Paracetamol

Ich bin krank, hab mir gerade ein Gramm Paracetamol eingeführt, öffne Spiegel-Online und dann das:

„Das Tückische an dem Wirkstoff ist die geringe Spanne zwischen verträglicher und giftiger Dosis. Je nach Körpergewicht und Vorschäden der Leber können schon sechs bis acht Gramm gefährlich werden – eine Tablette enthält in der Regel 500 Milligramm. „

Blöder Artikel, denn das hier klingt ja so als könne man also gefahrlos 10 Stück schlucken, wann immer man lustig ist. Auch, wenn die Leber schon ein zwei Bier zuviel hatte. Sind ja nur 5 Gramm!

Aber bei Paracetamol geht es um Tagesdosierungen, weil man über den Tag oder mehrere Tage verteilt mehr nachfüttern kann, als der Körper wieder, loswerden kann. Denn bei einer Paracetamolvergiftung erschöpft sich die Entgiftungskapazität des Glutathions, welches das böse Stoffwechselprodukt des Paracetamols, N-Acetyl-p-benzochinonimin, unschädlich macht.

Aber was rede ich, bin ja nur dummer Fotograf und keine studierte Wissenschaftsjournalistin.

„Hierzulande nehmen etwa zwei Drittel der Paracetamol-Vergifteten die Tabletten vorsätzlich ein.“Bei kleineren Packungsgrößen sind dann einfach nicht genug Tabletten da, um sich zu vergiften.““

„Auf Anraten der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beschloss das Bundesgesundheitsministerium deshalb 2009, die Packungsgrößen zu beschränken. Seitdem dürfen Apotheker die Tabletten ohne Rezept nur noch in Schachteln mit maximal zehn Gramm verkaufen.“

Ja klar, käme ja auch niemand auf die Idee, dann einfach mehr als eine Packung zu kaufen, um die genug Wirkstoff für den Suizid zu sammeln.

Aber Moment! Die auf 10 Gramm beschränkte Packung enthält ja immernoch genug für eine letale Dosierung (150 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, entsprechend ca. 10 Gramm für Erwachsene), auch bei gesunder Leber.

Also erzielt man die Wirkung „Rückgang der Todesfälle“ die man der Reduktion der Packungsgrößen zuschreibt vielleicht viel eher darüber, daß die Berichterstattung über die Größenreduktion in der Bevölkerung mit dem Mythos „Eine Packung Tabletten kann Dich nicht töten, ist aber perfekt um die Angehörigen mit einem Suizidversuch zu erschrecken.“ aufgeräumt hat.

Denn nach anderen Studien hat nach der Reduktion der Paracetamolpackungsgrößen in UK auch die Zahl der Toten durch andere Präparate abgenommen:

„However, age-standardised rates for aspirin and antidepressants fell in a similar way to paracetamol after the regulations.“

http://www.plosmedicine.org/article/info:doi/10.1371/journal.pmed.0040105

Die vom Spiegel zitierte Studie befaßt sich aber wohl nur mit Paracetamol, dann kann man das nicht sehen.

Und dann ist da noch was:

„Auch in Deutschland, wo bereits kleinere Packungen als in Großbritannien Pflicht sind, kämpfen Paracetamol-Kritiker für noch kleinere Schachteln oder eine Verschreibungspflicht des Medikaments.“

1. Ist die Größe der Schachtel erstmal egal.

2. Ist die Behauptung halbfalsch, wenn man selber schreibt, daß in GB zumindestens in Drogerien die Packungsgröße mit 16 Tabletten (also 8 Gramm) kleiner ist als in D und somit nur die Packung aus der englischen Drogerie unter der 10 Gramm Grenze liegt.

Denn solange ich Paracetamol in Packungsgrößen von 10 Gramm und mehr anbiete, kann man sich mit einer Packung ins Jenseits befördern, solange man eine frische Packung hat.

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/paracetamol-kleine-packungen-von-schmerzmittel-retten-leben-a-881999.html

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