Der DJV und der Begriff Satire

Wenn man Scheiße baut, dann kann man sich entschuldigen, man kann zurückrudern und versuchen den Fehler wieder einzufangen.

Man kann natürlich auch so tun als müßten die anderen sich mal beruhigen und als haben man das alles als wohlkalkulierten PR-Stunt so geplant.

„es wäre schön, wenn wir in dieser Diskussion den Ball flach halten könnten“

So läßt sich nun Roland Scheidemann, Vorsitzender des DJV-Fachausschuss Bildjournalisten ein, nachdem sein Verband eine unsägliche Kampagne gegen fotografierende Feuerwehrangehörige entfacht hat.

http://www.djv.de/startseite/service/news-kalender/aktuelles/article/rettungsknipser-satire-um-auf-probleme-aufmerksam-zu-machen.html

Der DJV hält sein sonderbares Video dann auch allen Ernstes für eine gelungene Satire:

„Nun wird das Video auf Youtube heftig kritisiert. Tatsache ist, dass die Diskussion nur durch solch überspitzte Aktionen in Fahrt kommt. Dabei ist in keiner Weise Absicht, die Ehre des Feuerwehrmannes zu verletzen. Hier wird nur mit satirischem Mittel auf einen eklatanten Missstand hingewiesen.“

Wer anderen so vor den Koffer scheißt, daß er damit das Tuch zerschneidet und dann die empörten Aufschreie der anderen und aus den eigenen Reihen für den Beginn einer konstruktiven Debatte hält, der sollte sich wirklich professionelle Hilfe bei der Kommunikation nach außen suchen.

Es ist grob falsch so zu tun, als könne man Diskussionen „nur durch solch überspitzte Aktionen“ anstoßen. Das kann nur stimmen, wenn einem eigentlich schnurzegal ist wie so eine Diskussion dann verläuft und zu welchem Ergebnis sie führt. Kluge Menschen stoßen Diskussionen anders an. Und die Ergebnisse geben ihnen Recht!

Und das ganze unter die Überschrift Satire zu stellen ist gewagt. Nicht alles was daneben ist und was zu Diskussionen führt ist Satire oder ein gelungener Weg eine Debatte zu eröffnen. Es gibt einen Unterschied zwischen Satire und Farce.

Vor allem sollte man ein wenig Zurückhaltung üben, wenn man nur für einen Teil der Gesamtheit der (Foto-)Journalisten spricht. Denn das Echo dieser Nummer trifft alle!

„Es kommen ja nicht nur von der Feuerwehr Billigbilder auf den Markt. Kommunen, Polizei, Theater und Sportvereine versuchen auf diese Weise eine ihnen genehme Berichterstattung durchzudrücken. Dieser Entwicklung muss frühzeitig Einhalt geboten werden. Sonst besteht die Gefahr, die „vierte Gewalt“, den Journalismus in unserer Republik auszuhebeln.“

Die schlimmsten Preisdrücker im Fotojournalismus finden sich in den eigenen Reihen, da braucht man garkeine Feindbilder von außen, wenn man sich ernsthaft mit dem Thema auseinander setzen will.

ver.di erreichen zurzeit viele Mails, in denen freie Kollegen ihre miese Bezahlung (…) bei Fotos (doch ganze 4 Euro!) schildern. “Wir versuchen dann, diesen Kollegen Mut zu machen. (…)”

Man kann schlecht Feuerwehren, Theater und Vereine angehen und dabei die Preisdrücker in den eigenen Reihen ausblenden oder denen sogar nocht Mut zuzusprechen.

Man kann Vereinen und anderen Organisationen nicht vorwerfen, wenn diese mehr Pressearbeit leisten, um aufzufangen, daß die Verlage und Redaktionen sich zurückziehen. Wer das unreflektiert tut, bringt sich in die Gefahr, Ursache und Wirkung zu verwechseln.

Ich kenne einen Feuerwehrpressesprecher, der wurde von einer Redaktion gebeten, seine Pressemitteilungen doch bitte per email statt per Fax zu schicken. Und es wäre toll, wenn er in der Dritten statt der Ersten Person schreiben würde. Der hat denen geantwortet: „Wenn Ihr jemanden schickt, der für mich nachts um 3 Uhr aufsteht und was löscht, dann schreibe ich auch in der Dritten Person und per mail, damit ihr per copy und paste arbeiten könnt.“

Es haben aber nicht alle Feuerwehren den Arsch in der Hose sowas zu sagen, andere haben Angst, daß sie in der Berichterstattung nicht mehr vorkommen, wenn sie nicht mitspielen. Gerade im ländlichen Raum wo viele Zeitungen Monopolisten sind und keine Angst haben müssen Abonnenten zu verlieren, weil in der anderen Zeitung Dinge stehen die man selbst nicht hat.

Und ich kann mich an einen Fall erinnern wo eine Lokalzeitung einen Sportverein angegangen ist, weil sie Ärger mit den Abonnenten hatten, weil die Zeitung die Spielberichte des Vereins immer 1:1 übernahm und die Leute dann, nachdem der Verein seine Bericht dann schon Sonntags auf seine Homepage stellte fragte, warum sie eine Zeitung bezahlen sollen für Dinge die sie schon am Vortag 1:1 umsont haben können. Die Lösung der Redaktion, war nicht „Wir müssen selber was schreiben“ sondern, „Der Verein darf seinen eigenen Bericht frühestens Dienstag auf seine Website stellen.“ Dann würde der dumme Leser ja sicher wieder glauben, der Verein schreibt bei der Zeitung ab und nicht umgekehrt.

Es greift also zu kurz, so zu tun als seien die Feuerwehren die Quelle dieser Entwicklungen.

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