Die neue Google Bildersuche

Die neue Google Bildersuche ermöglich es, jedes Fotos, das man irgendwo im Netz findet, bei Facebook und andernorts einfach durch klicken auf einen „Teilen“-Button zu nutzen. Dabei wird die Datei vom Server des Fundortes bei Facebook etc. eingebunden. Und auch in der Google-Bildersuche direkt wird das Bild in voller Auflösung gezeigt und ist da direkt der Rechtsklick speicherbar. Das nennt man deep link oder framing.

Das wirkliche Problem ist aber, daß es derzeit nach gängiger und höchstrichterlicher Rechtssprechung legal ist, Bilder einfach so zu nutzen, solange man „den Serverspeicherplatz und den Traffic gleich mit klaut“ indem man die Datei nicht selbst hostet sondern sich der Datei auf dem Server des Opfers bedient.

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Grönemeyer und die Paparazzi

Habe gerade diesen Artikel mit dem sonderbaren Titel

„Notwehrrecht gegen aufdringliche Paparazzi“

http://www.rechtambild.de/2015/01/notwehrrecht-gegen-aufdringliche-paparazzi/

gelesen.

„Das Notwehrrecht bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen – wird die Pressefreiheit nun neue Grenzen erfahren?“
Was hat das denn mit Presserecht und Recht am eigenen Bild zu tun, wenn jemand mit einer Kamera in der Hand andere bedrängt? Das Notwehrrecht ergibt sich ja mehr aus dem körperlichen Bedrängen als dem Umstand, daß da eine Kamera im Spiel ist.
„ob eine Notwehrhandlung als zeitgeschichtliches Ereignis bewertet werden darf“
Ist auch ein völlig schräge Nummer, wenn die Frage hängt hier ja auch daran, ob das „zeitgeschichtliches Ereignis“ denn eines ist, wenn es jemand herbeiführt, um es abzubilden und auszubeuten. Das ist eine Falle oder Inszenierung, mehr nicht.
Hätte ein anderer dokumentiert, wie Grönemeyer von dem Typen provoziert wird, das wäre vielleicht ein „zeitgeschichtliches Ereignis“.Das ist weniger ein Problem das mit Fotografie zu tun hat, als mit Gewalt, Nötigung etc.

Das auch und vor allem, weil in diesem Fall die Persönlichkeitsrechtsverletzung rein rechtlich ja erst bei der Veröffentlichung passiert, da wird es schwer eine Notwehrsituation im Moment der Aufnahme zu konstruieren.

Experiment oder schönes Leben ohne Geld und Steuern

Ja, ich weiß: Ich bin ein Spielverderber.

Viele Menschen (und auch Fotografen) finden es toll, was Shantanu Starick macht. Der zieht als Fotograf ohne Geld durch die Welt und läßt sich von Mensche, für die er arbeitet, in Naturalien bezahlen.

http://www.zeit.de/2014/45/fotograf-shantanu-starick-tausch

Wer das Interview in der Zeit liest, der kann da erfahren, daß Starick, das für „ein mehrjähriges anthropologisches Experiment“ hält. Und irgendwie klingt das auch alles super cool, harmonisch und unheimlich sozial statt kapitalistisch. Wenn er z.B. erklärt

„Geld beeinflusst, wie Menschen miteinander umgehen. In Freundschaften spielt es bestenfalls keine Rolle. Indem ich es weglasse, begegne ich meinen Tauschpartnern auf freundschaftlicher Ebene.“

Aber wenn man es mal ganz nüchtern aus der Sicht von John Harrington sieht

http://photobusinessforum.blogspot.de/2015/01/the-liability-of-bartering-for.html

dann kann man das ganze eben auch schlicht als Arbeiten an der Steuer vorbei sehen. Denn alles was er von seinen Auftraggebern bekommt, würde auch das deutsche Finanzamt als eine Art „geldwerten Vorteil“ sehen, den man versteuern müßte, sonst ist es Schwarzarbeit.

Zudem unterstützen die „Gastgeber“ ihn auch nicht einfach bei „seinem Projekt“, man kann ihn, wenn ich das auf seiner Homepage richtig vrstehe, auch als Fotografen für die Hochzeit buchen. Und auch Hotels scheinen ihn für ein paar Tage „bei sich wohnen“ und er fotografiert denen neue Werbefotos.

Und spätestens, wenn er schildert, daß eine australische Firma für die er öfter „auf freundschaftlicher Ebene“ gearbeitet hat, ihm als ein „Gastgeber“ ausfällt, die Unterkunft und Essen gezahlt hat und sich damit ein Guthaben erworben hat, da wirkt das alles sonderbar.

„Eine australische Firma, mit der ich schon öfter gehandelt hatte (sprang da ein). Sie buchten mir ein Zimmer und übernahmen die Kosten, damit ich nicht im Freien schlafen musste. Meine „Schulden“ arbeitete ich zu einem späteren Zeitpunkt ab.“

Drei Tage irgendwo wohnen und sich den kompletten Lebensunterhalt bezahlen lassen, das ist schon eine durchaus relevante „Bezahlung“ für einen Fotojob. Und Starick führt, ja im Interview am Beispiel eines Mannes, der ihn für einen Couch-Surfer hielt, auch aus, daß er mit einem Schlafplatz nicht zufrieden ist und dann Forderungen stellt:

„Ich musste ihm erklären, dass es mit dem Schlafplatz nicht getan ist. Dass ich eigentlich mehr als eine Mahlzeit am Tag brauche und dass es nett wäre, wenn er mir eine Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen würde. “

Irgendwie erscheint das „Leben ohne Geld“ dann doch nicht mehr so sehr als Experiment bei dem man Menschen auf einer freundschaftlichen Basis begegnet. Und er spricht ja auch vom Handeln.

Eigentlich wird Geld hier nur durch Sachleistungen ersetzt und da stellt sich dann schon die Frage, ob das versteuert wird oder werden müßte.

Ich kann mir von meinen Kunden ja auch nicht Autos und Freßkörbe schenken lassen und das Finanzamt hört nie wieder von mir, bei Einnahmen aus oder im Ausland kommen keine spannenden Formulare mehr, weil aus meiner freiberuflichen Tätigkeit ein Experiment geworden ist, da obendrein eine schicke Marketingmaßnahme ist.

Nüchtern betrachtet…

Bilderklau und Böhmermann – Updated

Was macht man, wenn man als Promi eine Abmahnung kassiert, weil man einfach so fremde Fotos bei twitter postet?

Man wirft den Fotografen namentlich den mehr als 150.000 Followern zu Fraße vor. Deren Zorn möge das schon richten und dem aufmüpfigen Fotografen bescheid stoßen.

Zitat des Kollegen: „Wildfremde schreiben mir nun: „Wer die Ware „Fotografie“ anbietet, weiss, dass es eine sehr flüchtige Ware ist und das Menschen damit auch entsprechend umgehen.““

Update:
Aha, er zahlt das gerne und das ganze andere ist nur dazu da um die armen Menschen vor dem bösen Fotografen zu warnen. Und dann kommt auch noch das Wort „rechtsmißbräuchlich“. Gewagte These.

Bildschirmfoto 2015-01-22 um 23.26.36

 

Das klingt so als sei es verwerflich Abmahnungen zu verschicken.

Das mag man so sehen, wenn man übersieht, daß eine Abmahnung zum einen für den Täter billiger ist als ein Gerichtsverfahren. Und wenn man zum anderen meint es wäre für Urheber ein leichtes sich nett und manierlich mit den Tätern auf eine sinnvolle Lösung zu verständigen.

Die Erfahrung der meisten Kollegen ist aber schlicht, daß der Versuch eine gütlichen Einigung meistens vergebene Liebesmühe ist, man sich beschimpfen und verarschen lassen kann und das ganze am Ende doch beim Anwalt/Gericht landet.

Die ganzen Punkte in dieser Liste hat sich ja auch niemand ausgedacht: http://www.freelens.com/markt/warum-fotografen-nicht-umsonst-arbeiten-koennen

Und das hier spricht auch Bände: https://rheker.wordpress.com/2015/01/20/das-ist-ja-auch-werbung-fur-mich/ (Und da haben ich sogar brav erstmal nur eine Rechnung geschickt, als ersten Schritt.)

Irgendwann kommt man dann zu dem Schluß, daß man in der Zeit dann was besseres machen kann und das ganze direkt an den Anwalt geht.

Und was würde wohl passieren, wenn jemand dieses Buch hier als PDF ins Netz stellt?

http://www.kiwi-verlag.de/autor/jan-boehmermann/1248/

 

Update2:
Interessante Follower hat der Jan Böhmermann, die finden direkt, daß wir Fotografen garkeine Urheberrechte haben sollten. Seine angebliche Nachricht scheint angekommen zu sein:

Bildschirmfoto 2015-01-24 um 11.28.24

Bildschirmfoto 2015-01-24 um 11.28.42

 

Liebes Facebook, wir müssen reden!

Offener Brief von Freelens an dieses Facebook:
Liebes Facebook,
wir haben versucht, deine Faxnummer rauszubekommen oder zumindest eine E-Mail Adresse, über die wir dich erreichen können – und nicht ein Callcenter, das uns automatisierte Antworten schickt. Davon haben wir schon genug.
Worum geht es?
Du stellst auch Neonazis deine Plattform zur Verfügung, um Fotojournalisten zu bedrohen. Die veröffentlichen Steckbriefe der Fotografen und rufen in ihren Beiträgen öffentlich zur Gewalt gegen Personen auf. Das liest sich dann so: »Da hilft nur denen die kamera im gesicht zu zertrümmern« oder »weggucken??? Draufhauen ja !« oder »Zum Abschuss freigegeben«.
Wenn man dich darüber informiert und bittet, diese Beiträge zu löschen, antwortest du, dass »es [die Beiträge] nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstößt.«
Das verstehen wir nicht – kläre uns bitte auf, denn deine »Gemeinschaftsstandards« finden wir prima – hast du sie auch gelesen?
So schreibst du darin u.a.: »Es ist dir untersagt, anderen glaubhaft Gewalt anzudrohen oder Gewalttaten in der echten Welt zu organisieren.« Oder »Facebook erlaubt keine Hassbotschaften …« oder »Wir fordern dich auf, das Veröffentlichen von persönlichen Informationen anderer ohne deren Zustimmung zu unterlassen.« oder »Wir fordern dich auf alle Urheberrechte […] einzuhalten.« Das hört sich doch super an!
Wenn die Verletzung von Persönlichkeitsrechten und der Aufruf zur Gewalt schon nicht gegen deine »Gemeinschaftsstandards« verstoßen, möchten wir dich darüber informieren, dass es in Deutschland Gesetze gibt, die solche Taten untersagen – egal, ob du dein »Facebook-Recht« anwenden willst oder nicht.
Da wir dich nicht erreichen können, veröffentlichen wir diesen Brief neben unserer Homepage auch auf Facebook – wir halten uns ja an deine Regeln, oder?
Also, Facebook: Wann beendest du diese Menschenhatz?

Gewalt ist keine Antwort auf Gewalt sondern ihre Quelle

Die 22-jährige Tugçe A. wurde in Offenbach Opfer einer Prügelattacke. Gestern wurde die junge Studentin von den behandelnden Ärzten für hirntot erklärt.

Im Internet, in der Klinik in Offenbach und an anderen Orten kann man wunderbare Szenen der Menschlichkeit und Anteilnahme erleben. Viele Menschen sind verzweifelt und fragen sich, wo eine solche Verrohung und Gewalt herkommen.

Aber leider sind da auch unzählige unerträgliche Kommentaren auf facebook-Seiten etc. die sich mit nichts anderem als Gewaltphantasien, die man am Täter ausleben möchte, beschäftigen. Und genau diese Gedankenwelt, die man da besichtigen kann, in der nur Gewalt als eine Lösung für ein Problem in Frage kommt, ist die Quelle der Gewalt, deren Auswirkungen man im Klinikum in Offenbach gerade beweint.

Man fordert die Todestrafe, jahrelange Folter, will 100 Messerstiche verabreichen, sagt sich gegenseitig Hilfe dabei zu den Täter zu töten und was nicht noch alles. Und merkt nicht (und offenbar merkt auch kaum einer der anderen die dort schreiben), daß man damit genau jenem Macho-Gewalt-Kult huldigt der Tugçe A. das Leben gekostet hat.


“ er und seine 2 Freunde kriegen ihre richtige straffe wenn wir die kriegen… In İstanbul haben wir schon angefangen Serben umzubringen es bleibt nicht nur bei einem…“

„Ich hoffe das diese Missgeburt gefunden wird und das gleiche Schicksal erleidet wie sein Opfer.“

“ Überall wo er in Zukunft auftaucht, sollte er auf offener Straße zusammengeschlagen werden. Solange bis seine eigenen vier Wände zu einem Gefängnis auf Lebenszeit werden und er sich nicht mehr raus traut.
Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit, daher ist Selbstjustiz manchmal die einzige Möglichkeit Recht walten zu lassen.“

Und manche hat schon den Eindruck, daß es die Regel ist, daß sowas passiert.

„Es wird Zeit die Strafen zu verschärfen, damit sowas,wie TUGCE es erleben musste, irgendwann einmal die Ausnahme ist!!!“

Man kann Gewalt schlecht verurteilen, wenn man selbst davon träumt und sie für mehr oder weniger selbstverständlich erachtet

Richtig abseitig wird es, wenn man (deutscher Kommentator) Tugçe zur Heldin und zum Vorbild erklärt, den Eltern gartuliert, daß sie ihre Tochter zu einem so mutigen Menschen erzogen haben und dann meint ihre Eltern und Angehörigen wären, weil sie aus der Türkei stammen, wohl automatisch Anhänger der Blutrache:

„Der Täter sollte hart bestraft werden. Ich wäre für die Auslieferung an die Familie.“

Und am Ende, kommt immer noch eine Hohlbirne und sagt, das hätte es alles unter Adolf Hitler, dem Erfinder von Menschlichkeit und Gewaltlosigkeit, nicht gegeben… Da wird mir schlecht!

Bildschirmfoto 2014-11-27 um 11.00.36

 

Wenn es an etwas fehlt, dann sind es nicht härtere Gesetze, Selbstjustiz oder Hitler. Sondern Bildung und (Mit-)Menschlichkeit! Und nicht zuletzt, fehlt vielen das Vermögen mit unliebsamen Dingen anders umzugehen als zu Gewalt zu greifen.

Da erscheint es wie eine traurige Gemeinheit des Schicksals, daß es mit Tugce ausgerechnet eine angehende Lehrerin getroffen hat, die dieser Form der Ungebildetheit zum Opfer gefallen ist.

Vielleicht kann auch nur eine Gesellschaft, die sich von diesen Allmachtsphanatsien verabschiedet und in der man sich stattdessen der eigenen und der Verletzlichkeit des anderen bewußt ist, statt sich als menschliche Panzer zu verstehen, zu einem friedvollerem Umgang miteinander und zu mehr Zivilcourage finden.

Denn geholfen hat auch in diesem Fall nicht der 2 Meter große, 120 Kilogramm schwere, anabolikagestählte „Mir kann keiner was“-Typ sondern eine zierliche junge Frau, die vielleicht weil sie nicht so in diesem Gewaltdenken verhaftet war, sich der Tatsache bewußt war, daß schwache Menschen Hilfe brauchen, wo andere für Schwäche nur Verachtung überhaben.

Es ist traurig, daß für so viele die Konsequenz aus den Geschehnissen nicht ist, daß es mehr Zivilcourage bräuchte, daß mehr als eine in solchen Situationen einschreiten und sich der Gewalt entgegenstellen sollten, sondern man sich lieber in Gewalt- und Tötungsphantasien ergeht.