Der Bankberater warnt vor Profifotografen

Für die Frankfurter Sparkasse 1822 sind Profifotografen gefährliche Fallensteller bei denen man besser aufpaßt!

„Wer ein Foto beim Profifotografen in Auftrag gibt, kann eine teure Überraschung erleben, wenn er das Foto im Internet veröffentlicht. Wann die unangenehme Falle zuschlagen kann, zeigt dieser Fall“

Bildschirmfoto 2015-11-23 um 22.04.59

Klingt ja fast, als würden wir Profifotografen 90jährigen Omas Geldanlagen verkaufen, bei denen man erst nach 30 Jahren wieder an sein Geld kommt…

Und so rät die Bank besser mal zur Vorsicht, als ginge es um eine Art „Enkeltrick mit Kamera“!

„Deshalb sollten Sie immer vorsichtig sein und bei der Beauftragung eines Fotografen alles schriftlich regeln…“

Ein an sich toller Tip! So wie eigentlich bei jedem Geschäft und nicht nur bei diesen gefährlichen Fotografen. Doch ein Detail vergisst die Sparkasse: Man muß sich an das, was man da vereinbart hat dann eben auch halten.

Und dann auch noch das: Skandal, Skandal, Skandal!

„Denn was viele nicht wissen: Auch wenn Sie ein Honorar dafür zahlen, bleibt das Urheberrecht bei Bildern immer beim Fotografen. Sie können als Auftraggeber nicht vollkommen frei darüber verfügen und damit machen, was Sie wollen.“

Naja, das ist halt geltendes Recht und nicht nur bei Fotos. Das Urheberrecht ist in Deutschland schlicht nicht übertragbar und verbleibt immer beim Urheber. Da man aber Nutzungsrechte sogar soweit übertragen kann, daß der Urheber selbst das Bild nicht mehr nutzen darf, ist das in der Praxis kaum ein Problem.

Übrigens, kann man auch mit ganz vielen anderen Dingen, die man „bezahlt“ hat nicht machen, was man will: Einfach mal eine DVD kaufen und eine Online-Videothek aufmachen…

Und dann kommen noch zwei tolle Tips von der Bank zum Schluß:

„Lassen Sie sich vom Fotografen die Nutzungsrechte übertragen, die mit der Zahlung des Honorars abgegolten sind. Zählen Sie auf, wo Sie die Bilder überall veröffentlichen dürfen.“

Das ist nicht wirklich revolutionär, denn genau die Übertragung von Nutzungsrechten für diverse Nutzungsarten sind ja die Leistung des Fotografen im Vertrag zwischen Fotograf und Kunde. Der Tip ist also genauso raffiniert wie „Lassen Sie den Autohändler den Typ und die Farbe des Wagens in den Kaufvertrag mit aufnehmen!“.

Und auch der zweite Tip zeugt von, nennen wir es mal, bescheidener fachlicher Tiefe des Ratschlages der Bank:

„Lassen Sie sich in dieser Vereinbarung bestätigen, dass der Fotograf auf die Nennung seines Namens bei Veröffentlichung verzichtet. Dadurch vermeiden Sie Ärger, falls Sie die Urhebernennung einmal vergessen“

Nachdem der Kollege Patrick Lux, der das auch entdeckt hat, da einen Kommentar drunter gepostet hat, scheint die Kommentarfunktion gleich deaktiviert worden zu sein…

https://www.1822direkt.de/blog/urheberrecht-bilder-vorsicht-vor-der-urheberrechtsverletzung/#

P.S.: Kommentarfunktion scheint wieder freigeschaltet zu sein…

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2 thoughts on “Der Bankberater warnt vor Profifotografen

  1. Nun, Herr Rheker, es ist doch gut, dass Sie über die Rechtslage informiert sind. Es ist nicht nur gut, sondern wünschenswert. Allerdings zeugt es doch von einem seltsamen Selbstverständnis, dass Sie kritisieren, wenn Mitmenschen darauf hingewiesen werden, welche Fallstricke sich möglicherweise in ihrem Handeln verbergen. Ich gehe einfach mal davon aus, dass das nicht der breiten Masse der Bevölkerung bekannt ist. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, hierüber aufzuklären. Insofern wundere ich mich schon über Ihre Einlassungen.

    Um beim Autovergleich zu bleiben: Wenn Sie für sich entscheiden, dass Sie das VW-Logo nicht mehr in der Kühlerhaube spazieren fahren möchten (sozusagen der Urheber des Autos), dann müssten Sie nach dieser Logik ja einen Abschlag an VW leisten. Mir ist klar, dass der Vergleich hinkt – aber da reiht er sich in Ihre Vergleiche ganz gut ein.

    1. Nun ist eine Rechtslage, die jemandem nicht bekannt ist, weil man sich schlicht nicht vorher schlau gemacht oder einen Fachmann gefragt hat, deswegen ganz sicher keine „Falle“, schon garkeine, die von einer ganzen Berufsgruppe benutzt wird und bei der man deswegen generell aufpassen muß, wie der Artikel suggeriert.

      Und das, was die meisten unserer Kunden machen, nämlich sich an die Regeln halten und einfache eine Urhebernennung am Bild anbringen, das scheint der Bank so garkeine gangbare Lösung zu sein.

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