Anwaltsschreiben

Irgendwie ist es heutzutage nahezu unmöglich einen Urheberrechtsverstoß außergerichtlich (und damit kostengünstig für den Verletzer) beizulegen.

Auf das niederschwellige Anschreiben mit Rechnung wird garnicht reagiert, kommt dann die Abmahnung über den Anwalt, läßt man auch hier gerne, als besonderes Zeichen des Respekts, die Frist verstreichen, bittet sich eine Nachfrist aus und antwortet dann nach dieser.

Das was dann als sachliche Erwiderung von so manchem Anwalt kommt beeindruckt durch die friedliche Koexistenz von ausufernder Arroganz mit der Abwesenheit jeglichen Wissens um alles was mit Urheberrechten zu tun hat.

Mal wir konstatiert Fotoagenturen seien illegale Inkassounternehmen, mal wird einem anempfohlen im Rahmen einer imaginierten „weihnachtlichen Friedenspflicht“ die ganze Sache einfach auf sich beruhen zu lassen und die eigene Forderung einem „weihnachtlichen Gabensack“ anzuvertrauen.

Heute kam dann die nächste Höchstleistung eines gegnerischen Anwaltes (Fachanwalt für Straftrecht) in einer Urheberrechtssache.

Er ist der lustigen Meinung ich müßte jetzt erstmal ein Schreiben des Kunden, bei dem sein Mandant (eine Art regionaler Zweckverband) das Bild geklaut hat, vorlegen, in dem deren Rechtsabteilung bestätigt, daß ich überhaupt Nutzungsrechte an dem Bild habe.
„Nach unseren Informationen ist Ihr Mandat aber nicht mehr der Rechteinhaber an diesem Foto (…) sondern die „Zeitung XYZ“, in der das Foto von ihrem Mandanten zuerst veröffentlicht wurde.“
Rechtsgrundlage für die super Idee, daß ich keinerlei Rechte an dem Bild habe, sind für ihn die AGB meines Kunden „Zeitung XYZ“.
Und um die Stimmung hier endgültig an die Decke zu bringen führt er noch aus, daß der von der „Zeitung XYZ“ am Bild angebrachte Urhebernachweis (Foto: Sascha Rheker) nichts bedeute:
„Auch der Zusatz im Untertitel des Bildes mit dem Namen ihren Mandanten in der „Zeitung XYZ“ bedeutet rechtlich nicht den Nachweis der Rechte an dem Bild.“
Als Strafrechtler wirbt er sicher mit „Gefängnisse voller zufriedener Mandanten beweisen meinen Erfolg!“

Experiment oder schönes Leben ohne Geld und Steuern

Ja, ich weiß: Ich bin ein Spielverderber.

Viele Menschen (und auch Fotografen) finden es toll, was Shantanu Starick macht. Der zieht als Fotograf ohne Geld durch die Welt und läßt sich von Mensche, für die er arbeitet, in Naturalien bezahlen.

http://www.zeit.de/2014/45/fotograf-shantanu-starick-tausch

Wer das Interview in der Zeit liest, der kann da erfahren, daß Starick, das für „ein mehrjähriges anthropologisches Experiment“ hält. Und irgendwie klingt das auch alles super cool, harmonisch und unheimlich sozial statt kapitalistisch. Wenn er z.B. erklärt

„Geld beeinflusst, wie Menschen miteinander umgehen. In Freundschaften spielt es bestenfalls keine Rolle. Indem ich es weglasse, begegne ich meinen Tauschpartnern auf freundschaftlicher Ebene.“

Aber wenn man es mal ganz nüchtern aus der Sicht von John Harrington sieht

http://photobusinessforum.blogspot.de/2015/01/the-liability-of-bartering-for.html

dann kann man das ganze eben auch schlicht als Arbeiten an der Steuer vorbei sehen. Denn alles was er von seinen Auftraggebern bekommt, würde auch das deutsche Finanzamt als eine Art „geldwerten Vorteil“ sehen, den man versteuern müßte, sonst ist es Schwarzarbeit.

Zudem unterstützen die „Gastgeber“ ihn auch nicht einfach bei „seinem Projekt“, man kann ihn, wenn ich das auf seiner Homepage richtig vrstehe, auch als Fotografen für die Hochzeit buchen. Und auch Hotels scheinen ihn für ein paar Tage „bei sich wohnen“ und er fotografiert denen neue Werbefotos.

Und spätestens, wenn er schildert, daß eine australische Firma für die er öfter „auf freundschaftlicher Ebene“ gearbeitet hat, ihm als ein „Gastgeber“ ausfällt, die Unterkunft und Essen gezahlt hat und sich damit ein Guthaben erworben hat, da wirkt das alles sonderbar.

„Eine australische Firma, mit der ich schon öfter gehandelt hatte (sprang da ein). Sie buchten mir ein Zimmer und übernahmen die Kosten, damit ich nicht im Freien schlafen musste. Meine „Schulden“ arbeitete ich zu einem späteren Zeitpunkt ab.“

Drei Tage irgendwo wohnen und sich den kompletten Lebensunterhalt bezahlen lassen, das ist schon eine durchaus relevante „Bezahlung“ für einen Fotojob. Und Starick führt, ja im Interview am Beispiel eines Mannes, der ihn für einen Couch-Surfer hielt, auch aus, daß er mit einem Schlafplatz nicht zufrieden ist und dann Forderungen stellt:

„Ich musste ihm erklären, dass es mit dem Schlafplatz nicht getan ist. Dass ich eigentlich mehr als eine Mahlzeit am Tag brauche und dass es nett wäre, wenn er mir eine Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen würde. “

Irgendwie erscheint das „Leben ohne Geld“ dann doch nicht mehr so sehr als Experiment bei dem man Menschen auf einer freundschaftlichen Basis begegnet. Und er spricht ja auch vom Handeln.

Eigentlich wird Geld hier nur durch Sachleistungen ersetzt und da stellt sich dann schon die Frage, ob das versteuert wird oder werden müßte.

Ich kann mir von meinen Kunden ja auch nicht Autos und Freßkörbe schenken lassen und das Finanzamt hört nie wieder von mir, bei Einnahmen aus oder im Ausland kommen keine spannenden Formulare mehr, weil aus meiner freiberuflichen Tätigkeit ein Experiment geworden ist, da obendrein eine schicke Marketingmaßnahme ist.

Nüchtern betrachtet…

Perfidere Bilderdiebe

Wer meint, Leute die Bilder einfach so nutzen sind schlimm, der kennt noch nicht die Fotografen, die anderer Fotografen Bilder als ihre ausgeben und damit Werbung für sich machen:

http://stopstealingphotos.tumblr.com

und auch noch nicht jene Zeitgenossen, die mit anderer Leute Bilder Fotowettbewerbe gewinnen:

http://imageandview.com/notes1/how-a-stolen-photo-became-a-contest-winner/

 

Das ist alles noch eine Nummer dreister und widerlicher als das, was man so gewohnt ist.

Sind das in der MFM Liste eigentlich Phantasiepreise?

Etwas, daß man immer wieder hört ist, daß die Preise in der MFM-Liste ja schön klingen würden, daß die aber eh niemand „irgendwann jemals nicht“ bezahlt habe.  Denn dabei handle es sich um irgendwelche Phantasiepreise, die sich irgendwelche elitären Träumer ausdenken, die in irgendwelchen Elfenbeintürmen sitzen und von der Realität im Markt keine Ahnung haben.

Dazu hier ein Zitat einer Kollegin, das vielleicht für ein wenig Aufklärung sorgt:

“ …ach ja, für alle, die nicht wissen, wie die MFM jährlich entsteht: es werden von DJV-, Freelens-, ver.di-, BVPA-Mitgliedern und weiteren Bildverkäufern die marktüblichen Honorare zusammengetragen und dann Anfang des Folgejahres veröffentlicht. Würden diese Honorare nicht gezahlt, dann würden sie im Umkehrschluss nicht in der MFM stehen.“

Wie die Preise in der MFM-Liste zustande kommen, kann man übrigens auch in der Liste (eigentlich ist es ja ein Heft mit dem Titel „Bildhonorare“) selbst nachlesen, wenn man denn eine hat. Die kann man ganz einfach bestellen und zwar hier. Und eigentlich sollte das Ding Pflichtausstattung für jeden sein, der professionell fotografiert, denn schon nach einmal „nicht über den Tisch gezogen werden“ hat man die 33,- € wieder drin…

Wir präsentieren: 1LIVE, Coldplay, Lady Gaga und die Fotografen

Nein, ich empfinde das hier nicht wirklich als eine hilfreiche Form der Solidarität:

http://www.einslive.de/musik/extras/2012/09/120905_konzertfotografie.jsp

Es ist ja nett, daß man bei 1LIVE diese Sache nicht totschweigt und man das zum Thema macht.

Das war’s dann aber auch schon. Stattdessen man sollte auch die eigene Rolle bitte mal kritisch hinterfragen!

„Es hat schon Boykotte von Bildjournalisten gegeben. Die bringen aber tatsächlich nur dann etwas, wenn auch wirklich alle mitmachen. Unterschreibt nur ein Fotograf einen Vertrag, kann er seine Bilder an alle Redaktionen verkaufen. Er macht dann das Geld und alle anderen gehen leer aus.“

Ja, was gibt es unter Fotografen doch für Kollegenschweine. Keine Frage.

Aber was ist denn mit all den anderen Journalisten, die sich im Vorfeld zu willigen Handlangern machen lassen, die das Konzert „präsentieren“, als Zeitungen und Radiosender mit auf den Werbeplakaten für das Konzert stehen, als Medienpartner ordentlich die Werbetrommel vor dem Konzert rühren und wo im Nachhinein jedes Konzert immer megahammergeil ist und man weniger darüber berichtet, ob der Künstler überhaupt singen kann, sondern es vor allem darum geht, daß 2 Hörer/Leser dem Künstler nach einer Verlosung mal auf einem Flur „Guten Abend“ sagen durften.

Immerhin steht da bei 1LIVE schließlich gleich im ersten und zweiten Satz: Am (…)  haben in Köln gleich zwei Konzert-Highlights stattgefunden. Lady Gaga und Coldplay – präsentiert von 1LIVE.“  dann frage ich mich, ob die nicht vielleicht auch mal (gerade als öffentlich rechtlicher Sender für den ich als Fotograf GEZ Gebühren zahlen muß, weil mein Computer und ich das Internet benutzen) über ihre „Medienpartnerschaften“ nachdenken sollten.

Die haben im Vorfeld brav Werbung für die Dame und die Herren gemacht, ihre Schuldigkeit getan und damit mitgeholfen, daß die dank ausreichender Vorberichterstattung auf jede andere Form der Berichterstattung gerne verzichten können.

 

Die MFM-Liste (Umsonst oder kostenlos Teil 7)

Die sogenannte MFM-Liste ist ein Katalog mit Honorarempfehlungen, herausgegeben von und zu beziehen bei der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing. (Es gibt wohl Auszüge der Liste über irgendein Webarchiv auf alten Seiten von Hamburg-Dia (oder so), diese Preise sind aber nicht mehr up to date.) Die Preise orientieren sich nach Art der Nutzung (Medium), Nutzungsdauer, Druckgröße, Auflage etc.

Da steht dann z.B. zu lesen, daß ein Foto in einer Tageszeitung mindestens 45,- € kosten sollte und so weiter und so fort.

Diese Liste ist ein guter Ausgangs- und Orientierungspunkt für Preisfindung und Preisverhandlungen. Wenn nicht unzählige Fotografen im Glauben leben würden, daß es Preise eh nur 50% unter der MFM-Liste geben kann, darf, sollte. Und daß die MFM-Listen-Preise „Mondpreise“ seien, wird an allen Orten gerne und häufig von Fotografen propagiert und gerne wird noch darauf verwiesen, daß das etwas sei, das jeder wisse, der sich auskennt.

Aha!

Jeder der sich wirklich auskennt weiß, daß die MFM eine Grundlage ist von der aus man sich in beide Richtungen bewegen kann.

Auch wenn sich zahllose Fotografen, immerzu gegenseitig versichern, daß man niemals nicht ein Honorar in der Nähe der MFM-Preise bekommen könne und man unbedingt gleich von sich aus deutlich weniger fordern solle, müsse, dürfe… (das natürlich vorzugsweise in einem weinerlichen Ton, so als wüßte man nicht wer da nun eigentlich Schuld dran sei).

Das ganze ist nur ein weiteres schönes Beispiel, wie sich Fotografen völlig sinnlos selbst gegenseitig eine Preisspirale nach unten basteln, ohne, daß irgendein Kunde jemals feilschen mußte.

Und, daß noch kein Kunde, dem der Fotograf von sich aus einen Nachlaß angeboten hat „Nein, ich will mehr bezahlen als sie haben wollen!“ gesagt hat und daß viele Kunden nach Jahren der freiwilligen Nachlässe durch Fotografen irgendwie denken, daß die MFM-Preise Mondpreise sein müssen, weil das ja noch nie einer gefordert hat; das ist natürlich der ultimative Beweis, daß die MFM-Preise wirklich zu hoch angesetzt sind und man besser mal drüber nachdenken sollte, ob man nicht statt mit 50%-MFM gleich mit 30% anbietet.

Fotografen brauchen garkeine bösen Monsterkapitalismus-Kunden, die sie ausbeuten würden. Das erledigen die Dümmeren unter den Fotografen gleich selbst mit, aber natürlich nicht, ohne sich dabei noch irgendwie besonders clever zu fühlen oder ersatzweise auf irgendwen zu schimpfen, der Schuld dran hat.