Wie der DJV die Arbeitsbedingungen verschlechtert (updated)

Manchmal fragt man sich, ob Berufsverbände für oder gegen ihre Mitglieder arbeiten.

Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) fährt gerade eine sonderbare Kampagne gegen fotografierende Rettungskräfte. Und das auf so eine platte und undifferenzierte Art und Weise, daß man kotzen möchte.

Das beginnt schon damit, daß man diffamierende Begriffe wie „Feuerknips“ und „Rettungsknipser“ benutzt und den Eindruck erweckt, daß jeder Feuerwehrmann oder andere Angehörige einer Hilfsorganisation mit einer Kamera in der Hand, seinen Lebenssinn darin gefunden hat mit Dumpingpreisen oder Gratisbildern Fotografenexistenzen zu vernichten.

Gekrönt wird diese Kampagne von einem Plakat, daß einen Münchner Feuerwehrmann mit Kamera unter der Überschrift „Kann mal bitte jemand löschen“ zeigt. Als würde da gerade ein Haus abbrennen, weil der Herr Feuerwehrmann ein Bild macht. Und auch der Text dazu erweckt den Eindruck, als würden da zwingend Hilfspflichten zugunsten des „knipsens“ vernachlässigt:

In den letzten Jahren hat das Fotografieren von zu Hilfsleistungen verpflichteten Fachkräften aber in einem Maß zugenommen, das zumindest hinterfragt werden sollte: Dann nämlich, wenn Bildjournalisten und Filmreportern, die mit den Aufnahmen ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, von steuerfinanzierten Behörden und Organisationen Konkurrenz gemacht wird. 

Den zweiten Satz kann man auch so lesen, daß dieses „Nicht-Helfen“ nicht etwa problematisch ist, weil da jemand nicht geholfen bekommt und Schaden nimmt, das wäre dem DJV wohl egal. Nein, es könnte den Mitgliedern des DJV ein Honorar entgehen.

Diese ganze Kampagne wirkt diffamierend, auch durch die dort benutzten Bilder und die Art und Weise, wie diese eingesetzt werden (schwarze Balken über dem Gesicht kennt man sonst eher aus dem Gerichtssaal):

Und die Fragen dieser Umfrage sind so suggestiv, daß ich die nicht guten Gewissens ausfüllen könnte.

Die grundlegenden Fragen dieser Kampagne wären durchaus mal diskutierenswert, aber so wie der DJV das macht kann da nichts gutes bei rauskommen, sondern am Ende kann nur die Verschlechterung des Verhätnisses zwischen Rettungskräften und Presse stehen.

Dabei wäre eine sinnvolle und sachliche Diskussion der diversen Problemchen die es beim Aufeinandertreffen von manchen Journalisten und manchen Rettungskräften immer mal wieder gibt sicher eine gute Sache.

Für eine differenzierte Betrachtung müßte man ein paar Faktoren betrachten:

1. Es gibt bei Feuerwehren eine Einsatzdokumentation, die der Qualitätssicherung, dem eigenen Archiv, der Erstellung von Unterrichtsmaterial etc. dient. Und das macht heute keiner mehr mit dem Malblock. Jemand in Einsatzkleidung mit Kamera ist nicht automatisch ein Feindbild.

2. Auch Feuerwehren haben ein Recht darauf Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und da auch Bilder rauszugeben.

Die Zusammenarbeit mit Feuerwehren die sich mit Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen ist für Journalisten obendrein oft einfacher, weil es Strukturen wie Pressesprecher etc. gibt.

Ich habe großes Verständnis, daß Feuerwehren gerade im ländlichen Gebiet auch mit ihrer wirklichen Arbeit in der Zeitung auftauchen wollen, diese wirkliche Arbeit passiert aber ungeplant Nachts oder Vormittags und da sitzen die „Freien Mitarbeiter“ vieler Lokalredaktionen bei der Arbeit oder in der Schule. Diese „Freien Mitarbeiter“ kommen dann nur am Wochenende zum Feuerwehrfest oder zu Übungen. Das gibt dann ein verzerrtes Bild und in der Öffentlichkeit die Frage, ob man zum Saufen wirklich so teuere rote Autos braucht. Die Feuerwehrberichterstattung vieler Zeitungen läßt sich mit dem Stichwort „Feierwehr“ zusammenfassen.

Wenn man hier Kritik übt, dann sollte man sich vor allem wirklich fragen, ob die Feuerwehren da Arbeitsplätze zerstört haben oder ob sie schlicht ein Vakuum füllen, das durch Sparmaßnahmen bei Verlagen entstanden ist.

3. (und vor allem)

Ist es natürlich was ganz anderes, wenn einzelne Feuerwehrangehörige ihr Ehrenamt / ihren Beruf zum Geschäftsmodel machen und nebenbei Geld mit Bildern machen wollen und es dann zu Abschottungsversuchen kommt, man die Presse besser erst verständigt, wenn alles rum ist und die guten Bilder im Kasten sind, man weiträumig absperrt, damit keiner sonst an gute Bilder kommt usw…

Und natürlich würde der Hobbyjournalist in der Uniform auch die Frage aufwerfen, wie das mit der Garantenstellung gegenüber den Betroffenen zu vereinbaren ist. Denn meiner Meinung nach kann man nur eins sein Rettungskraft oder Journalist.

Aber das dürften Einzelfälle sein. Die sich natürlich nichts desto trotz zu thematisieren lohnen würden. Wenn man es denn halbwegs sachlich hinbekommen würde.

Wenn ich dann auf der DJV Seite das hier als Reaktionen der Mitglieder geboten bekomme:

„“Das ist wirklich ein heikles Thema. Rettungskräfte und Polizei bringen uns Bildberichterstatter um unser tägliches Brot, nicht nur dass Fotos in diversen Zeitungen und Online-Medien erscheinen. Das fängt ja schon bei der ursächlich ausbleibenden Erstinfo eines Ereignisses an. 

In Rheinland-Pfalz gibt es leider keine offizielle Stelle, die Journalisten über diverse Ereignisse (Feuer, Unfall, ect.) regelmäßig informiert. POL-Pressestelle schickt Pressemeldung entweder nach Einsatzende oder einen Tag später. Berufsfeuerwehr meist nach Einsatzende, die freiwilligen Feuerwehren geben keine Infos raus. Wie soll man hier Fotos oder Filmaufnahmen von Ereignissen anfertigen, wenn man von offiziellen Einsatzkräften und der Polizei keine Info erhält??? 

Dies ist für einige Einsatzkräfte eine Möglichkeit als Hobby-Knipser ein paar Euro zu verdienen, wenn kein hauptberuflicher Bildberichterstatter kommen kann. Hier müsste man schon ansetzten, eine geeignete Stelle zu finden, die Pressevertreter rechtzeitig von diversen Ereignissen unterrichten…sei es per kurze E-Mail oder SMS-Alarm. Möglichkeiten gibt es auf jeden Fall. 

Sehr oft kommt es vor, daß dann die Fotos der Feuerwehr oder der Polizei in Zeitungen und Online genutzt werden. Wir können bis jetzt leider nur zusehen, wie hier Tag für Tag, mehr und mehr von den Hobby-Einsatz-Knipsern genommen wird und so unsere Existenzen auf dem Spiel stehen. Ich hoffe hier wird man eine Lösung finden, oder einen ganzen Berufsstand wird es bald nicht mehr geben.““

Es ist schon peinlich, das Ende eines Berufsstandes zu beweinen, weil man offenkundig nicht in der Lage ist, Kontakte zu Pressesprecher etc. aufzubauen, die einem dann Bescheid sagen, wenn was ist. Die dpa und andere bekommen das ja auch hin. Und wie sollen einem in Zukunft die Jobs fehlen, die man heute schon nicht bekommt?

Und sprechen wir mal über die „Stelle die Pressevertreter möglichst frühzeitig/rechtzeitig „alarmiert““.

Da ist natürlich die Presse vor Ort gefragt, da Strukturen (mit-) zu schaffen, mit denen sowas geht.

„Wenn es brennt dann ruft die Feuerwehr bitte nacheinander alle 15 freien Fotografen der Zeitung X und dann alle 17 freien Fotografen der Zeitung Y und dann… an, bis mal einer drangeht, der Zeit hat.“ Das ist kein Model das irgendwie funktionieren kann.

Ich möchte mal den Fotografen sehen, der weiter angerufen werden möchte, wenn er ein paar Nächte in Folge zu hyperaktiven Brandmeldeanlagen, Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen, die sich als Wildunfall mit Minikratzer und flüchtigem Wildschwein erweisen, Gasexplosionen bei denen es nur irgendwie sonderbar im Keller riecht und Wohnungsbränden mit eingeschlossenen Personen, die beim Eintreffen nur eine Mülltonne im Hof sind gerufen wurde.

Das ist für die Angehörige mancher Feuerwehren schon anstrengend, der Fotograf/Journalist müßte das, wenn es was bringen soll für alle Feuerwehren eines oder besser zweier Landkreise mitmachen.

Naja, und wenn er bei den Einsätzen die nach wenig klingen, dann aber doch was größeres sind, auch von Anfang an dabei sein will, dann kann er eigentlich jeden Alarm mitmachen.

Bleibt das Problem, daß man davon als Berufsfotograf eh nicht wirklich leben kann, sondern das nur als Teil der Tätigkeit für eine Agentur oder Zeitung wirtschaftlich funktioniert.

Die plumpe Kampagne des DJV wird da kaum etwas zum besseren wenden. Eher im Gegenteil.

Und der Abschuß ist dann der Fragebogen für Rettungskräfte auf der Seite des DJV:

Die Antwort, „Ich finde das daneben weil es polemisch und dumm ist.“ gibt es da leider nicht.

UPDATE:

Mittlerweile haben die „Kollegen“ vom DJV auf dem photokina-Parkplatz noch ein in jeder Hinsicht unterirdisches Hetz-Video produziert:

Der Clip hat durchaus das Potential dem Zwergen-Wahlwerbespot des ehemaligen hessischen NPD-Kandidaten Marcel Wöll den Rang als schlechtestes Propaganda-Video aller Zeiten abzulaufen.

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11 thoughts on “Wie der DJV die Arbeitsbedingungen verschlechtert (updated)

  1. Danke endlich jemand der es auf den Punkt bringt , übrigens werden die Pressesprecher bzw die beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit im THW von freien Journalisten ausgebildet. Auch hier wird darauf hingewiesen wie schwierig es ist ein gutes Bild schnell genug in die Redaktion zu bekommen . Das nenne ich vernünftige zusammenarbeit wo beide Parteien lernen können

    Gunnar Kreidl

  2. Ich bin Feuerwehrmann – und auch Redakteur und Bildjournalist. Ich bin (wäre) 24 Stunden am Tag auch für meine Zeitung im Einsatz. Bloß die Alarmierung durch die Polizei klappt nicht. Sprich: Die Beamten stellen dann großzügigerweise selbst hinterher Bilder zur Verfügung – oder die Zeitung muss sich über die Feuerwehren Bilder, die oft mehr schlecht als recht sind, besorgen. Folge: Ich versuche mich für meine Zeitung möglichst 24 Stunden Einsatzbereit zu halten, mache mein Handy nie aus – und das Ergebnis ist dann, dass wir unterbelichtete Fotos in der Zeitung haben… und ich noch ne Nachfrage vom Chef bekomme, warum ich da nicht rausgefahren bin. So… und meine Kameraausrüstung usw. muss ich alles selbst bezahlen. Und da frag ich mich jetzt echt: Nimmt mir die Polizei jetzt nicht den Job weg?

  3. Naja, warum klärt das dein Chef bei der Zeitung dann nicht mit POL und FW? Das würden erwachsene Journalisten tun statt Bilder zu drucken die man schlecht findet und die eigenen Mitarbeiter anzupupen für Dinge die man selber zu regeln hat.

  4. Danke. Gut geschrieben….man(n) stelle sich mal vor ich würde zu beginn eines Einsatzes erst die Presse informieren damit ihr Honorar nicht verloren geht. Wie soll ich das den Patienten oder hinterbliebenen erklären das die Öffentlichkeit wichtiger war! ;)

  5. Es ist ja schon druchaus im Interesse der Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen, Pressearbeit zu betreiben. Das allein schon, weil das, wenn man vorher Absprachen trifft, Ansprechpartner benennt, dann geordneter abläuft als wenn irgendwo Leute mit Funkscannern lauern oder Angehörige der Organisationen als Informanten geschmiert werden.

    Aber natürlich auch, weil die Arbeit der Hilfsorganisationen durchaus in der Öffentlichkeit gezeigt werden sollte.

  6. Danke, Herr Rheker, für Ihre differenzierte Meinung!
    Endlich mal einer aus Ihrer Branche, der sich die Mühe macht, Misstände anzusprechen, ohne angreifend zu werden.

    DAS ist seriöser Journalismus!

    Ein Feuerwehrmann

    P.S.: Bei uns funktioniert der Kontakt mit der Presse reibungslos, klar, hier werden die Einsatzkräfte auch zu jedem Einsatz noch mit der Sirene alarmiert, und die können Journalisten auch hören.

  7. Warum die Aufregung? Zugegeben, die Kampagne ist wenig differenziert und sehr plakativ. Das ist so, wenn man auf sich aufmerksam machen möchte. Den Ansatz finde ich allerdings richtig: Die Rettungskräfte machen ihren Job und die Journalisten den ihren. Was ist daran so falsch?

  8. Warum mir das aufstößt? Ganz einfach:

    Weil der DJV völlig unnötig Porzellan zerschlägt, nur um sich wichtig zu machen.

    Das hilft so keinem Journalisten oder Fotografen vor Ort. Ganz im Gegenteil.

  9. Angenommen, die Grundthese des DJV (Feuerwehrmänner nehmen uns unseren Arbeit weg, weil sie selber Knipsen) stimmt, hab ich eine einfache Lösung: liebe BIldberichterstatter, tretet der FFW bei. Der FME meldet euch jeden Einsatz…

    Im Ernst: Die Kampagne ist einfach nur peinlich. Vor allem der im Blog-Beitrag zu Recht kritisierte missverständliche Satz.

    Das Youtube-Video ist übrigens privat.

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