Gäfgen, Folter und Volksempfinden

Ein Sympathieträger ist der Kindsmörder Magnus Gäfgen wirklich nicht und es ist schade um das Geld, das er jetzt bekommt (auch wenn er wohl nie einen Cent davon sehen wird). Und wie schlimmer als die 3000,- €  ist, daß er das als einen weiteren Sieg für das „Justizopfer Gäfgen“ feiern kann.

Das Gute daran ist, daß die Sache damit erledigt sein sollte und er keine weitere Bühne für sein Programm der Selbstumdeutung zum Opfer mehr haben wird.

Wirklich bedenklich sind dagegen die Äußerungen derer, die die Folterandrohung oder sogar eine vollzogene Folter durch Polizeibeamte für eine gute Sache halten. Solche Standpunkte werden gerne mit „Wenn jemand mein Kind entführt hätte, dann…“ eingeleitet.

Das Dumme an dieser Position ist, daß man übersieht, daß Folter aus guten Gründen in unserem Rechtssystem explizit ausgeschlossen ist. Und das sind zu einem großen Teil auch schlicht logische bzw. praktische Erwägungen.

Man stelle sich vor die Ermittlungsbehörden verschwendet ihre Zeit damit:

– einen Unschuldigen zu foltern statt in alle Richtungen zu ermitteln

– den Hinweisen eines Unschuldigen – und damit im Sinne der Fragestellung Unwissenden – nachzugehen, der  irgendwann zusammengebrochen ist und irgendwas erfunden hat, um zu „liefern“ was man von ihm hören will

Man stelle sich mal einen Moment lang vor, man hätte die Angehörigen, Freunde und Geschäftpartner der Opfer der NSU-Mordserie, zu der Zeit als das Ganze noch die sogenannten „Dönermorde“ waren und man dubiose Verbindungen der Opfer ins kriminelle Milleu vermutete, gefoltert, damit sie endlich damit rausrücken, in welche kriminellen Machenschaften die Opfer denn nun verwickelt waren.

Ist jenen die so forsch die Folter gutheißen klar, daß das durchaus heißen kann, daß wenn dem eigenen Kind oder Partner etwas zustößt, dann eventuell erstmal die Angehörigen in die Mangel genommen werden? Dass das Menschen sind die in dieser Situation eh ein wenig labil sind? Wie lange und intensiv foltert man, bis man von der Unschuld des Gefolterten überzeugt ist? Oder beweist, wer der Folter länger standhält, damit nicht etwa, daß er ein besonders harter Knochen von einem Kriminellen ist?

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