Edathy: Journalistisches Versagen im großen Stil

Der Fall Edathy läßt viele Fragen offen, was er aber ganz deutlich zeigt ist ein journalistisches Großversagen an vielen Ecken und Enden, das vor allem eines zeigt: Viele Menschen die sich in diesem Lande berufen fühlen als Journalisten zu arbeiten, verstehen nicht viel von ihrem Beruf und den moralischen Standards die sich dieser Beruf irgendwann mal selbst gegeben hat. Auch wenn es um Fotos geht.

Das begann schon mit der initialen Berichterstattung der Lokalzeitung „Die Harke“, deren Mitarbeiter wohl die Geschichte seine Lebens witterte und einen wilden Text ablieferte, der dem Leser unter anderem suggerierte, daß die Anwesenheit eine Staatsanwalts bei der Durchsuchung schon einiges über die Schuldfrage aussagen würde. Gekrönt wurde das ganze dadurch, daß der Mitarbeiter der Zeitung sich auf das Grundstück begab, und dort von einer Ballustrade direkt vor Edathys Wohnung die Durchsung und Edathys Wohnung durch die Scheibe fotografierte und diese Bilder dann auch veröffentlichte. Die an der Wand hängenden Männerakte werden dem Leser schon helfen, die Frage, was man von Edathy zu halten hat einzusortieren.

edathy

 

Presserechtlich und aus Sicht des Pressekodex ist das ein völliges No-Go! Auch wenn der Mitarbeiter der Zeitung das völlig ok findet.

http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/hannover/edathy177.html

Als sich die StA dann zu den Vorwürfen und den Beweisen auf die sich diese stützen äußerte. Nämlich, daß man davon ausgeht Edathy habe legales Material gekauft und könnte deswegen illegales besitzen, war das für manche Medien nicht etwa ein Grund die bisherigen Kinderporno-Vorwürfe zu revidieren, nein aus dem Umstand, daß Edathy nur legales Material zu besitzen zur Last gelegt wurde, machte man „Neue Vorwürfe“:

Bildschirmfoto 2014-02-15 um 11.37.14

Zudem feierte die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung den Umstand, daß man im Haus in dem Edathys Wohnung liegt einen weiteren von ihm gemieteten Büroraum gefunden habe, von dem man wohl bei Beantragung des Durchsuchungsbeschlusses nicht wußte und wo man nun „Dinge“ beschlagnahmt habe.

„Es wurden dort Dinge sichergestellt“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, Kathrin Söfker, der Nachrichtenagentur dpa.

Diese Meldung wurde von vielen Medien aus einer dpa-Meldung nahezu unkommentiert zitiert und die StA kann hier das Bild eines geheimen Superschurkenunterschlupfs zimmern, in dem man etwas gefunden zu haben scheint. Und wer ein geheimes Büro hat, der hat doch im Keller noch ein geheimes Verlies nach österreichischem Muster…

Oder hat man nur einen Computer in einem Büroraum, den jedermann sich straffrei anmieten darf, gefunden und weiß noch nicht im geringsten, was sich auf der Festplatte finden wird?

Aber es gibt auch Stimmen der Vernunft, wie diese sehr kluge Einschätzung von Monika Frommel. Auch wenn der Interviewer da nicht wirklich eine gute Figur macht.

http://www.deutschlandfunk.de/ermittlungen-gegen-edathy-bilder-von-nackten-jungs-darf.694.de.html?dram%3Aarticle_id=277382

Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen, da durchsucht die StA jemandem die Wohnung ohne konkretes Beweismaterial zu haben und wirft ihm dann nachher die Vernichtung von Beweismaterial vor, weil man kein Beweismaterial gefunden hat. Kafka liegt in seinem Grab und denkt über eine Urheberrechtsklage nach!

Und selbst, wenn es da zerstörte Festplatten gegeben haben soll, sind die erst dann „zerstörtes Beweismaterial“, wenn man beweisen kann, das strafrechtlich relevantes Material drauf war. Kann ja auch sein, daß da ein Abgeordneter nach Ende seines Mandats seine Unterlagen/Dateien zu NSU und Co. ordentlich vernichtet hat, statt die Festplatten gebraucht bei ebay zu verkaufen.

Wenn hier nie die Wahrheit rauskommt, dann wegen des bislang einzigen wirklichen Skandals und den verantwortet der damalige Innenminister Friedrich. Und obendrein hat der dem Edathy so jede Chance genommen da irgendwie wieder aus der Sache rauszukommen, wenn er denn nichts strafbares getan haben sollte.

Natürlich soll jemand, der eine Tat begangen hat seine gerechte Strafe erhalten, aber ein Staat und auch die Presse eines Staates müssen so vorgehen, daß das Leben eines Menschen nicht schon vollkommen zerstört wird nur weil gegen ihn ermittelt wird oder irgendein Verdacht besteht.

Im Fall Edathy hat man den Eindruck, daß man ohne Rücksicht auf Verluste und ohne wirkliche Fakten und Beweise draufhaut, irgendwas wird schon hängen bleiben und „für die Kinder“ zu sein macht sich immer gut. Und wenn er doch was gemacht hat, umso besser! Wenn nicht, einfach so weitermachen als wäre nix gewesen. Und die kleine Lokalzeitung „Die Harke“ hatte mal ihren großen Auftritt.

 

 

 

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