wenn Streetspotr schon als Arbeitgeber angesehen werden soll, so haben diese noch immer keine Steuerkarte von jemandem angefordert und solange die monatlichen Einkünfte 400€ nicht übersteigen wäre das ja dann als sogenannter Minijob anzusehen… Ergo läge die Steuerschuld von 2% Pauschalsteuer bei Streetspotr!

    Oder glaubt hier jemand es käme einer der Streetspots bearbeitet auf die Idee dafür Werbungskosten anzusetzen??

  10. Aha, und wenn ein Fliesenleger am Wochenende irgendwelche Bäder verfliest, bei keinem seiner Auftraggeber angestellt ist oder jeweils mehr als 400 € bekommt, dann ist das auch nur ein „Minijob“ und man braucht dem Finanzamt nichts davon zu sagen?

    Nicht angestellt zu sein ist eigentlich eines der klassischen Kennzeichen von Schwarzarbeit.

    Und wenn ein Schwarzarbeiter nicht versucht seine Kosten steuerlich geltend zu machen, dann darf er die Einnahmen unversteuert behalten?

  11. Für dich, Sasha, ist also auch jeder Freiberufler ein Schwarzarbeiter? Denn diese sind nicht angestellt und arbeiten auch mal am Wochenende.
    Außerdem, wer hofft, mit Streetspotr seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist seltendämlich. Es geht dabei nicht um das Geld und auch nicht um Arbeit.

    Und eine Frage zum Schluss: Wenn du eine alte Frau als Nachbarin hättest und ihr mal die schweren Einkaufstaschen raufträgst, sie dir für den Gefallen 2€ in die Hand drückt, würdest du dann auch gleich einen Arbeitsvertrag und eine Krankenversicherung verlangen?

  12. Ich befasse mich seit geraumer Zeit mit der App und finde diese exzellent programmiert. Klar gibt es in den Medien irritierende Berichte darüber, dass man angeblich damit schnell Geld verdienen kann. Das ist natürlich Quatsch. Momentan zählt eher der Spaßfaktor:
    http://www.medienpapst.com/streetspotr-spas-statt-schotter/

    Zukünftig kann ich mir aber gut vorstellen, dass es zahlungsbereite Firmen gibt, die diese mobile workforce im großen Stil nutzen wollen.

  13. Haha ich lach mich TOT xD
    „Jobs vernichten“ nennt ihr das xD XD XD
    Ich vernichte nen job weil ich ein Bild von nem Restaurant mache oder eine Pizza esse ??? :DDD
    Haha lächerlich
    Ich bekomme doch keinen job als Fotograf weil ich ein Bild von nem Haus mache ??
    Ein Professioneller Fotograf ist da noch 1000 mal mehr gefragt als ein typ mit Smartphone :D
    Schon aleine die kamera ist ganz was anderes und der Fotograf kennt sich einfach 100 mal besser aus…

    Und sie musst einen job machen indem Sie automaten prüft… ich kenne keinen job der „Autpmatenprüfer“ heißt , dass machen dann eher die Straßenarbeiter und die Sind froh dass sie nicht so nen scheiß machen müssen weil sie wichtigeres zu tun haben, aber ein andere Freut sich am weg nach hause geld zu verdienen ;)

  14. Bei Streetspotr handelt es sich um eine innovative Idee, die zwar nicht ganz ausgereift aber in gewisser Weise zukunftsweisend ist. Modernisierung ändert viele Aspekte des täglichen Lebens, das gilt schon immer. Man selbst hat die Aufgabe sich an diese neuen Umstände anzupassen und in diesem Falle werden Trivialjobs von gewöhnlichen Leuten ausgeführt die glücklich sind ein kleines Taschengeld zu erhalten, was nicht heißt dass die selben gewöhnlichen Leute einfach Jobs übernehmen für die es einer Ausbildung, Erfahrung oder gar Talent bedarf, wie im Falle der Autorin des Spiegel Artikels. Ich kann mir vorstellen wie einige (zum Beispiel der Verfasser des Hauptartikels) bei der Erfindung des Rades bereits über die vereinfachten Transport- und Fortbewegungsmöglichkeiten geklagt hätten weil viele Wasserträger ihren Job einbüßen werden…um anschließend etwas bedeutend sinnvolleres zu machen. Regt euch also gefälligst nicht über Änderungen auf die zwangsläufig stattfinden werden sondern macht sie euch zu Nutze!
    Cheers

  15. „Man selbst hat die Aufgabe sich an diese neuen Umstände anzupassen und in diesem Falle werden Trivialjobs von gewöhnlichen Leuten ausgeführt die glücklich sind ein kleines Taschengeld zu erhalten,“

    So wie sich die Mitarbeiter bei diversen Paketdiensten daran anzupassen haben, daß sie Hartz IV Aufstocker bleiben, obwohl sie mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten?

  16. Bei streetspotr besteht doch keinerlei Potenzial Jobs zu „vernichten“ es ist einfach eine App für zwischen durch wenn Mann mal nichts zu tun hat oder in der Nähe ist.

    Ich mache schon seit einiger zeit mit beim Geocaching mit und wenn ich dann am Wochenende mal unterwegs bin, warum dann nicht kurz eine Speisekarte fotografieren und leicht 1,50€ oder so zu verdienen. Ich finde nicht das dass Ausbeutung ist.

    Wie kann Mann denn einen Handwerker der unter der Hand arbeitet und 3 stellige Beträge verdient, mit jemanden vergleichen der hin und wieder mal 1,50€ verdient?

    Schwarzarbeit? Ich soll 1,50€ oder sogar mal 10€ im Monat beim finanzamt melden? Soll ich dann das Taschen Geld meines Sohnes auch dem Finanzamt melden ? Er schreibt gute Noten und bekommt 5€ für eine 1 in deinen Augen ist das Dann auch Schwarzarbeit oder?

  17. Das Taschengeld, daß Ihr Sohn von Ihnen bekommt ist ja hoffentlich schon versteuert.

    Was denken Sie, wie der Betreiber von streetspotr, das Geld, daß er Ihnen zukommen läßt in seinen Büchern führt? Als Geschenke für gute Noten in der Schule, daß der Geschäftsführer aus seinem versteuerten Privatvermögen entnimmt und Ihnen schenkt?

    Er führt es ganz sicher als Ausgaben in seiner Gewinn/Verlust-Rechnung für’s Finanzamt und bezahlt seine Zulieferer wohl eher nicht aus einer geheimnisvollen schwarzen Kasse, bei der nie eine staatliche Stelle erfährt wo das Geld hingeflossen ist. Ob sie das dann ordentlich versteuern oder nicht kann ihm auch egal sein.

    Einnahmen nicht beim Finanzamt anzumelden ist halt Steuerhinterziehung und im Auftrag einer Firma gegen Zahlung von Geld Fotos anzufertigen ist eine gewerbliche Tätigkeit inkl. Gewinnerzielungsabsicht, mit all den Konsequenzen die das mit sich bringt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s