Günstig und nicht viel dahinter

Es gibt viele Möglichkeiten, seinen Kunden zu vermitteln, warum man teurer ist als mancher Mitbewerber. Manchmal ist es da gut, wenn man den direkten Vergleich nicht scheut und das so offen und transparent wie möglich mit dem Kunden bespricht.

Heute hat mir ein Kunde von einer Werbeagentur aus Frankfurt erzählt, die ihm ein sehr, sehr günstiges Angebot für eine Website inkl. Fotografie gemacht hat. Da wäre sogar ein Vertreter vor Ort gewesen, der ihm wirklich tolle Referenzen gezeigt hätte. Der hatte wohl ganze Websites inkl. toller Fotos auf seinem Rechner.

 
Wir haben uns dann mal die Website von denen zusammen angesehen, weil mir das doch arg günstig vorkam und ich meinem Kunden ja schon gerne erklärt hätte, warum ich alleine für die Fotos fast soviel koste wie da das ganze Paket mit Website.
 
Auf der Website der Agentur nur großspurige Texte
 
 
„Jung, selbstbewusst, kreativ und gut gelaunt starten und enden wir unseren Arbeitstag. Unser Job ist nicht nur ein Job, sondern Leidenschaft und Passion.“
 
 
mit zugegeben sehr schönen Grafiken, aber keinerlei Ansprechpartner, keinerlei Referenzen, nichts konkretes zum Angebot, Leistungsumfang, keine Arbeitsproben etc.
 
Das selbe Spiel bei twitter und auf der Facebookseite von denen. Alle Bewertungen bei facebook innerhalb von 2 Tagen von begeisterten Leuten (mit indisch klingenden Namen).
 
Dann habe ich zuhause und in Ruhe mal die schönen Grafiken, die die auf ihrer Website benutzen, durch die Google Bildersuche gejagt.

Ergebnis: Die sind von Justin Maller, einem australischen Künstler. Ich hab ihn daraufhin per Email angeschrieben und auch prompt eine Antwort bekomme: Er sagt, die Grafiken haben die geklaut.

 
 
Hier aber mal der Link zu den wirklich schönen Grafiken von Justin M. Maller, die die Herschaften ihm geklaut haben:
 
 
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BÄÄÄM!!! Social Media für Fotografen, einfach so rausgehauen!

So macht man das:

Ich bin jemand der sich vielleicht schon Morgen eine Kamera kauft, Dir aber schon heute alle Geheimnisse der Berufsfotografie und 10 Lightroompresets verkaufen kann. Außerdem bin ich der teuerste Fotograf in meiner Stadt, kann davon leben und trotzdem zahlen die Kunden meine Preise ohne zu feilschen.
Dieses Marketinggeheimnis teile ich in meinen Kursen mit Dir!

Wichtig ist, in eine Kleinstadt zu ziehen, da kann man dann der teuerste Fotograf sein, indem man die Paßbilder 50 Cent teurer als die anderen anbietet. Ob dann nur an den Tagen wo es bei den anderen Fotografen gebrannt hat ein Kunde kommt, ist für die Aussage egal. Gefeilscht wird eh nicht, so wie auch niemand feilscht, der an der Tankstelle ein Eis kauft. Und das Geld macht man eh mit den Leuten, die Seminare buchen, denen man Lehrvideos, Presets und selbstgehäkelte Topflappen verlauft. Dass man sein Geld aber nicht mit Fotos sondern mit dem Bespaßen von Leuten die das werden wollen, was man selbst garnicht ist verdient, das ist sowas wie das Firmengeheimnis. Sollte man nicht offen sagen.

Ganz wichtig: Immer mal was unglaublich teures, mit jahrelangem Aufwand erstelltes „umsonst raushauen“.

Insgesamt muß man eh alles „raushauen“, andere Verben sollte man sich abgewöhnen. Beim Raushauen schreit man immer „Bääääm!!!!“. Das ist ganz wichtig, die Zahl der „ä“ sollte irgendwo zwischen drei und sechs liegen. Ausrufezeichen nicht unter drei!

Beispiel:

Und weil heute so ein wunderbar sonniger Tag war, daß mir jetzt noch das Wasser in den Gummistiefeln steht, haue ich mal mein neuestes Preset, statt für 29,99 €, für Euch alle umsonst raus: „QuirkyWestfalia_Wicked-Edition“.

FÜR PRESET DOWNLOAD HIER KLICKEN!

(Vorher/Nachher von meinem letzten Shooting mit Geweihgünther_Modelpage haue ich hier auch gleich mal raus!)

© Sascha Rheker / www.sascharheker.com

Ganz wichtig den anderen direkt ansprechen und Interaktion initiieren:

Arbeitest Du auch mit Presets? Was ist Dein liebstes Lightroom Preset?

Gerne auch mit direkter Verbindung zum eigenen Produkt:

Hast Du ein cooles Foto mit meinem Preset veredelt, dann poste es doch hier in den Kommentaren.

Falls jemand nach Motivationstraining fragt:

Das mit der Motivation macht ein befreundeter Verkaufstrainer und das coole ist: jeder der heute ein Videotraining bei ihm kauft bekommt eine Packung Vorwerk-Staubsaugerbeutel und einen Gurkenhobel kostenlos dazu! Ganz wichtig auch hier: die persönliche, Interaktion initiierende, Ansprache am Ende des Posts, wenn man den Jüngern das anbietet:

Hast Du auch schonmal Sex mit einem Staubsauger gehabt wie mein Kumpel Kevin Babelsberg? Poste doch ein Bild davon hier in den Kommentaren!

Und unbedingt immer auf die anderen Kanäle, die man bespielt hinweisen und erwähnen, was man da so alles cooles macht:

Und abonniere meinen youtube Kanal!
Da haue ich die Woche noch ein Unboxing-Video mit einer Packung ILFORD MULTIGRADE IV RC DELUXE SATIN raus gefilmt mit einer Drohne!

Urheberrechte – Mehr als Geld

Dieser Text ist eine aktualisierte und erweiterte Fassung eines älteren Beitrages. Anlaß dafür sind diese beiden Texte von Sandra Schink:

http://fotoatelier.hamburg/liebe-hobbyfotografen-bitte-werdet-semi-profis/

und Martina Mettler:

https://fotofeinkost.de/fotos-sind-nicht-umsonst/

in denen es um die Frage des Urheberrechtes und die kostenlose Nutzung  von Fotos geht.

 

Was hat der Screenshot der Website irgendwelcher christlicher Schwulenhasser mit dem Urheberrecht zu tun? Einiges!

Ein wichtiger Aspekt, der in Diskussionen über Urheberrechte immer wieder übersehen wird ist, was Urheberrechte – neben Nutzungshonoraren – nämlich auch bedeuten und gewährleisten: Kontrolle darüber, was mit meinen Fotos passiert.

Und diese Kontrolle nicht aufzugeben gehört zur Verantwortung des Urhebers. Gegenüber sich selbst aber eben auch gegenüber Dritten.

Wer  als Urheber seine Bilder z.B. per Creative Commons Lizenz für jedermann im Internet bereitstellt, der muß auch damit leben, daß seine Bilder für sowas benutzt werden. Wer dabei auf die Namensnennung besteht und die für eine Art der angemessenen Entlohnung hält, muß auch damit leben daß der eigene Name dann in so einem Zusammenhang genannt wird, wie der Name des Fotografen eines Bildes von Dirk Bach auf der Seite christlicher Schwulenhasser.

Es ist eher unwahrscheinlich, daß der Fotograf ein Bild von Bach gemacht hat und das für den wikipedia Artikel über ihn zur Verfügung gestellt hat, weil er der Meinung ist, Bach sein „ein homosexueller Sittenverderber“ gewesen, der nun hoffentlich „in der ewigen Homohölle brennt“. Eher scheint der Fotograf einen von Bachs Auftritten besucht zu haben. Die Bösen sind hier natürlich die schwulenfeindlichen Christen von kreuz.net.

Aber der Fotograf hat zugelassen, daß das mit seinem Bild garniert passiert, als er das Bild mit den folgenden Bedingungen für jedermann freigegeben hat.

 

Das solche Dinge den Abgebildeten schaden ist selbsterklärend, aber natürlich schadet sowas auch schnell dem Fotografen, denn mit einer google-Suche finden potentielle Geschäftspartner etc. natürlich auch solche Fundstellen im Internet.

Nicht zuletzt bedeuten Urheberrechte auch, daß ich als Fotograf Nutzungen untersagen und gegen Nutzungen vorgehen kann die Rechte von Menschen verletzten, die ich fotografiert habe. Die Möglichkeit mich vor die Menschen von denen ich erzähle zu stellen und eine Nutzung meiner Bilder in einem irreführenden Kontext zu verhindern ist neben dem Umstand, daß ich natürlich von meiner Arbeit leben können muß, ein sehr gewichtiges Argument für das Urheberrecht.

 

 

Und deswegen geht es vielen so schlecht (Umsonst oder kostenlos Teil 12)

Und deswegen geht es vielen so schlecht:

„Für weniger als den Mindestlohn, also mindestens etwa 70 Euro am Tag, arbeite ich nicht.“

Eine Freiberuflerin die den Unterschied zwischen Umsatz und dem Lohn eines abhängig Beschäftigten nicht verstanden hat, erklärt anderen auf Jetzt.de, daß man dann besser gleich umsonst arbeitet:

„Und wenn es ein unterfinanziertes Magazin ist, das mir wirklich viel bedeutet, oder ein Projekt von Freunden: Dann schreibe ich umsonst.“

Diesen Zauber teilt dann noch die dju bei facebook.

Man möchte weinen, denn das hier ist 10 Jahre her und es hat sich nicht viel getan in den Köpfen!

Dazu gerne auch weiterführend all die anderen Texte hier zum Thema.