Official White House Propaganda-Photographer?

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Das ist ein Bild der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA, deren Fotografen hauptsächlich damit beschäftigt sind ihren Boss Kim Jong Un möglichst positiv in Szene zu setzen. Was zugegebener Maßen nicht der einfachste Job ist, den man als Fotograf so haben kann. Jeder weiß, daß die Bilder die aus Nordkorea kommen und Herrn Kim beim schauen auf … zeigen Propaganda sind, nicht zuletzt, weil da auch gerne mal ein paar zusätzliche Luftkissenfahrzeuge reinkopiert werden. Weil das alles viel Arbeit ist  gibt es garnichtmal soviel Bilder von Kim Jong Un und schon garkeine besonders menschlichen oder privaten.

Jedenfalls im Vergleich zu Barack Obama, der sogar einen Flickr Photostream mit fast 5000 Bildern hat und über dessen Fotografen, Pete Souza, es sogar eine Fernsehdoku gibt.

Bildschirmfoto 2013-11-03 um 18.33.25

Da Barack Obama auch auf seinen Fotos mehr macht, als mit Soldaten zu sprechen oder sich Dinge anzuschauen, hat man schnell den Eindruck, daß die Bilder des offiziellen Fotografen des Weißen Hauses ein Ausweis der Offenheit der Obama Administration seien. Man hat ja fast den Eindruck, die Öffentlichkeit könne dem Mann auf Schritt und tritt bis hin zu privaten Momenten folgen.

So toll die Bilder von Pete Souza unzweifelhaft sein mögen, sie sind aber de facto nur das, was bei der Zensur durch das Weiße Haus hinten rauskommt und damit nicht viel anders als all die „Kim schaut auf…“ Bilder aus Nordkorea.

Dagegen daß Souza diese Bilder als Dokumentation für das Weiße Haus und dann später für den Nachlass der Obama-Administration macht spricht garnichts. Nein, es ist sogar gut, daß sowas gemacht wird, denn es zeigt, daß da jemand den Wert guter Fotografie erkannt hat.

Aber das ersetzt natürlich nicht die Berichterstattung (auch im Bild) durch eine unabhängige Presse. Denn das sind Souza und seine Kollegen in dieser Rolle eben nicht, auch wenn sie von Haus aus Journalisten waren/sind.

Und genau das bemängelt nun Santiago Lyon von der AP. Zudem wird in dem Text erwähnt, daß AP nur einmal in der ersten Legislaturperiode Zugang erhielt, um Obama alleine (also außerhalb eines Press Calls) in Oval Office zu fotografieren.

Wenn man es nüchtern betrachtet, dann sind die Bilder die das Weiße Haus herausgibt Propaganda und das ganze wird durch den Umstand, daß auf der anderen Seite der Zugang der Presse zum Präsidenten eingeschränkt wird noch verschärft.

AP executive editor Kathleen Carroll forderte letzte Woche auf der AP Media Editors national conference in Indianapolis anwesende Zeitungsredakteure auf, nicht weiter die Hand Out Bilder des Weißen Hauses zu benutzen, denn das Spiel mit den Propaganda-Bildern funktioniert natürlich nur, weil Zeitungen die Bilder benutzen. Denn auf eine visuelle Präsens in den Medien würde Obama sicher nicht verzichten können.

Ganz abgesehen davon, daß es generell journalistisch fragwürdig ist, daß die Hand Out Bilder des Weißen Hauses von so vielen Medien so unkritisch und unkommentiert benutzt werden.

Zwar mag Pete Souza  als Fotojournalist da mit seinem gute Namen für diese Bilder stehen. Die Bilder sind hervorragend, sowohl wegen Souzas technischem Können als auch wegen des Zugangs und der Nähe, die die Bilder haben. Und das ganze ist nicht so plump gemacht wie manche Meisterstücke aus Nordkorea. Aber es ist natürlich doch Propaganda, denn diese Bilder zeigen nur das, was das Weiße Haus zeigen will, und das auch nur so wie das Weiße Haus das zeigen will.

Souza ist kein Journalist, wenn er diese Bilder macht, die Auswahl der Bilder erfolgt nicht durch Journalisten und auch wenn da keine Luftkissenfahrzeuge einkopiert werden, dann ist die große Manipulation dieser Bilder die, daß hier eine große Nähe, Menschlichkeit und Offenheit inszeniert wird, die aber kaschiert, was dadurch alles nicht gezeigt wird.

Schonmal ein Bild gesehen, auf dem ein Kind nicht glücklich schaut, wenn es auf den Präsidenten trifft?

Und nochmal: Ich finde die Einrichtung des Official Whitehouse Photographers toll und würde so einen Job auch selbst machen. Das Problem ist aber, wenn man versucht mit diesen Bildern, noch dazu durch Aussperrung anderer Fotografen, eine Deutungshoheit zu erlangen.

 

 

 

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