Scoopshot, ein Sargnagel

Die WAZ, die auch durch ihren Chefredakteur dezeit sonderbar auffällt, läßt jetzt jederman für sich fotografieren:

http://www.presseportal.de/pm/105257/2443732/waz-beauftragt-scoopshot-mit-dem-crowdsourcing-neuer-fotos

Dazu nutzt man einen Crowd-irgendwas Dienst und zahlt großzügige 9,- €.Und diese 9 Euro sind dann ja immernoch genug, um in die Gewerkschaft einzutreten und da Mut gemacht zu bekommen. Denn das macht ver.di ja schon ab 4 Euro pro Bild. Aus einer Ausgabe der „M“ von Anfang 2010:

„ver.di erreichen zurzeit viele Mails, in denen freie Kollegen ihre miese Bezahlung sowohl bei Texten (unter 10 Cent! (Zeilenhonorar; Anm. d. A.)) als auch bei Fotos (doch ganze 4 Euro!) schildern. “Wir versuchen dann, diesen Kollegen Mut zu machen. (…)”

Scoopshot funktioniert so ähnlich wie diverse Leserreporter-Modelle mit dem Unterschied, daß die Zeitung auch gezielt Motive bestellen kann und dann die glücklichen Fotografen losrennen und machen. In der Hoffnung vielleicht ein paar Euro dafür zu sehen.

„Sollte ein Foto nicht zur Verfügung stehen oder ist ein bestimmtes Foto gefragt, können Journalisten eine ortsgebundene Anfrage an Fotografen stellen und die Fotos innerhalb von wenigen Minuten erhalten.“

Natürlich gibt es da auch noch eine andere Motivation der Zeitung Bilder anzubieten. Denn das ist ja auch ein tolle Einfallstor für PR. Einfach bei der aktuellen Suche der WAZ nach Schlaglöchern einen Praktikanten aus der Marketiungabteilung losgeschickt, der einen Wagen mit Firmenwerbung mit in die Bilder packen soll. Oder man schickt die komplette Stadtverwaltung in die Nachbarstadt zum Knipsen, damit die schlechter dastehen und man von sich ablenken kann. Und wenn die örtlichen Neonazis die Bilder von der Antifa-Demo liefern, dann liefern die örtlichen Pädophilen tolle Symbolbilder zum Thema Kinderpornos…

Man wirft uns Journalisten ja gerne mal vor, daß wir alles mögliche nur wegen des Geldes machen, aber es gibt eben durchaus verwerflichere Gründe, aus denen heraus man Content, wie das schön heißt, für eine Zeitung produzieren kann. Und die Textrecherche will man dann auch gleich noch auslagern:

“ Die Kontaktdaten der Fotografen stehen zur Verfügung, sodass Journalisten sich mit ihnen in Verbindung setzen und wenn nötig einen Augenzeugenbericht erhalten können.“

Damit öffnet man der Manipulation Tor und Tür. Und das alles nur zum Wohle der Gewinnmaximierung. Den Leser hält man für so doof, daß ihm das alles nicht auffällt.

Damit schmiedet sich die WAZ ihren eigenen Sargnagel.

Und all die Fotografen die den Scheiß mitmachen schmieden an den Sargnägeln des Teils des Fotojournalismus, in den sie vielleicht gerne reinkommen wollen würden.

2 Kommentare

  1. „Und wenn die örtlichen Neonazis die Bilder von der Antifa-Demo liefern, dann liefern die örtlichen Pädophilen tolle Symbolbilder zum Thema Kinderpornos…“ – hart, aber schoen pointiert. das problem ist, dass es genuegend leute gibt, die fuer neun euro gar auftragsarbeiten machen. wenn man dann fuenfzig euros fuer eine zweit-/drittverwertung verlangt, gilt man ja schon als wucherer…

  2. Ich gebe bei Archivverkäufen nichts unter 50,- € her. Und die Erfahrung lehrt, daß man unter der Summe am Ende oft draufzahlt, weil man da seinem Geld hinterherläuft.

    Dass manche „Kunden“ das lieber billiger wollen darf einen nicht ängstigen.

    Und der DJV handelt dann ja Preise aus von denen am Ende keiner leben kann.

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