Verpixelstandards bei Attentaten

Das Associated Press Foto von Burhan Ozbilici, das den am Boden liegenden russischen Botschafter und seinen Attentäter mit der Waffe in der einen Hand und dem Zeigefinger der anderen nach oben gestreckt zeigt, ist ein außergewöhnlich gutes fotojournalistisches Nachrichtenbild. Es wird sicher die Ikone für dieses Attentat und alles, was daraus erwachsen wird, werden. Aus Fotografischer Sicht, wohl  das beste Foto.

Nach meiner Auffassung dürfte sehr schnell klar gewesen sein, daß dieses Attentat eine derartige Bedeutung hat, daß Täter und Opfer zu Personen der Zeitgeschichte wurden. Deswegen sehe ich persönlich kein Problem dabei unverpixelte Bilder zu zeigen.

Umso überraschender, daß man das AP-Bild in deutschen Online-Medien kaum sah.

Der Mord am russischen Botschafter in der Türkei zeigt zudem, wie unterschiedlich deutsche Medien mit Bildern eines Ereignisses umgehen, wenn es darum geht was man zeigt und wann man was verpixelt. Und sogar wenn jemand in Bild 1 einer Fotostrecke unverpixelt ist, kann er in Bild 2 verpixelt sein.

Stern.de z.B. verpixelt den toten Botschafter

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Spiegel.de verpixelt den Attentäter:

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Aber das auch nur im zweiten Bild der Fotostrecke, denn im Bild im Artikel dazu , das auch das erste Bild der Fotostrecke ist, sieht man beide unverpixelt auch wenn der Attentäter da leicht unscharf ist:

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Bild.de zeigt das AP Foto. Allerdings auch so einiges anderes, u.a. auch ein Bild des am Boden liegenden erschossenen Attentäters, bei dem dann das Gesicht zwar nicht verpixelt aber  unscharf gemacht ist. Das, um die Verwirrung komplett zu machen, auf der Seite eines Artikels, wo in anderen Bilder vier mal sein Gesicht gezeigt wird.

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Zu diesem Bild, das man in Deutschland praktisch nicht sieht, greifen übrigens auch die New York Times, Washington Post, Pravda, Boston Globe und viel andere internationale Medien:

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Die taz zeigt ein Foto des Attentäters. Die Berliner Morgenpost zeigt Bilder von Attentäter (nach dem Attentat) und Opfer (vor dem Attentat) jeweils unverpixelt. Die FAZ benutzt das Bild mit Attentäter und Botschafter, allerdings ohne den Attentäter im Bild zu erwähnen. Sueddeutsche.de zeigt den Botschafter und Bilder aus dem Umfeld des Tatorts. Zeit.de arbeitet gleich aussschließlich mit Bildern der Tatortsicherung durch Polizisten:

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Der Kölner Stadtanzeiger zeigt einen sehr gründlich verpixelten Attentäter, Andrej Karlow als Archivbild und ein Foto von Absperrmaßnahmen:


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shz.de wählt ein recht weit gefaßtes Bild, das verpixelt den getroffenen Andrej Karlow und am Rand den Attentäter von hinten zeigt:


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Und das ungewöhnlichste Bild zum Thema zeigt die Rheinische Post in einer Bilderstrecke zum Attentat, denn den minderjährigen Jungen den hätte man durchaus verpixeln können.
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