Der DJV und die Ethik

„Der Fotograf Rheker“ muß da ja irgendwie einen Nerv getroffen haben, denn der DJV antwortet mit einem sehr langem Text, warum das doch alles ok sein soll und skizziert das Ende des Journalismus, wenn man nicht in fremder Leute Fenster fotografieren dürfte.

http://www.djv.de/startseite/info/beruf-betrieb/bildjournalisten/detail/article/was-und-wo-duerfen-bildjournalisten-aus-aktuellem-anlass-fotografieren.html

Ich mag zu diesem Wust aus irgendwelchen „was wäre wenn“-Szenarien mit brennende Politikerwohnungen, Schüssen aus Politikerwohungen, den Sicherheitseinrichtungen an Flughäfen und vielerlei mehr eigentlich nichts schreiben, auch wenn es da eine Menge in der Sache zu kritisieren gäbe. Im großen und ganze beruft man sich darauf, man würde „Bilder der Zeitgeschichte“ machen (an dieser Stelle sollte man dann bitte nochmal den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Bilder bedenken), weswegen man sich von anderen gesetzlichen Vorgaben befreit fühlt und die Rechte anderer Menschen zurücktreten müssen.

Bemerkenswert ist aber etwas anderes:

Praktisch Zeitgleich fordert, der DJV-Vorsitzende, man solle keine Videos, die zeigen, was gerade in Kiev passiert, veröffentlichen, denn: „Die Fakten sind so schon erschreckend genug, da bedarf es nicht noch dieser grausamen Bilder“…

http://www.djv.de/startseite/profil/der-djv/pressebereich-download/pressemitteilungen/detail/article/djv-gegen-killervideo.html

Dazu beruft sich Herr Konken in einen Rückgriff auf den Pressekodex:

„Der Pressekodex sagt in Ziffer 11 aus: „Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid.““

Da werden Menschen erschossen, die Videos die das zeigen und die im Netz kursieren zeigen das aus relativer Entfernung. Da kippen einfach Menschen auf der Straße um und werden von anderen weggetragen oder -geschleift. Eine unangemessene sensationelle Darstellung kann ich da nicht erkennen. Einzelne Personen sind kaum erkennbar. Das sind sehr nüchterne Bilder des Tötens. Aber sie machen begreifbar, was da wirklich passiert. Man sieht in welchen Situationen dort Menschen ange und erschossen werden. Diese Videos machen klar: Da erschießen keine Polizisten in Notwehr Demonstranten, weil die die Polizisten mit Steinen und Dachlatten angreifen. Das, und nicht irgendeine Sensation, ist der Informationswert der Videos für den Leser/Betrachter!

Und vor allem: Warum für diese Videos jetzt plötzlich andere Maßstäbe gelten sollten als jene, die der DJV für die Bilder aus Edathys Wohnung reklamiert, ja warum man den Menschen diese Bilder vorenthalten sollte, das erschließt sich mir nicht.

Mich würde Herrn Konkens Meinung zu Robert Capas berühmtem Bild aus dem Spanische Bürgerkrieg interessieren. Und ich frage mich, warum der DJV nicht seit Jahren gegen die Ergebnisse des World Press Photo Awards Sturm läuft und Medien auffordert bei der Berichterstattung darüber keines der Bilder zu zeigen?

4 Kommentare

  1. Hallo Sascha. Wir werden solche Probleme nicht am Schreibtisch lösen können. Jede Stituation ist anders. Nur ein Foto, das nicht gemacht wird ist auf jeden Fall kein Bild. Ich bin fast immer für ein „erstmal draufdrücken“ (gibt Ausnahmen). LG

    Die Bilder aus der Ukraine werden eine wichtige Rolle bei möglichen Kriegsverbrecher-Prozessen spielen. Ob man sie zur Kinder-Fernseh-Zeit auf allen Kanälen anbietet ist eine ganz andere Frage.

  2. Naja, das Bild ist hier veröffentlicht worden und damit hat man Tatsachen geschaffen.

    Und dann ist es nochmal was anderes, ob man was macht und weiß, daß das in einer Grauzone liegt und man abwägen muß oder ob man einfach behauptet man habe jedes Recht der Welt.

  3. „…skizziert das Ende des Journalismus, wenn man nicht in fremder Leute Fenster fotografieren dürfte“, ist eine komplette Falschdarstellung des Beitrags zum Thema. Wenn Du sachlich diskutieren willst, gerne, aber auf diesem Niveau und mit solchen Unterstellungen geht es nicht. Konkret geht es um die Frage, ob bei gesellschaftlich wichtigen Vorgängen (Zeitgeschichte) das Eigentum Fotografie verbieten kann, da ist zu sagen: Rechtlich gesehen eher nein. Abgesehen davon gibt es einen Unterschied zwischen der rechtlichen Bewertung einer Veröffentlichung (Rechtsprechung) und der berufsethischen (Pressekodex). Letztere bietet besonders viel Interpretationsmöglichkeiten; pressethisch mag sich einiges verbieten, was rechtlich sehr wohl zulässig wäre. Beispiel Kiev – rechtlich zulässig, presseethisch aber durchaus problematisch. Wenn Du beides (Recht und Ethik) öfters durcheinanderwirfst, wird die Diskussion schräg.

  4. Es ist schon schrägt hier von erfundenen Schüssen aus Politikerwohnungen über mutmaßliche BGH-Entscheidungen zum Bernsteinzimmer in Gurlitts Besitz zu kommen und anderen dann was von „Sachlichkeit“ zu erzählen.

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