World Press Photo 2: Paolo Pellegrin und die Wahrheit

Langsam entwickelt sich der 2013er World Press Photo Wettbewerb zu einer Krise des Photojournalismus.

Hauptsache die Bilder sind toll, dann ist das journalistische eher egal…

Paolo Pellegrin von Magnum soll auch einen sonderbaren Umgang mit journalistischen Standards haben. Jedenfalls wenn man dem Mann auf seinem Foto mit dem Titel „A former US Marine corp sniper with his weapon. Rochester, NY. USA 2012“ glaubt. Denn der sagt, er war nie Scharfschütze (Sniper) beim Marine Corps, wohnt garnicht in dem Problembezirk um den es in Pellegrins Reportage geht. Stattdessen handelt es sich um ein gestelltes Bild aus seiner Garage, denn Shane Keller war zu jener Zeit Student am RIT, das mit Magnum kooperierte als eine Gruppe von Magnum Fotografen nach Rochester kam.

„Shane Keller is a former marine but is not, and never has been a Marine Corps sniper. He does not, and never has lived in The Crescent section of Rochester. In fact, on the night the photo was taken, Keller was a student at RIT who, at the request of Pellegrin and a fellow student, posed for photos with his gun collection at his home close to Rochester’s Jewish Community Center. The photo was taken in Keller’s garage.“

„The photojournalism program at Rochester Institute of Technology was also an integral part of the project.  RIT space and resources were made available to the photographers; RIT students were used as production assistants.“

und seine übrigen Captions hat Pellegrin wohl aus einem 10 Jahre alten NY Times Artikel abgeschrieben. Womit die statistischen Daten und das Zitat des Polizeichefs wohl auch aus der Zeit gefallen sein dürften… Auch das ist hier dokumentiert:

http://www.bagnewsnotes.com/2013/02/when-reality-isn’t-dramatic-enough-misrepresention-in-a-world-press-and-picture-of-the-year-winning-photo/

 

https://nppa.org/node/36604

Es gibt da eine Stellungnahme von Pellegrin, die schon durch ihren ersten Satz sehr abgehoben und unsympathisch wirkt. Ein ethisches Problem sieht der da garnicht, die anderen mögen nur seine Bilder nicht, weil sie ja da leben wo es nicht schön ist und er das eben zeigt. „Was ein arroganter Typ“, mehr fällt mir da nicht ein.

„“I’m sorry that Michael Shaw, Loret Steinberg and Shane Keller don’t like my pictures from Rochester. It’s not uncommon for people living in a community to disagree with an outsider’s take. We all know that.“

Und eigentlich sind alle nur zu doof zu begreifen, aus welchem tieferen Grund das gestellte Portrait aus einem ganz anderen Stadtteil, in der Bildserie über „The Cresent“ enthalten ist:

„I think his portrait, and even his reaction to it, add an interesting dimension to the story. Shane thinks he and his guns have nothing to do with the violence in the Crescent; I disagree.“

Und überhaupt weiß niemand in Rochester wirklich wo denn dieser „The Crescent“ genannte Bereich wirklich wäre:

„For what it’s worth, there is no firm agreement in Rochester as to what constitutes the ‚Crescent;‘ it sometimes seems to be a conceptual designation as much as a geographical one“

Gott ist das zynisch!

 

 

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