Lumix LF1 (Leica C) – Sucher und RAW in der Hosentasche

Viele Menschen prognostizieren ja den baldigen Tod der Kompaktkamera, weil iPhone und andere Smartphones Kameras haben und diese Geräte bei den meisten Menschen eh in der Hose/Handtasche stecken. Und ich müßte lügen, würde ich das, was mein iPhone produziert nicht wirklich schön finden. Das Problem ist aber nicht, daß die Telefone immer besser fotografieren. Das Problem ist, daß sehr viele Kompaktkameras einfach schlechte Kameras sind!

Heute erscheinen Kompaktkameras in erster Linie als Billiglösung oder Hersteller versteigen sich zu einem wahnwitzigen Rennen um Megapixel und Zoomfaktor, das auch gerne bis weit jenseits des praktischen Nutzens.

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Klar kann man sich auf den Standpunkt stellen, daß, was früher die Edelkompakten waren, heute Kameras wie die Leica X2 oder Sony RX-1 sind, die wegen ihrer großen Sensoren nicht wirklich kompakt und obendrein sehr teuer sind und daß mit den kleinen Sensoren der heutigen Kompaktkameras eben nicht mehr drin sei.

Ein wundervoller Beweis dafür, daß das nicht stimmt, ist die neue Lumix LF1 (baugleich mit der noch nicht erhältlichen Leica C).

Die Kamera paßt locker in jede Jackentasche, sieht schick aus und eröffnet mit ihrem Objektiv, das einem 28-200er an Kleinbild entspricht Möglichkeiten, die ein iPhone nicht bieten kann. Denn man kann nicht immer näher rangehen.

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Und sei es nur, weil man zum Näherrangehen den Boden verlassen müßte.

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Was die LF1 so beeindruckend macht, ist aber nicht der Brennweitenbereich, sonder die Kombination aus:

  • der Lichtstärke des Objektiv (2,0-5,9)
  • dem verhältnismäßig großen Sensor der Lumix LX-7
  • der verhältnismäßig geringen Auflösung von 12 MP
  • der Möglichkeit RAW-Daten aufzuzeichnen
  • der AF-Geschwindigkeit
  • dem eingebauten elektronischen Sucher
  • dem druchdachten Bedienkonzept mit Daumenrad und Objektivring

Denn diese Entscheidungen beim „Design“ der Kamera haben alle vor allem ein Ziel: Bildqualität. Und das klappt wirklich gut!

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Für volle Auflösung Bild anklicken.

Viele Kompaktkameras arbeiten schon bei der geringsten Empfindlichkeit mit einem gehörigen Maß an Rauschunterdrückung, was zu einem gehörigen Detailverlust führt. Die Bilder der LF-1 bei 80 ASA sind fast auf dem Niveau einer DSLR.

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Und auch bei höheren Empfindlichkeiten macht die LF1 eine gute Figur und das vor allem im Zusammenspiel von Rauschverhalten des Sensors, Lichtstärke des Objektivs und Bildstabilisator.

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Und noch ein weiterer Punkt kommt beim Thema „Rauschen und hohe Empfindlichkeiten“ dazu, der für mich besonders von Belang ist: Die LF1 kann RAW-Daten aufnehmen. Und nach meinem Empfinden, sehen Bilder bei 1600 ASA aus der LF1 mit Rauschen (und da könnte man ja auch noch per Software ran)  wesentlich besser aus als das, was die Rauschunterdrückung der meisten Kompaktkameras (incl. der LF1) mit JPG-Dateien so anrichtet. Im Ergebnis hat man eine Art Aquarell mit verschmierten Details. Das ich das so sehe, mag auch daran liegen, daß ich noch aus einer Zeit komme in der Filmkorn etwas normales war  und mir das deswegen näher ist.

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Der nächste große Pluspunkt der LF1 ist der elektronische Sucher. Ich mag keine elektronischen Sucher und der hier ist nichtmal besonders gut. Aber ich kann damit tolle Dinge machen. Ich brauche die Kamera nicht am langen Arm halten, kann längere Zeiten halten und habe obendrein (im Gegensatz zu meinen Kompakten der Vergangenheit wie der Canon G9) Sucheranzeigen. Ich sehe genau, wo der AF scharfstellt und ich kann die Kamera sogar am Auge in M und mit Spotmessung benutzen, wie ich das mit einer EOS mache. An dieser Stelle kommen dann auch das Daumenrad und der Objektivring ins Spiel, die das Arbeiten in M mit der Kamera am Auge erst möglich machen.

Ansonsten beeindruckt die Kamera mit einem brauchbaren AF, sportlichen 10 B/s, einer netten Panoramafunktion, der Möglichkeit die längste Verschlußzeit zu begrenzen, man kann die Kamera per WLAN vom iPhone fernsteuern etc. Die Kamera kann eine Menge sonderbarer Dinge, die ich nie brauchen würde, wie die Möglichkeit in der Kamera ein wenig Bildbearbeitung zu betreiben, aber die sind eigentlich kein Problem, denn die stören nicht. (Auch das ist nicht selbstverständlich.)

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Zudem ist die Kamera erfreulich schlicht ausgefallen. Schwarz mit einem weißen, gravierten „Lumix“, keine peinlichen verchromten Zierleisten und anderer Unrat, den Hersteller gerne als Bling-Bling an ihre Kompaktkameras kleben. Da hat Panasonic scheinbar von Leica gelernt, die in der Zusammenarbeit der beiden bei Kompaktkameras immer wieder mal gezeigt haben, daß weniger mehr sein kann. Die LF1 ist die Kamera, die man immer in der Tasche haben kann und die zur Not eine komplette Kameraausrüstung ersetzen kann. Denn das ist etwas woran ein iPhone einfach scheitern muß.

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Und das Negative? Ja, das gibt es auch:

Die W-LAN-Funktion sagt mir garnicht zu, da bleibe ich bei meiner Eye-Fi Karte, die jedes mit Schreibschutz markierte Bild aufs iPad/iPhone schickt, ohne daß ich ein Paßwort eingeben muß. In S oder A liegt die Blende/Zeit sowohl auf Daumenrad als auch auf dem Objektivring, da hätte ich auf einem von beiden lieber die Empfindlichkeit. Auch auf die FN-Taste würde ich mir gerne die Empfindlichkeit legen können. Der Hauptschalter ist ein Druckknopf, da wäre mir der Schiebeschalter älterer Lumix-Modelle lieber, denn den bedient man nicht so leicht versehentlich. Der beiliegende RAW-Konverter macht überhaupt keinen Spaß und Aperture versteht die RAW-Daten noch nicht. Lightroom funktioniert aber.

Die LF1 bekommt man so zwischen 360,- und 450,- € und sie ist das Geld wert. Ihr Leica-Pendant kostet um die 600,- € bringt dafür aber eine Lightroom-Lizenz mit und es lohnt sich unbedingt mit der Kamera Raw-Dateien zu produzieren.

P.S.: Gestern waren wir im Dunklen und Lauten

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Es gibt noch ein paar zusätzliche Bilder aus Frankreich…

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10 thoughts on “Lumix LF1 (Leica C) – Sucher und RAW in der Hosentasche

  1. Ich habe die Kamera auch seit einigen Wochen und bin recht begeistert.
    Auch die WifI Funktion finde ich sehr toll. Das Paswort muss man doch nur einmal eingeben.

  2. Natürlich heißt die Antwort hier ganz klar. „ja und nein“ bzw. „kommt drauf an“!

    Im großen und ganzen ist es wie mit allen Kameras. Das wichtigste ist, daß man um die Grenzen eines Systems weiß und innerhalb dessen was geht das beste für sich rausholt.

    Ja, wenn man nicht die beste DSLR der Welt als Referenz nimmt, sondern eine andere Kompaktkamera. Denn die Kamera liefert super Bilder (solange man sich bei 400 ASA und darüber keine Wunder erwartet), das Objektiv ist untenrum sehr lichtstark, der AF arbeitet zügig, der eingebaute Sucher ermöglicht ein sehr angenehmes Arbeiten.

    Nein, natürlich kann die Kamera eine DSLR nicht ersetzen, denn die hat einen größeren Sensor (weniger Rauschen und Tiefenschärfe), einen schnelleren AF, den besseren Sucher, Wechselobjektive, ist robuster, hat einen Blitzschuh usw.

    Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Und wenn man die LF1 mit einer DSLR vergleichen will, dann hinkt der Vergleich ein wenig, weil man nicht vergessen darf, daß sie in die Jackentasche paßt und man sie dabei haben kann.

    Die LF1 ist die Kamera, die das Bild macht, wenn die DSLRs oder andere zuhause liegen. Bei mir aber auch das digitale „Backup“, wenn ich nur mit analogen Kameras losziehen.

  3. Danke für ihre Infos. Sie haben ja viel Erfahrung mit DSLRs so dass ich auf ihr Urteil in diesem Fall Wert lege. Ich habe die Powershot S100 von Canon, die mir sehr gut gefällt und mag besonders meine Olympus XZ-1, weil sie lichtstärker ist. Aber die neue Lumix hat eben den Sucher, der mir als Brillenträger manchmal hilft. Ich finde nur den Preis einfach zu hoch, weil ich denke, die Bildqualität ist nicht besser als die der Powershot S100. Das Design der Leica Variante ist etwas appliger und sonyger. Aber insgesamt merke ich, dass die Kamera ihr Herz erobert hat.

  4. Der Sucher ist für mich das entscheidende Feature, weil ich dadurch mit der Kamera arbeiten kann wie mit allen anderen und ich im Sucher sehe, was passiert, weil der Sucheranzeigen hat.

    Bei den Bildern aus dem Club oben, wäre es mir z.B unangenehm gewesen da mit einem hell leuchtenden Display durch den Raum zu springen und mich selbst besser auszuleuchten als das, was ich fotografieren will.

  5. Habe mir auch die LF1 u.a. augrund dieser guten Rezesion geleistet.
    Bin auch absolut zufrieden – einfach unschlagbar kompakt !
    Danke !
    PS: Es ist durchaus möglich die Empfindlichkeit im A/S Modus auf den Objektivring zu legen und mit dem hinteren Einstellrad die Blende bzw. Belichtungzeit einzustellen -Setup Menü durch-

  6. Gibt es eine Möglichkeit, die WiFi-Funktion zu nutzen, um z.B. per Smartphone-Anbindung den GPS-Standort mit aufzuzeichnen?

  7. Habe die LF1 seit 12 Monaten, Super Kamera ich möchte sie nicht mehr missen, ABER vor einigen Tagen kein einschalten nur Bilderansicht ohne weitere Funktion. Garantieanspruch vom Servicecenter schroff abgelehnt wegen angeblichem Wasserschaden!!! Reparaturkosten können nicht vorab geschätzt werden!! Angeblich verträgt die LF1 keine Luftfeuchtigkeit oder größere Temperaturunterschiede, steht angeblich in der Betriebsanleitung – ich bin verunsichert. Die LF1 war keinen Extremen ausgesetzt und vom ersten Tag in einer Kameratasche.

  8. Hallo und vielen Dank für diesen beeindruckenden Test. Insbesondere die Schwarzweissaufnahmen haben mich sehr beeindruckt. Kein Wunder, dass Moriyama nur mit Kompaktkameras fotografiert. Beste Grüße aus Hannover, Jens

  9. hallo herr rheker,

    habe die kamera seit 2 jahren. heute wollte ich mal schwarzweiß fotos aufnehmen.habe aber nicht gefunden, wo ich das einstelle. außer im creativ modus die monochrome einstellung. sieht aber anders aus, als ihre fotos. welchen modus/einstellung haben sie verwendet?
    vf
    frank gischler

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