Pauschale Almosen

Immer wenn es um die Bezahlung von Urhebern geht kommt jemand mit der tollen Idee um die Ecke, daß wir pauschal mit einer Mini-Abgabe Abgespeist werden sollen, deren Zeil immer ist: Der Nutzer darf machen, was er mag. Er oder besser jemand anderes Facebook und Co. sollen ein paar Euro bezahlen und gut isses.

Wie/ob das Geld gerecht beim Urheber ankommen soll und was nach der Verteilungs- und Verwaltungsmaschinerie noch über bleibt ist egal.

https://netzpolitik.org/2015/abmahnung-von-urheberrechtsverletzer-boehmermann-wie-koennte-eine-loesung-aussehen/

„Anbieter von sozialen Netzwerken würden dadurch zur Zahlung einer pauschalen Vergütung dafür verpflichtet, dass es im Rahmen der gewöhnlichen Nutzung ihrer Dienste ständig – und unvermeidbar – zur nicht-autorisierten Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte kommt. Die Verteilung dieser Vergütung würde wie in solchen Fällen üblich durch Verwertungsgesellschaften erfolgen.“

Nun wissen alle, die heute schon mit Verwertungsgesellschaften zu tun haben, daß da nicht immer der mit den gefragtesten Bildern das meiste Geld bekommt, sondern eher derjenige, der den Apparat am besten „bedient“.

Für eine gerechte Abwicklung einer solchen Pauschalvergütung oder der immer wieder angesprochenen Kulturflatrate müßte die Nutzung der einzelnen Bilder genau erfaßt und abgerechnet werden. Das ist etwas daß der Urheber nicht leisten kann und das die Einnahmen einer VG auffressen würde.

Heute ist es so, daß der Fotograf seine Bilder anmelden muß. Das heißt er muß über die Nutzungen wissen oder sie finden. Und dann muß er jede einzelne Nutzung händisch bei der VG Bild-Kunst melden.*

Praktikabel und bequem sind diese Pauschallösungen nur für eine Seite.

*In der Praxis hieße das hier: Wenn ein Fotograf die Nutzung seiner Bilder durch Dritte in einem Sozialen Netzwerk nicht mitbekommt, geht er leer aus. Wenn ein Fotograf von einem Freund jeden Tag 100 seiner Fotos des heimischen Bücherregals bei Twitter postenläßt und das so bequem melden kann, dann hat er ein Geschäftsmodell.

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2 thoughts on “Pauschale Almosen

  1. „Wenn sogar ein Medienmensch wie Böhmermann nicht mehr richtig durchsteigt, was geht und was erlaubt ist, sollten wir vielleicht mal über die Ausgestaltung des Urheberrechts sprechen – statt einfach nur darauf hinzuweisen, dass es existiert.“ (Dirk von Gehlen, zit. in dem Netzpolitik-Text)
    – da steige ich jetzt nicht durch: Ist doch recht einfach: Material (Bilder, Texte, Videos, Audios usw.) öffentlich zugänglich zu machen/zu verbreiten, wofür man nicht die entsprechenden (Verbreitungs-) Rechte besitzt, ist illegal. Dass B. nicht wusste, dass das Foto urheberrechtlich geschützt ist, ist doch quatsch. Jedes Foto ist grundsätzlich erstmal urheberrechtlich geschützt. In dem Dateinamen stand sogar der Name des Fotografen, wie B. selbst geschrieben hat, es wäre also ein leichtes, einfach mal den Fotografen zu kontaktieren und nachzufragen, was es denn kostet, das Foto bei Twitter zu veröffentlichen. Dann hätte der Fotograf mutmaßlich einen Betrag genannt und B. hätte sich überlegen können, ob er das für den Betrag macht oder nicht. Ganz einfach, fertig aus. Oder B. hätte sich an die Agentur Focus gewandt, dort hätte er in der Datenbank auch gleich lesen können: „doppeltes Honorar!“, sodass er sich den Preis wohl sogar selbst hätte ausrechnen können (wenn man mal annimmt, dass der marktübliche Betrag da verdoppelt werden soll). So schwer ist das nicht, das bekommt auch ein „Medienmensch“ hin.

    1. Böhmermann schreibt ja auch, daß der Name des Fotografen im Dateinamen stand und führt weiter aus

      „Ja, ich befand mich in der (offenbar falschen) Annahme, dass der Fotograf dieses zeitgeschichtliche Fotodokument (möglicherweise unter Angabe des Fotocredits) zur honorarfreien Verwendung außerhalb professioneller Presse freigegeben habe.“

      Das klingt nicht, als wäre das Urheberrecht zu kompliziert. Es klingt eher so als habe sich da einfach jemand eine bequeme „Annahme“ erfunden, mit der er jetzt auf die Nase gefallen ist.

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