Wenn es mal etwas länger sein soll…

Mit einer Lochkamera stößt man auf der Blendenseite schnell an die Grenzen der Blendenskala des Belichtunsgmessers. Denn da ist meistens bei 32 Schluß und Blende 192 ist irgendwo auf ummarkiertem schwarzen Plastik oder da wo der Digitalanzeige die dritte Stelle vor dem Komma fehlt.

Wenn man dann nicht immer im Kopf weiterzählen will „32..45..64…90…128…180…..) hilft einem eine Blendentabelle auf der man dann einfach die korrekten Werte ablesen kann. Sowas findet man im Internet, aber wie bei sovielem, was man im Internet findet, hat die Sache einen Haken. Bei der Tabelle, die ich gefunden habe, war der Haken, daß der Ersteller schlicht die Blende 32 vergessen hatte, was irgendwie dadurch ausgeglichen wurde, daß auch die 1/15 Sekunde für ihn ein unbekanntes Land zu sein schien. Also hab ich mir eine eigene gemacht (siehe angehängtes .pdf).

 

Aber mit dieser Tabelle ist das Denken nicht überflüssig geworden, denn:

Was man jetzt nicht vergessen darf ist der Schwarzschild-Effekt (nach seinem Entdecker Karl Schwarzschild benannt), denn sonst hilft die schönste Tabelle und die cleverste Belichtungsmessung nichts.

Der gute Herr Schwarzschild hat nämlich vor über 100 Jahren entdeckt, daß die Empfindlichkeit von Schwarz-Weiß-Film bei Belichtungszeiten über einer Sekunde abnimmt, man also, um eine Unterbelichtung zu vermeiden, länger belichten muß (die Blende weiter auf zu machen scheidet bei Lochkameras aus naheliegenden Gründen aus).

Um den ganzen Zauber noch etwas komplizierter zu machen, ist die Stärke des Schwarzschildeffekts von Film zu Film unterschiedlich. Datenblätter gibt es von den Herstellern. So braucht ein 100er T-Max bei 100 Sekunden eine Zugabe von ca. 1 Blendenstufe, ein Tri-X hätte dagegen lieber 3,5 Blenden mehr Licht.

Und auch bei Farbfilmen kommt der Schwarzschildeffekt zum Tragen.

 

 

Das nächste Bein, daß man sich mit langen Belichtungszeiten stellen kann ist zu übersehen, daß es Abends dunkler wird. Klingt erstmal blöd, ist es aber nicht.

Wenn ich eine Aufnahmesituation, sagen wir mal „Stadt in der Abenddämmerung“ habe, bei der meine normale Kamera z.B. Blende 5,6 und 2 Sekunden braucht, will die Lochkamera bei Blende 192 schon 30 Minuten Belichtungszeit. Plus Schwarzschildeffekt für einen 100er T-Max wären wir bei etwas über einer Stunde Belichtungszeit.

„Wären wir bei etwas über einer Stunde“, weil das ja nur stimmen würde, wenn es die ganze Stunde genauso hell bleiben würde wie es zum Start der Aufnahme war, aber genau das liegt ja nicht in der Natur der Abenddämmerung…

 

Blendentabelle Lochkamera

 

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