Beschneidungen, Piercing und kleine Mädchen mit Ohrringen

Im Moment diskutiert man quer durch religiöse, intelektuelle und eher dumpfe Kreise lebhaft ob Beschneidungen an kleinen Jungen das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrheit verletzen und deswegen mit unserer Verfassung in Widerspruch stehen.

Es ist recht einfach, wenn die christliche Mehrheit das so sieht, denn man selber tut sowas ja nicht, es sei denn  es sei medizinisch geboten und dann isses ja ok.

Wer nun aber auf dem Standpunkt steht, daß eine Beschneidung mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist, macht es sich einfach. Dem gegenüber steht die Religionsfreiheit und die Absichtserklärungen diverser Politiker dieses Problem per Gesetz lösen zu wollen. Das führt aber zur spannenden Frage die Bettina Röhl bei Spiegel-Online aufwirft:

Wie sollte ein Gesetz das Recht auf körperliche Unversehrtheit aus dem Grundgesetz aushebeln und wie wollte man eine gesetzliche  Ausnahmen die Juden und Moslems die Beschneidung aus religiösen Gründen erlauben würde gegenüber dem Gleichheitsgrundsatz rechtfertigen, wenn ein Christ oder Atheist seinen Sohn aus welchen (anderen als medizinischen) Gründen auch immer beschneiden lassen wollte.

Und alle die meinen, das alles sei nur ein Problem der Juden und Moslems, sollen sich bitte mal in ihrem Bekanntenkreis nach kleinen Mädchen, nein nicht nach solchen die Beschnitten sind (wobei natürlich die Frage, wie man das verbieten will, wen man es an Jungen erlaubt dann auch irgendwann kommt), sondern erstmal nur nach Mädchen mit durchstochenen Ohrläppchen umsehen. Und da gibt es genug die zu klein sind, um diesen Wunsch je geäußert zu haben, allein weil sie nicht sprechen können.

Und jetzt kommt die spannende Frage: Warum ist Ohrlochstechen kein Grund zur Aufregung, eine Beschneidung dagegen schon?

Und was wäre wenn die „progressive Oma“ der 6jährigen statt Ohrlochstecken ein Bauchnabelpiercing schenkt?

Und kann man das Piercen von Kindern verbieten, wenn Bechneidungen aus religiösen Gründen erlaubt wird?

Was, wenn jemand eine Religion erfindet, die Piercings statt Beschneidungen propagiert?

Alles nicht so einfach wie es auf den ersten Blick erscheint, oder?

 

P.S.: Jeden Mittag zu McDonalds ist auch nicht gut, weil der kleine Mann, dann schon mit acht oder zehn Jahren nicht mehr sehen kann, ob er überhaupt beschnitten ist oder nicht.

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4 thoughts on “Beschneidungen, Piercing und kleine Mädchen mit Ohrringen

  1. Ich wäre ja für eine Beschneidung der ganz besonderen Art. Alle, die sich für eine solche aus „religiösen“ Gründen stark machen, denen müsste zwangsweise ein Ohr abgeschnitten werden, denn es gehört ganz und gar ihrem Gottoderwasauchimmer. Da kann die Gottheit dann ganz direkt hinein flüstern, was noch so alles beschnitten werden muss. Von Rechten bis Vorhäuten.
    Nur so eine Idee.

  2. Spannender Weise, gehöre ich auf der einen Seite zu den Menschen, die es nicht gut finden, wenn man das religiöse Empfinden anderer verletzt, nur um es zu verletzen, weil man es nicht versteht, mag oder doof findet. Andererseits gehöre ich aber zu denen die das völlig ok finden, wenn die Verletzung ihre Ursache darin hat, daß die religösen Vorstellungen mit den Freiheitsrechten anderer (oder sogar mit deren religösen Vorstellungen) kollidieren.

    Die Frage der Beschneidung wirft da ganz grundsätzliche Fragen auf, die sehr spannend sind. Und deswegen bleibt zu hoffen, daß man das weder hysterisch angeht, noch als Lappalie abtut.

  3. Petition gegen rituelle Beschneidung an Minderjährigen
    20. Juli 2012

    Text der Petition

    Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

    § 1631d
    Verbot der rituellen Genitalmutilation

    Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

    http://eifelginster.wordpress.com/2012/07/21/297/

  4. Ja, dann haben die eben alle eine Vorhautverengung. Das ist eh besser, denn das zahlt die Krankenkasse.

    Man sollte sich auch mal überlegen, daß es weltfremd ist, da von einer „Option auf eine selbstgeschriebene Biographie“ zu sprechen.

    Diese Option hat kein Kind, weil man sich seine Eltern (und Lebensumstände, auch in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht) schlicht nicht aussuchen kann. Nicht die Eltern zu bekommen, die man gerne gehabt hätte gehört genauso zum Lebensrisiko wie es umgekehrt zum Lebensrisiko der Eltern gehört, daß selbst das Wunschkind sich als das Arschloch entpuppt, daß man nie getroffen haben will.

    Und was ist eigentlich mit Kindern, die sich mit 14 einfach piercen lassen oder sich die Arme „ritzen“, können die Eltern die nicht auch verklagen, weil die dann nicht die Kinder sind die sie haben wollten?

    Dieses Thema ist deutlich komplizierter als manche das meinen.

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