Daniel Morel vs. Getty Images/AFP – Punitive Damages

Punitive Damages bzw. Strafschadenersatz würde ich mir für uns hier auch wünschen!

Direkt nach dem Erdbeben in Haiti stellte der Fotograf Daniel Morel acht Bilder in seinen Twitter-Account. Ein anderer Nutzer teilte diese Bilder und am Ende landeten die Fotos im Dienst der AFP und deren Partneragentur Getty und wurden weltweit gedruckt.

Morel wurde diese Woche die maximal mögliche Schadenersatzsumme von 1,2 Mio.$ zugesprochen. Eine sehr gute Zusammenfassung des Prozessverlaufs findet sich hier:

bigmasthead
http://www.epuk.org/News/1045/follow-the-daniel-morel-vs-afp-and-getty-images-trial-with-epuks-daily-reports

1,2 Mio. $ das klingt nach sehr viel Geld und mancher wird sagen, daß das wohl kaum angemessen sei für acht Bilder, wenn man nicht sogar gleich in den Chor derer einstimmt, die reflexmäßig was von Abmahnabzocke rufen. Wenn wir in Deutschland Berichte über Schadenersatzsummen aus US-Gerichtsverfahren hören, dann erscheint uns das oft abgehoben, wenn nicht gar existenzbedrohend für den Verklagten, unfair, maßlos und exzessiv.

Das US-Recht kennt den so genannten Strafschadensersatz (punitive damages), wogegen bei uns auf den tatsächlich entstandenen Schaden abgestellt wird. Der Strafschadenersatz geht über den bloßen Ersatz des Schadens hinaus und soll über den Aspekt der Strafe eine abschreckende Wirkung auf den Täter und die Allgemeinheit, um eine Wiederholung zu unterbinden, wie auch auf die Allgemeinheit, um klar zu machen, daß eine bestimmte Handlung nicht geduldet wird und sie sich auch nicht lohnt. Im konkreten Fall liegt die hohe Schadenersatzsumme, das maximal Mögliche, auch daran, daß die Beklagten es durch ihre Auftritte und das Beweismaterial geschafft haben, sich den Unmut der Jury zu verdienen.

Damit ist der Strafschadenersatz eine Möglichkeit für das Gericht die unrechtmäßige Nutzung von Bildern unwirtschaftlich zu machen, denn die Summe von 1,2 Mio $ tut auch großen Agenturen oder Verlagen weh. Die Summen die in solchen Fällen von deutschen Gerichten verhängt werden befinden sich im Gegensatz dazu auf einem Niveau, das es in vielen Fällen wirtschaftlich vernünftig erscheinen läßt, das Risiko einzugehen. Ganz abgesehen davon, daß man in der Kalkulation auch schlicht mit darauf setzen kann, daß der Betroffenen Fotograf das oft nicht merkt oder er das Risiko eines Rechtsstreites scheuen könnte.

So gesehen ist das Urteil im Fall Morel auch ein Signal an Agenturen und Medien, daß auch nach einer Katastrophe wie dem Erdbeben in Haiti die Bilder der Menschen dort nicht zu Freiwild werden. Egal ob sie nur beruflich fotografieren wie Morel oder nicht.

 

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One thought on “Daniel Morel vs. Getty Images/AFP – Punitive Damages

  1. Gutes Zeichen!
    Würde mich mal interessieren, was Morel in Deutschland bekommen hätte. Tagessatz von AFP + 100%? ;-)

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