Experiment oder schönes Leben ohne Geld und Steuern

Ja, ich weiß: Ich bin ein Spielverderber.

Viele Menschen (und auch Fotografen) finden es toll, was Shantanu Starick macht. Der zieht als Fotograf ohne Geld durch die Welt und läßt sich von Mensche, für die er arbeitet, in Naturalien bezahlen.

http://www.zeit.de/2014/45/fotograf-shantanu-starick-tausch

Wer das Interview in der Zeit liest, der kann da erfahren, daß Starick, das für „ein mehrjähriges anthropologisches Experiment“ hält. Und irgendwie klingt das auch alles super cool, harmonisch und unheimlich sozial statt kapitalistisch. Wenn er z.B. erklärt

„Geld beeinflusst, wie Menschen miteinander umgehen. In Freundschaften spielt es bestenfalls keine Rolle. Indem ich es weglasse, begegne ich meinen Tauschpartnern auf freundschaftlicher Ebene.“

Aber wenn man es mal ganz nüchtern aus der Sicht von John Harrington sieht

http://photobusinessforum.blogspot.de/2015/01/the-liability-of-bartering-for.html

dann kann man das ganze eben auch schlicht als Arbeiten an der Steuer vorbei sehen. Denn alles was er von seinen Auftraggebern bekommt, würde auch das deutsche Finanzamt als eine Art „geldwerten Vorteil“ sehen, den man versteuern müßte, sonst ist es Schwarzarbeit.

Zudem unterstützen die „Gastgeber“ ihn auch nicht einfach bei „seinem Projekt“, man kann ihn, wenn ich das auf seiner Homepage richtig vrstehe, auch als Fotografen für die Hochzeit buchen. Und auch Hotels scheinen ihn für ein paar Tage „bei sich wohnen“ und er fotografiert denen neue Werbefotos.

Und spätestens, wenn er schildert, daß eine australische Firma für die er öfter „auf freundschaftlicher Ebene“ gearbeitet hat, ihm als ein „Gastgeber“ ausfällt, die Unterkunft und Essen gezahlt hat und sich damit ein Guthaben erworben hat, da wirkt das alles sonderbar.

„Eine australische Firma, mit der ich schon öfter gehandelt hatte (sprang da ein). Sie buchten mir ein Zimmer und übernahmen die Kosten, damit ich nicht im Freien schlafen musste. Meine „Schulden“ arbeitete ich zu einem späteren Zeitpunkt ab.“

Drei Tage irgendwo wohnen und sich den kompletten Lebensunterhalt bezahlen lassen, das ist schon eine durchaus relevante „Bezahlung“ für einen Fotojob. Und Starick führt, ja im Interview am Beispiel eines Mannes, der ihn für einen Couch-Surfer hielt, auch aus, daß er mit einem Schlafplatz nicht zufrieden ist und dann Forderungen stellt:

„Ich musste ihm erklären, dass es mit dem Schlafplatz nicht getan ist. Dass ich eigentlich mehr als eine Mahlzeit am Tag brauche und dass es nett wäre, wenn er mir eine Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen würde. “

Irgendwie erscheint das „Leben ohne Geld“ dann doch nicht mehr so sehr als Experiment bei dem man Menschen auf einer freundschaftlichen Basis begegnet. Und er spricht ja auch vom Handeln.

Eigentlich wird Geld hier nur durch Sachleistungen ersetzt und da stellt sich dann schon die Frage, ob das versteuert wird oder werden müßte.

Ich kann mir von meinen Kunden ja auch nicht Autos und Freßkörbe schenken lassen und das Finanzamt hört nie wieder von mir, bei Einnahmen aus oder im Ausland kommen keine spannenden Formulare mehr, weil aus meiner freiberuflichen Tätigkeit ein Experiment geworden ist, da obendrein eine schicke Marketingmaßnahme ist.

Nüchtern betrachtet…

Perfidere Bilderdiebe

Wer meint, Leute die Bilder einfach so nutzen sind schlimm, der kennt noch nicht die Fotografen, die anderer Fotografen Bilder als ihre ausgeben und damit Werbung für sich machen:

http://stopstealingphotos.tumblr.com

und auch noch nicht jene Zeitgenossen, die mit anderer Leute Bilder Fotowettbewerbe gewinnen:

http://imageandview.com/notes1/how-a-stolen-photo-became-a-contest-winner/

 

Das ist alles noch eine Nummer dreister und widerlicher als das, was man so gewohnt ist.

Sind das in der MFM Liste eigentlich Phantasiepreise?

Etwas, daß man immer wieder hört ist, daß die Preise in der MFM-Liste ja schön klingen würden, daß die aber eh niemand „irgendwann jemals nicht“ bezahlt habe.  Denn dabei handle es sich um irgendwelche Phantasiepreise, die sich irgendwelche elitären Träumer ausdenken, die in irgendwelchen Elfenbeintürmen sitzen und von der Realität im Markt keine Ahnung haben.

Dazu hier ein Zitat einer Kollegin, das vielleicht für ein wenig Aufklärung sorgt:

“ …ach ja, für alle, die nicht wissen, wie die MFM jährlich entsteht: es werden von DJV-, Freelens-, ver.di-, BVPA-Mitgliedern und weiteren Bildverkäufern die marktüblichen Honorare zusammengetragen und dann Anfang des Folgejahres veröffentlicht. Würden diese Honorare nicht gezahlt, dann würden sie im Umkehrschluss nicht in der MFM stehen.“

Wie die Preise in der MFM-Liste zustande kommen, kann man übrigens auch in der Liste (eigentlich ist es ja ein Heft mit dem Titel „Bildhonorare“) selbst nachlesen, wenn man denn eine hat. Die kann man ganz einfach bestellen und zwar hier. Und eigentlich sollte das Ding Pflichtausstattung für jeden sein, der professionell fotografiert, denn schon nach einmal „nicht über den Tisch gezogen werden“ hat man die 33,- € wieder drin…

Ich, der unfreiwillige bzw. unwillige Mäzen

Die folgende Geschichte ist eigentlich eine Fortsezung von dieser hier und entstammt leider einem sehr umfangreichen Werkzyklus…

Ganz unverbindliche Anfrage eines großen Deutschen Museum wegen zwei Bildern, die im Rahmen einer Reportage bei denen im Haus entstanden und die ihnen so gut gefallen, daß sie die gerne in ihrem Quartalsprogramm benutzen wollen.

Meine Antwort, klar kein Problem, kostet aber was. Darauf hin kommt folgendes Schreiben:

Lieber Herr Rheker,
 
vielen Dank für Ihre schnelle Rückmeldung. 
 
Ich verstehe, daß Sie als freier Fotograf an einem Honorar interessiert sind. Jedoch – und hier bitte ich Sie um Ihr Verständnis – alles Geld geht momentan in die Fertigstellung des Museumsbaus, damit das Publikum endlich wieder „seine“ Sammlungen / Objekte / Ausstellungen sehen kann. 
 
Wir bieten Ihnen selbstverständlich Ihre Namensnennung an (das Quartalsprogramm geht bundesweit u.a. an Journalisten, in Redaktionen, in Ministerien) und schicken Ihnen gern Belegexemplare (die allgemeine Auflage beträgt 6000). 
 
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns auf diesem Weg in unserer Öffentlichkeitsarbeit unterstützen würden.

 Herzlich

XXXXX XXXXX

„daß Sie als freier Fotograf an einem Honorar interessiert sind“ ist schon eine Frechheit, so als gehörte es zu den Charakterschwächen der „freien Fotografen“ an Geld interessiert zu sein, mitnichten aber zu ihren Rechten, von ihrer Arbeit leben zu können. Man könnte fast meinen, diese Geldgier wäre etwas einzigartiges. Einzigartig ist aber wohl eher, daß man bei anderen Berufsgruppen erst garnicht auf die Idee kommt, sie müßten, wollten, sollten umsonst arbeiten.

Liebe XXXXX XXXX,
 
da ich davon ausgehe, daß die Druckerei die Quartalsprogramme und Infobroschüren des XXXXX XXXXX XXXXX Museums auch nicht kostenfrei drucken wird, die Post den bundesweiten Versand an Journalisten, Redaktionen und Ministerien kaum portofrei durchführen und mir der Briefträger ein Belegexemplar auch nicht portofrei bringen würde, sehe ich keinen Grund, warum ausgerechnet meine Arbeitsleistung als Fotograf keine Entlohnung wert sein sollte. Zumal ihre Öffentlichkeitsarbeit ja darauf abzielt Besucher ins Mueseum zu locken bzw. bei Ministerien Fördergelder zu rechtfertigen, was sich dann für ihr Haus in Einnahmen niederschlägt.
 
Ich kann mir auch nicht so recht vorstellen, daß die Nutzungshonorare für 2 Fotos dafür sorgen würden, daß das Publikum länger darauf warten müßte „“seine Sammlungen / Objekte / Ausstellungen wieder zu sehen“.
 
Auch ich muß Miete, Steuern, Kameras, Computer, Strom, Auto und allerlei andere Lebenshaltungskosten bezahlen.
 
Aus diesem, hoffentlich nachvollziehbarem Grund, kommt eine kostenlose Nutzung für mich nicht in Frage.
 
Beste Grüße 
 
Sascha Rheker
Ich gehe mal davon aus, daß ich da jetzt persona non grata bin, aber sei’s drum.Kleine Ergänzung, um das mit der Unterstützung des Museums ein wenig besser einordnen zu könnnen:

Über das Haus, das hier so tut als würde eine Bezahlung von zwei Bildern (selbst laut MFM Liste wären das wohl unter 200,- € gewesen) die Wiedereröffnung gefährden, konnte man in der „Architekturzeitung“ zu Beginn der Renovierung 2009 lesen:„Insgesamt werden für Instandsetzung und Erweiterung 51,5 Millionen Euro investiert sowie 12,5 Millionen Euro für die Museumsausstattung.“
Was daran wirklich traurig ist, ist daß erst vor einem halben Jahr das im Vergleich wirklich arme Museum in Dieburg für eine Ausstellung zur Geschichte des dort gerade geschlossenen Klosters eine Reportage aus den letzten Tagen vor der Schließung angekauft hatte. Ich bin denen preislich sehr entgegen gekommen und es war nur ein Taschengeld. Aber es war von vornherein die Wertschätzung da, daß man etwas bezahlen wollte.

Wir präsentieren: 1LIVE, Coldplay, Lady Gaga und die Fotografen

Nein, ich empfinde das hier nicht wirklich als eine hilfreiche Form der Solidarität:

http://www.einslive.de/musik/extras/2012/09/120905_konzertfotografie.jsp

Es ist ja nett, daß man bei 1LIVE diese Sache nicht totschweigt und man das zum Thema macht.

Das war’s dann aber auch schon. Stattdessen man sollte auch die eigene Rolle bitte mal kritisch hinterfragen!

„Es hat schon Boykotte von Bildjournalisten gegeben. Die bringen aber tatsächlich nur dann etwas, wenn auch wirklich alle mitmachen. Unterschreibt nur ein Fotograf einen Vertrag, kann er seine Bilder an alle Redaktionen verkaufen. Er macht dann das Geld und alle anderen gehen leer aus.“

Ja, was gibt es unter Fotografen doch für Kollegenschweine. Keine Frage.

Aber was ist denn mit all den anderen Journalisten, die sich im Vorfeld zu willigen Handlangern machen lassen, die das Konzert „präsentieren“, als Zeitungen und Radiosender mit auf den Werbeplakaten für das Konzert stehen, als Medienpartner ordentlich die Werbetrommel vor dem Konzert rühren und wo im Nachhinein jedes Konzert immer megahammergeil ist und man weniger darüber berichtet, ob der Künstler überhaupt singen kann, sondern es vor allem darum geht, daß 2 Hörer/Leser dem Künstler nach einer Verlosung mal auf einem Flur „Guten Abend“ sagen durften.

Immerhin steht da bei 1LIVE schließlich gleich im ersten und zweiten Satz: Am (…)  haben in Köln gleich zwei Konzert-Highlights stattgefunden. Lady Gaga und Coldplay – präsentiert von 1LIVE.“  dann frage ich mich, ob die nicht vielleicht auch mal (gerade als öffentlich rechtlicher Sender für den ich als Fotograf GEZ Gebühren zahlen muß, weil mein Computer und ich das Internet benutzen) über ihre „Medienpartnerschaften“ nachdenken sollten.

Die haben im Vorfeld brav Werbung für die Dame und die Herren gemacht, ihre Schuldigkeit getan und damit mitgeholfen, daß die dank ausreichender Vorberichterstattung auf jede andere Form der Berichterstattung gerne verzichten können.

 

„Adieu Silverfast!“ oder „Schnauze voll!“

Heinweis: Diese Geschichte endet mit einem Happy End und einem glücklichen Silverfast-Nutzer!

Wer seinen Scanner mit Silverfast nutzt, und ich habe das seit meinem ersten Nikon Filmscanner getan, und Mac OS 10.7 Lion installiert hat, der kann jetzt einen Monat auf seinen Scanner verzichten.
Danke Silverfast!
In der Ankündigungsemail für die neue Silverfastversion, die Ende August kommen soll, vom 26.07. war noch keine Rede davon, daß alle vorherigen Versionen mit Lion nicht funktionieren.
Und ich habe auch nicht damit gerechnet, daß Silverfast noch eine PowerPC-Anwendung ist, denn Lion kommt/kam ja nicht wirklich überraschend.
„SilverFast 8 ist kompatibel mit Windows 7, Vista und XP und läuft nativ auf Mac-Systemen ab Version OS X 10.5 (inklusive 10.7 Lion). Dabei werden 32Bit-Rechner genauso unterstützt wie 64Bit-Systeme. „


Dieser Hinweis kam dann erst gestern in der Werbemail die ein tolles Upgrade-Rabatt-Programm versprach.„Die neue Version SilverFast 8 wird Windows 7, Vista und XP
sowie Mac-Systeme ab Version OS X 10.5 (inklusive 10.7 Lion) unterstützen. Ältere Versionen als SilverFast 8 werden nicht unter Mac OS X 10.7 lauffähig sein. „
Und jetzt noch, im Bezug auf Lion, von „werden“ zu sprechen ist wirklich völlig daneben! Eure doofe Software wird nicht irgendwann nicht mehr funktionieren; sie funktioniert jetzt nicht mehr!
Und so habe ich am 21.07., im Rahmen des Umstiegs auf Lion, nochmal schnell ein völlig wertloses Update gekauft, weil einer meiner Scanner noch eine Silverfastversion benutzte die Photoshop CS3 noch nicht versteht (und Photoshop CS läuft nicht mehr mit Lion); denn der Silverfast Nutzer muß ja für jeden seiner Scanner eine separate Version dieser schönen Software kaufen.
Und der Silverfastnutzer kauft öfter mal ein Update/Upgrade.
Neue OS-Version -> kostenpflichtiges Update.
Neue Photoshopversion -> kostenpflichtiges Update.
Neuer Scanner -> ganz neue Lizenz kaufen.
Gestern stand ich dann also dumm da, mit zwei topaktuellen Silverfast-Lizenzen, allerlei Computern, zwei tollen Scannern und zwei Filmen…und eben auch der Erkenntnis, daß ich meine Filme frühestens Ende August scannen kann, ich dafür aber nochmal ein kostenpflichtiges Update kaufen muß, jedenfalls wenn ich sie mit dem Nikonscanner scannen will, weil ich dessen Software im November 2010 neu gekauft habe und es also schon nach weniger als 12 Monaten keine kostenlosen Updates mehr gibt.
Das nenne ich mal rausgeschmissenes Geld!
Da ich meine Filme aber doch irgendwie scannen wollte habe ich gestern nochmal $ 79,- in die Hand genommen (Silverfast kostet 49,- bis über 700,- € je nach Version und das pro Scanner) und mir eine Pro-Lizenz von VueScan von Hamrick gekauft.
Das hatte ich mir vor Jahren mal angesehen, als ich keine Lust hatte wegen einer neuen Photoshopversion schon wieder ein neues Silverfast zu kaufen, damals fand ich das nicht so doll.
Hamrick ist ein ziemlich kleiner Laden und trotzdem haben die es längst geschafft eine Version für Intel-Macs zu programmieren.
Aber was soll ich sagen, die haben sich ziemlich gemacht und VueScan kann einige sehr schöne Sachen (wie z.B. RAW-Scans, d.h. wenn ich ein Bild scanne, dann kann ich nachträglich z.B. die Filmeinstellungen ändern und VueScan rechnet das einfach in Sekundenschnelle aus den Rohdaten des Scanners neu, statt das Bild jedesmal neu scannen zu müssen usw…).
Und das Beste:
Ich darf die Lizenz auf 4 Rechnern installieren und mit sovielen Scannern benutzen wie ich will!
Und alle zukünftigen Updates sind auch im Preis mit drin!