Wer darf Journalist sein?

Wolfgang Grebenhof (stv. DJV-Vorsitzender) erklärte gerade bei Facebook, wie das mit dem bundeseinheitlichen Presseausweis zu laufen hat… Und es ist erschreckend!

Und gerade für viele Fotojournalisten, die wegen der miesen Bezahlung durch klassische Medien (siehe gemeinsame Vergütungsregeln; Danke DJV!) viele, ihnen wichtige, journalistische Projekte z.B. mit Stipendien, Gelder von Stiftungen,durch Jobs für Industriekunden oder mit auch Hochzeiten finanzieren, sieht es dann wohl eher schlecht aus.

Glück haben natürlich die Pressesprecher von Unternehmen.

„Endlich zahlen sich die jahrelangen, hartnäckigen Bemühungen des DJV aus.“

„Man muss nicht Mitglied im DJV sein, um den Presseausweis zu bekommen. Man muss aber, wie Mitglieder auch, den Nachweis erbringen, dass man einen nenneswerten Teil seines Einkommens mit journalistischer Tätigkeit erwirtschaftet. Wer Hochzeiten dokumentiert, gehört ebensowenig zu diesem Kreis wie jemand, der hobbymäßig einen Blog betreibt (und sei er noch so gut). Der Presseausweis soll jenen vorbehalten sein, die professionell Journalismus betreiben. Da man ja eine „Qualitätskontrolle“ weder vornehmen kann noch will, bleibt als Maßstab eigentlich nur die wirtschaftliche Frage.“

„Pressesprecher sind professionelle Journalisten – deshalb können sie ja auch Mitglied im Journalistenverband werden, der sogar eine eigene Fachgruppe für diese Berufssparte hat.“

Zu sagen, daß der Pressesprecher von Monsanto natürlich Journalist ist und der Fotograf, der es sich mit Hochzeitsfotografie selbst finanziert hat, eine Reportage über die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln in Südamerika zu fotografieren, der ist, für die Herren auf den hohen Rössern, kein Journalist, das ist ein Schlag ins Gesicht des Fotojournalismus!

Grönemeyer und die Paparazzi

Habe gerade diesen Artikel mit dem sonderbaren Titel

„Notwehrrecht gegen aufdringliche Paparazzi“

http://www.rechtambild.de/2015/01/notwehrrecht-gegen-aufdringliche-paparazzi/

gelesen.

„Das Notwehrrecht bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen – wird die Pressefreiheit nun neue Grenzen erfahren?“
Was hat das denn mit Presserecht und Recht am eigenen Bild zu tun, wenn jemand mit einer Kamera in der Hand andere bedrängt? Das Notwehrrecht ergibt sich ja mehr aus dem körperlichen Bedrängen als dem Umstand, daß da eine Kamera im Spiel ist.
„ob eine Notwehrhandlung als zeitgeschichtliches Ereignis bewertet werden darf“
Ist auch ein völlig schräge Nummer, wenn die Frage hängt hier ja auch daran, ob das „zeitgeschichtliches Ereignis“ denn eines ist, wenn es jemand herbeiführt, um es abzubilden und auszubeuten. Das ist eine Falle oder Inszenierung, mehr nicht.
Hätte ein anderer dokumentiert, wie Grönemeyer von dem Typen provoziert wird, das wäre vielleicht ein „zeitgeschichtliches Ereignis“.Das ist weniger ein Problem das mit Fotografie zu tun hat, als mit Gewalt, Nötigung etc.

Das auch und vor allem, weil in diesem Fall die Persönlichkeitsrechtsverletzung rein rechtlich ja erst bei der Veröffentlichung passiert, da wird es schwer eine Notwehrsituation im Moment der Aufnahme zu konstruieren.

Verlorene Helden

Gänsehaut beim Lesen.

„Vor Opa Erwin, dem übellaunigen Kerl, hatten die Enkel fast ein bisschen Angst. Erst viele Jahre später wurde klar: Im Dritten Reich war er ein Held. Er sprach nur nie drüber.“

Wieviele solcher vermeintlich „dunkler Geheimnisse“ aus dem Dritten Reich, die eigentlich „weiße Heldengeschichten“ sind mögen verloren gegangen sein, weil es keine Dokumente gab, sondern das Wissen einfach starb.

Wieviele Kinder und Enkel mögen ihren Großeltern Unrecht getan haben, weil sie deren Schweigen nach dem ertragenen Unrecht nicht als Unfähigkeit darüber zu sprechen erkannt, sondern das schlicht missverstanden haben.

Wieviele Menschen mögen als vermeintliche Täter oder Mitläufer gestorben sein, ohne daß ein Nachfahre ihre tätowierte Häftlingsnummer gesehen hat?

Wieviel genauer könnte unser Geschichtsbild sein, wenn wir von alledem wüßten.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/40669/1/1

Wie man sich gemein macht…

Jan Böhmermann hat im Nachgang des Streits um das Bild das Martin Langer in Rostock-Lichtenhagen gemacht und welches Böhmermann unberechtigt genutzt hat, heute ein Foto gepostet, in dem er und ein Mitarbeiter das Bild nachstellen und meinen sie würden sich damit über Langer lustig machen.

Das Lachen sollte einem im Halse stecken bleiben.

Wäre das Satire in einem politischen Kontext, der sich mit Lichtenhagen auseinandersetzt, geschenkt. Aber hier geht es darum die eigenen Befindlichkeiten wegen der Abmahnung zu zelebrieren. Und wohl auch die eigene Sendung zu promoten.

Ich fand es schon grenzwertig, als Böhmermann an anderer Stelle versuchte (um Martin Langer moralisch in die Ecke zu stellen) sich zum Anwalt des im Bild zu sehenden Harald Ewert zu machen und den gleichsam zum Opfer des bösen Fotografen umzudeuten, der Ewert oder dessen Angehörige gefälligst an den Einnahmen aus der Abmahnung beteiligen müßte.
Einen Typen der mit dem Hitlergruß in der Menge stand, die die Akteure des Pogrom von Lichtenhagen angefeuert hat, der nach eigener Aussage auch genau deswegen dahingefahren ist (Dosenbier inklusive) soll dafür entlohnt werden. Und er verdient das wohl auch mehr als der Fotograf, der das Pogrom dokumentiert hat, denn das ist ja nur der böse Persönlichkeitsrechtsverletzer und Abmahner. Das ist schon schwer erträglich.Aber das heutige Bild ist schlicht widerlich und offenbart eine bizarre, erschreckende Weltsicht.

 

Update:

Mittlerweile kommentiert Böhmermann einen Text von Martin Langer bei

http://kwerfeldein.de/2015/01/28/eine-geschichte-zum-thema-urheberrecht-im-internet/

und macht sich endgültig zum Anwalt der Fans des Pogroms von Lichtenhagen, ja er behauptet sogar man hätte dieses Bild nicht veröffentlichen dürfen. Und einen Sinn hätte dieses Bild (das anderem in die Sammlungen des Hauses der Geschichte in Bonn und des Deutschen Historischen Museum in Berlin aufgenommen wurde) nur, wenn es dazu führt, daß man in Zukunft Bilder kostenlos bei twitter posten kann.

„Aber, das würde ich mir wünschen, Herr Langer, erst wenn irgendwann die normalen Internetprivatnutzer von unserer Meinungsverschiedenheit etwas haben – nämlich eine praktikable Rechtsnorm – erst dann hätten sie 1992 das Persönlichkeitsrecht des betrunkenen, unglücklich „bierbefleckten“ und vor allem offenbar nicht mit einem ähnlich engagierten Rechtsbeistand wie dem Ihren ausgestatteten Harald Ewert († 2006) nicht vollends umsonst verletzt. Oder gab es das Persönlichkeitsrecht wie wir es heute kennen 1992 noch nicht? Fragen Sie doch mal Ihren Abmahnanwalt. Oder blättert der gerade noch bei „Rechtsmissbrauch“?“
„Das Foto ist überhaupt nur deshalb jemals veröffentlicht worden, weil Martin Langer und seine Auftraggeber, jetzt sage ich es mal derb, bestehendes Recht ignoriert haben.“

Da in Rostock-Lichtenhagen sind beinahe Menschen umgekommen. Nur mal zur Erinnerung: http://de.wikipedia.org/wiki/Ausschreitungen_in_Rostock-Lichtenhagen

Das ist ja auch Werbung für mich…

Mal ein kleiner Einblick in den Alltag eines Urhebers und den „Das ist doch auch Werbung für Dich“-Kosmos. (Danke Ralph Ruthe!)

Sehr geehrter Herr Kollege Rheker.

Anscheinend haben Sie übersehen oder bewusst nicht reagiert auf mein Schreiben vom 18.10.14., dass Sie sich auf meiner HP bisher haben kostenlos bewerben lassen. Da Sie ja keine Skrupel kennen, auch gegenüber Kollegen nicht und Sie alle guten Sitten über Bord werfen, muss ich Ihnen hiermit eine Rechnung stellen, für die Werbung auf meiner HP.“

Die Werbung sieht dann so aus, daß man da auf einer redaktionellen Website Fotos von mir einfach benutzt hat, um einen Text zu illustrieren und man bei einem Teil der Bilder meinen Namen drangeschrieben hat (die Bilder waren offenkundig von der Website der Frankfurter Rundschau geklaut):

Bildschirmfoto 2014-10-08 um 13.23.27

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die meinen, daß jeder der sich Journalist nennt auch gleich mein Kollege ist und schon garnicht denke ich, daß jeder, der sich Journalist nennt aus „Kollegialität“ meine Fotos umsonst auf seiner Website benutzen darf. Erst recht nicht, wenn es eine kommerzielle Seite ist auf der jemand sich selbst mit diesem bunten Strauß an Leistungen anbietet:

 – Themenrecherche
– Schreiben
– Redigieren
– Exklusivberichte
– Fotos
– Buchautor
– Referate
– Vorträge
– Moderationen
– Schulungen
– Lesungen
– Beratungen
– Tester für Handel-Banken
– Testberichte für Pkws
– Chauffeurdienste
– Hotel- und Restaurantkritiker

Von den Journalisten, bei denen ich stolz bin, sie Kollege zu nennen oder von ihnen als Kollege bezeichnet zu werden, wüßte ich auch nicht einen, der der Ansicht wäre, daß ich es nicht wert wäre für meine Arbeit bezahlt zu werden.

Darum schreibe ich in solchen Fällen eine Rechnung, wenn das nichts fruchtet, dann geht das an den Anwalt. Fertig.

Heute bekamen ich und das zuständige Gericht Post. (Mal wieder.) Dem Gericht wird da erklärt, daß es nicht gegen den Beklagten verhandeln dürfe, bevor ich als Kläger nicht erstmal zwei Rechnungen (eine davon über 6480,- € für die Werbung, die er durch die Nutzung meiner Bilder auf seiner Website für mich gemacht habe, und eine über 167.200,- wegen einer angeblichen schweren Körperverletzung durch die Klage) begleichen würde, zudem hätte ich wohl am 17.01. zur irgendeiner Demo in Berlin fahren und den Beklagten da suchen müssen; meint er jedenfalls.

„Herr Rheker hat des Weiteren bereits zwei Rechnungen erhalten, die er erst einmal zu erfüllen hat, bevor er auf andere losgeht. (Anlage 1+2) Als bekannter Fotoreporter hätte er ja die Gunst der Stunde nutzen können und mich am Rande der Demo, „Wir haben es satt’4, am 17.1.15 in Berlin zu treffen und endlich einmal darüber zu reden, was wirklich Sache ist. Man lässt wohl lieber Briefe schreiben und regt sich völlig unbegründet darin auf. Es deckt sich aber mit einigen Informationen, die inzwischen recherchiert wurden.“ (aus dem Anschreiben an das zuständige Landgericht)

Zudem wird jetzt gegen mich und meine Anwältin öffentlich auf seiner Website „recherchiert“. Und ich bekomme täglich einen Brief.

Bildschirmfoto 2015-01-20 um 19.16.03
Ach ja, die ganze Familie behält sich auch irgendwelche weiteren Schritte gegen mich vor und das Geld geht bitte mildtätig an die katholische Kirche. Das ist recht beliebt, wenn man doch irgendwie ahnt, daß das was man da betreibt nicht ganz koscher ist, jenseits 120.000,- € die man einem anderen für die Mutter Kirche abpresst, drückt Gott wohl ein Auge zu.

Bildschirmfoto 2015-01-20 um 19.57.28

In der Rechnung über 167.200,- € Schadenersatz  (dankenswerter Weise „ohne Umsatzsteuer, da Privatrechnung nach UCC) wird zudem deutlich gemacht, daß ich wohl auch irgendwie etwas im Bereich der Seerettung (maritime recovery“) so massiv falsch gemacht haben muß, daß sich der Schadenersatzanspruch gleich nochmal vervierfacht. Das ganze geht an den Vatikan, dem die Ansprüche dann wohl auch gleich abgetreten werden und der Gerichtsstand verschiebt sich in die Schweiz, vielleicht wegen der Schweizer Garde oder der Löcher im Käse.

Bildschirmfoto 2015-01-20 um 20.01.42

 

Rechnungen die automatisch gültig werden, wenn der andere nicht innerhalb von fünf Tagen einen wie auch immer gearteten „rechtsverwertbaren Nachweis nach internationalem Recht“ erbringt, ganz ohne irgendeine Grundlage oder Zustimmung des angeblichen Vertragspartners. Cool! Das ist die Geburt des einseitig ausgesprochenen wirksamen Vertrages.

Es ist verwunderlich, daß die Nigeria-Connection da noch nicht drauf gekommen ist. Die würden da sicher 167.200,- € für zahlen.

Jauch, Pegida, Oertel und Hajo

Es ist kein Journalismus, was Günter Jauch da fabriziert, weil er offenkundig nicht einmal dann in der Lage ist einzugreifen oder nachzuhaken, wenn einer seiner Gäste blanken Unfug erzählt.

Und es war nicht irgendein Unfug, es war ein demaskierender Unfug als Kathrin Oertel ausgerechnet eine Demonstration zur Unterstützung des Kampfes der Kurden gegen den Islamischen Staat in Syrien als Initialzündung für Pegida anführt.

Oder wie Nils Minkmar es in der FAZ zusammenfaßt:
„(…) als Kathrin Oertel, die Sprecherin der Pegida-Organisatoren, ihre Motivation beschrieb, diese Demonstrationen zu initiieren. Sie schilderte eine Demonstration in Dresden, bei der die Linke und kurdische Aktivisten die Regierung aufforderten „Waffen an die PKK zu liefern“ Darauf hin fand Oertel: “Nun müssen wir was tun!“

Auf diese Einlassung folgte aber nicht die Frage, wie sich diese Beobachtung mit dem Wunsch verträgt, den Islamismus zu bekämpfen, denn schließlich riskieren an der syrischen Grenze die Kämpfer der PKK ihr Leben gegen die vorrückenden islamistischen Kräfte des Islamischen Staats. Was immer man gegen die einstige kurdische Terrortruppe haben mag – mit Islamismus haben sie nichts am Hut. „

Und auch sonst bewegte sich Oertels „Argumentation“ auf diesem Niveau. Ich sage nur „Die machen hier Urlaub“ und „In Deutschland wird ja auch demonstriert gegen die Abholzung des Regenwaldes, obwohl es keinen Regenwald gibt“.

Und Oertel kann sogar unwidersprochen behaupten, (islamische) Friedensrichter hätte bei uns das Recht, Recht zu sprechen. Ist es mangelnde Kompetenz und ein Wissensdefizit, daß hier niemand widerspricht, hören die der garnicht zu oder geht es nur darum einen unpolitischen Stuhlkreis zu bilden, wo jeder mal sagen darf, was er will, wie die FAZ befürchtet?

Und wäre nicht Jens Spahn von der CDU da gewesen, dann hätte ihr auch niemand bei der steilen These widersprochen, über die Themen Asyl etc. würde erst seit Pegida gesprochen und diese seien vorher Tabus gewesen, um dann gleich was von Sarrazin und Buschkowsky zu erzählen.

Und dann erklärt Oertel den Menschen daheim an den Geräten, Frankreich sei schon islamisiert und keiner fragt nach, wie es denn dann ausgerechnet da ein Burka-Verbot geben kann.

Und ein Journalist hätte auch nur schwer den gewaltsamen Tod von Khaled Bahray in Dresden und damit die Frage, mit welchem Recht sich die Pegida-Demonstranten bedroht fühlen, wenn andere sterben, ausklammern können.

So wie generell Muslime von der Diskussion ausgeschlossen waren, wie die Ängste und Empfindungen der hier lebenden Muslime (egal ob Deutsche oder Ausländer) kein Thema waren.

Es geht nicht darum, daß Jauch den Kämpfer gegen Pegida geben muß. Aber er muß als Journalist derartige Fehlinformationen und offenkundige Falschbehauptungen korrigieren, um sie für den Zuschauer einordnenbar zu machen.

Das wäre wichtiger gewesen als die persönliche Feststellung, daß er nicht zu den „normalen Menschen“ gehört, die laut Oertel zu den Pegida-Demos gehen.

So wäre das ganze auch weniger zu einer AfD Werbeshow von Gaulands Gnaden geworden.

Hajo Friedrichs hat gesagt, daß man sich als Journalist mit keiner Sache gemein machen soll. Er hat sicher nicht gemeint, man solle sich aus allem heraushalten.

„Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.“

– Hanns Joachim Friedrichs: Interview mit dem Spiegel
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-guenter-jauch-zu-pegida-13378188.html

„Lügenpresse“ ist Unwort des Jahres

Pressemitteilung: Wahl des 24. „Unworts des Jahres“

Unwort des Jahres 2014: „Lügenpresse“

Das Wort „Lügenpresse“ war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien. Gerade die Tatsache, dass diese sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks einem Großteil derjenigen, die ihn seit dem letzten Jahr als „besorgte Bürger“ skandieren und auf Transparenten tragen, nicht bewusst sein dürfte, macht ihn zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzen. Dass Mediensprache eines kritischen Blicks bedarf und nicht alles, was in der Presse steht, auch wahr ist, steht außer Zweifel. Mit dem Ausdruck „Lügenpresse“ aber werden Medien pauschal diffamiert, weil sich die große Mehrheit ihrer Vertreter bemüht, der gezielt geschürten Angst vor einer vermeintlichen „Islamisierung des Abendlandes“ eine sachliche Darstellung gesellschaftspolitischer Themen und differenzierte Sichtweisen entgegenzusetzen. Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit, deren akute Bedrohung durch Extremismus gerade in diesen Tagen unübersehbar geworden ist.

Die Jury der institutionell unabhängigen Aktion „Unwort des Jahres“ besteht aus folgenden Mitgliedern: den vier Sprachwissenschaftlern Prof. Dr. Nina Janich/TU Darmstadt (Sprecherin), PD Dr. Kersten Sven Roth (Universität Düsseldorf), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier) sowie dem Autor und Journalisten Stephan Hebel.

Als jährlich wechselndes Mitglied war in diesem Jahr die Autorin, Moderatorin und Journalistin Christine Westermann (www.christine-westermann.de) beteiligt.

 

http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2014.pdf