Fotografen sind einfach unverschämt

Als Fotograf ist man es ja leider gewöhnt, daß manchen Zeitgenossen Fotos keinen Cent wert sind, man sie aber trotzdem gerne nutzen möchte oder daß man versucht sich die Rechte an den Bildern gleich per Vertrag unter den Nagel zu reißen. Und das wohlgemerkt ohne daß man der Auftraggeber des Fotografen wäre und mit dem in irgendwelchen Vertragsverhältnissen stehen würde. Bekannt ist diese Nummer vor allem aus dem Musikgeschäft. Zeitung schickt Fotograf zu Konzert, Bandmanagement will das Fotografieren nur erlauben, wenn der Fotograf danach die Nutzungrechte an den Bildern abgibt, das Management die Bilder zensieren darf und so weiter.

 

Heute durfte ich diesen Zauber mal an anderer Stelle erleben. Auf einem Baustellenbesichtungspressetermin sollten brav alle einen Vertrag unterschreiben, der der Baugesellschaft die Nutzung der Fotos zu Werbezwecken erlauben sollte. Das wir das, mit dem Argument, daß wir unsere Arbeit nicht umsonst herschenken können, nicht unterschreiben wollten wurde als „unverschämt“ kritisiert, schließlich würde man uns ja auch auf die eigene Baustelle lassen. Da hatte man wohl Dankbarkeit erwartet statt der Ansage, daß wir dann jetzt mal unverrichteter Dinge gehen werden.

Als Höhepunkt wurde dann noch eine umwerfende Erklärung dafür ausgepackt, daß man diesen Vertrag bräuchte: Man müsse sich vor Fotografen schützen. Denn man sei jüngst von einem Fotografen verklagt worden, weil man einen Artikel mit dessen Bild aus einer Zeitung auf die eigene Website gepackt habe.  (Ob die Frage nun berechtigt ist oder ob das evtl. vom Zitatrecht gedeckt ist, ist schwer zu sagen, ist aber pirmär auch egal.)

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Das ist in ungefähr so, als würde jemand von mir wollen, daß ich ihm alle meine Kameras schenke, weil ihn letzte Woche jemand wegen Kamera-Diebstahl angezeigt hat, und er mit deswegen als Bedrohung empfindet und er da auf Nummer sicher gehen will.

Nach einem Telefonat mit irgendwelchen Vorgesetzten ging es dann doch ohne Vertrag, den man aber für zukünftige Termine überarbeiten würde.

Es ist schon ein wirklich trauriges Gefühl, wenn andere Menschen es als „unverschämt“ erachten, wenn man für die eigene Arbeit bezahlt werden will bzw. werden muß.

 

6 Kommentare

  1. Wieso habt ihr da überhaupt noch fotografiert? Alleine die Vorlage eines solchen Vertrages sollte – auch wenn die Vorgesetzten diesen zurück nehmen – schon dazu führen, dass man geschlossen nein sagt. Wirklich unverschämt.

  2. Manchmal habe ich den Eindruck das sind die Nebeneffekte der Open Source bzw. Open Document Bewegungen, die versuchen die Ergebnisse der Arbeit von einzelnen für alle verfügbar zu machen – und zwar ohne dass der Autor etwas dafür bekommt.

    Das wird inzwischen wohl als Normal angesehen – auch als Software-Entwickler wird man immer wieder gedrängt, seine Progarmme als Open Source zu veröffentlichen.

    Künstler (ich schliesse die Fotografen hier ein) hatten es schon iummer schwer, aber die digitale Welt des einfachen und fast kostenlosen duplizierens der Werke hat den Respekt vor der Leistung eines Künstlers weiter schwinden lassen.

    Ich versteh langsam, warm immer mehr Kunstschaffende statt statischen Werken „Performances“ bieten – diese lassen sich nicht so einfach als Ding weiternutzen oder verkaufen, man muss in dem Moment dabei sein, wenn der Künstler die Performance durchführt.

    Das ist für Fotografen natürlich kein gangbarer Weg, zeigt aber dass Künstler auf den Druck reagieren, und sich Bereiche suchen, in denen die Natur ihrer Kunst sie gegen den Diebstahl Ihrer Leistung schützt.

  3. ohne Worte…

    habe selbst 10 Jahre für alle möglichen Zeitungen und Presseagenturen fotografiert…
    und sowas habe ich nie erlebet, ausser auf Konzerten…
    aber ganz ehrlich…so oder so wäre ich geschlossen mit den Kollegen gegangen…

    ist ja schliesslich Werbung für deren „Prachtbau“…

    Gruß

    Paul Walther

  4. …nach über 35 Jahren für Agenturen, Zeitschriften und Zeitungen im Job will ich dazu ein paar Sachen anmerken.
    So wie diese Geschichte gelaufen ist (nach der Rückfrage mit Vorgesetzten ging es dann doch!) ist doch eigentlich symptomatisch, welches Kalkül dahinter steckt: „…ich lade die Presse ein um über meine tolle Baustelle zu berichten. Alle Fotos die dabei von den Profis gemacht werden kann ich dann nutzen – die werden ihre Kohle ja schon von den Verlagen bekommen.“
    Dass in Zeiten eines sich verwässerenden Urheberrechtes (siehe Internet & Freihandelsabkommen mit USA) so etwas wie eine Zweitnutzung noch honorarpflichtig ist, kann man doch dann wohl (seitens der „Bauherren“) vergessen.
    – Auf der anderen Seite sind die armen Foto-Kollegen, die auf dem Termin mit solchen Unverschämtheiten konfrontiert werden, häufig total unter Druck von diesem Termin ein Bild liefern zu müssen.
    Eine schnelle Rückfrage in der Redaktion erübrigt sich meistens, da man weiß, dass die alles bestimmenden „verantwortlichen Blattmacher“ für solche Probleme nicht ansprechbar sind (Originalzitat: „…ne, was willst du jetzt damit…es ist doch schon 11:30 Uhr, das Blatt steht schon in der Planung, jetzt noch umplanen geht gar nicht…)
    Da ist keiner mehr, der die Chupse hat zu sagen: der Termin ist Scheiße, weil die so unverschämt sind. Um das noch etwas weiter zu führen: ich habe Termine erlebt, wo die Fotografen der großen Agenturen gesagt haben, dass es so nicht geht, wie sich die Veranstalter das gedacht haben und man nicht berichten würde. Die Fotografen der lokalen Presse sind aber eingeknickt und haben unter den geforderten Voraussetzungen ihre Fotos gemacht.
    Bei manch einem dieser Termine kamen dann die Agenturleute zurück und machten wieder mit.
    …Traurig…

  5. Wir haben da dann aus dem ganz einfachen Grund fotografiert, daß wir uns ja mit unserer erstmal Position durchsetzen konnten.

    Zu den Ursachen: Da denke ich, daß es mehrere Gründe gibt:

    Zuerst der selbstkritische: Wir haben heute auch Fotografen, die aus dem Abmahnen ein Geschäft gemacht haben und statt von ihren Auftraggebern angemessene Honorare zu fordern, lieber auf Dritte losgehen. Gerne auch mal ohne wirklich eine wirklich Grundlage für eine Abmahnung/Klage. Dazu kommt die allgemeine Meinung, daß Urheber die sich wehren alles Abzocker sind, wofür wir uns bei der Musik und Filmindustrie mit ihren überzogenen Schadenersatzforderungen bedanken können.

    Und dann der teilselbstkritische Grund: Es wäre naive zu glauben, daß die Verträge aus der Konzertfotografie nicht irgendwann auch in andere Bereich rüberschwappen. Wer das da unterschreibt darf sich nicht wundern!

    Und natürlich wird Fotografie auch durch die „Kollegen“ die man sich für unter 100,- € für einen Tag buchen kann auch zu einer wertlosen Ware.

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