Wie man sich gemein macht…

Jan Böhmermann hat im Nachgang des Streits um das Bild das Martin Langer in Rostock-Lichtenhagen gemacht und welches Böhmermann unberechtigt genutzt hat, heute ein Foto gepostet, in dem er und ein Mitarbeiter das Bild nachstellen und meinen sie würden sich damit über Langer lustig machen.

Das Lachen sollte einem im Halse stecken bleiben.

Wäre das Satire in einem politischen Kontext, der sich mit Lichtenhagen auseinandersetzt, geschenkt. Aber hier geht es darum die eigenen Befindlichkeiten wegen der Abmahnung zu zelebrieren. Und wohl auch die eigene Sendung zu promoten.

Ich fand es schon grenzwertig, als Böhmermann an anderer Stelle versuchte (um Martin Langer moralisch in die Ecke zu stellen) sich zum Anwalt des im Bild zu sehenden Harald Ewert zu machen und den gleichsam zum Opfer des bösen Fotografen umzudeuten, der Ewert oder dessen Angehörige gefälligst an den Einnahmen aus der Abmahnung beteiligen müßte.
Einen Typen der mit dem Hitlergruß in der Menge stand, die die Akteure des Pogrom von Lichtenhagen angefeuert hat, der nach eigener Aussage auch genau deswegen dahingefahren ist (Dosenbier inklusive) soll dafür entlohnt werden. Und er verdient das wohl auch mehr als der Fotograf, der das Pogrom dokumentiert hat, denn das ist ja nur der böse Persönlichkeitsrechtsverletzer und Abmahner. Das ist schon schwer erträglich.Aber das heutige Bild ist schlicht widerlich und offenbart eine bizarre, erschreckende Weltsicht.

 

Update:

Mittlerweile kommentiert Böhmermann einen Text von Martin Langer bei

http://kwerfeldein.de/2015/01/28/eine-geschichte-zum-thema-urheberrecht-im-internet/

und macht sich endgültig zum Anwalt der Fans des Pogroms von Lichtenhagen, ja er behauptet sogar man hätte dieses Bild nicht veröffentlichen dürfen. Und einen Sinn hätte dieses Bild (das anderem in die Sammlungen des Hauses der Geschichte in Bonn und des Deutschen Historischen Museum in Berlin aufgenommen wurde) nur, wenn es dazu führt, daß man in Zukunft Bilder kostenlos bei twitter posten kann.

„Aber, das würde ich mir wünschen, Herr Langer, erst wenn irgendwann die normalen Internetprivatnutzer von unserer Meinungsverschiedenheit etwas haben – nämlich eine praktikable Rechtsnorm – erst dann hätten sie 1992 das Persönlichkeitsrecht des betrunkenen, unglücklich „bierbefleckten“ und vor allem offenbar nicht mit einem ähnlich engagierten Rechtsbeistand wie dem Ihren ausgestatteten Harald Ewert († 2006) nicht vollends umsonst verletzt. Oder gab es das Persönlichkeitsrecht wie wir es heute kennen 1992 noch nicht? Fragen Sie doch mal Ihren Abmahnanwalt. Oder blättert der gerade noch bei „Rechtsmissbrauch“?“
„Das Foto ist überhaupt nur deshalb jemals veröffentlicht worden, weil Martin Langer und seine Auftraggeber, jetzt sage ich es mal derb, bestehendes Recht ignoriert haben.“

Da in Rostock-Lichtenhagen sind beinahe Menschen umgekommen. Nur mal zur Erinnerung: http://de.wikipedia.org/wiki/Ausschreitungen_in_Rostock-Lichtenhagen

4 Kommentare

  1. Ich teile Ihre Interpretation nicht, dass sich Jan Böhmermann zum Anwalt des Pogrom-Fans macht.

    Böhmermann vertritt die Ansicht (über die sich streiten lässt), dass das Bild eigentlich nur durch einen Rechtsbruch entstanden ist und dass er es deswegen schräg findet, jetzt bei der Vervielfältigung so sehr auf das Recht zu pochen.

    Meiner Meinung nach würde er sich zum Anwalt des Pogrom-Fans machen, wenn er sich z.B. dafür einsetzen würde, dass es besser wäre, falls dieses Foto nie entstanden oder alle Spuren davon getilgt werden. Beides macht er absolut nicht.

  2. Dass Böhmermann diesen Nebenkriegsschauplatz eröffnet ist genauso wenig hilfreich wie jetzt der Verweis auf die Ereignisse damals und insgesamt sehr schade, denn das Thema Urheberrecht und wie, wo und gegen wen es durchgesetzt wird, ist sehr interessant.

    Man kann Böhmermann vorwerfen, dass er nicht sauber und sachlich argumentieren kann bzw. argumentiert hat. Man kann ihm vorwerfen, dass er, als er den Namen des Fotografen veröffentlichte, schon auf unfaire und unsachliche Art startete. Dennoch hat er mMn einen Punkt getroffen, den es zu diskutieren gilt.

    Er musste irgendwas unter 1000 Euro abdrücken für die Urheberrechtsverletzung und das hat er laut eigener Aussage auch akzeptiert. So wie ich ihn verstehe, will er aber darüber diskutieren, warum – wiederum laut seiner Aussage – eine Privatperson ebenfalls fast 1000 Euro blechen musste für einen Retweet seines ursprünglichen Posts oder jedenfalls der Verwendung des Fotos. Dass pauschal Streitwerte angegeben werden, ohne – ich unterstelle das mal – den Einzelfall zu prüfen (wie groß ist die Followerzahl, geschieht das zu werblichen Zwecken etc.), kann man durchaus kritisieren. Man darf ruhig hinterfragen, warum der andere kein „enfach gelagerter Fall“ und deshalb „günstiger“ war.
    Hätte er das alles etwas besser aufgezogen und vor allem klargestellt, dass nicht der Fotograf, sondern die Rechtsgrundlage und allenfalls die Anwälte, die ihr Geschäftsmodell darauf ausrichten, in Frage gestellt werden sollen, dann würde es diese Welle nicht geben.

    Böhmermann muss sich also fragen lassen, warum er meinte, den Fotografen, der geltendes Recht durchsetzen möchte, bloßstellen zu müssen. Mal ganz abgesehen davon, dass Böhmermann dadurch im Hinblick auf seine Followerzahl auch keinen keinen guten Spiderman abgeben würde. ;)

  3. Wer behauptet, die Anfertigung und Veröffentlichung des Bildes sei rechtswidrig, zeigt, dass er von der Rechtslage keine Ahnung hat.
    Böhmermann hat also entweder keine Ahnung, was nicht gerade für seine journalistischen Fähigkeiten spricht, denn §23 KunstUrhG ist auch für Laien verständlich – oder er verwendet dieses Scheinargument wider besserem Wissen.
    Abgesehen davon ist es immer wieder arm, wenn Leute sich vorgeblich aus reiner Menscheinfreundlichkeit zum Anwalt anderer machen, in Wahrheit aber nur im eigenen Interesse handeln. Darf man das heuchlerisch nennen?

    1. Ja, das darf man heuchlerisch nennen, spätestens wenn jemand behauptet die Veröffentlichung des Bildes sei im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Lichtenhagen rechtswidrig, er das aber selbst bei Twitter für Späße zum Weltjogginghosentag veröffentlicht.

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