Jauch, Pegida, Oertel und Hajo

Es ist kein Journalismus, was Günter Jauch da fabriziert, weil er offenkundig nicht einmal dann in der Lage ist einzugreifen oder nachzuhaken, wenn einer seiner Gäste blanken Unfug erzählt.

Und es war nicht irgendein Unfug, es war ein demaskierender Unfug als Kathrin Oertel ausgerechnet eine Demonstration zur Unterstützung des Kampfes der Kurden gegen den Islamischen Staat in Syrien als Initialzündung für Pegida anführt.

Oder wie Nils Minkmar es in der FAZ zusammenfaßt:
„(…) als Kathrin Oertel, die Sprecherin der Pegida-Organisatoren, ihre Motivation beschrieb, diese Demonstrationen zu initiieren. Sie schilderte eine Demonstration in Dresden, bei der die Linke und kurdische Aktivisten die Regierung aufforderten „Waffen an die PKK zu liefern“ Darauf hin fand Oertel: “Nun müssen wir was tun!“

Auf diese Einlassung folgte aber nicht die Frage, wie sich diese Beobachtung mit dem Wunsch verträgt, den Islamismus zu bekämpfen, denn schließlich riskieren an der syrischen Grenze die Kämpfer der PKK ihr Leben gegen die vorrückenden islamistischen Kräfte des Islamischen Staats. Was immer man gegen die einstige kurdische Terrortruppe haben mag – mit Islamismus haben sie nichts am Hut. „

Und auch sonst bewegte sich Oertels „Argumentation“ auf diesem Niveau. Ich sage nur „Die machen hier Urlaub“ und „In Deutschland wird ja auch demonstriert gegen die Abholzung des Regenwaldes, obwohl es keinen Regenwald gibt“.

Und Oertel kann sogar unwidersprochen behaupten, (islamische) Friedensrichter hätte bei uns das Recht, Recht zu sprechen. Ist es mangelnde Kompetenz und ein Wissensdefizit, daß hier niemand widerspricht, hören die der garnicht zu oder geht es nur darum einen unpolitischen Stuhlkreis zu bilden, wo jeder mal sagen darf, was er will, wie die FAZ befürchtet?

Und wäre nicht Jens Spahn von der CDU da gewesen, dann hätte ihr auch niemand bei der steilen These widersprochen, über die Themen Asyl etc. würde erst seit Pegida gesprochen und diese seien vorher Tabus gewesen, um dann gleich was von Sarrazin und Buschkowsky zu erzählen.

Und dann erklärt Oertel den Menschen daheim an den Geräten, Frankreich sei schon islamisiert und keiner fragt nach, wie es denn dann ausgerechnet da ein Burka-Verbot geben kann.

Und ein Journalist hätte auch nur schwer den gewaltsamen Tod von Khaled Bahray in Dresden und damit die Frage, mit welchem Recht sich die Pegida-Demonstranten bedroht fühlen, wenn andere sterben, ausklammern können.

So wie generell Muslime von der Diskussion ausgeschlossen waren, wie die Ängste und Empfindungen der hier lebenden Muslime (egal ob Deutsche oder Ausländer) kein Thema waren.

Es geht nicht darum, daß Jauch den Kämpfer gegen Pegida geben muß. Aber er muß als Journalist derartige Fehlinformationen und offenkundige Falschbehauptungen korrigieren, um sie für den Zuschauer einordnenbar zu machen.

Das wäre wichtiger gewesen als die persönliche Feststellung, daß er nicht zu den „normalen Menschen“ gehört, die laut Oertel zu den Pegida-Demos gehen.

So wäre das ganze auch weniger zu einer AfD Werbeshow von Gaulands Gnaden geworden.

Hajo Friedrichs hat gesagt, daß man sich als Journalist mit keiner Sache gemein machen soll. Er hat sicher nicht gemeint, man solle sich aus allem heraushalten.

„Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.“

– Hanns Joachim Friedrichs: Interview mit dem Spiegel
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-guenter-jauch-zu-pegida-13378188.html

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