Verlinken jetzt verboten!?!

Im Moment tobt eine panische und emotionale Diskussion über eine einstweiligen Verfügung des LG Hamburg, die (um die Dinge zu verkomplizieren) Viele für ein Urteil halten.

Es ist nur eine einstweilige Verfügung, kein Urteil. Und etwas zu verlinken ist jetzt nicht plötzlich illegal oder verboten. Panik ist hier fehl am Platze!

Klar muß das Verlinken im Internet erlaubt sein. Klar, würde ich auch sofort sagen: Verlinken darf man doch nicht kriminalisieren, nicht zuletzt, weil derjenige der verlinkt keine Kontrolle darüber hat, ob da nicht später illegales Material auf der verlinkten Seite landet.

 
Aber die zugrunde liegende Frage ist natürlich für einen Urheber total spannend:

Warum soll eigentlich immer ok sein, wenn jemand, der mein Bild nicht lizenzieren will, einfach auf die Seite eines Kunden, der es linzenziert hat, oder auf meine eigen Seite verlinkt oder er es gar per deep linking am Ende so auf seiner Website zeigen kann als habe er es lizenziert (und obendrein noch den Traffic und Speicherplatz spart).

 
Aber bei der einstweiligen Verfügung, die gerade so Wellen schlägt, geht es ja sogar um den Fall, daß jemand wissentlich auf eine Seite verlinkt, die das Bild unrechtmäßig nutzt.
 
Für mich, als jemand, der öfter mal seine Bilder irgendwo wiederfindet wo es keine Möglichkeit gibt, sich zu wehren, stellt sich die Frage „Ist es ok dahin zu verlinken?“ durchaus.

In den meisten Fällen liegt, daß ich mich nicht direkt wehren kann, schlicht daran, daß derjenige, der meine Rechte verletzt völlig anonym agiert oder irgendwo ist, wo man ihn nicht zu fassen bekommt oder eine juristische Verfolgung in keinem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis mehr stehen würde. Zum Beispiel in Kirgisistan.

Und Kirgisistan ist kein wirklich akademisches Beispiel:

bildschirmfoto-2016-12-13-um-01-14-17

Das Bild oben wurde irgendwann mal in der Frankfurter Rundschau (FR) veröffentlicht. Der Abgebildete gerät über eine Story mit weltweitem Interesse in den Fokus. Die Website in Kirgisistan klaut das Bild von der Website der FR. Soweit so gut bzw. so ärgerlich.

Aber fühlt es sich nicht schräg an, daß diese Urheberrechtsverletzung dazu führen soll, daß mein Bild nun vogelfrei ist, solange man sich eben der in Kirgisistan gehosteten Datei per Verlinkung bedient?

Was wäre nun, wenn jemand das zum Geschäftsmodell macht? Wenn jemand ein werbefinanziertes Nachrichtenportal in Deutschland eröffnet und die Urheberrechtsfrage für seinen Content so löst, daß er mehrere anonyme, nicht verfolgbare Websites in „sicheren Drittländern“ aufbaut, die dann mit geklauten Bildern und Texten von Spiegel-Online, Stern.de, faz.net, sz.de und so weiter bestückt werden. Und das Nachrichtenportal in Deutschland, das benutzt diese Websites im Ausland als eine Art Content Management System (CMS) und wird durch Verlinkung auf diese bestückt.

Fühlt sich irgendwie falsch an, auch wenn man selbst gerne alles mögliche verlinkt, oder?

Dass so etwas wie das „Linkrecht“ auch differenzierter sein könnte, sieht man wenn man sich das Zitatrecht ansieht. Da kann man auch nicht einfach einen Text in Gänze kopieren oder eine Bilddatei in das eigene Werk übernehmen, „Zitat“ drunterschreiben und gut ist es. Braucht es beim Foto den Screenshot, der eben den ursprünglichen Kontext der Veröffentlichung nicht ausradiert, man braucht die inhaltliche Auseinandersetzung etc.

Und natürlich kann man die Frage, ob ein Link erlaubt sein soll oder nicht, nicht einfach an der Frage festmachen, ob man auf eine lizenzierte oder unlizenzierte Nutzung verlinkt, ein gutes  Beispiel dafür wäre z.B. StopStealingPictures (früher photostealers), eine Website die sich mit Fotografen beschäftigt, die sich ihr Portfolio, mit dem sie um Kunden werben, zusammengeklaut haben. Natürlich muß es erlaubt sein auf eine Website mit geklauten Bildern zu verlinken, wenn man die Urheberrechtsverletzung thematisiert. Warum aber die Frage ob eine Einbindung eines Bildes in ein eigenes Layout sich daran entscheiden sollte, ob das Bild auf dem Server des Nutzers gehostet ist oder das Bild per Link vom Server eines Dritten geladen wird, das ist schwer zu vermitteln. Allein schon, weil es da für den Betrachter vor dem Bildschirm keinen Unterschied macht.

Bei einem gedruckten Medium würde man die Urheberrechtsverletzung auch nicht daran festmachen, ob das Bild schon in der Redaktion als Datei ins Layout kommt und die ganze Seite als eine Datei in die Druckerei geht oder ob die Datei nur einen Link enthält und erst die Druckmaschine das Bild von einer Website runterlädt und einbindet.

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